#21
Die Gedanken waren so dunkel, wie das Getränk in dem wohlgefallenen Kristallglas in seiner Hand. Immer wieder schwenkte der Admiral jenes Gefäß, um die sich bewegende Flüssigkeit darin zu betrachten, doch er trank keinen einzigen Schluck. Nur der bittersüße Duft tanzte zu seiner Nase herauf. Ein Duft, der die trüben Gedanken nicht vertreiben konnte aber dazu einlud, sich für einen Moment weniger mit diesen beschäftigen zu müssen, da eine angenehme Taubheit einsetzen würde. Mit einem Donner setzte Vaash vor sich auf dem Tisch ab. Nicht heute, nicht mehr, wenn das Schicksal sich zeigen wollte und ein Opfer verlangte, wie es die alten Legenden und Mythen beschrieben. Niemand entkam dem Tribut an das Schicksal. Vaash glaubte sich in einer solchen Legende, da das Schicksal sich in vielerlei Dingen zeigte; allen voran in diesem abartigen Teufel, der seine Seele als Faustpfand besaß. Vaash wollte fliehen, doch sein Stolz und sein Herz hielten ihn hier, denn alles, was er tat, würde auf seine Familie durchschlagen, so glaubte er. Nicht nur die Geschichte beurteilte ihn, sondern auch dieser Teufel und sein inzwischen verdorbenes und verfaulendes Reich, dass nach mordlustiger Verwesung roch. Er vermisste die Augenblicke, wo sich ein Kampf lohnte, wo sich ein Sieg erreichbar zeigte und wertvoll war aber ein Sieg in dieser Zeit war so leer, wie jede Hoffnung auf eine tiefere Bedeutung gegenüber dem Schicksal. Alles war verloren, längst aufgegeben zwischen den Konflikten, den Weltanschauungen und dem elenden Hass, der selbst jenes Fundament der Gesellschaft zerriss.

Dieses Fundament war es, was Vaash retten wollte, nicht um seiner selbst willen, sondern für seine Familie, die zerrissen war, wie die Galaxis. Seine Tochter Lucrezia redete kein Wort mehr mit ihm, seitdem Tag, als er erneut die Uniform angezogen hatte und bestrafte ihn damit, dass sie für das Imperium an einem geheimen Ort arbeitete. Inzwischen war sie angesehenen Wissenschaftlerin der Bio-Chemie. Er konnte nicht wissen, dass sie an der Vernichtung von jenem Fundament arbeitete, welches Vaash zu schützen glaubte und es dies tat, um ihren Vater zu retten, denn je früher der Krieg endete und jede Möglichkeit für einen Krieg unmöglich war, so konnte ihr Vater endlich die Uniform ausziehen. Lucrezia sprach deshalb nicht mehr mit ihm aber er konnte dies nicht wissen. Das Schicksal forderte seinen Tribut und jede Handlung sowie Verfehlung hatte ihre Konsequenz, denn alles, was Vaash tat, infzierte früher oder später alle um ihn herum. Seine geschiedene Frau schrieb ihm gelegentlich aber konnte diese frostige Kälte nicht ertragen, die Vaash umfing, wenn er erneut in den Krieg ziehen musste. Sie konnt es nicht mehr aushalten, wie gleichgültig er einfach loszog und seine Familie zurückließ aber beide Menschen verband noch immer ein Band aus Liebe und Hoffnung, dass dieser Krieg vielleicht einfach enden würde. Sie wollte, dass ihr Tiberius einfach nach Hause kam aber sie konnte nicht mehr warten und lebte nun im Kern auf einer ihm unbekannten Welt, fast so, als ob er nie nach Hause kommen dürfe. Sein Aurelius ist in den Imperialen Geheimdienst aufgenommen worden und wurde ihm unbekannten Aufgaben zugeteilt, über die er selbstverständlich nicht einmal mit seinem Vater sprechen konnte. Warum gerade er? Es ergab keinen Sinn, dass ein feinfühliger Mensch, wie sein Sohn, sich Isards Terrorapparat anschloss und dies wissentlich. Dies schmerzte den alten Admiral, der seine Kinder nicht mehr verstand. Was hatte Isard damit zu tun? Sie musste etwas damit zutun haben. Doch sein Sohn machte keine Auskünfte dazu, sondern arbeitete zumindest sicher von Coruscant aus. Wenigstens sprachen sie gelegentlich. Dieser Krieg hatte ihm jede klare Absicht vernebelt, jede klare Entscheidung unwegbar gemacht und alles in diesem dunklen Dunst verschleiert, dass nichts mehr wirklich Sinn ergab.

War dies der Wahnsinn, der Abgrund, den ein Offizier eines Tages betreten musste? War es das Grauen dieser einsamen Stille, das ihn jetzt heimsuchte, um ihn dafür zu bestrafen, dass er die Galaxis einem Teufel ausgeliefert hatte, in der dummen und naiven Hoffnung, dass er alles ordnen würde und das Imperium siegen würde? Welches Imperium? Ein Imperium, welches jegliche Absicht deutlich gemacht hatte, alles brennen zu lassen, nur um nicht zu vergehen oder vielleicht um zu strafen? Schwer war es für Vaash klare Vorstellungen von Richtig oder Falsch zu entwickeln, denn es gab sie einfach nicht mehr für ihn, denn alles vernebelt durch diese stolze Vernunft, einfach weiter zu machen, damit wenigstens etwas vor der Geschichte und seiner Familie blieb; ein wenig Gesellschaft und Zivilsation. Doch Vaash fürchtete längst, dass nichts bleiben würde und er seine Seite im Untergang gewählt hatte, der früher oder später über sie alle hereinbrechen würde, egal, was er nun wollte und sich erhoffte. Selbst seine Familie war verwickelt und verfangen in diesem verdammten Imperium, dass noch immer (und fälschlicherweise) Weisheit in einem Krieg sah, der von Anfang an verloren war, als Alderaan vernichtet wurde. Alderaan, ein Moment, der Tiberius Vaash sehr wohl bewusst war, doch stets hatte er den Gedanken verdrängt, dass Abermilliarden von Menschen aufschrien und vergingen. Eine Welt der Hochkultur, ein Zentrum der Geschichte und Zivilisation, einfach vernichtet, aus einer militärischen und politischen Erwägung, einer kalten und bösartigen Erwägung, dass dies den Frieden in der Galaxis sichern würde, denn Angst und Terror sollten das Band sein, welches einen Krieg unmöglich machte. Eine Narretei, die selbst Vaash einsah und längst hatte er Tränen in seinen Augen, die sich nicht zeigen wollten aber sie waren dort. All die Toten für ein Imperium, welches niemanden mehr wirklich verband, sondern Welten hinabriss, in einen Schlund aus Fanatismus und Gewalt. Tiberius Vaash stand für eine bürgerliche Ordnung, wollte die Welten vor Verbrechen und Chaos bewahren, und doch brachte er nun selbst jenes Verbrechen und Chaos. Doch sein Stolz verbot diese Erkenntnis zu akzeptieren, hinterließ nur diesen kalten Gruß der verzweifelten Hoffnung, dass es ein Danach, einen Neuanfang in einer möglicherweise erneut geeinten Galaxis geben würde; aber womöglich keinen Neuanfang für sich, denn Vaash wusste, dass ihn der Galgen erwarten würde, denn das Imperium hatte ihn berufen und der Teufel griff nach allem, was noch von seinem Selbst geblieben war, denn er brauchte seine Fähigkeiten, seine verteufelten Fähigkeiten, auf die er nun spuckte und mit einem Satz flog ein Speicheltropfen in das Glas mit der braun-dunklen Flüssigkeit. Hätte er seinen Stolz begraben, hätte er seinen Wunsch nach einem Sieg begraben, denn wäre diese Albtraum endlich vorbei aber der Albtraum hielt ihn fest gefangen, denn alles woran Vaash noch glauben wollte, war ein Immer-Weiter, damit wenigstens etwas blieb, was er beeinflussen konnte, wenn auch nicht zum Guten, somit hatte der einst stolze Imperiale, der einen Traum von einer geeinten, gesetzestreuen und sicheren Galaxis gehabt hatte, zumindest vor der Geschichte seinen Platz, damit seine Kinder diesen nicht mehr einnehmen mussten. Diese Hölle gehörte ihm vorerst allein und verwehrte jedem anderen den Zugang, um andere bessere Seelen zu retten.

