#1

Ithor


[...]
Zitieren
 
#2
In die eigenen Gedanken versunken starrte Tiberius Vaash auf seinen Arbeitstisch. Es fiel ihm schwer, seine Gedanken zu fokussieren, auf diese neue Aufgabe. Nicht nur, dass er das Kommando über ein Werft-neues Schiff erhalten hatte, sondern viel mehr war die Lage desolat. Der Sternzerstörer, welcher nun seiner Flotte vorstand, hieß Pandora; nach einer uralten Sage, die im Kern Kindern als Märchen erzählt wurde. Alles an Bord dieses Schiff war neu, poliert und hatte noch keinen Kampf gesehen. Auch viele Mitglieder der Mannschaft waren ebenso neu in Dienst gestellt, so dass viele Abläufe noch sehr langsam waren. Dieses Schiff war noch nicht bereit für die Schlacht, die kommen sollte. Vaash war nicht zufrieden mit seiner eigenen Situation und der seiner Flotte. Vieles war in letzter Zeit nicht zu seinen Gunsten verlaufen; vieles war schlicht fatal verlaufen. Auch der weiterhin bestehende Auftrag, am Holofilm des Großadmirals mitzuwirken, flankiert durch die Aufgabe, Ithor gegen den Verräter Grunger zu halten, erwies sich als Untergangsbefehl. Vaash glaubte nicht daran, positiv bewertet in die Geschichte einzugehen. Er glaubte nicht einmal mehr daran, seiner eigenen Familie unter die Augen treten zu können. Zu viele Entscheidungen, aus Stolz und Eifer, hatten ihn immer weiter auf einen Abgrund zugeführt. Dabei waren seine Absichten stets durch einen tiefen Wunsch nach einer Wiederherstellung einer stabilen Ordnung gekennzeichnet gewesen. Einer staatlichen Ordnung, die Gerechtigkeit und Progression versprach. Etwas, woran er glauben wollte. Und doch war nicht mal mehr viel von diesem Glauben übrig. Das Imperium war leer an Idealen. Nicht einmal der Wahnsinn, einen Vesperum auf den Thron zu setzen, konnte das erretten, was Vaash aus Prägung und Erziehung anstrebte: eine bürgerliche Ordnung. Im Kern begann Vaash den Eifer der Rebellion zu bewundern, die aus dem Nichts, einen Staat, wie das Imperium, in diesen Zustand gebracht hatten. Die Perspektive des Admirals war die eines alten Mannes, der viele Schlachten und Kriege gesehen hatte und sich eigentlich nur noch Frieden wünschte: einen bleibenden Frieden in einer gerechten Ordnung. Doch eine gerechte Ordnung stand nicht in Aussicht. Noch immer war die sogenannte Republik eine Diktatur aus wenigen Anführern, das Imperium ein Scherbenhaufen, zusammengehalten durch die grausame Authorität des neuen Imperators und seiner perfiden Propaganda und jeglicher Versuch einer kleiner Reform am Verlauf der Geschichte durch Vaash scheiterte. Vaash fühlte sich verloren. Nicht nur die Erfahrung mit der Inquisitorin, sondern auch die Erfahrung der Macht des Vesperum, ließen ihn besorgt zurück, denn egal, was er tat, es änderte nichts am Ausgang. Die Galaxis versank im Chaos dieses endlosen Bürgerkrieges, der einfach nicht enden konnte. Selbst wenn er einseitig kapitulieren sollte, würde der Krieg weitergehen. Und ein Tiberius Vaash war zu stolz, um sich selbst auszuliefern, in der festen Gewissheit, schändlich hingerichtet zu werden, für das Verbrechen, einem Imperator auf den Thron verholfen zu haben. In gewisser Hinsicht fand er das Urteil, welches Daro Zen über ihn verhängt hatte, zu treffend. Auch die Erfahrung mit der Inquisitorin erschien Vaash als seltsam passend, denn er hatte den Teufel hereingelassen. Der Admiral war ausgeliefert und konnte seiner eigenen Rolle nicht entkommen; verdammt dazu, weiterhin die Schlachten dieses Abgesanges zu schlagen. Natürlich durchschaute Tiberius Vaash die Lügen des Imperiums, aber fürchtete im Gleichklang die Lügen der Republik, denn eines wusste er mit Sicherheit, aus einer tiefen Abneigung gegenüber der sogenannten Politik, dass Politiker stets zum eigenen Machtgewinn logen und jeden Vorteil nutzten. Ein Soldat folgte der schlichten Wahrheit, dass er für sein eigenes Tun nicht verantwortlich war, sondern auf Befehl anderer agierte und diese im Sinne eines größeren Wohls agierten. Inzwischen wusste er, dass man als Soldat schlicht Befehle befolgte, weil jede andere Entscheidung mit einem Schmerz der Erkenntnis verbunden war, dass man doch verantwortlich war. Vaash fragte sich tatsächlich, was Freiheit für einen Soldaten bedeuten konnte, wenn man selbst niemals frei war. Hier an diesem Abgrund, bei Ithor, in einen sinnlosen Kampf gestellt, mit der klaren Absicht diesen auch zu führen, fühlte sich jeder Gedanke falsch und leer an, wie die Aufgabe und sein Rang. Er war Admiral einer Flotte, Vorgesetzter und Verantwortlicher für viele Tausende, in einem Konflikt, der nur noch Leben kostete. Wenigstens konnte er als der untergehen, der er sein wollte: ein Mann seiner Soldaten. Leider konnte er sie nicht alle retten. Nein, Vaash war bereit, alles zu opfern, um kämpfend unterzugehen, für das Imperium, so leer und bedeutungslos es auch geworden war. Sein Eid war erneuert worden und der letzte Verrat hatte nicht die gewünschte Veränderung gebracht. Es hatte nichts geändert, so dass für diesen Mann Treue schlussendlich die einzige Wahl war. Überleben um jeden Preis war bedeutungslos, wenn alles andere bedeutungslos war. Dieser Krieg war alles, was er noch hatte. Bald sollte sein neuer Offizier eintreffen: Acchetia. Noch immer war das Gespräch präsent, was Vaash mit diesem Offizier geführt hatte. Der Admiral wollte dieses Gespräch wieder aufgreifen, wenn Cassio Acchetia, Vizeadmiral, eintraf, um mit einem Geschwader der 12ten Flotte unterstellt zu werden. Eine gewisse Ironie lag darin, dass Vaash nun Acchetia befehlen würde, in einer ähnlichen Situation, wie Eriadu. Ein gemeinsamer Untergang, fast versprochen vom Schicksal. Ein zynisches Lächeln huschte über seine Lippen. Diese Galaxis war wirklich seltsam.
Zitieren
 
