#21
Die rote Welt lag brach da, weit und breit, bis an den Horizont heran, nichts zu sehen außer einer endlosen kupferfarbenen Wüste, über der der Wind heulte und der seit Ewigkeiten die Sanddünen über die Oberfläche trug, Geheimnisse verschwinden ließ und andere zutage förderte. Eine Brise warf einige Sandkörner in die Luft, welche zunächst ziellos umherflogen und erst nach einer Weile etwas abzeichneten. Uralte Ruinen, Gräber, Tempelanlagen. Verfallene Statuen aus längst vergessenen Epochen und an denen sich der rote Sand bereits vielfach gütlich getan hatte. Vereinzelte Risse und angebrochene Gliedmaßen der Statuen waren einige der Folgen. Manche hielten dem Sturm der Zeit stand, andere lagen bereits zerbrochen zu Boden dar. Wie alt mochte all das hier sein? Jahrhunderte? Jahrtausende vielleicht? Der Wind peitschte über den Boden hinweg und trug den Sand weiter voran, seinen Weg vorbei an zahllosen Kratern des Bodens, größere, kleinere, aber keiner davon natürlichen Ursprungs. Eine Schlacht, ebenfalls jedoch vor langer, langer Zeit.

Weniger alt war das Nachtlager inmitten einer Schlucht, die irgendwann in eine der Tempelanlagen führen würde. Dort saß die blasse Sephi vor einer Feuerstelle und blickte regungslos in die Flammen. Doch nicht allein, es war noch jemand anderes dort, eine dunkelhaarige Menschenfrau, eine ihrer Hände verbunden. Die Sicht flackerte. Plötzlich waren dort andere Leute. Zwei dunkel gekleidete Gestalten, ein Totenschädelmann mit einer jüngeren Frau. Das Nachtlager schien neuer zu sein als soeben noch, sie sprachen, stumm jedoch. Obwohl ihre Münder sich bewegten, war nichts zu hören. Ein Flackern. Wieder die Sephi mit ihrer Begleiterin, am Boden sitzend. Doch etwas hatte sich verändert, die Wirbel der Macht verzogen sich. Die Begleiterin, eine bestienhafte Verzerrung davon, stürzte sich auf die Sephi, umschloss mit ihrer Hand deren Hals. Dann ein Schlag mit etwas Metallischem und das Biest sackte bewusstlos zusammen. Die Sephi kroch davon, hinaus in den Sandsturm. Hitze entbrannte nahe Steine. Ein Gesicht im Sturm, geisterhaft. Eine Stimme, die durch Mark und Bein ging: Du warst immer feige. Nur in einer Sache nicht. Du willst zu diesem Monster zurück, das nur töten kann. Es wird Leid bringen. Und du dienst ihm, willst ihm helfen. Das Herz schmerzte. Es war eine Wahrheit, die sie nicht akzeptieren konnte – oder nicht wollte. Aber womöglich irgendwann einmal musste. Die Bilder verschwammen. Die Schluchten verformten sich, verloren ihre organische Struktur und wurden zu hartkantigen Wänden. Ein Tempel. Der Totenschädelmann, in seine Robe gehüllt, schritt durch eine Öffnung tiefer in den Tempel hinab. Irgendwann blickte er auf ein glänzendes Objekt, ein altes Holocron. Etwas, das er gesucht hatte. Er brauchte Wissen, viel Wissen. Mehr als hier war, doch es mochte ein Anfang sein. In den Wänden des Tempels lächelte das geisterhafte Schattenwesen aus dem Sturm, als der Mensch das Objekt mit sich nahm.

Etwas klirrte. Der Tempel und die rote Welt zerbrachen plötzlich in Tausende von Teilen, Splittern, die gierig auf den grünen Boden prasselten. Die Wüste war fort. Stattdessen nun wieder die schlierenbehangenen Fetzen der hiesigen Welt. Doch nicht ganz. Oben, im blauen Himmel der Dschungelwelt, funkelte der rötliche Gasriese gewaltig herab. Aber da war nun noch etwas, schälte sich als zunächst nur kleine Silhouette nach und nach von dem flimmernden Stern ab. Es verschwamm, unklar. Irgendwann jedoch schärfte sich der Blick und das Objekt überragte den Himmel bis an den Horizont. Ein riesiger metallgrauer Stern, der auf den Dschungelmond herabzublicken schien. Ein furchterregender Anblick, künstlich, todbringend. Nervosität stieg auf, als man sich dem Objekt zu nähern schien. Verschiedene Stimmen tönten verzerrt in die Ohren. Und die Sphäre voran wurde immer und immer größer, bis er einem grüne Lichtblitze entgegen spie. Die Sterne rundherum rasten vorbei, drehten und wendeten sich, als die Blitze häufiger wurden. Das Gefühl von Übelkeit beim Fliegen. Irgendwann sah man nichts Weiteres mehr als nur noch die unstete graue Oberfläche des Planetoiden. Es war gewaltig. Eine Mischung aus Ehrfurcht und Unverständnis.