In diesem Augenblick trat Cassio Acchetia ein. Vaash blickte mit glasigen Augen auf. Er war der Erste. "Sie sind der Erste," stellte Vaash mit krauchender Stimme fest. Eine Feststellung. Ein bitteres Schmunzeln legte sich auf die Lippen des alten Raumbären. Er musterte den Vizeadmiral und man konnte ihm ansehen, dass ein großes Gewicht auf seiner Seele lag, denn Vaash sah so etwas, als guter Anführer musste man dies sehen. Doch Acchetia war bereits mit Vaash in der Hölle angekommen, jeder auf seine Weise und doch waren sie Genossen des trostlosen Augenblicks und Vaash musste ihm dem Zugang zur Hölle nicht mehr verwehren, denn beide hatten längst gewählt, indem sie einfach weiter machten. "Der Appetit kommt eventuell, Acchetia. Mit etwas Glück...," versuchte Tiberius Vaash einen fürsorglichen Eindruck zu machen. "Entschuldigung akzeptiert," nahm er die Entschuldigung an und deutete auf den freien Stuhl neben sich, der bereits von einem Droiden zurückgezogen wurde. Der Droide wirkte poliert und trug auf seinem Metallarm ein edles Serviertuch. "Ihr Platz, Sir," sagte die Droidenstimme, wobei sich die Maschine leicht verbeugte, um eine Demutsgeste zu zeigen. "Schlechte Neuigkeiten sind in diesen Tagen nichts Ungewöhnliches. Darf ich fragen, was sie derartig betroffen hat?" Eine Frage, die Vaash vorsichtig stellte, indem er seine Stimme absenkte und den aufrichtig-festen Blickkontakt zum Vizeadmiral suchte, was sich als schwerlich erwies, da Acchetia den Blick nicht erwiederte. Ein wenig Menschlichkeit wollte er sich leisten, bevor er die noch schrecklicheren Optionen offenbarte, die sie als Kommandoebene erwarten würde. Zum Glück blieb noch Zeit dafür, da diese kriegswütige Sloane noch nicht eingetroffen war, so dass Zeit für diese sensiblen Zwischentöne blieb.
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#22
Es war schwierig festzustellen, was es bedeutete in all diesem Wahnsinn überhaupt weiterhin Mensch zu sein. Im Guten wie im Schlechten. Es war so viel einfacher, keiner sein zu wollen. Und doch war es schwierig, keiner sein zu können. Die Maschine bekam Risse, mehr und mehr. Der harte Schutzpanzer, der so viel erleichtern sollte. Nein, nicht nur sollte… er hatte es auch. Aber es war unklar, wie es möglich sein sollte, ihn in dieser Situation weiterhin tauglich als Schild zu verwenden.

Cassio atmete tief durch, als Admiral Vaash auf den einen freien Stuhl deutete. Anders als der Admiral dachte, hatte Glück damit nichts zu tun. Ihm war der Appetit vergangen. Irgendwann mochte der Hunger so weit Überhand nehmen, dass das keine Rolle mehr spielte und es zur freudlosen Notwendigkeit wurde, doch dieser Moment war nicht jetzt. Womöglich im Laufe des Abends. Oder im Verlauf des morgigen. Wer wusste das schon. Dennoch trat Cassio an den ihm dargebotenen Stuhl am Tisch heran, den Droiden an seiner Seite völlig ignorierend. Er nahm jedoch zunächst noch nicht Platz, stattdessen stützte er sich mit beiden Händen nach vorne gebeugt auf dem Tisch ab, den Blick eisern auf die Tischplatte gerichtet. Der Tonfall des Admirals war ihm nicht entgangen. Abscheulich. Ein weiterer Stich in die Wunde. Die Maschine wollte nicht umsorgt werden, sie wollte kein Mitleid, kein Verständnis. Sie hatte zu funktionieren, von selbst. Es war der denkbar schlechteste Augenblick für dieses Treffen. Cassio wusste um seine offene Flanke – und alles und jeder würde damit seine gesamte Schlachtordnung aufräumen können, ehe die Lücken wieder geschlossen werden konnten.