#3
Es war ein ereignisarmer Flug. Cassio hatte sein neues Geschwader, das 441. Kampfgeschwader, studiert – oder besser gesagt zu studieren versucht. Die Konzentration war ihm schwer gefallen, zu viele Gedanken waren ihm in den Kopf geschossen. Auch wenn er bereits seit längerem wusste, dass dieser Auftrag wohl kein gutes Ende nehmen konnte, so war dieser dennoch bislang nur eine Abstrakte gewesen – etwas in der Zukunft. Nur war das, was letztens noch Zukunft war, nun in der Tat zur Gegenwart geworden. Dadurch waren die Buchstaben immer wieder verschwommen und erst nach einiger Zeit hatte Cassio realisiert, dass er bereits seit einiger Zeit durch das Flimsi gestarrt hatte. Die Vorstellung, das Haus auf Anaxes nie wieder selbst sehen zu können, war nur schwer zu ertragen. Nicht dass er besonders oft dort gewesen war in den letzten Jahren. Aber darum ging es nicht. Es war schlichtweg die Unausweichlichkeit und das Wissen, dass es einfach nicht mehr passieren würde. Vermutlich war es feige gewesen, seine Tochter Chalya nicht in die Details dieser Unternehmung einzuweihen und sich stattdessen nur relativ normal von ihr zu verabschieden. Doch im Endeffekt würde das den Abschied nur erleichtern. Für beide. Cassio wusste, dass er für sie seit Jahren schon kaum so etwas wie ein guter Vater gewesen sein dürfte, vermutete aber, dass diese letzte Entscheidung von ihm dem wohl noch am nächsten kommen würde. Erstaunlicherweise war ihm der Moment des Abschiedes von ihr sogar leichter gefallen als erwartet. Sicherlich auch wegen eben dieser Feigheit, doch war dieser Moment so schnell vorüber gewesen, dass er kaum Zeit gehabt hatte, ihn wirklich zu umfassen. Er später, gerade jetzt in der Fähre, hatte er mehr Zeit dazu gehabt, was es weitaus schwerer gemacht hatte als in dem Moment selbst.

Dabei konnte Cassio nicht sagen, dass er wegen all dem wütend war, in irgendeiner Form. Tatsächlich war da mehr Leere und Resignation vor dem, was offenbar geschehen würde – jedenfalls erkennbar für jeden, der die erwartete militärische Ausgangslage kannte. Er hatte nicht erwartet, jetzt bereits über sein Leben resümieren zu müssen, sondern sich darüber schlussendlich nie konkrete Gedanken gemacht. Es schien nie ein relevantes Thema in seinen Gedanken gewesen zu sein. Wozu auch? Coruscant war alles in allem wohl der im Moment sicherste Planet der Galaxis. Mittlerweile. Aber selbst während der Schlacht über dem Planeten gegen die Schiffe des Vesperum hatte Cassio sich weitaus weniger als Zielscheibe gefühlt, sondern wie üblich als ein relativ passiver Teilnehmer dessen, was passiert war. Nun war das in gewisser Weise auch jetzt wieder der Fall. Doch der Unterschied war, dass es schlussendlich bisher immer schien als würde es im Anschluss eben auf die eine oder andere Weise weitergehen. Das würde nicht voraussichtlich aber nicht der Fall sein. Beziehungsweise, es ging sicherlich weiter, aber nun einmal nicht für ihn. Cassio war kein gläubiger Mensch, vielleicht auch weil er sich nie damit befasst oder damit konkret konfrontiert gewesen war – ein Heilsversprechen im Nachleben erschien zwar eine angenehme Vorstellung, ihm jedoch als rationalem Zahlenmenschen mehr Wunschvorstellung denn zu erwartende Realität.

Cassio wusste, dass er nicht gut aussah. Sein Spiegelbild hatte er in den letzten Tagen mehr als Abzug seiner selbst betrachtet, auch wenn er nicht wusste, woran es konkret lag. Er hatte den Eindruck, sein Gesicht erschien ihm eingefallener als sonst, vielleicht auch waren die Augenringe stärker ausgeprägt als gewöhnlich. Andererseits war vieles davon vielleicht auch bloße Einbildung und sein Blick war vernebelt von den unangenehmen Gedanken, die ihm jetzt – und umso mehr, je näher er dem Schiff kam – bewusster und bewusster wurden. Trotzdem hatte Cassio sich die Mühe gemacht und sich so penibel wie stets rasiert, auch die Frisur so sitzen zu lassen wie eh und je. Doch im Endeffekt fühlte er sich matt und energielos und sah wohl einfach auch entsprechend aus. Der sonst eher klare, analytische Blick wirkte trüb, vielleicht etwas ziellos.