„Da seid ihr ja“, sagte der Mann und begann zu lächeln, als er in den Holo-Bildschirm blickte. Wie lange war es her? Vier Monate, vielleicht fünf? Er durfte derzeit gar keine Übertragungen senden. In seiner Sektion auf der südlichen Hemisphäre galt gerade Nachtruhe – der Großteil seiner Wartungsabteilung schlief im Moment, während die benachbarte Sektion für die Schicht zum Noteinsatz aktiviert worden war. Offensichtlich ging gerade etwas Großes vor sich, aber ihnen hatte niemand etwas gesagt.
„Die Verbindung ist sehr schlecht. Wo bist du gerade?, fragte eine nervöse Stimme aus dem Bildschirm zurück. Der Mann sah sich übersprungshaft kurz um, fast etwas paranoid, um sich zu vergewissern, dass ihn niemand beobachtete. Dann erst entspannten sich wieder seine Gesichtszüge und er antwortete ruhig.
„Das darf ich leider nicht sagen. Aber ich komme bald heim.“
Die Frau in dem Holobildschirm lächelte. Ein ehrliches, glückliches Lächeln.
„Das ist schön“, sie blickte nach unten. „Wir freuen uns.“
Sie blickte wieder auf. „Geht es dir gut?“
„Ja, natürlich. Alles in Ordnung.“ Er log. Er fühlte sich elend nach den letzten Tagen. Das Gefühl ständigern Unwohlseins begleitete ihn, doch nur wenige Männer seiner Sektion waren in der Lage, darüber zu sprechen, was ihre Raumstation getan hatte. Manche waren krankgeschrieben, andere stürzten sich in ihre Arbeit. Er konnte nicht darüber sprechen.
Das Bild auf dem Bildschirm flackerte kurz, ein leichter Ruck veränderte die Position des Mannes. Irritiert sah der Mann sich um und wollte sich übersprungshaft am Kinn kratzen.
„Willst –“
Er kam nicht dazu, den Rest ihres Satzes zu hören. Noch bevor sein Finger sein Kinn berühren konnte, sahen seine Augen nur noch einen Bruchteil lang einen hellen Lichtschein und anschließend verschwand er für immer in der Dunkelheit.

Unruhig stand ein Mann an einer Sicherheitsschleuse, gekleidet in eine schwarze Stoffuniform und einen gepanzerten Helm. Er verlagerte sein Gewicht immer wieder von einem Fuß auf den anderen, murmelte immer wieder ein Wort und schüttelte den Kopf. Alderaan. Er kannte niemanden dort, hatte den Planeten niemals betreten. Doch er ballte eine Hand zur Faust. Als ein Offizier die Schleuse passierte, schwieg er, salutierte nicht einmal. Der Offizier ging weiter. Es war einfach nicht richtig gewesen. Bei allem Bemühen darum, den Krieg durch den Einsatz dieser Station hier noch zu verhindern – es hätte andere Wege geben müssen. Doch was konnte er tun, er als Einzelner, ein einfacher Soldat, Wachtrupp der Flotte an einer von tausenden Schleusen? Und dennoch ließ es ihn nicht los. Es war nicht sein Imperium, nicht mehr. Sie mussten besser sein. Und waren es nicht mehr; oder womöglich nie gewesen. Vielleicht war es Zeit, sich zu entscheiden. Vielleicht –
Ein kurzes Rucken des Bodens ließ ihn aufschrecken, als es ihn aus den Gedanken riss. Er blickte auf seine Stiefel, ehe der Boden unter ihm zu einem hellen Lichtschein wurde und er für immer in der Dunkelheit verschwand.

Er atmete schwer. Die Panzer- und Strahlenweste, die er trug, war nur einer der Gründe. Es war wieder so weit. Der dritte Planet. Hauptzündung einleiten. Er kniff die Lippen so eng aneinander, dass es schmerzte. Es war nicht schlimmer als das, was er fühlte, seit er zum ersten Mal den Hebel betätigt hatte. Er wusste, dass er der vielleicht größte Massenmörder der Geschichte war. Als sich herumgesprochen hatte, dass er den Hebel betätigt hatte, waren seine Kollegen und Freunde ihm aus dem Weg gegangen. Es war erst so kurz her und doch hatte sich so viel geändert. Er fühlte sich ausgestoßen. Aber was hätte er tun sollen? Ein Soldat folgte Befehle, oder nicht? Selbst wenn es die falschen waren? Er hasste sich dafür. Und das Imperium. Dafür, dass es ihn zum Henker gemacht hatte. Er wusste nicht einmal, wie viele Leben er bereits jetzt auf dem Gewissen hatte. Doch er wusste, er würde sich niemals wieder im Spiegel ansehen können. Seine Hände zitterten. Er schob den Hebel nach vorne, viel zögernder als zuletzt. Verzweiflung stieg in ihm auf. Er wollte nicht mehr. Nicht schon wieder. Es musste irgendwann aufhören. Ein rückfragender Ping seiner bereiten Bordschützenmannschaft ging im Display seines Panzerhelmes ein.
„Alles bereit“, sagte er als Antwort in das Com-Gerät, während er an die Überkopfkontrolle griff. Eine kurze Stille. Dann aber nach nur wenigen Sekunden ein erneuter Ping.
„Alles bereit…“, wiederholte er. Er konnte es nicht tun. Wollte nicht. Aber er musste. Der Abzug wankte unter seinem Griff. Er hatte keine Wahl. Dann aber - ein kurzer Ruck, fast wie ein ersehnter Glimmer der Hoffnung. Kritischer Fehler. Systemversagen. Er schloss die Augen. Danke. Der Lichtschein verschlang den Mann und er verschwand für immer in der Dunkelheit.