Dann jedoch geschah etwas Unerwartetes. Jemand… bot Verstärkung an. Cassios Blick hob sich zunächst nur ein marginales Stück von der Tischplatte an, noch nicht auf den Admiral gerichtet. Irgendetwas passierte dabei aber merklich in Cassios Gesicht, wenngleich zunächst nicht klar schien, was es war. Nur einen kurzen Moment hoben sich seine Augen weiter an, umfassten das Gesicht von Tiberius Vaash in diesem Moment. Der alte Mann. Er hatte seinen Blick offenbar durchgehend auf ihm gehabt. Ein kurzes, wortloses Nicken Cassios. Doch nach einem Augenblick war seine erste Reaktion eine andere.
„Raus“, befahl er nämlich den Droiden in den Raum hinein, durchaus lautstark, sie geradezu anherrschend, beinahe so als hätte er selbstverständlich die Befehlsgewalt über diese inne. Diese ließen anfänglich etwas irritiert von ihren Tätigkeiten ab und drehten ihre Rezeptoren zuerst auf Cassio, dann auf Admiral Vaash. Als keine Widerrede hierzu kam, brauste ein Droide nach dem anderen schließlich aus dem Raum heraus. Die Tür schloss sich zischend, für den Moment. Es dauerte im Anschluss einige Atemzüge lang, ehe Cassio sich nach dem Abklingen des Zischens der Türe wieder bewegte, sich gesammelt hatte, um das heikle Thema anzusprechen. Er musste jetzt äußerst aufpassen, nicht etwas Falsches zu sagen – so hatte er kein Interesse daran, dass irgendein Droide hiervon gegebenenfalls noch etwas aufschnappte und im Speicher sicherte, um später ausgelesen zu werden. Deren Anwesenheit war daher unerwünscht gewesen. Paranoia womöglich – doch das war etwas, das man sich durch die Dienstzeit im Imperialen Zentrum wohl notwendigerweise allmählich aneignete.
„Familie“, antwortete er zunächst nur bitter. Er spürte, wie seine Zähne übereinander mahlten in Frustration. Cassio wusste von früher, dass der Admiral selbst Familie und Kinder hatte, wenn er auch mit diesem seiner Erinnerung nach nie selbst darüber gesprochen hatte. Allerdings, soweit sich insoweit nichts geändert hatte, keines davon unmittelbar bedroht, direkt in den Krieg ziehen zu müssen. Dennoch verstand er vermutlich Dinge deswegen anders als eine Einzelgängerin wie Sloane. Er klopfte einmal mit den Fingerknochen gegen die Tischplatte, nicht fest allerdings.
„Meine Tochter hat sich für Anaxes eingeschrieben.“
Er schnaubte kurz, als würde ihn dieser Fakt amüsieren – was es, vielleicht, in gewisser Hinsicht sogar tat, weil er es in dieser Situation schlichtweg als absurd empfand. Aber nachdem Vaash bereits zuletzt eine zuvor nicht vorhandene zynische Ader bei Cassio entdeckt hatte, war für ihn wohl nicht überraschend, dass es stattdessen mehr in eben diese Richtung abdriftete.
„Obwohl ich es verboten hatte. Man könnte meinen, sie möchte unbedingt den Heldentod sterben, solange es noch Gelegenheit dazu gibt.“
Wenigstens würde eine leichte Sehschwäche auf einem Auge wohl dazu führen, dass sie nicht für die Piloten in Betracht kam. Hier sah man in letzter Zeit den größten Absturz der Überlebensrate, vermutlich aus dem Grund heraus, dass die Anforderungen an das Bestehen der Flugschulen drastisch reduziert werden mussten. Doch ob man andererseits alternative Verwendungen wirklich als sicherer ansehen konnte, war fraglich. Sein Mund veränderte sich etwas, als müsse er etwas ausspucken.
„Dieses…“
Er stoppte im Satz noch einmal, musste dann aber den Kopf schütteln und schien es doch nicht zurückhalten zu können.
„Dieses dumme Kind“, fuhr er dann also unverblümt fort, wobei seine Derbheit durch einen verbitterten Tonfall zumindest ein wenig relativiert werden konnte. Es schien ihn mehr zu ärgern, dass sie diese Entscheidung getroffen hatte, als es wortwörtlich zu meinen. Aus dem Grund senkte er seinen Blick auch wieder vollständig in Richtung der Tischplatte, beugte sich weiter nach vorne und stützte sich nun mit beiden Unterarmen auf den Tisch. Eine Weile verblieb er so in dieser Position, gedankenverloren. Dann schloss er kurz die Augen. Er war Militär. Er war eigentlich dafür bekannt, sich keine politischen Entscheidungen anzumaßen oder diese zu bewerten. Doch vielleicht war es keine Überraschung, dass es, hier und jetzt, in dieser Situation einmal anders war. Sein Blick hob sich zu dem älteren Offizier, seinem Vorgesetzten bis auf Weiteres, an, die Augenbrauen in einen strengen Gesichtsausdruck angewinkelt.
„Vaash“, begann er langsam. „Meinen Sie, es ist langsam an der Zeit, Schluss zu machen? Solange wir überhaupt noch so etwas wie eine Verhandlungsbasis gegenüber dem Feind besitzen?“
Einen kurzen Moment fielen seine Augen wieder ab, als er einen Gedanken fasste und ihn sortierte. Dann erneut richteten sich die Augen wieder auf den Admiral.
„Oder haben wir diesen Zeitpunkt bereits verpasst?“
Manche Wege war man schon so weit gegangen, dass ein Umkehren nicht mehr in Frage kam, vielleicht auch schlechterdings einfach nicht mehr möglich war, selbst wenn er in den Abgrund zu führen schien. Die Frage war, selbst wenn die Rebellen sich auf einen Waffenstillstand einlassen würden – wer wäre aus imperialer Sicht überhaupt berechtigt, einen solchen auszuhandeln? Zweifellos der Imperator selbst und doch schien es nur schwer vorstellbar, dass die Rebellion einen Frieden unter seiner Prämisse überhaupt aushandeln würde, wenn man insbesondere die Vorkommnisse der letzten Monate bedachte. Die Exekution von Kriegsgefangenen, die auch noch von Ishin-Il-Raz geradezu zelebriert worden war, dürfte kaum dazu führen, dass ein Frieden mit der aktuellen imperialen Regierung noch möglich war oder allenfalls unter Übergabe und anschließender Strafverfolgung eben dieser Regierung wegen Kriegsverbrechen. Das machte aber den Anreiz für diese, einen Frieden zu schließen, sicherlich nicht gerade attraktiv. Und die Folge daraus war: Es gab nur die Möglichkeit eines totalen Sieges und parallel dazu der totalen Niederlage einer der beiden Kriegsparteien. Das war nun aus imperialer Perspektive sicherlich nichts Neues: Natürlich war die vollständige und nachhaltige Zerschlagung aller aufständischen Elemente immer schon als Maßgabe für das Ende des Krieges ausgegeben worden. Und doch waren diese Kriegsziele in anderen Zeiten festgelegt worden. Wahrscheinlich sprengte eine Anpassung eben dieser Ziele aber auch das Imperium auseinander, das aktuell der Kampf gegen die Rebellen und das Versprechen der Sicherheit in einer vereinten Galaxis zusammenhielt. Wenn es das nicht mehr gab, was hatte das Imperium den Bürgern noch anzubieten? Allein, es war Aufgabe der Politiker, dieses Problem im Sinne des Imperiums lösbar zu machen. Wenn nicht noch ein Wunder geschah, war die Vorstellung vom vollständigen Sieg gegen die Rebellen militärisch nicht mehr haltbar, so sie das – rückblickend betrachtet – überhaupt einmal gewesen war. Spielte das aber aktuell überhaupt für die Entscheidungsträger eine Rolle? Niemand wusste es.
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#23
Waren sie alle nur Puppen in einem seltsamen Theater, einer göttlichen Komödie, die sie am Ende alle verdammen würde? Vaash hörte aufmerksam zu, wollte die wahren Worte von Acchetia nicht durch eine direkte Sprache zerbrechen. Dieser Moment gebot der Menschlichkeit, jenem Rest an Würde, welche er noch besaß. Ein ähnliches Schicksal zeichnete sich ab, denn auch dieser Mann, der so scheinbar herzlos ganze Flotten am Kartentisch bewegt hatte, hatte ein Herz und dies schlug sogar menschlich. Hatten sie als Puppen überhaupt Herzen verdient? Vaash unterbrach Acchetia nicht, nicht einmal, als dieser offen Emotionen zeigte und seine Tochter als dummes Kind bezeichnete. Die Augen des alten Mannes lag ruhig auf dem etwas jüngeren Offizier; aufmerksam und fürsorglich waren sie. Vaash nickte, als Acchetia die emotionale Frage mit einer anderen Frage verknüpfte, die auch ihn als Flottenadmiral beschäftigte. Vielleicht sogar jeden Imperialen, der noch etwas Verstand und Herz besaß. Dieser Krieg hatte sich endgültig verselbstständigt und war jeder Kontrolle entzogen. Es gab keinen echten Schluss und längst hingen sie alle an jenen Fäden des Schicksals, die sich manchmal auch in Gestalt von Imperatoren zeigten.

"Hören Sie," begann Vaash vorsichtig nach Worten fischend, um seinem Kameraden, denn inzwischen war auch Acchetia ein Kamerad für den alten Raumbären, der sich um jeden Menschen unter seinem Kommando kümmerte. Zu gut verstand er die Probleme des Vizeadmirals. Sein eigener Sohn war in den Appart von Isard geraten und seine Tochter war scheinbar - durch falschen Eifer - in ein ihm unbekanntes imperiales Projekt verstrickt, und genau dies war selten etwas Gutes.