Mit der Schirmmütze zwischen Arm und Körper geklemmt trat er in das Arbeitszimmer des Flottenadmirals, nachdem man ihn durch die Sicherheitsbereiche hatte passieren lassen. Mit den lauten Schritten der Stiefel trat er nur ein paar Schritte in den Raum hinein, blieb aber in angemessenem Abstand vor dem Tisch, an dem er den Flottenadmiral sitzen saß, stehen, blickte sich kurz, nur für ein, zwei Sekunden übersprungshaft in dem Raum um, ehe er seinen Blick wieder auf seinen Vorgesetzten zurückzwang.
„Ich grüße Sie, Admiral“, sagte er mit etwas leiserer Stimme als man sie sonst von ihm kannte und deutete mit seiner Hand einen Salut vor seinem Kommandeur an.
„Mein Geschwader meldete mir während des Fluges, dass es sich an der vorgegebenen Gemarkung nahe der Nav-Boje positioniert hat. Mein Stellvertreter erwartet meine Ankunft vor Ort für weitere Instruktionen.“
Es war Cassio nicht mitgeteilt worden, weshalb Vaash Wert darauf gelegt hatte, ihn vor seiner Ankunft persönlich zu sprechen, aber es war auch nichts, was dem Vizeadmiral unangenehm war. Seit der Feier im Imperialen Palast hatte Cassio mit dem Flottenadmiral keinen Kontakt mehr gehabt, aber zumindest konnte er über Vaash sagen, dass er sich um einen guten Umgang mit seinen Untergebenen bemühte und es sicherlich weitaus üblere Befehlshaber gab, unter denen er hätte dienen können. Insofern empfand er es durchaus als nicht unglückliche Fügung. Ein Teil von Cassio war aber überrascht gewesen, dass Tiberius Vaash als Befehlshaber mit der Verteidigung des Grenzgebietes zu Grunger beauftragt worden war. Aber andererseits ergab die Wahl des Oberkommandos dann wiederum Sinn, wenn man sich vor Augen führte, dass es zwischen den beiden jedenfalls eine gewisse Vorgeschichte gab. Das Oberkommando musste dann aber wirklich großes Vertrauen in Vaash setzen und von dessen Loyalität wohl geradezu restlos überzeugt sein, ansonsten hätte diese Wahl auch potentiell gefährliches Potential für eine Fraternisierung. Oder war genau das schlussendlich der abschließende Test für den Flottenadmiral?

Cassio kannte Grunger wiederum noch aus den Besprechungen im Oberkommando – eigentlich ein vernünftiger Mann, hatte er zumindest stets gedacht. Von all den Abspaltungen war die von Grunger vermutlich die überraschendste und vielleicht auch die bitterste für das Imperium gewesen. Denn Grunger hatte letztlich nie wie ein Mann mit übermäßigen politischen Ambitionen gewirkt, war enorm angesehen innerhalb der Streitkräfte – selbst jetzt noch. Die Abspaltung Grungers war eine offene Wunde, die für viele noch immer unerklärlich war. Und nicht zuletzt galt er auch als einer der fähigsten Schlachtenlenker des Imperiums. Zweifellos hatte auch Vaash einen guten Ruf, was seine Kapazitäten und Kompetenzen anging, doch würde Cassio selbst in einem gleichwertigen Aufeinandertreffen der beiden gleichwohl seine Wette auf Grunger abschließen. Vermutlich hatte Grungers Ansehen innerhalb des Imperiums noch nicht übermäßig stark gelitten, weil dieser eingefrorene Konflikt noch keine imperialen Leben gekostet hatte – oder zumindest nichts, was dem Imperium bekannt geworden wäre. Es mochte sein, dass sich Grunger mit kleineren imperialen Verrätern aufhielt, aber zwischen dem Imperium selbst und Grunger hatte es bislang noch keine kriegerischen Handlungen gegeben – gelegentlich Grenzübertritte, Spähposten, was sich gerade in letzter Zeit deutlich verstärkt hatte. Das war immer ein gefährliches Anzeichen dafür, dass irgendetwas in der Luft lag. Doch Cassio zweifelte nicht daran, dass ein großer Teil der Sternenflottenoffiziere noch immer der Hoffnung anheim hing, dass Grunger nicht auf seine Brüder feuern lassen und er stattdessen irgendwie wieder ins Reich zurückkehren würde. Das waren sicherlich Wunschvorstellungen – aber unmöglich schien in diesen Zeiten wohl ohnehin nicht mehr viel. Cassio konnte sich indes nicht vorstellen, dass eine Person wie Grunger vor einer Regierung von Vesperum und Pestage das Knie beugte. Und in gewisser Weise war die Frage von Ursache und Wirkung wohl noch ungeklärt – ob also die Umwälzungen innerhalb des Imperiums nach Endor der Auslöser für Grungers Abspaltung waren oder ob nicht umgekehrt die Abspaltung Mitauslöser für die Umwälzungen war. Vermutlich überschnitt sich beides und am Ende würden die Geschichtsschreiber niederlegen, welche Version Bestand hatte.

Vermutlich wäre ein Herrscher Grunger aus Cassios Sicht sogar ein besserer Herrscher als alle, die zuvor auf dem imperialen Thron gesessen hatten – stolz, sicherlich, doch alles in allem umsichtig und rationalen Argumenten zugänglich. Streng, doch keine Neigung zu übermäßiger Grausamkeit. Doch schlussendlich war Verrat etwas, das kein Reich akzeptieren und unbestraft lassen konnte und eine Person für den Rest ihres Lebens bemakelte. Und doch saß in gewisser Weise auch in diesem Moment ein Verräter auf dem imperialen Thron, weil andere Verräter es ihm ermöglicht hatten. Cassio blickte auf den alten Vaash hinab, einer derer, die den Umsturz unterstützt hatten. Die Trennlinie zwischen Loyalität und Verrat am Imperium schien nicht mehr immer eindeutig zu sein.
Bild

.: Machinery of War (Cassio's Theme) :.
.: Failing to plan is planning to fail :.
Zitieren
 