Aus dem Lichtschein flog ein kleines Raumschiff, ein vierflügeliger Jäger. Der Stern war verschwunden, hatte ein blinkendes Meer neuer Sterne hinterlassen. Wunderschön auf eine Art. Doch nach und nach verschwanden die neuen Sterne auch bereits wieder nach wenigen Augenblicken, einer nach dem anderen, bis sie alle verloschen waren und das Nichts wieder ins Dunkel gehüllt war. In der Weite des finsteren Weltalls erstarb das letzte Leben. Der Tod hatte mit dem Tod bezahlt. War es falsch, den Tod dafür einzusetzen? Vielleicht nicht, um Größeres und Schrecklicheres zu verhindern. Aber war es schlussendlich auch die Lösung oder nur die Bekämpfung eines Symptoms? Eines Problems, das viel tiefer lag? Es mochte nicht jeder Feind wirklich ein Feind sein müssen. Am Ende war der Feind der Krieg selbst. Der Hass und die Leiden, die er mit sich brachte. Er nährte das Schlechteste in der Galaxis. Und gab denen Macht, die keine haben durften. Der Totenschädel starrte zurück. Und in seinem Blick funkelten kristallene Abbilder verfinsterter, sterbender Welten.
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#22
Ruhig begann Luke seine Reise wieder auf zu nehmen. Setzte selbstsicher einen Schritt vor den anderen. Lauschte dem Knirschen des Sandes unter seinen Stiefeln und dem leisen Rauschen von Wind. Egal wohin er seinen Blick auch lenkte, überall erwartete ihn dasselbe Bild. Eine rote Wüste aus Sand. Luke fragte sich, ob in einer solchen Umgebung überhaupt Leben möglich war und sollte ein solches möglich sein, wie mochte es wohl geschaffen sein? In so vielen Dingen ähnelte diese Sandwüste der seiner Heimat und doch unterschied sie sich in so vielen Dingen. Ja, wenn Leben hier möglich war, welche Erscheinung hatte es wohl? Wie würde es sich in der Macht anfühlen? Vorausgesetzt es war ihm überhaupt möglich sie in der Macht wahrzunehmen. Yoda hatte ihm damals gesagt, genau so wie Obi-Wan, dass die Macht in allem Leben war. Dass sie dieses umgab, durchwirkte und miteinander verband. Sie war allgegenwärtig und doch war sie für ihn nicht immer zugänglich. Er wusste, dass er noch vieles zu lernen hatte, nicht nur was die Macht betraf, sondern auch was sich selbst betraf. Vor gar nicht einmal so vielen Jahren hatte er vieles für unmöglich gehalten, für Yoda der Grund seines Scheiterns und auch jetzt noch, obwohl er so vieles gesehen und erlebt hatte, so vieles erreicht hatte, gab es genügend Momente wo er Dinge für unmöglich hielt. Wo er sich einfach nicht vorstellen konnte, dass es einen Weg gab. Es war nicht so, dass er ihn nicht sah, sondern er bezweifelte, dass überhaupt einer existierte. Aber es war schwer an etwas zu glauben, das sich dem eigenen Verstand entzog und doch würde er es lernen müssen. Nicht alleine nur für sich, sondern für all diejenigen die nach ihm kommen würden. Diejenigen, für die er die Verantwortung besaß sie auf den rechten Weg zu führen. Diejenigen, die an ihn glaubten und darauf vertrauten, dass er sie nicht auf dem Weg stolpern ließ. Diejenigen, für die er in den letzten Monaten nicht der Meister gewesen war, der er hätte sein müssen. Aber in der Galaxis geschahen jeden Tag so viele Ungerechtigkeiten, so viele Freunde und Bekannte benötigten seine Hilfe und wenn er nicht für sie da war, ließ er sie dann nicht genau so im Stich wie er die Schüler im Praxeum im Stich gelassen hatte?

Luke drehte seinen Kopf zur Seite, als er aus den Augenwinkel eine Gestalt wahr genommen hatte, doch alles was er sah war endlos reichender roter Sand. Er mochte die Gestalt vielleicht nur für einen kurzen Moment aus den Augenwinkel gesehen haben, doch dieser kurze Moment hatte gereicht um genau zu wissen, wen er gesehen hatte. Ein junger Mann den er im Stich gelassen hatte, für den er nicht dagewesen war und dafür hatte er einen hohen Preis bezahlt. Luke wusste nicht, was die Zukunft ihm bringen würde und er wusste auch nicht wohin ihn sein Weg führen würde. Er wusste nur, dass es in seiner Verantwortung lag, einen solch schrecklichen Tag nicht wieder geschehen zu lassen, auch wenn er tief in seinem Inneren bereits wusste, dass er nie alle würde retten können die in Gefahr waren. Er mochte ein Jedi sein und viele Kulturen mochten in dem Wirken der Jedi Wunder gesehen haben und doch waren sie nicht in der Lage Wunder zu verbringen. Wären sie je in der Lage dazu gewesen, dann wäre die Vergangenheit wohl anders verlaufen.