"Kinder treffen eigene Entscheidungen. Sie sind eigenständige Personen und wir können nur hoffen, dass wir ihnen genug an Anstand, Verstand und Vernunft mitgegeben haben, dass sie gute Entscheidungen treffen. So leidlich und schmerzlich dies für uns Väter ist, so ist es auch wichtig, dass unsere Kinder die Freiheit haben, zu entscheiden und Entscheidungen zu treffen ist wahrscheinlich das einzige, was uns an echter Macht geblieben ist," erklärte Tiberius Vaash langsam und versuchte die Worte sanft abzuwägen, da ihm sehr wohl bewusst war, dass er damit auch zugab, dass er keinerlei Einflussmöglichkeit auf die Leben seiner eigenen Kinder mehr hatte. Er hatte resignieren müssen, auch wenn er immer noch hoffte und Möglichkeiten suchte, doch musste er auch akzeptieren, dass er die Freiheit seiner Kinder nicht beschränken konnte, um nicht jener Tyrann zu sein, der jegliche Entwicklung abwürgte, denn dafür liebte er seine Familie zu sehr. "Wir können ab einem gewissen Alter nur Vorbilder sein und Verbote führen nicht immer zum gewünschten Ergebnis," meinte Vaash, der als Vater sicherlich verloren hatte.

"Ich verstehe ihren Gedanken, dass sie ihre Tochter aus den aktiven Kämpfen heraushalten wollen und sich auf Anaxes einzuschreiben, erhöht deutlich ihre Wahrscheinlichkeit an einer Front als Offizier zu landen. Gerade jetzt werden Tausende von schlecht ausgebildeten Offizieren aus den Akademien an die Front geworfen. Ich selbst habe erst gestern zwei Listen von Frischlingen abgenommen, echte Rookies, ohne taktische Tiefe und tieferes Verständnis, sondern mit militärischen Basiswissen und einem starken dogmatischen und hierachischen Drill. Die Ausbildungspraxis hat sich verändert, scheinbar ist der Fokus auf schnelle Einsatzfähigkeit gerichtet worden aber ich schwenke vom eigentlichen Thema ab, dass ihre Tochter diese Entscheidung sicherlich frei getroffen hat und vermutlich einem Vorbild nacheifert," meinte er und tippte nervös mit seinen Fingerspitzen drei mal auf die Tischkante, denn sein Stuhl wurde unbequem und ihm wurde klar, dass auch sie Verantwortung trugen.

"Unsere Taten spiegeln sich auch in unsere Familien. Wir sind nun einmal Offiziere und das Echo unserer Entscheidung beeinflusst auch unsere Kinder und je nach Vorbild oder Nicht-Vorbild trafen sie eigene Entscheidungen."

Vaash räusperte sich, da ihm dieser Gedanke missfiel und es schmerzlich war, zu wissen, dass seine Kinder ihn als Kriegstreiber sehen mussten. Sein Sohn und seine Tochter waren klug und nicht anfällig für Dogmen, so dass es sehr wahrscheinlich war, dass diese Heroisierung seiner Person das genaue Gegenteil bei seinen Kindern bewirkte und sie Verachtung für ihn empfanden; auch er selbst empfand inzwischen Verachtung für sich selbst, denn trotz all seiner Entscheidungen, hatte sich nichts zum Besseren verändert und er hatte sich nur von einem neuen Imperator verführen lassen, alte Dogmen und den fanatischen Eifer im Untergang zu festigen. Er griff mit seinen Handlungen selbst jenes Konstrukt an, was seine Familie war, denn er hatte sich für einen weiteren Dienst entschieden, aus Stolz und einem merkwürdigen historischen Bewusstsein, das sein latenter Militarismus mitbrachte. Er wollte nicht vor der Geschichte als Feigling gelten und vielleicht dieses Ungemach des Verrats am Kern ausmerzen, indem er den Kern (mit seinem Imperium) umso heftiger verteidigte, auch um den Preis seiner Familie. Diese Erkenntis des eigenen Stolzes hatte Vaash zum Alkohol gebracht aber nicht näher an seine Familie. Er war eine Puppe, die ihre Fäden selbst gezogen hatte und einem tyrannischen Puppenspieler übergeben hatte. Diese Uniform wurde ihm zu warm, so dass er seinen Kragen öffnete und sie einen Spalt aufschwenkte. Die weiße Unteruniform kam zum Vorschein, die auf der Brust ein kleines imperiales Hoheitszeichen trug und eine kleine Beschriftung: Flotte.

Vaash dachte nach, wollte nicht forsch antworten aber Acchetia hatte so bewusst gefragt, dass der Admiral unmittelbar antwortete, und dies mit fester Überzeugung: "Wir haben den Punkt längst verpasst. Alles, was wir getan haben, haben wir getan und wir haben keinerlei Verhandlungbasis mehr. Nicht nach Alderaan. Nicht nach all den weiteren Kriegshandlungen, die ein schnelles Ende versprechen sollten, und auch erstrecht nicht nachdem wir nun auch Terminus ausgelöscht haben. Sie wissen weiterhin, dass Blitzer Harrsk friedliche Agriwelten im Rand angreift und fast willkürlich Welten bombadiert?" Vaash beugte sich leicht vor. Er hustete kurz, da ihm doch allzu deutlich seine Resignation herausgebrochen war und sein Gesicht jene Emotion zeigte. "Welche Verhandlungsbasis sollen wir anbieten? Um was sollen wir verhandeln?" Das wusste Vaash wirklich nicht. In seiner Welt konnte das Imperium nur siegen, Reformen einleiten und irgendwie die galaktische Zivilisation retten oder es musste für all seine Schandtaten untergehen, wie viele Regime vor ihm. Vaash glaubte nicht daran, dass einen Mittelweg gab, etwas, was ihn und auch andere retten würde. Immerhin ging es bei dieser Sache auch um seine Familie, die eng mit dem Imperium verknüpft war. Wollte er sie opfern, um einen brüchigen Frieden zu erzwingen? Auch mit einer neuen Republik würden viele imperiale Dogmatiker, Zentralisten und imperiale Fanatiker einfach weitermachen. Er wusste von jenen Plänen, sich im Tiefkern zu verstecken oder in der unbekannten Galaxis. Er selbst war ja Kommandeur einer einstig dafür vorgesehenen Flotte gewesen. Damals war er noch überzeugter vom imperialen Befehl gewesen und jenen Plänen, denn sie waren mit der Hoffnung verbunden, die Galaxis bürgerlich zu ordnen aber inzwischen musste der einst für den Terror bewusst blinde Vaash erkennen, dass das Imperium Ordnung mit Vernichtung verwechselte. Selbst Alderaan hatte er gehorsam ausgesessen und weiter gedient. Jetzt war es zu spät für ihn, viel zu spät für den Flottenadmiral, der sogar einem Teufel diente, der alles forderte, was er noch geben konnte: seine Seele.

Vaash war sich recht sicher, dass etwas mit Vesperum nicht stimmte und hier Kräfte wirkten, die sich seiner Betrachtung und seines Verstandes entzogen. Er glaubte eigentlich nicht an die Macht oder irgendeine Religion aber er hatte es selbst erlebt, durch diese Jedi und durch die furchtbaren und albtraumhaften Mächte, die Vesperum beschwören konnte. Er fühlte sich unwohl mit dem Gedanken, dass es wirklich eine Macht geben konnte. Diese Macht hatte tatsächlich einen Teufel hervorgebracht und damit wurde umso klarer, dass es für Vaash ein Schicksal gab aber dieses Schicksal gefiel ihm nicht mehr. Er wollte nicht diese Puppe sein aber war es wohl geworden. Dieses kalte Gefühl beschlich ihn, als er an Vesperum dachte. Schnell schloss er seine Uniformjacke wieder. Er verband diesen Frost stets mit Vesperum und es war fast so, als ob er ihn beschworen hatte. Unmerklich schüttelte er kurz seinen Kopf, um dieses Gefühl zu vertreiben.