#4
Die Geschichte hatte nur eines bewiesen, dass sich Konflikte immer wiederholen würden. Immer wieder würden sich Parteien erheben, die übereinander herfielen, in der närrischen Hoffnung im Recht zu sein. Vaash war sich dessen inzwischen schmerzlich bewusst geworden, dass er an der Lage nichts ändern konnte. Auch er war nur eine Figur von vielen, die in diesen Zeitgeist des Krieges fielen. Ob nun Kanzler, Könige oder Kaiser, Imperatoren oder Kriegsherren, niemand konnte sich dieser Wahrheit entziehen, dass Konflikt vielleicht der einzige Motor der Geschichte war. Niemand hatte bisher einen gerechten und stabilen Frieden geschaffen, der einen Ausgleich zwischen allen widerstreitenden Faktoren schaffte. Tiberius Vaash musste erst alt werden, um zu begreifen, dass das Unterfangen mit bloßer Stärke und staatlicher Authorität Frieden zu schaffen, gescheitert war. In seiner Sehnsucht nach einer stabilen Ordnung, einer bürgerlichen Galaxis, geordnet durch eine starke Verfassung und einen starken Imperator. Dieser Imperator war tot. Beseitigt vom ewigen Konflikt, den das Imperium beenden wollte aber auch an diesem galaktischen Unterfangen gescheitert war. Sie waren gescheitert. Allesamt. Ihre Gesetze waren leer, folgten nicht einer objektiven Betrachtung, sondern Gesinnung. Ihre Welten verbrannten in Fanatismus und Eifer, gegen einen Untergang anzukämpfen, der bereits in der Vergangenheit gesetzt war. Vaash dachte an seine Heimat. Carida. Eine Welt weit entfernt und doch stets ein geheimer Begleiter des imperialen Offiziers, welcher nach Außen das Ideal lebte, das Imperium als Heimat zu betrachten aber im Herzen war er Caridaner. Eine Welt, inbrünstig geschliffen durch harte Gezeiten und steinige Atmosphäre aber auch voller Schönheit mit endlosen Wiesen, Steppen und großen Ozeanen, die gelegentlich durch Eisberge durchsetzt waren. Eine Welt, die fern einer komplexen Schönheit war aber in ihrer einfachen Struktur eine eigene Ästhetik besaß. Vaash hatte viele Welten gesehen aber keine Welt war so wie Carida; die Welt, auf der er aufgewachsen war. Es lag ein gewisser Trost darin, dass diese Welt noch nicht vollens vom Krieg erfasst war aber auch dies war nur noch eine Frage der Zeit, da eine der wichtigsten Sturmtruppen-Akademien auf ihr lag. Doch daran wollte der Admiral jetzt nicht denken. Nicht jetzt. Es gab größere Aufgaben, die mitunter genauso bedeutungslos waren, wie der Versuch, das Imperium zu einen. Leer und dennoch perfekt waren die Instrumente und Abläufe der militärischen Struktur, der er hier vorstand. Befehl gab ihm Sicherheit, auch wenn Vaash längst begriffen hatte, dass Befehle nicht Verantwortung ersetzen konnten. Etwas, woran er selbst glaubte. Man trug Verantwortung. Nicht nur für sich und die eigenen Entscheidungen, sondern auch, wie diese auf andere Personen Einfluss hatten. Er hatte einen Kaiser gemacht. Tiberius Vaash, getreuer Soldat des einstigen Imperators Palpatine, hatte eine Entscheidung getroffen. Einst eingesetzt als Kommandeur einer mächtigen Flotte und mit imperialen Dekret über Byss ausgestattet, um dort auf Befehl des ersten Imperators zu warten, hatte sich entschieden, einem Mann zu glauben, der ebenso einen Befehl vorweisen konnte. Einen Befehl, ein Schriftstück, welches ihm Authorität über das Imperium verlieh, um einem unbekannten Wunsch des Palpatine zu dienen. Vaash hatte geglaubt, dass dieser Mann mit der Lösung des Problems der zusammenbrechenden Obrigkeit beauftragt worden war; von Palpatine höchstselbst. Doch mit der Zeit wurde Vaash klar, dass diese verliehene Authorität auch nur eine Interpretation war. Er wollte es glauben, weil die Zeit des Wartens ihn mürbe gemacht hatte. Vaash wollte daran glauben, dass Vesperum als Retter eingesetzt war, ein möglicher Nachfolger, welcher das Imperium des ersten Imperators retten würde. Denn in Wahrheit konnte Vaash nicht ohne Befehl und Auftrag sein. Ein Mann, dessen vermeintliche Ehre nur im Dienst lag, brauchte einen aktiven Dienstherren, der Befehl und Anweisung ausgab, um nicht der Erkenntnis zu erliegen, alleinig verantwortlich für das eigene Leben und sein eigenes Schicksal zu sein. Vaash glaubte nicht an ein mächtiges Schicksal aber an staatliche Macht. Doch diese Macht war erodiert und zusammengebrochen, weil jedes Ideal, welches Vaash mit einem hochgelobten Imperium verknüpft hatte, mit Palpatine tot war. Es gab nur noch Verrat, Gewalt und Konflikt. Er war alt und sehnte sich nach einem Ende, welches nicht alles zertreten würde, was von der alten Ideen geblieben war.

Der Feind wurde gesichtslos. Als Palpatine noch lebte, waren die Feinde Piraten, Verbrecher und die Rebellion; alles greifbare Feinde, die alle aus bürgerlicher Sicht Abweichler und Störer waren. - Aber nun mit dem schleichenden Zusammenbruch aller Strukturen war kein klares Feindbild brauchbar, haltbar und einsetzbar. Es gab keine Sicherheiten mehr. So gab es auch nichts mehr zu verlieren oder zu gewinnen. Man war einfach nur da, eingesetzt in einer Funktion und fern der Heimat. Diese Heimat vermisste er jetzt umso schmerzlicher. Die Familie, von der sich Vaash wiederholt verabschiedet hatte. Dieser Abschied war immer wieder schwer. Er wurde sogar immer schwerer, weil die Pflicht die Liebe tötete. Distanz schuf Misstrauen, Sehnsucht und eigenen Schmerz, den jeder Soldat mit sich selbst ausmachen musste. Die traurige Gewissheit, dass jeder Abschied nicht immer ein Wiedersehen bedeutete, war der Fluch dieser Zeit. Tiberius war versuchte nicht daran zu denken, es zu verdrängen aber scheiterte.