Die Gedanken ließen Lukes Blick zu Boden wandern. Es war so viel Verantwortung, so viele Personen erwarteten von ihm das Unmögliche, wie sollte er jemals all diesen Ansprüchen gerecht werden? Er war kein weiser alter Mann wie Obi-Wan und er hatte auch nicht so viele Jahre gelebt wie Yoda. Er war gerade erst einmal 24 Jahre alt und doch hatte er in wenigen Jahren mehr erlebt, als manch andere in einem ganzen Leben. Er hatte Schmerz gesehen und er hatte Leid erlebt. Er hatte Hoffnung gesehen und Freude erlebt. Wenn die vergangenen Jahre ihm eines gezeigt hatten, dann war es, dass ein winziger Funke ausreichend war um große Veränderungen zu vollbringen.

Luke hob wieder seinen Blick und sah direkt in das Gesicht seines Vaters. Er sah nicht den Mann, dessen sterbende Worte er auf dem zweiten Todesstern vernommen hatte, sondern den Mann, den er zum letzten Male auf Endor gesehen hatte. Auf Endor war es der Machtgeist seines Vaters gewesen, der sich zu Obi-Wan und Yoda gestellt hatte, doch hier war es kein Machtgeist den er sah. Das Bild seines Vaters war so klar und deutlich. Geradezu greifbar. ‚Wir werden immer bei dir sein mein Sohn‘, hörte er Anakins Stimme in seinem Kopf. ‚Vater‘, hörte sich Luke sagen und streckte die Hand aus um ihn zu berühren, doch seine Hand griff ins Leere. Langsam ließ Luke seine Hand sinken und schloss die Augen. Lauschte einen Moment lang einfach nur dem Klopfen seines Herzens. Ja, sie würden immer bei ihm sein.

Seine Augen öffneten sich wieder und wo vorher nur roter Sand gewesen war erhob sich nun ein – Ja, ein was eigentlich? Es war nicht einfach nur ein Gebäude, es war auch kein Gebäudekomplex. Es war, als hätte jemand aus einer Vielzahl an unterschiedlichsten Gebäude ein Einzelnes errichtet. Aber es folgte keinerlei Symmetrie, keiner ihm bekannten Logik. Seinem Verständnis nach könnte ein derartiges Gebäude in der Realität überhaupt gar nicht existieren können. Es würde in sich zusammenfallen wie ein aus Sabbac-Karten errichteter Turm. Aber nicht nur, dass es jeder Gravitation zu trotzen schien, änderte es auch mit jedem Herzschlag seine Gestalt. Es war ständig in Bewegung. Teile des Gebäudes verschwanden und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Andere Stellen wiederum veränderten einfach nur ihre Form. Es war Luke absolut unmöglich das Gesehene in seiner Vollständigkeit zu begreifen. Es entzog sich mit einer Leichtigkeit seinem Verständnis. Aber er war nicht hier her gekommen um dieses Schauspiel zu beobachten, sondern er war hier um einer jungen Frau zu helfen. Einen letzten tiefen Atemzug nehmend öffnete Luke die einzige Türe die sich ihm offenbart hatte. Für einen kurzen Moment war das Innere erfüllt von dem Licht, das durch die Türe hereinfiel und Luke konnte ein Wirrwarr an Treppen und Türen erblicken. Dann jedoch schloss sich hinter ihm die Türe und Dunkelheit umgab ihn. Den Eindrücken seiner Augen beraubt, schloss Luke diese und ließ sich in der Macht fallen, damit sie ihn dorthin führen würde, wo er sein wollte. Sicher setzte er einen Schritt vor den anderen. Er stieg Treppen hinauf und wieder hinab. Er öffnete Türen und schritt durch lange Gänge, bevor er weitere Türen öffnete, die ihn zu anderen Treppen führte. Es war eine gefühlte Ewigkeit wo er einfach nur einen Schritt vor den anderen setzte und dann spürte er plötzlich das warme Gefühl in seiner Brust und die Gewissheit am Ziel angekommen zu sein. Er öffnete die Augen und stellte fest, dass die Dunkelheit, welche ihn willkommen geheißen hatte, verschwunden war. Der Raum war erfüllt von einem warmen und sanften Licht und dessen Quelle war eine müde drein schauende junge Frau.

‚Du kannst dich nun ein wenig ausruhen und neue Kraft sammeln‘, sprach Luke mit beruhigendem Tonfall, während er auf die junge Frau zuging. ‚Ich werde nun für dich die Dunkelheit fern halten.‘ Er blieb hinter ihr stehen und legte ihr leicht seine Hand auf die Schulter. Zeigte ihr damit, dass er hier war und ließ sie zugleich spüren, dass sie ihm vertrauen konnte. Er würde nicht zulassen, dass die Dunkelheit bis hier her vordringen konnte. Er hatte es ihr versprochen und er hatte nicht vor dieses Versprechen zu brechen.