"Um ihre Tochter tut es mir leid aber ich kann schauen, dass ich etwas tun kann. Ich habe noch Kontakte," versprach Vaash und meinte dies durchaus ernst. Er kannte aus der alten Garde noch genug Leute und ein paar davon lebten noch. Mit etwas Glück konnte die Tochter von Acchetia zumindest gut unterkommen und würde nicht zwingend in einer Schlacht fallen müssen. Vaash versuchte mit diesem Versprechen Acchetia wieder in den aktuellen Moment zu holen, denn er brauchte ihn jetzt hier und für weitere Entscheidungen. Auch zwang er sich selbst dazu, seine eigene Familie erst einmal zu verdrängen, denn wenn sie jetzt versagten, würde es keine weitere Zeit für Gedanken geben. Diese Situation war zu komplex, um sie nicht sachlich zu betrachten und die eigenen Optionen richtig zu bewerten, auch wenn es für beide Offiziere unter den Umständen nahezu unmöglich war. Auch Vaash hatte ein warmes und schlagendes Herz und genau jenes verdammtes Herz machte dieses Spiel der Entscheidungen so unangenehm und unmöglich. "Doch ich brauche sie jetzt als Offizier. Unsere Lage braucht Entscheidungen und jeder meiner Offiziere muss im Hier und Jetzt sein," ordnete Vaash fast an, obwohl sich seine Stimme nicht in einen Befehlston legte. Er sprach nur aus, was jetzt geboten war, denn bald würden die anderen Offiziere eintreffen und er wusste, dass nicht viel Zeit war. Mit einem Zischen öffnete sich die Tür und Vizeadmiral Sloane trat zackig ein. Sie blieb vor Vaash stehen, der zu ihr aufblickte, aber selbst schwieg.

Sloane grüßte mit abgeschwächter militärischer Haltung.

"Admiral," sagte sie und blickte dann herablassend zu Acchetia, der direkt unter ihr saß, da sie sich bewusst neben seinem Stuhl aufgebaut hatte. Sloane grüßte Acchetia nicht. "Ich dachte, dass ich bereits sehr pünktlich bin aber sie sind ein vorbildlicher Kommandeur, Admiral. Deutlich vor der Zeit und alles vorbereitet. Wo sind eigentlich die Droiden?" Sloane hatte sich bereits ihren Teil gedacht, da man ohne Grund die Droiden nicht fortschickte und war in gewisser Hinsicht neugierig, was die beiden Offiziere wohl hier besprochen hatten. Sie legte ein gewisses süffisantes Grinsen auf und deutete auf einen Platz neben Acchetia. Vaash nickte er militärisch ernst zu aber verlor kein Wort. Sloane nahm dies auf und nahm schwungvoll Platz, sich dabei eine Karaffe mit Wein greifend, um sich direkt im Anschluss einen Becher einzuschenken. Sie war durchaus selbstbewusst.
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#24
Es war schwer zu bestreiten, dass Kinder ihre eigenen Entscheidungen trafen. Und schlussendlich lag darin wohl auch die Notwendigkeit, auch Fehler einzugestehen. Nichtsdestotrotz, es gab Fehler; solche, die vielleicht gemacht werden mussten und die, am Ende, womöglich zur Erwachsenwerdung gehörten – und es gab törichte Fehler. Fehler aufgrund Unwissens, aufgrund von geschönter Propaganda und aufgrund von Menschenfängern, die sich diesem Risiko selbst nie aussetzen würden. Fehler, die das Potential bargen, den eigenen Untergang herbeizuführen. Galt es diese Fehler in gleichem Maße zu akzeptieren? Schwerlich. Zumindest war es ungleich schwieriger, dies zu tun, wenn jemand sehenden Auges eine falsche Entscheidung traf.

Nun war Cassio die Ironie bewusst, dass er selbst in genau diesem Mechanismus diente und andererseits andere Menschen eben jenen Risiken persönlich als Kommandeur aussetzen würde und auch in der Vergangenheit – wenn auch in anderer Form – in ungleich größerer Menge als Stabschef mittelbar ausgesetzt hatte. Das hatte ihn auch schlussendlich auch nicht übermäßig beeinträchtigt, geschweige denn wirklich persönlich berührt und würde es auch weiterhin nicht. Aber das hier war anders, zumindest aus seiner Sicht heraus. Was andere, völlig fremde Menschen mit ihrem Leben anfingen, welche grotesken Entscheidungen sie trafen und wenn sie meinten, die Entscheidung treffen zu müssen, nun für das Imperium zu geben oder, weniger propagandistisch formuliert, es jetzt noch für nichts verschwenden zu wollen, war nicht seine persönliche Verantwortung gewesen. Er fühlte sich in seiner Position nicht als Garant fremden Menschenmaterials für den Krieg. Aber das war es hier jetzt doch anders, oder etwa nicht? Seine Tochter war gerade einmal 18 Jahre alt, ein Kind, mehr oder weniger. Cassio hatte eine durchweg technokratische Herangehensweise an seinen Beruf, aber hier ging es nun nicht mehr lediglich um seinen Beruf. Es war das einzige Kind, das er jemals haben würde. Er hatte seine Frau bereits an das Imperium verloren, hatte keinen Zweifel daran, dass er im anstehenden Kampf gegen die erwartbare Übermacht Grungers früher oder später ebenfalls fallen würde. Irgendwann musste das Opfer auch genug sein. Er hatte nicht vor, dem Moloch restlos alles zu geben, was er hinterlassen hatte. Insbesondere nicht, wenn es keinerlei Nutzen mit sich brachte.

Cassio schüttelte zunächst nur den Kopf, nicht einmal in dem Sinne, dass er den Worten von Admiral Vaash widersprach. Es war mehr eine Verweigerung vor dieser gnadenlosen Realität, dass dieser womöglich einfach Recht hatte und Cassio im Ergebnis auch nichts dagegen tun konnte. Dennoch machte es einen Teil von ihm wütend, dass ein Tiberius Vaash, der selbst Familie hatte, dies so feststellte. So bisslos, kampflos, resigniert. Gerade von ihm hätte Cassio erwartet, in dieser Hinsicht kämpferisch zu sein. Und doch war dies nicht der Fall. Es ließ ihn eine Weile ratlos in Gedanken zurück, dass sein Gegenüber in dieser Form reagierte. Doch nach einer Weile bereits kroch die Realisation aus den Fugen hervor, wissend, dass Tiberius Vaash exakt diesen Prozess, den er selbst gerade durchlebte, vermutlich schon vor vielen Jahren hinter sich gebracht und diese Frage für sich mit Bitterkeit und Frustration beantwortet hatte. Eine Erkenntnis, die schmerzte und auch für sich genommen wiederum nur schwerlich zu akzeptieren war. Aber vermutlich, indes, nichtsdestoweniger wahr sein musste. Vermutlich hatte es diesen dereinst ähnlich emotionalisiert wie nun Cassio, doch zurückgeblieben war nun nur noch der traurige, bedauernde Rumpfkörper eines gescheiterten Familienvaters. Ein Blick in Cassios eigene Zukunft? Oder ohnehin schon längst Realität?
„Wohl wahr“, entgegnete er schließlich nach einer Weile, als Vaash feststellte, dass die Taten des Offiziers sich im Positiven wie im Negativen auch in der eigenen Familie widerspiegelten. Er sah seinen Gegenüber nicht an. Seine Stimme hatte eine sehr bittere Note erhalten, die sich zeitgleich sowohl gegen sich selbst, als auch, durch Vaashs Aussage, natürlich implikativ auch gegen diesen richtete. Ein stummer, nicht ausgesprochener Vorwurf, der auch überhaupt keines Aussprechens bedurfte und dennoch jedem im Raum klar sein musste: Wenn das nun also die Entscheidungen waren, die unsere Kinder auch aufgrund unserer Handlungen getroffen haben, was waren wir dann für Vorbilder?