Wenigstens war er ehrlich gewesen und hatte seiner Familie aufrichtig und klar vermittelt, was der Dienst am Imperium bedeuten konnte. Sein Andenken war ihm wichtig, so dass er nicht als feiger Vater und Großvater entfliehen wollte, sondern aufrecht davonschreiten, mit der Familie im Herzen. Sie sollten sich an ihn als ehrlichen und tatkräftigen Mann erinnern, welcher seinen Idealen und seiner Pflicht folgte. Merkwürdig war dies, da Vaash selbst nicht immer seinen eigenen Ideal gerecht wurde. Es war der einsame Wunsch eines Mannes, der ein langes Leben geführt hatte und bereits das Ende sah. Ein Ende, welches näher rückte und nahezu unvermeidbar war. Eine Ironie lag darin, dass zwei mögliche Tode durch eine unbestimmbare Macht abgewendet worden waren: sein Absturz mit der Veneratio bei der Schlacht von Eriadu und der tätliche Angriff dieser furchtbaren Hexe von Nigidus. Er hatte überlebt, sich immer wieder, auch mit Hilfe von anderen, ins Leben zurückgekämpft. Ein Tiberius Vaash schien durch das Schicksal, wenn er daran glauben würde, unbesiegbar. Selbst in einem aussichtslosen Kampf siegte Vaash und schaffte immer noch einen Impuls in die Welten zu entsenden. Es war einem Wunder gleich, dass dieser Mann so vieles überlebt hatte und noch immer an den Fronten dieser wirren Zeit stand. Etwas ließ ihn nicht gehen. Auch ließ er sich selbst nicht gehen. Viele waren Gefangene dieser Zeit aber dieser Offizier besonders.

In Gedanken übersah der Admiral die Nachricht in leuchtend blauer Schrift auf dem schwarzen Display (poliert und strahlend) seines Tisch-Terminals seines Arbeitsplatzes in seinem Bereitschaftsraum. Sein Adjutant hatte gemeldet, dass Acchetia eingetroffen war. Doch Vaash war nicht ganz im Moment, denn noch immer waren die Gedanken schwer, denn dieser Krieg kostete auch Aufmerksamkeit und Fokus. Erst durch den Ton der lauten Schritte wurde Vaash aus seinen eigenen Gedanken gerissen. Ohne Mütze, welche auf einem kleinen Stuhl unweit lag, dem sogenannten Alarmstuhl, blickte Vaash den Kameraden an. Es dauerte einen Augenblick bis Vaash realisiert hatte, dass dieser Mann tatsächlich gekommen war. Der Flottenadmiral nahm den angedeuteten Salut seines nun mehr untergebenen Soldaten mit einem Nicken an und sprach dann knapp: "Willkommen auf der Pandora, dem neuen Flaggschiff der Zwölften." In dieser Sekunde wurde ihm bewusst, dass die Flotte in großen Teil vollkommen neu zusammengestellt war; auch wenn er die Berichte gelesen hatte aber erst, wo er es wirklich vor einer anderen Person aussprach, erhielt diese Idee Wirklichkeit. Sein Schiff war neu. Die Flotte war weitgehend neu und auch alles andere war so seltsam verschwendet. Die leisere Stimme des Vizeadmirals war Vaash nicht entgangen, so beäugte er diesen neuen Offizier in seinen Reihe für winzige Sekunden, ohne das dies unangenehm geriet, da Vaash eine väterliche Ausstrahlung besaß. "Sehr gut, " nahm der Admiral den kurzen Bericht des Geschwaderschefs an und stand dann auf. Er griff zu einem Schrank, unweit und aus Metall, um diesen zu öffnen. Vaash nahm zwei Gläser hinaus, stellte diesen jeweils nebeneinander vor sich und holte zum Abschluss eine mächtige Kristallkaraffe heraus, welche scheinbar mit einer schimmrig-bläulichen Flüssigkeit gefüllt war. Ohne eine Frage zu stellen, schenkte der Admiral in beide Gläser ein und stellte die Karaffe mit einem lauten Geräusch daneben. "Bedienen Sie sich, Acchetia", sagte die trockene aber weiche Stimme des alten Sternenfahrers. Vaash selbst griff nach einem Glas und setzte sich dann wieder auf seinen unbequemen Stuhl. "Wir haben einige Dinge zu besprechen," vermittelte der Flottenchef nüchtern und trank einen ausgiebigen Schluck von der bläulichen Flüssigkeit, die einen süßlichen Duft besaß aber auch nicht wenig Alkohol.

"Ich habe später auch ein Dienstessen der Kommandooffiziere in der Offiziersmesse angesetzt. Sie sollen sich alle kennenlernen," erklärte der Vaash und lächelte salzig und machte eine Geste, dass auch Acchetia sich setzen konnte. Der Rahmen war weniger förmlich, wie es unter ranghohen Offizieren unter sich üblich war. Vaash lehnte sich dezent zurück, schob mit einer hektischen Bewegung zwei Pads zur Seite und stellte das Glas ab. Die Deckenbeleuchtung flackerte kurz, so dass seine Augen unmerklich zuckten und die Pupillen sich kurz schlossen und wieder erweiterten. Tiberius Vaash war neugierig, was Acchetia dachte, was diesen Mann bewegte und inwiefern er sich in die Reihen von Offizieren anreihen konnte, die unter ihm dienen. Kameradschaft war Vaash wichtig. Etwas, was man nicht erzwingen aber erlernen konnte, indem man eine Person schlicht hineinführte und die charakterlichen Fähigkeiten förderte. Vaash war gespannt, welche Fähigkeiten Acchetia tatsächlich besaß, denn bis dato hatte er einen schlechten Eindruck von ihm. Er hielt ihn für einen kalten, zögerlichen Bürokraten ohne jedes Herz für andere. Dabei war Herz der wichtigste Faktor für eine gesunde Moral. Man musste für seine Leute einstehen, tapfer handeln und agieren. Diese Tapferkeit entsprang nicht aus Fanatismus, sondern aus ehrlicher Hingabe zu den Kameraden, jenen Leuten, die mit und für einen dienten. Ein Kommandeur musste aus Vaash Sicht der erste und letzte Kämpfer der gemeinsamen Sache sein. Dies musste Acchetia jetzt im persönlichen Gespräch beweisen. Es war ein Test, inwieweit, welche Aufgaben Acchetia in der Flotte zugeteilt worden und welche Befehle sein Geschwader von Admiral Vaash erhalten würden.
Zitieren
 
#5
Es fiel Cassio schwer, den Flottenadmiral anzublicken – den Mann von objektiv durchgehend höherem Dienstgrad, welcher seine Flotte in weiten Teilen in einer Operation verloren hatte, die Cassio selbst planen musste. Vaashs Blicke waren ein ewiger Stachel, der stach, sobald er den alten Mann ansah. Ob beabsichtigt oder nicht, die reine Anwesenheit des Mannes und seiner Existenz schien Cassio aus dessen Sicht zu tadeln, wohlweislich, dass dieser ihm mit Sicherheit eine erhebliche Verantwortung für das, was über Eriadu geschehen war, einräumen mochte. Nun war diese Niederlage eine Kette aus vielen Gliedern gewesen; und dennoch. Andere Glieder waren hier soeben nicht anwesend.