Luke öffnete die Augen und blinzelte, als ihm ein Schweißtropfen ins Auge ran. Sie zu finden hatte ihn mehr Kraft gekostet, als er sich vorgestellt hatte und das war nicht die einzige Erkenntnis, welche ihn in diesem Augenblick wie ein Blasterschuß traf. Ihr Bewusstsein abzuschirmen, die Verbindung aufrecht zu erhalten, das kostete ihn seine ganze Kraft und Konzentration, wie also sollte er da noch die Macht benutzen ihr das Schrapnell zu entfernen? Er hatte eindeutig den Mund voller genommen als gut für ihn gewesen wäre. Aber er hatte damit begonnen, also würde er es auch zu Ende bringen. Mit der einen oder anderen Hilfe.
„3PO!“, rief er nach dem Protokolldroiden, von dem er wusste, dass er hier irgendwo sein musste. „Ich brauche deine Hilfe.“
„Aber gewiss doch Master Luke“, erklang es dann auch schon direkt neben ihm. „Womit kann ich ihnen behilflich sein?“
War er etwa die ganze Zeit über neben ihm gestanden? Einerseits ein beruhigendes Gefühl, irgendwie aber auch nicht.
„Du wirst mit jetzt wirklich genau zuhören“, sprach Luke und man konnte seiner Stimme die Anstrengung anhören, welcher er gerade ausgesetzt war. Schritt für Schritt erklärte er 3PO was er nun zu tun hatte.
„Master Luke, ich muss doch protestieren. Ich bin eine Protokolldroide und kein Medi-Droide. Ich bin für so etwas -“
„Tue einfach nur das was ich dir sage.“
„Wie wäre es, wenn ich einfach Hilfe hole? Sie haben mir hier -“
„Dafür ist keine Zeit!“, kam es nun doch deutlich eindringlicher von Luke. „Wenn du es nicht tust, dann – Ich weiß nicht was dann passiert, aber ich weiß, dass man dich dafür verantwortlich machen wird. Erst R2, dann Han, dann Chewie, dann -“
„Ohje ohje. R2 würde mir das niemals verzeihen wenn ihnen etwas zustößt Master Luke“, kam es nun von 3PO, dem man die Angst durchaus anhören konnte. Wieso musste man ihm eigentlich immer erst drohen? Vielleicht sollte Chewie mal ein bisschen an seiner Loyalitätseinstellungen herumspielen.
„In Ordnung. Ich tue was sie von mir verlangen. Aber ich wiederhole an dieser Stelle noch einmal deutlich, dass ich kein Medi-Droide bin.“
„Anmerkung zur Kenntnis genommen und jetzt folge meinen Anweisungen“, meinte Luke und erklärte 3PO dann was dieser als erstes zu tun hatte. Für einen kurzen Moment versuchte er mit Hilfe der Macht ein wenig einzuwirken, aber er merkte sofort, dass er es besser bei dem Versuch belassen sollte. Er war nicht in der Lage dazu und hatte sich jetzt schon über seine eigenen Grenzen hinaus bewegt. Er durfte nicht noch mehr riskieren, wenn er weder ihr, noch sich selbst, Schaden zufügen wollte.

Er konnte in seinem ganzen Körper spüren, wie ihr Bewusstsein auf das reagieren wollte, was gerade mit ihrem Körper passierte und Luke konzentrierte sich noch ein bisschen mehr auf die Barriere, die er um ihr Bewusstsein errichtet hatte. Die Barriere, welche sie vor Schmerz und negativen Gedanken abschirmte und ihr die Ruhe ermöglichen sollte, die sie dringend benötigte. Vermittelte ihr noch mehr das Gefühl von Ruhe und Wärme, während er 3PO Schritt für Schritt durch die Prozedur leitete.

Als der letzte Schritt vollbracht war und die Wunde ordnungsgemäß versorgt und verschlossen war, fühlte sich Luke einfach so unsagbar müde, aber er wusste, dass es noch nicht vorbei war. Er schloss die Augen und ließ sich von der Macht treiben. Als er das nächste Mal die Augen öffnete, befand er sich nicht wieder inmitten einer roten Sandwüste, sondern genau an der Stelle, an welcher er verblieben war. Er stand noch immer hinter der jungen Frau, die Hand auf ihre Schulter gelegt.
‚Ich hoffe du konntest ein wenig Ruhe und Kraft finden‘, sprach er zu ihr und lächelte leicht. ‚Denn ich kann nicht länger hier bei dir verweilen.‘ Er nahm seine Hand von ihrer Schulter und während noch immer ein Lächeln auf seinen Lippen lag verblasste seine Erscheinung erst langsam, doch dann immer schneller.