Schwermütig nahm Cassio schließlich Abstand von seiner über den Tisch gebeugten Position und nahm Platz an dem ihm am nächsten stehenden Stuhl. Eine seltsame Ruhe breitete sich in ihm aus, vielleicht auch befördert dadurch, dass das Thema mehr und mehr fortging von der persönlichen Komponente und sich hin in Richtung des Kriegsgeschehens verlagerte… wenn auch das eine zweifellos in direktem Zusammenhang mit dem anderen zu sehen war. Im Moment mochte Vaash sogar im Grundsatz Recht haben mit seiner Einschätzung. Sie brauchten vielleicht einen spektakulären Sieg, der der Republik vor Augen führte, dass sie bei weitem noch nicht besiegt waren und noch immer zu blutigstem Widerstand willens und fähig waren. Die Mitteilung an ihren Feind, dass eine vollständige Eroberung des Imperiums viel zu kostspielig werden würde, so sie überhaupt gelänge. Das war die Verhandlungsbasis, die Cassio noch sah: das Manövrieren in eine Position, die die Möglichkeit einräumte, den Krieg zumindest nicht zu verlieren, sondern Verhandlungen mit der Republik überhaupt erst zu erzwingen. War das nicht auch der strategische Hintergrund für die Überfälle von Blitzer Harrsk? Die pure Zerstörung war vermutlich kaum der einzige Zweck hierfür, sondern mehr die Etablierung eben genau dieses Narrativs. Hoffentlich jedenfalls, aus Cassios Sicht. Eine Frage von Vaash hierzu war jedoch interessant. Um was ließ sich verhandeln? Interessant vor allem deshalb, weil für Cassio die Antwort so offenkundig auf der Hand zu liegen schien: Um alles, was noch übrig war – solange es das noch war. Für beide Seiten. Die Republik mochte spätestens seit Terminus verstanden haben, dass jeder Vorstoß in Richtung des Kerns massive Vergeltung bedeutete. Es schien nicht vorstellbar, dass diese endlose Zerstörung akzeptieren, sondern auch ab einem gewissen Blutzoll zum Einlenken gezwungen werden konnte. Diese Verhandlungsmasse wurde jedoch nicht stärker, sondern schwächer, von Tag zu Tag schwächer. Was war es also, worauf Vaash damit hinauswollte, wenn er zu erkennen gab, dass ein Frieden nicht in Betracht kam? Einen Krieg, dessen Sieger – unabhängig davon, wer dies am Ende sein mochte – zum Herrscher über die Asche wurde? Ein merkwürdiges Narrativ, dem sich der alte Republikaner ergeben zu haben schien; eines vielmehr, das sich eher in den Jahrgängen Cassios etabliert hatte, den imperialen Aufsteigern, also den Sloanes dieser Zeit, weniger aber in den Köpfen der alten Garde, die sogar ein Leben ohne das Imperium noch kannten. Cassio war Militär, letztlich immer gewesen, aber dem Militär – jedenfalls dem, welcher sich nicht zum politisierten Werkzeug machen ließ – war inhärent, seine eigenen Grenzen zu kennen und entsprechende Rückschlüsse nahezulegen. Das existierte indes in der imperialen Gedankenwelt vieler Militärs derzeit überhaupt nicht; aus irgendeinem Grund schien es für die imperialen Entscheidungsträger so völlig außerhalb des Denkvermögens, dass das Imperium in seiner vormaligen Form kein Naturgesetz darstellte, sondern ein herrschendes System, das auch jederzeit durch ein anderes ersetzt werden konnte. Dieses musste natürlich nicht besser sein und Cassio hatte erhebliche Zweifel daran, dass die Republik dies auch wirklich wäre, doch vermochte das doch nicht den Schluss zuzulassen, diese Betrachtung deshalb einfach außer Acht zu lassen und sich blind zu stellen vor einer sich seit Jahren abzeichnenden Entwicklung. Und war es dann nicht auf wohlweisliche Aufgabe des Militärs, geltend zu machen, dass ein militärischer Sieg, wie man ihn sich wünschte, schlechterdings unerreichbar war? Was war denn die Alternative? Abzuwarten, dass die Verhandlungsposition noch schlechter wurde? Cassio verstand Vaashs Argumentation schlichtweg nicht; oder interpretierte diese so, dass dieser entweder eine panimperiale Wiederherstellung für erreichbar hielt oder aber bereit war, die gesamte Galaxis brennen zu lassen, ehe sich das System am Ende vollständig gewaltsam abwickelte. Das eine war aus Cassios Sicht ein Propagandamärchen, das andere ein Akt des Staatsterrors und somit widerstreitend zu den Prinzipien seines Imperiums und exakt in Kontrast zu dem, womit ihr Reich sich mit Recht legitimiert hatte: Das Versprechen von Sicherheit und Ordnung. Das erwarteten die imperialen Bürger von ihnen, durften es auch erwarten. Mit jeder brennenden Kernwelt in Zukunft delegitimierten sie ihr eigenes Imperium immer weiter. Doch wenn sie stattdessen irgendwelche Randwelten an eine korrupte Republik, die die Galaxis in den Krieg gestürzt hatte, abtreten mussten, dann war es eben so. Cassio empfand das nicht als problematisch. Um einen fanatischen Allmachtsanspruch des Imperiums scherte er sich nicht, wenn dieser im Bereich des Wunschdenkens war. Und sei es auch nur ein rein pragmatisches Nachgeben, um Zeit zu gewinnen, ja Stärke zu gewinnen.

Es war überdies zweifelhaft, dass diese Republik wirklich in der Lage sein würde, ein funktionierendes Staatswesen zu etablieren, wenn ihr einzig einigendes Element die Ablehnung des Imperiums war. Das Scheitern der Republik vermochte dem Imperium wieder Recht geben… aber nur, sofern es dann noch eines gab. Wohin Sloanes und, offenbar, nun auch Vaashs Weg aber führten, war dagegen die vollständige Abwicklung des Imperiums. Zu einer scheiternden Republik gab es dann keine Alternative mehr, außer ein Imperium der Vergangenheit, das sich und seine Anhänger am Ende selbst in Brand gesetzt hatte. Ein verbranntes System also, das nie wieder in dieser Form Fuß fassen würde und stattdessen sich selbst den finalen Genickschuss verabreicht hatte.