Erst als der Flottenadmiral aufstand, schoben sich Cassios Augen wieder in dessen Richtung, beobachteten etwas skeptisch, was dieser trieb. Offensichtlich war Gegenstand davon, die Unterhaltung angenehmer zu gestalten, indem der ältere Mann zwei Gläser einschenkte und auch ihm eines davon auf dem Tisch hinstellte. Da selbst auf die Distanz vergleichsweise rasch der Geruch davon in Cassios Nase stieg, schloss er auf ein erstaunlich starkes Getränk, auch wenn er es selbst nicht einzusortieren wusste. Nach der Geste des Flottenadmirals trat Cassio etwas zögernd vor und umschloss das freie Glas mit seiner Linken, während er auf dem Stuhl Platz nahm, nickte dankend.
„Sicherlich, ja“, entgegnete Cassio zunächst und nickte erneut, dieses Mal mehr aus Verständnis. Natürlich würde es zwischen den beiden viel zu besprechen geben. Sie beide hatten zuletzt in gewisser Weise den letzten Abgesang des Imperiums auf der Gala miterlebt und nun mochte sich die Frage stellen, wie man von diesem Standpunkt aus weiterzumachen gedacht. Er hob daraufhin sein Glas vom Tisch. Anders als sein Gegenüber nippte er jedoch zunächst nur kurz daran, ehe er es wieder abstellte. Nun, vermutlich indem man einfach weitermachte. Und funktionierte, wie die Maschine, die man im Getriebe des Imperiums eben ausschließlich darstellte.

Als Vaash aber fortgefahren war und stattdessen wohl auf etwas ganz anderes anspielte, änderte sich Cassios Gesichtsausdruck sichtlich. Ihm war eine gewisse Irritiertheit ins Gesicht geschrieben, die dafür sorgte, dass er seinen Vorgesetzten jetzt doch für eine Zeit lang musterte. Ein Dienstessen mit den anderen Offizieren der Flotte? Das erschien ihm erstaunlich überflüssig für das, was hier eigentlich erwartet wurde. Er legte daher auch seine zweite behandschuhte Hand an das Glas, umstrich das Behältnis so an der Seite für einen Moment. Einen Augenblick lang ließ er die Stille so im Raum hängen, ehe er zu einer Antwort ansetzte.
„Machen Sie sich wegen meiner Versetzung keine Umstände, Admiral“, sagte er dann schließlich, sein Blick wieder etwas härter und abgeklärter - eher wieder wie im letzten Gespräch der beiden miteinander.
„Wenn ich zwischen Ihnen und mir offen sein darf, bin ich an einem Kennenlernen der anderen Offiziere nicht interessiert. Ich bin mir meiner Aufgabe hier wohl bewusst.“
In einem seltenen Moment hoben sich Cassios Mundwinkel kurz an, was der ganzen Aussage einen durchaus zynischen Unterton zu geben wusste; etwas, für das Cassio eher weniger bekannt war, auch wenn es schon in ihrem letzten Gespräch ein paar Anhaltspunkte dafür gegeben hatte.
„Falls Sie meine Anwesenheit dort für erforderlich halten, füge ich mich dem natürlich, entgegnete er dann noch nach einer Weile, um nicht den Eindruck bei seinem Gegenüber zu erwecken, dass er dessen Befehlsgewalt nicht respektierte. „Ansonsten möchte ich aber den Wunsch äußern, eher mein Geschwader vor Ort zu inspizieren.“

Cassio kratzte sich an der linken Augenbraue, etwas länger als notwendig schien, was zweifelsfrei auf eine gewisse Nervosität oder Anspannung zurückzuführen sein musste. Als er das erkannte, lehnte er sich mit dem Glas in der anderen Hand in seinem Stuhl zurück und blickte den Admiral aus dieser Position erneut an.
„Ist Ihre Erholung gut verlaufen?“, fragte er etwas tonlos, aber es wirkte dennoch nicht wie eine Floskel. Das letzte Mal, als sie sich gesehen hatten, war Vaash noch an den Hoverstuhl gebunden gewesen – aufgrund seiner Verwundung in der Schlacht von Eriadu. Von der neuerlichen Verletzung des Admirals hatte Cassio selbst keine Kenntnis, sie war dem älteren Kommandeur auch nicht anzumerken. Fraglich war aber wohl, ob Vaash selbst die Frage auf seine alte oder seine neue Verletzung beziehen würde.
„Leutnant Maryll hatte erwähnt, Sie im Lazarett besuchen zu wollen.“
Cassio verschwieg den Teil, dass sie versucht hatte, ihn zu überreden, den Flottenadmiral persönlich im Lazarett zu besuchen, dachte aber für einen Moment jetzt nochmals darüber nach. Schlussendlich hatte er ihr den Besuch gestattet, tatsächlich hatte er aber nicht weiter verfolgt, ob sie es schlussendlich auch getan hatte, aber in Anbetracht der Vorgeschichte der beiden war davon auszugehen.
„Ich war ehrlich gesagt erstaunt, dass Sie so rasch wieder in den regulären Flottendienst versetzt worden sind.“
Die gescheiterte Operation Festung war jetzt etwa ein halbes Jahr her; sicherlich genug Zeit für eine Regeneration, doch eine unmittelbare Versetzung an einen potentiellen und erwarteten baldigen Brennpunkt war nicht unbedingt der Platz für Personen, die gerade aus dem Lazarett entlassen worden waren. Häufig boten sich hier Patrouillen- und Wachdienste im Hinterland als Schutz vor kleineren Überfällen durch mutigere Piraten oder einzelne Kleinverbände der Republik an, um eine Person wieder an den regulären Dienst zu gewöhnen, ehe die Verlegung an einen kritischeren Punkt der Front vorgenommen wurde.