Luke löste seine Hände von ihren und ließ sie kraftlos in den Schoß sinken. Sie zitternden von der Anstrengung welcher er sich ausgesetzt hatte. Seine Haare klebten ihm an der schweißnassen Stirn und sein Atem ging schwer. Er fühlte sich so erschöpft, wie er sich noch nie gefühlt hatte und er hoffte, dass ihm weiterer Ärger oder Probleme erspart blieben, bis er wenigstens ein Weile, eine lange Weile, Schlaf gefunden hatte.
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#23
Ein wirrer Geist, durchzogen von Labyrinthen, die sich selbst beständig neu formten, um neue Gefängnisse zu errichten. Manches versuchten sie auszusperren, anderes hingegen einzusperren, damit es nicht entkam… oder vielleicht auch verborgen und sicher blieb? Möglicherweise war es das, was Maledice… was Reah gesucht und gefunden hatte. Unklar. Bis zuletzt war es das geblieben. Und würde es auch weiterhin. Doch irgendetwas anderes drang noch hinzu. Eine gewisse Ruhe und Beständigkeit, das Gefühl von Morgentau nach der düsteren Nacht. Die Augen öffneten sich allmählich, flimmrig, die Sicht unscharf von Flüssigkeit. Sedrael blinzelte einige Male, um wieder klarer sehen zu können. Es dauerte etwas, ehe die Formen vor ihr wieder erkennbare Gestalt anzunehmen begannen. Instinktiv glitt ihr erster Blick allerdings an sich, an ihre Seite hinab. Ihre Kleidung war noch immer blutrot verfärbt, durchnässt, wenn auch schwer zu sehen auf dem purpurnen Stoff. Aber auch nicht mehr. Sie fasste über die Stelle, die vor kurzem noch malträtiert gewesen war und glaubte unter dem Stoff den Verband sowie die trocknende Festigkeit von Synthfleisch zu spüren. Kein unmittelbarer Schmerz, ihre Haut kitzelte auch nicht weiter, mehr hatte nun die Taubheit überhandgenommen. Das war in gewisser Sicht aber kein schlechtes Zeichen, wenn sie das richtig interpretierte. Sie bemühte sich um ein ruhiges Einatmen, verengte nochmals kurz die Augen. Ein kurzes Aufwallen in der Macht, mehr eine kleine Woge denn eine vereinnahmende Welle. Genug aber, um die Botenstoffe in ihrem Körper zu spüren, die eifrig ihre Informationen durch den Körper trugen. Es mochte genügen, für den Augenblick zumindest. Sie zuckte kurz, kaum merklich, als das Bild eines Schädels im roten Sand plötzlich vor ihrem Auge erschien. Sofort ebbte die Macht binnen einer Sekunde wieder ab. Der Schädel, nur da für den Bruchteil eines Herzschlags, war fort. Gepresst atmete sie die Luft schließlich wieder aus. Vorsichtig.

Als ihre blauen Augen wiederkehrten, blieben sie dieses Mal jedoch nicht an sich selbst hängen, sondern an dem Fremden ihr gegenüber. Er und seine Motivation mochten sich ihr noch entziehen, doch schien für den Moment zumindest kein Zweifel angebracht zu sein, dass er ihr geholfen hatte. Etwas, das zu diesen Zeiten weder häufig noch selbstverständlich zu sein schien, ganz unabhängig von etwaigen Hintergründen. In das blasse Gesicht kehrte merklich wieder ein Stück weit die Farbe zurück, zu schnell vielleicht, um unmittelbar mit der Behandlung zu tun zu haben.
„Ich danke dir“, sagte sie dann, halb zu Boden blickend und dadurch beinahe wie eine beschämte Schülerin wirkend. Doch nur für einen Augenblick, ehe ihre Augen im Augenwinkel ebenso wahrnahmen, wie der goldfarbene Protokolldroide ebenfalls recht nah stand und dessen Hände auch ein Stück weit von der Behandlung abbekommen hatten. Sie hob ihren Kopf erneut an, drehte ihn in Richtung des Droiden an, und hob dann einen Mundwinkel zu einem gequält wirkenden Lächeln. Immerhin.
„Und dir.“
Es war ein seltsames Gefühl, mehr und mehr auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein – die letzten Jahre waren so sehr anders gewesen. Auf Firrerre waren tagtäglich Leute an der Seuche gestorben, für die sie nichts mehr hatte tun können. Schwierige Jahre sicherlich, dennoch kam sie nicht umhin einzugestehen, dass es für sie einfacher war zu helfen als geholfen zu werden. Sie war sich nicht im Klaren über die kulturellen Gepflogenheiten des Menschen, welche Implikation das nun mit sich brachte, sofern es das überhaupt tat. Es gab praktisch endlos viele Gebräuche in dieser Galaxis, nicht nur, aber gerade auch unter den weit verbreiteten Menschen. Doch aktuell machte ihr Gegenüber nicht den Eindruck, als wären soziale Normen gerade sein Hauptanliegen. Er hatte sich ein kleines Stück weit von ihr entfernt zu Boden fallen lassen, völlig erschöpft von der Anstrengung, die er durch ihre Versorgung erlitten hatte. Sie entschied sich daher auch, weiterhin sitzen zu bleiben, streckte nur die Beine ein Stück weit aus und platzierte die Unterarme auf den Knien.