Cassio nickte nur knapp, als der Flottenadmiral erneut kurzzeitig auf seine Tochter zu sprechen kam. Allerdings zweifelte er daran, dass Vaash die Mittel besaß, hieran etwas ändern zu können – er schätzte den Weg über Kallice und das Oberkommando als aussichtsreicher ein.
„Ich werde meine Pflicht tun, Admiral“, entgegnete er sorgfältig abwägend, wenngleich auch ein wenig kryptisch auf die Worte seines vorgesetzten Offiziers, da der Begriff der Pflichterfüllung sicherlich der Interpretation geöffnet war. Er setzte gerade zu einer weiteren Antwort an, als jedoch das Zischen der Raumtüren einsetzte und er sich dadurch ersichtlich entgegen entschied, das Thema fortzuführen. Dies umso mehr, als sich zeigte, wer zu den beiden in den Raum trat. Cassio lehnte sich daraufhin lediglich zurück und wartete, wie Sloane sich dieses Mal betrug. Letztlich jedoch gestaltete es sich wie gewöhnlich und erstreckte sich somit auf albernes Revierverhalten. Cassio ließ dies unkommentiert geschehen und blickte lediglich ziellos in die Weite des Raums hinein. Es war letztlich an Admiral Vaash, disziplinloses Verhalten innerhalb seiner Admirale zu tadeln und gegebenenfalls zu unterbinden, so er dies als erforderlich ansah. So blickte Cassio einen Moment lang lediglich mit angezogenen Brauen zu ihr herüber, sagte zunächst nichts und zuckte kaum merklich mit den Schultern. Ehe seine Augen sich wieder auf den Flottenadmiral richteten, fingen sie jedoch die Karaffe mit dem Wein ein, kurz bevor Sloane sich etwas einzuschenken begann. Er betrachtete, wie sie die Karaffe etwas zu weit neigen musste, was bedeutete, dass sie nicht mehr ganz gefüllt sein konnte. Allerdings waren auch keine weiteren benutzten Behältnisse zu erkennen, was implizierte, dass in der Tat vor Cassio kein anderer Offizier mit Tiberius Vaash gesprochen hatte, wie es auch ohnehin bereits den Anschein gemacht hatte. Ohne den Kopf zu bewegen, gingen die Augen weiter zu dem alternden Mann, welcher mit im Ansatz geöffneter Uniformjacke ebenfalls auf seinem Stuhl saß und Sloane zunächst lediglich knapp zunickte. In dieser Position verharrte Cassios Blick einen Augenblick lang auf dem Alten, lange genug möglicherweise, um als Beobachtung bemerkt zu werden, doch als Admiral Sloane die Droiden erwähnte, wandte er sich wieder zu ihr herüber.
„Draußen“, entgegnete der Vizeadmiral zunächst trocken, während er das Glas, das seinem Platz zugewiesen war, außer Reichweite der Weinkaraffe und von Sloane stellte. „Da der Flottenadmiral und ich etwas Privates besprachen, nahm ich mir diese Freiheit, wie Sie sicher verstehen, Admiral Sloane.“
Ob das als Seitenhieb gegenüber Sloane, die als unbändige Karrieristin galt und selbst bekanntermaßen keinerlei relevantes Privatleben besaß, zu verstehen war, klärte Cassio nicht auf. Ebenso wenig, ob er das Grinsen der seltsam selbstbewussten, wenngleich eher als überheblich zu bezeichnenden Frau zu seiner Seite überhaupt wahrgenommen hatte; jedenfalls schien es nicht sichtlich auf seinen Gemütszustand eingewirkt zu haben, der sich im Allgemeinen aber nun wieder merklich reservierter zeigte als noch vor ihrem Eintreffen. Er räusperte sich dann und blickte auf die Chrono-Einheit, in Erwartung, dass die weiteren Kommandooffiziere eintrafen und der ihm eher unliebsame Termin hier alsbald hinter sich gebracht werden konnte.
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#25
Was blieb tatsächlich übrig? Was blieb von seinen Träumen übrig? Tiberius Vaash wollte nicht mehr antworten, nicht mehr sprechen, nichts sagen und nichts mehr entgegnen, da die Stille genug Antwort war. Denn diese Stille würde sie alle im Tode finden, der sie genügsam erwartete. Der Blick des Altgedienten wurde leerer, fast so, als ob seine Seele entkommen war, und sie all das nicht mehr ertragen konnte. Doch es gab kein wirkliches Entkommen. Das hatte es nie gegeben. So wenig, wie ein Mensch seiner Vergangenheit entkommen konnte, so wenig konnte Vaash vor den anstehenden Entscheidungen fliehen. Was Acchetia nicht sah, nicht verstand, dass Vaash bereits in einen personifzierten Abgrund geblickt hatte und durchaus wusste, dass es dunkle Mächte gab, die mitunter alles zerstörten, woran er einst geglaubt hatte. Mächte, die sich seiner Ratio entzogen und damit vollkommen unverständlich waren. Vaash wollte keinen absoluten Untergang für andere und die Gesellschaft, vielleicht insgeheim für sich selbst aber niemals für all das, was noch kommen würde. Tiberius Vaash würde sich in jede Klinge werfen, wenn er die Garantie hätte, dass seine Familie gerettet wäre und seine Welten mitsamt ihrer alten Kultur erhalten blieben. Vaash hing nicht mehr am imperialen System, nicht mehr an der Fantasie einer ewigen Sicherheit und Übermacht, denn insgeheim hatte er längst kapituliert und sich diesem Schicksal möglicherweise ergeben, dass es bis zum Untergang so weitergehen musste. Doch im Gedanken des Untergangs lag eine gewisse Gnade für sich selbst. Ein Ende war verheißungsvoller als ein Leben voller Entbehrungen und gleichsamer Entehrungen. Doch seine Familie brauchte ihn. Seine Leute brauchten ihn. Es gab im Krieg oft ein Interesse für große strategische Ideen und doch waren es am Ende Lupen, die Leben einsam eindampften und jenen Phantomschmerz erzeugten, dass man Entscheidungen mit dem Preis von Leben aufgewogen hatte. Das Imperium war ein Versprechen von ewiger Sicherheit gewesen, die einst übermächtige Flotte eine Gewissheit, dass es keinen Krieg mehr geben würde und nun brach die gesamte Galaxis auseinander und seine letzte Hoffnung hatte er in diesen Dämon gelegt, der sich bald nähern würde.

Eine Lüge, wie so viele, und doch war Vaash sehr gut darin, diese Dinge zu verdrängen und einfach weiter zu machen. Der Moment machte andere Dinge wichtiger, machte Entscheidungen wichtiger, die unmittelbar entstanden und doch war ab diesem Tag jede Entscheidung nur eine weitere Schöpfung seines eigenen Untergangs, denn er konnte nicht mehr zurück und wohin auch? Er konnte nur noch kämpfen und versuchen jene Menschen zu retten, die ihm am Herzen lagen. Es war ihm nicht unklar, wie es soweit kommen konnte und sah vielleicht deutlich rücktsichtsloser auf die Position der imperialen Idee. Acchetia hoffte vielleicht noch Vernunft zu finden, irgendeinen späten Punkt der Erkenntnis und eines Neuanfangs nach einer Kapitulation, doch verstand er nicht, dass die dunklen Mächte anders dachten und anders handelten. Tiberius Vaash wollte Acchetia in einem Augenblick alles beichten, was einst auf Byss geschehen war und tat es dann doch wieder nicht. Wahrheiten waren nicht mehr wichtig. Eigentlich war nichts mehr wichtig, denn die Linien waren für sie längst gezogen. Sie waren Offiziere eines Imperiums, eines echten Imperiums, und konnten nicht vor der Geschichte weichen und sich der naiven Hoffnung erschließen, dass es eine politische Erneuerung geben konnte. Die imperiale Idee war längst tot, denn ihr Versprechen war nicht mehr erfüllt, und ohne dieses Versprechen gab es keine Rechtfertigungen mehr; ohne Rechtfertigungen, was waren sie dann noch? Ehre war Vaash einst wichtig gewesen, war es mitunter immer noch, so dass manche Entscheidungen einfach vom Tisch fielen und doch konnte er die letzte Linie zwischen sich und Vesperum nicht ziehen, so dass er jede imperiale Doktrin schlicht ertrug und immer mehr von sich selbst aufgab, um eine Chance zu finden, seine Familie und vielleicht ein paar Welten zu retten. Die Geschichte würde ihn verteufeln, wie sie es mit vielen getan hatte und dies sogar mit einer gewissen Gerechtigkeit und doch war für Vaash sein Angesicht vor der Geschichte weniger wichtig geworden, denn dieses Gespräch hatte ihm etwas gezeigt, was größer als die eigene Geschichte.