Es mochte mehrere Hintergründe für diese Entscheidung geben. Doch Kallice war kompetent – Cassio erwartete bei seiner Nachfolge keine Entscheidungen, die nicht nachvollziehbar oder rational wären. Der schlechtmöglichste Hintergrund war wohl der, dass es kaum mehr Alternativen oder anderweitige vergleichbare Reserven in der Flotte gab und daher bereits jetzt alles entgegengeworfen wurde, um keinen Boden mehr preiszugeben, weil nun jedes verbliebene Stück des Imperiums bereits überlebensnotwendig war. Diesen Eindruck hatte Cassio zuletzt in seiner Position zwar noch nicht von der militärischen Lage gehabt; indes war seine Einsicht nun seit seiner Entlassung seit einiger Zeit auch nicht mehr die gleiche wie zuvor. Klar war, dass der hintere Rand praktisch verloren war und es auch mittelfristig keine realistischen Bestrebungen geben konnte, dies in irgendeiner Form zu ändern. Es war bedauerlich, aber derzeit war das Optimum wohl, dass man versuchte, das zu halten, was man derzeit hielt. Die Rüstungskapazitäten sprachen noch immer deutlich für das Imperium, doch die Vorstöße der Republik in die Expansionsregion waren besorgniserregend. Es half nichts, über große Werften zu verfügen, wenn diese keine Rohstoffe mehr aus den äußeren Regionen erhielten. Vermutlich waren die Lager zum jetzigen Zeitpunkt noch gut gefüllt, aber es erschien fraglich, ob dies auf Dauer aufrechterhalten bleiben konnte, wenn die Ressourcen aus den Randgebieten nicht mehr eintrafen. Die verstaatlichten Großwerften mochte das weniger treffen, doch gerade Kuat konnte das potientiell und auf Dauer wirtschaftlich erheblich schaden, wenn die Produktionskapazitäten brach lagen, weil nicht mehr produziert werden konnte. Allerdings zweifelte Cassio daran, dass die Kuati das sehenden Auges hinnehmen würden. Dafür waren sie zu clever. Was indes nicht bedeuten musste, dass es das Beste für das Imperium im Sinn hatte.
Bild

.: Machinery of War (Cassio's Theme) :.
.: Failing to plan is planning to fail :.
Zitieren
 
#6
Es war bemerkenswert, dass eine solche Situation eine gewisse Normalität aufwies. Es war das Gespräch zweier Menschen, die durch Pflicht und Beruf zusammengekommen waren. Unter anderen Umständen wäre dieses Gespräch sicherlich ein normales Dienstgespräch gewesen aber im Anbetracht der zu erwartenden Ereignisse gewann es an herausgehobener Bedeutung. Der wärmende Alkohol schmeckte im Munde des Flottenadmirals nach. Insbesondere das starke Eigenauroma der seltene Früchte, die für diesen Likör verarbeitet worden waren. Vaash erlaubte sich nur wenig Luxus aber nach Eriadu hatte das erlösende Genussmittel Einzug in sein Leben erhalten. In gewisser Hinsicht war dieses Getränk, neben anderen Alkoholika, der einzige Luxus. Auch der Bereitschaftsraum war recht schlicht und strahlte in klarer Metalloptik, wirkte insofern steril und makellos. Noch waren noch nicht einmal Tritt- und Gebrauchsspuren auf den Bodenplatten ersichtlich. Die zynische Reaktion des Vizeadmirals missfiel Vaash. Nicht, dass er ihn nicht verstand aber sich der Kameradschaft zu entziehen oder zumindest den Versuch zu unternehmen, erschien dem alten Raumbären als Frevel am Dienst selbst. Wenigstens hatte Acchetia am angebotenen Drink genippt. Eine Tatsache, die Vaash beachtete und wertschätzte. Es waren die kleinen Zeichen eines zivilisierten Zusammenlebens, welche er erhaltern wollte. Und musste. Ansonsten blieb Vaash nicht mehr viel, außer seinem Kommando, seiner Familie und seine kümmerlicher Versuch ein positives Andenken in der Geschichte zu hinterlassen.

"Sie werden am Dienstessen teilnehmen," stellte der Flottenadmiral klar. Seine Stimmlage machte unmissverständlich klar, dass Acchetia folgen musste. Auch wenn der Vizeadmiral den Versuch unternommen hatte, dem versteckten Befehl freundlich und höflich zu entkommen, ohne die Authorität sichtbar anzugreifen. Vaash duldete diese Flucht nicht. Der strenge Blick des Altgedienten fiel auf Acchetia. Dort verweilte der Blick einen langen Atemzug. "Ihr Geschwader kann noch ein paar Stunden ohne Sie auskommen," fügte Vaash, erneut um einen freundlichen Ton bemüht, an. "Diese Teilnahme ist obligatorisch. Sie müssen die anderen Kommandooffiziere kennenlernen. Jedoch eine Person von besonderer Stellung dürfen Sie bereits in wenigen Minuten kennenlernen," sagte der Admiral und nannte die Person nicht näher. Vielleicht mochte Vaash Andeutungen und Geheimnisse aber eher mochte er es, wenn sich Personen selbst vorstellten und sich selbst ins Spiel brachten. Ein Militär musste für sich selbst sprechen und stehen können. Eine Tugend, die Vaash lebte. Man wich vor keiner Aufgabe zurück und nahm eine Position ein.

Er räsuperte sich, als Acchetia seinen Gesundheitszustand ansprach. Es fiel ihm schwer darüber sprechen. Ein wiederholtes Räuspern vermittelte Unsicherheit, da der sonst so tapfere Admiral diesen Punkt gerne umschiffen wollte. Wieder waren dort diese Phantomschmerzen.