Einige Augenblicke lang betrachtete sie den Mann nur stillschweigend. Wer er wohl war? Nun, streng genommen wusste sie es. Er hatte es ihr gesagt. Der Nachname mochte etwas implizieren, vielleicht aber auch nicht. Dann allerdings wäre es ein kurioser Zufall gewesen. Sie konnte nicht viel über den Namensvetter des Mannes ihr gegenüber sagen – sein Stern ging erst auf, als der ihre im Orden bereits erloschen war. Der Gedanke, dass hier eine Verbindung bestehen konnte, schien eigentlich abwegig zu sein, zumal auch er, wie alle anderen, mit Ende des Krieges untergegangen war. Es war dennoch bemerkenswert. Ihr Blick fiel dann auf das Zittern der Hände; eine enorme Anstrengung, der er sich gerade ausgesetzt hatte, und diese forderte nun von ihm Tribut ein. Der Brustkorb hob und senkte sich schwer. Sie entschied sich dazu, eine ihrer Hände zu senken und griff nach der Wasserflasche neben sich, die er ihr vorhin überlassen hatte, schob diese auf dem Boden liegend über das Gras in seine Richtung, bis sie kurz vor ihm zum Stehen kam.
„Du hast das gut gemacht“, fuhr sie dann fort, wobei nicht ganz klar wurde, ob sie das als Feststellung für sich selbst ins Nichts sagte oder tatsächlich zu ihm als Adressaten, eine krude Mixtur jedenfalls aus Anerkennung und Überraschung. Tatsächlich hatte sie einen großen Teil der Prozedur überhaupt nicht aktiv mitbekommen und sie schien nicht zu glauben, dass es daran lag, dass sie eventuell ohnmächtig geworden sein konnte. Das sprach durchaus für eine gewisse Fertigkeit.
„Und es ist selten in dieser Zeit, jemanden zu finden, der hierzu fähig ist.“
Es war für sie geradezu erstaunlich, wie unterschiedlich sich diese Begegnungen anfühlten. Auf der einen Seite Reah, ein Geist, der ständig in Bewegung, chaotisch, nicht zielgerichtet erschien, geradezu animalisch und doch gleichzeitig in gewisser Form unnatürlich, zersetzend, gleichzeitig geprägt von ständigen Eruptionen. Das hier, es war etwas völlig anderes. Ein ruhiger Fluss voller Ausgeglichenheit, vielleicht noch etwas krude und mit Hindernissen versehen, jedoch keineswegs wie die starken Ausschläge bei einem jüngeren Machtnutzer mit wenig Erfahrung. Ganz unabhängig von den Vorkommnissen hier war der Mann spürbar vertraut mit dem, was er tat – trainiert, etwas anders vielleicht als der Gleichstrom eines toten Ordens, aber nichtsdestotrotz wissend. Es war für sie kaum möglich, aus ihm schlau zu werden. Einerseits in Teilen vertraut, andererseits doch wieder anders. Ein Rätsel.
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#24
Wäre Luke nicht so erschöpft gewesen, wären ihm vielleicht die Anwesenheit zweier vertrauter Energien in der Macht aufgefallen. Er wäre sich ihrer Anwesenheit gewahr gewesen, so jedoch aber blieben sie von ihm unbemerkt.
„Nicht erwartet, dass gelingen ihm sein Vorhaben wird“, kam es tonlos über Yodas Lippen und doch konnte Obi-Wan ihn klar und deutlich verstehen.
„Er ist nicht mehr der junge Mann, den ich damals zu dir nach Dagobah geschickt habe“, meinte Obi-Wan mit einem warmen Lächeln auf den Lippen.
„Mhmm“, murmelte Yoda und richtete seinen Blick auf den entfernt am Boden liegenden jungen Mann. „Dennoch, gefährlich für einen jungen Jedi es ist, seine Grenzen nicht zu kennen. Großen Schaden er sich zufügen damit kann.“
„Und doch muss ein Jedi jeden Tag aufs Neue seine Grenzen austesten, sich über sie hinweg setzen. Nur wer bereit ist sich aus dem Vertrauten heraus zu wagen, ist in der Lage zu wachsen. Seine Verbindung zur Macht zu stärken und neues Wissen zu erlangen.“
Yoda drehte seinen Kopf leicht zur Seite und sah hinauf in das vertraute Gesicht Obi-Wans, ehe er seinen Blick wieder in die Ferne richtete.
„Die Verlorene Stadt der Jedi“, sprach Yoda ruhig. „Sehr altes Wissen aufbewahrt dort ist. Gefährlich es werden kann, wenn in unerfahrene Hände es fällt. Groß die Versuchung wird sein zu viel, zu schnell, lernen zu wollen.“
„Luke kennt die Gefahren der Dunklen Seite. Er ist sich ihrer Verlockungen bewusst und ich vertraue ihm, dass er nicht dieselben Fehler begeht, die Viele vor ihm begangen haben“, sprach Obi-Wan mit fester Stimme, den Blick auf den Sohn eines alten Freundes gerichtet.
„Hoffe, dass Recht du behältst“, murmelte Yoda und seine Stimme vermischte sich mit dem Rascheln des Windes in den Blättern.