"Ein Vogel, der in einem Käfig aufgewachsen ist, wird immer wieder in diesen Käfig zurückfliegen," sagte der Admiral einfach so dahin und versuchte damit einen Gedanken zu finden, um sich selbst zu entlasten aber er fand keine Entlastung. Nein, er war nicht im Imperium allein aufgewachsen aber hatte doch seine bürgerlichen Ängste aufgesogen, jene Fassaden vor sich selbst errichtet und hatte mühsam lernen müssen, dass die Galaxis eine starre soziale Ordnung besaß und nicht einmal dieser große Krieg konnte wirklich vieles erlauben, zumindest nicht für einen Mann, wie Vaash einer war. Er war alt, gefangen von seinen Vorurteilen und noch vielmehr von seinen Ängsten, gespeist aus Wiederholung und seiner ihm eigenen sozialen Apathie. Vaash fand sich ab. Er hatte sich sein ganzes Leben abgefunden, wenig rebelliert und sich - zwar mit ein wenig Ehrgeiz und Talent - erfolgreich im Militär bewegt. Eine Ironie lag darin, dass gerade jene Bewegung und Motivation der Ursprung jenes Abgesangs war, den er jetzt erlebte. Es war die Motivation gewesen, den Zeitgeist aufsaugend, die Galaxis besser zu machen und endlich Frieden zu schaffen. Es war so ein mächtiges Wort gewesen: Frieden. Es hatte die Möglichkeit bestanden, alle Kriege und Konflikte zu beenden und mit der gesamten Galaxis in eine goldene Ära zu finden, doch all das war nicht eingetreten. Nicht einmal in den ersten Jahren, wo sein erster Selbstbetrug eingesetzt hatte. Diese Ursächlichkeit führte schließlich zu seiner gnadenlosen Apathie, seiner Bereitschaft stets zu folgen, irgendwie noch das Beste für seine Leute zu drehen aber letztlich doch zu folgen. Nicht ohne Grund hatte ihn Imperator Palpatine zum Admiral der Tiefkernflotte bestimmt. Vaash, trotz seines Sturkopfs, seiner Kameradschaft zu den Soldaten, seinen besonderen taktischen Talenten, war stets ein folgsamer Offizier gewesen, der seine Zweifel nie offen anbrachte und sie vielleicht sogar nutzte, die Befehle noch besser um zu setzen. Das Schicksal hatte eine merkwürdige Angewohnheit, gerade zwei folgsame Seelen zueinander zu führen, die zwar verzweifelt oder verloren schienen, aber nichts an ihrer Lage änderten. Sie änderten einfach nichts. Die beiden Offiziere folgten ihren Befehlen immer wieder, mitunter aus Stolz oder Gleichgültigkeit. Doch die Wahrheit, die beide verband, war nur Außenstehenden wirklich sichtbar: sie waren Gefangene in ihren Käfigen. Vielleicht spürte Tiberius Vaash genau dies. Er war ein Gefangener von Abfolgen und Entscheidungen. Und somit letztlich verloren.

"Wir werden alle unsere Pflicht tun," resignierte Vaash über das Gespräch und die Gedanken, die in ihm aufgekommen waren. "Wir haben auch keine Wahl," schloss er ab und nickte Acchetia nüchtern zu, wobei seine müden Augen zwar etwas an Leben sowie Seele zurückgewannen. Es war die Illusion, keine Wahl zu haben, die letztlich die schlimmsten Grausamkeiten nicht leichter aber ausführbar machte. Es war die letzte moralische Flucht eines Mannes, der sich keinerlei vernünftige Rechtfertigung mehr zurecht legen konnte. Doch diese Rechtfertigngen waren auch nicht mehr notwendig, da dieser anstehende Kampf für ihn zumindest keine positiven Optionen bereithalten konnte. Selbst wenn er die Flucht wählen könnte, so würde er seine Familie verlieren. Aus seiner Perspektive hatte sich jede Rechtfertigung erledigt. Er würde etwas entscheiden müssen und letztlich den Preis bezahlen. Für alle und vielleicht sogar für das Imperium selbst. Jeder Soldat im Imperium zahlte letztlich - mit jedem Tag umso mehr - einen Preis und manchmal sogar den ultimativen Preis. "Ich vertraue ihnen," segnete er Acchetia fast mit seinen Worten, als er seine Stimme fürsorglich erhob und dann schwach ausatmete. Er wollte Acchetia vertrauen und möglicherweise war dies das letzte Geschenk, was beide Offiziere sich in Achtung und Ehre noch geben konnten: Vertrauen. Sie ein wenig vertrauen, und wenn es die letzten Momente waren, waren sie zumindest ehrlich. Doch dann tauchte die Person auf, der Vaash nicht vollens vertraute. Sloane drängte sich förmlich auf, nahm den Raum ein und begab sich durch ein bewusstes Ignorieren von Acchetia mit diesem in einen möglichen Konflikt. Vaash duldete dieses Gerangel nicht. Doch zu seinem Glück stieg der Vizeadmiral nicht auf diesen Affront ein und konterte auf Sloanes dreiste Frage, die mit einer ausforschenden Absicht verbunden war, recht knackig, so dass Vaash dies nur abnickte.

Sloane beobachtete aufmerksam die Reaktion ihres verantwortlichen Vorgesetzten, nahm dies auf und nickte dann militärisch knapp, als wortlose Antwort. "Privatsphäre ist doch ein besonderes Privileg auf einem Kriegsschiff, nicht wahr?" Eine versteckte Androhung, dass Sloane wusste, dass die Offiziere etwas besprochen hatten, was nicht minder gefährlich war und sie wurde ungerne von solchen Fragen ausgeschlossen. Vielleicht würde sie demnächst einmal mit dem ISB sprechen müssen. Die Offizierin legte ihre Mütze ab, strich sich einmal über die Haare, die perfekt angelegt waren und blickte dann mit ihrem süffisanten Grinsen zu Acchetia, der neben ihr saß. "Ich habe ihre geplante Geschwaderaufstellung geprüft, Vizeadmiral. Sie haben eine schwache Abdeckung gegen Raumjäger in der Tiefstaffelung," merkte sie an aber Vaash hob die Hand. "Wir besprechen dies später und jetzt ist kein Platz für kleinteilige Gespräche. Wir haben eine strategische Entscheidung zu erörtern," sagte der Flottenadmiral und ließ die Hand dann wieder sinken. Er wollte nicht, dass dieser Dialog zwischen beiden eine Ablenkung und eine Gefahr für die anstehende Schlacht wurde. Konflikte innerhalb einer Einheit führten schnell zu größeren Rissen und letztlich zu taktischen Problemen. Vaash würde dies wahrlich nicht dulden und würde bei Bedarf mit Sloane unmittelbar reden müssen. Ihre Karriereoptionen hatten sie wohl doch zu sehr eingenommen. Sloane beugte sich vor, griff nach einer Karaffe und schenkte sich selbst ein. "Sollen wir die Droiden wieder hineinbitten? Ich kann mich auch selbst bedienen, Admiral, aber ich denke, dass wir uns diese Unterstützung durchaus zumuten können," meinte die ehrgeizige Offizierin mit einem frechen Ausdruck in ihren Augen. Vaash fühlte sich herausgefordert, wollte aber seine Fassung waren und seufzte leise. "Das entscheide ich," stellte er die Hierachie heraus, was er ungerne tat aber in diesem Fall musste er Sloane klarmachen, dass er dieses merkwürdige Gerangel hier nicht dulden würde, auch wenn sie noch den schmalen Grad wahrte. Kurz entstand eine Pause. "Vizeadmiral Sloane, holen sie die Droiden wieder herein," sagte Vaash mit einer Geste in Richtung Tür.
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