Diese Schmerzen, die durch das finstere Dunkel waberten, welches seine Vergangenheit verdunkelte. Nicht nur der Angriff der Hexe hatte Spuren hinterlassen, sondern auch der Absturz bei der Schlacht von Eriadu. Viel mehr schmerzte der verletzte Stolz und auch die Verluste an gutem Leben. Niemand konnte diese tapferen Soldaten ersetzen. Vaash hatte seine Position verteidigt, seine Befehle ausgeführt und war nicht gewichen aber hatte dadurch viele ihm loyale Personen enttäuscht und verloren. Er hatte sich selbst enttäuscht, auch wenn er viele Leben gerettet hatte und die Todesschwadron in seiner Schuld stand. Denn die dortigen Offiziere hatten sich persönlich bei Vaash bedankt und ihn als einen der besten Offiziere des Reiches gelobt. Doch dieses Lob war wie Gift. Es ätzte in seinem Herzen, denn ein guter Offizier hätte seine Ziele ohne derartige Verluste erreicht. Kein Umstand erlaubte derartige Verluste, auch wenn viele dies anders sahen. Für Vaash waren diese Meinungen ohne Bedeutung, denn alleine die Geschichte mochte urteilen, welcher Preis aufgewogen werden konnte. Er hustete und griff hektisch nach dem Glas, um dieses in Eile in seinen Rachen zu gießen. Ein wohliges Brennen kündigte eine baldige Wirkung an. Mit einem dumpfen Ton schnellte das Glas zurück auf den Arbeitstisch.

"Entschuldigen sie meine folgende Offenheit," antwortete Vaash deutlich ernüchtert und sagte dann nur ein Wort: "Beschissen". Es gab kein besseres Wort, um seinen Umstand und seine Gesundheit zu beschreiben. Er fühlte sich derartig und tat in der Tradition der alten Raumfahrer keine Umschweife, um diese auch zu benennen. Natürlich hätte Vaash ein weniger anstößiges Wort wählen können und in seiner Position auch sollen aber es war ihm egal. Vieles war inzwischen egal und wenigstens ein bisschen Ehrlichkeit sollte nicht durch Höflichkeit erstickt werden. Immerhin musste er niemanden darum bitten, offen zu sprechen. Er konnte als ranghöchster Offizier einfach und niemand würde ihn dafür bestrafen. Noch nicht. "Maryll war dort. Ich habe ihre Holokarte vorgefunden," erklärte Vaash aber konnte sich nicht genau erinnern, denn sein Zustand damals war katastrophal und eher nahtod als vollens am Leben teilnehmend. Nur dank diverser imperialer Fachärzte konnte er überleben. Dennoch blieb diese versteckte Gewissheit, dass es nicht nur die Ärzte waren. Ein Gefühl von Wärme, Erleichterung und Hoffnung war in der Ferne greifbar aber löste sich im zornigen Stolz des gescheiterten Vaash auf. "Ich habe noch gelegentlich Schmerzen. Nicht alle Wunden sind vollens verheilt. Viele Narben bleiben, auch wenn man diese nicht auf Anhieb sieht, Acchetia," donnerte der Raumbär tief durch die Nase Luft holend. Es war ehrlich und er wollte seinen neuen Untergebenen nicht im Unklaren lassen.

"Doch die Ärzte haben mir eine ausgezeichnete Medikation ohne sinneseinschränkende Nebenwirkungen verschrieben. Auch das galaxis-beste Bacta steht mir zur Verfügung. Das macht mich wohl im Sinne des Oberkommandos dienstfähig." Auch für Vaash war es überraschend gewesen, sofort wieder in Dienst gestellt zu werden. Er selbst fasste es als Versuch auf, ihn gerecht an der Front zu entsorgen, damit willfährige Fanatiker im Kern um Vesperum sein konnten. Hier an der Front konnte er wenigstens das tun, was er am besten konnte: eine Flotte führen. Politik, insbesondere in der Nähe des imperialen Throns, lag ihm nicht und dort zerstörte er sicherlich mehr als, als er richtig machte. Das Oberkommando wollte wohl zeitnah seine Fähigkeit fern vom Thron wissen. Vaash konnte dem nur zustimmen, obwohl er etwas vermessen daran glaubte, dass der Imperator höchstselbst diesen Einsatz für ihn vorgesehen hatte, um ihn vor Il-Raz zu retten. Eine versteckte Hilfe, um der Schande zu entkommen, als Posterheld zu dienen. Ein Soldat, wie er, gehörte an die Front, um dort den Tod zu verdienen. Diese makabere Idee würde zu Vesperum passen, der selbst im Tod eine Erlösung sah. Er würde es als Rettung sehen, elendig in einem desolaten Kampf unterzugehen. Ein zynisches Grinsen huschte über Vaashs Gesicht. "Ich denke, dass das Oberkommando seine Gründe hatte," sagte Vaash vielsagend und legte dann beide Hände vor sich auf die Tischplatte.

[Bild: sloane.png]
Ein leises Piepen auf der Konsole kündigte eine Person an. "Ah!" Vaash lächelte nun ehrlicher, deutlich weniger zynsich, da seine Aufmerksamkeit fort von den tristen Gedanken gelenkt wurde. Es geschah ihm recht, dass man sich wieder Aufgaben zuwenden konnte. Tiberius Vaash war stolz und dieser Stolz erlaubte einen schnellen Fokus fort von sich auf Aufgaben, die seinem Andenken dienen konnten. "Unser erster Gast eingetroffen. Ihre neue Kameradin und gleichrangige Offizierin," sagte Vaash, um dann ein weiteres Glas aus dem Schrank neben sich zu holen. Er stellte es ab und goss ein. Danach betätigte er zwei Tasten auf der Konsole und nur wenige Sekunden später öffnete sich die Durastahltür zischend. Eine Frau in der Uniform der Flotte und den Rangabzeichen eines Vizeadmirals stand dahinter. Sie trat mit einem militärischen Schritt ein und grüßte vorbildlich.
"Vizeadmiral Sloane des 192ten Geschwaders meldet sich wie befohlen," sagte sie mit fester Stimme und Vaash nickte ihr zu, bevor er den Gruß aufmerksam erwiderte.
"Willkommen," grüßte Vaash und deutete dann mit einer einfachen Handgeste auf Acchetia. "Darf ich vorstellen: Vizeadmiral Acchetia des 441ten Kampfgeschwaders," übernahm der Altgediente und Ranghöchste die Vorstellung. Sloane blickte mit einem neutralen Blick zu Acchetia, da sie diesen nur als Stabschef kannte und nicht mit seinem Fronteinsatz gerechnet hatte. Schreibtischleute waren ihr zuwider.
Zitieren