Müde hatte sich Luke nach hinten fallen lassen und lag nun auf dem Rücken, den Blick in den Himmel gerichtet. Für einen Moment war es ihm, als würde er Schiffe am Himmel sehen. Lichtblitze die durch die Atmosphäre jagten, doch war es nicht mehr als eine Erinnerung gewesen. Ein Nachbeben der Macht. Er schloss die Augen und fuhr sich mit der Händen über das Gesicht. Er hörte die Stimme der jungen Frau, deren Namen er noch immer nicht kannte. Von der er so vieles nicht kannte. Eine absolut Fremde und doch war da etwas an ihr, das – konnte man es vertraut nennen? Luke war sich nicht sicher was genau es war oder wie er es einzuordnen hatte. Er wusste nur, dass er ihr vertrauen konnte und er konnte es nicht einmal erklären. Er wusste nicht, was er auf ihr Danke hätte antworten sollen, denn war das was er getan hatte überhaupt eines Dankes wert? Hatte er wirklich mehr getan, als dem nachzukommen für was die Jedi einst standen und wieder stehen sollten? Während Luke noch am überlegen war, was er ihr auf ihre Worte entgegnen sollte, hört er schon die helle und blecherne Stimme von 3PO.
„Ich habe nur getan, was mir Master Luke gesagt hat“, fing er an und sah abwechselnd zwischen Luke und der jungen Frau hin und her. „Ich bin ein Protokolldroide, kein Medidroide. Was ich auch Master Luke gesagt habe. Ich beherrsche über sechs Millionen unterschiedliche Kommunikationsformen, dafür wurde ich programmiert. Nicht um jemanden wieder zusammen zu flicken. Aber ihren Dank nehme ich selbstverständlich gerne an. Immerhin wäre es unhöflich es nicht zu tun. Außerdem -“
„Hältst du jetzt die Klappe“, kam es mit müder Stimme von Luke, der seinen Oberkörper aufrichtete und sich mit den Unterarmen auf dem Boden abstützte. Ihm brummte so oder so schon der Kopf, da konnte er einen Droiden, der sich zu gerne selbst reden hörte, einfach nicht gebrauchen.
„Ich hoffe er hat nicht mehr geredet als ich gehört habe“, sprach Luke weiter und griff nach der Wasserflasche, die ihm die junge Frau wohl irgendwann einmal zugeschoben haben musste. „Er hat leider die Angewohnheit in den unpassendsten Momente mehr zu sagen als er sollte und meine Freunde und mich in die schwierigsten Situationen zu bringen.“ Luke öffnete die Flasche und warf 3PO einen warnenden Blick zu und nahm dann einen großen Schluck. „Aber man muss ihm zu Gute halten, dass er auch oft genug nützlich gewesen ist. Nützlich genug, um ihn vor einer Neuprogrammierung zu schützen“, meinte Luke und verschloss die Flasche wieder. „Was aber nicht heißt, dass das auch immer so bleiben muss“, fügte er dann noch schnell hinzu, als er aus den Augenwinkel sah, wie 3PO bereits wieder ansetzen wollte. Er hatte zwar keinen Mund der zucken konnte, aber man hatte genug Zeit miteinander verbracht, so dass man seine Reaktionen und sein Verhalten mittlerweile vorhersagen konnte.

„Es ist beruhigend zu sehen und zu hören, dass es funktioniert hat“, kam es mit einem Lächeln von Luke, der langsam aufstand und sich dann umsah. Sein Blick fiel auf das schwelende Schiffswrack und mit vorsichtigen Schritten ging er darauf zu. Es musste sich doch dort etwas finden lassen, das die junge Frau anziehen oder zumindest als Umhang nutzen konnte. So wie sie jetzt bekleidet war konnte er sie unter keinen Umständen durch den Dschungel von Yavin laufen lassen. „Ich habe Meister Yodas Lektion nicht vergessen, welche er mir vor 2 Jahren gegeben hat, nachdem mich Meister Obi-Wan zu ihm nach Dagobah geschickt hat“, erzählte Luke, durchaus ein wenig gedankenverloren, während er auf altmodische Art ein paar Wrackteile beiseite räumte. ‘Nicht versuchen. Tun, tun. Oder nicht tun. Es gibt kein Versuchen’, das waren damals seine Worte gewesen, als ich zu ihm gesagt hatte, dass ich etwas versuchen würde. Damals habe ich nicht verstanden was er mir damit sagen wollte, aber ich denke, ich habe es jetzt begriffen.“ Luke richtete sich auf und wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn. Sein Blick glitt ein wenig an der jungen Frau vorbei in den Wald hinein, als würde er darauf warten dort jemand stehen zu sehen. „Man muss an sich und das was man vorhat zu tun glauben. Man muss überzeugt davon sein, es schaffen zu können, dann hat man auch die Sicherheit und das notwendige Vertrauen sich voll und ganz auf die Macht einlassen und sich von ihr leiten lassen zu können“, sprach er weiter und fokussierte seinen Blick wieder auf die junge Frau. „Wenn man Dinge nur versucht, dann hat man Zweifel. Zweifel an sich, am eigenen Können, an einem Erfolg … Zweifel führen zu Unsicherheit und letzten Endes zum Versagen.“ Ein erneutes Lächeln huschte über die Lippen des jungen Mannes, ehe er seine Arbeit wieder fortsetzte. Irgendwo in diesem Schiff musste sich doch etwas finden lassen. Es konnte doch nicht alles verbrannt oder zerstört sein.

„Zugegeben, es hat eine ganze Weile gedauert bis ich es begriffen habe“, kam es gedämpfter aus dem Inneren des Wracks. „Aber dafür werde ich es nie wieder vergessen.“ Luke wusste selbst nicht so genau, warum er ihr jetzt diese Geschichte erzählte. Vielleicht tat er einfach nur, um nicht laut sagen zu müssen, dass es das erste Mal gewesen war, wo er so etwas getan hatte. Die Wahrheit in eine Geschichte zu packen, in welcher er nicht derjenige war, der etwas Großes getan hatte, sondern ein Versager gewesen war, damit sie sich nicht schlecht fühlen musste. Wobei er nicht einmal wusste, ob sie sich überhaupt schlecht fühlte oder schlecht fühlen würde, wenn er es ihr auf normale Art und Weise gestanden hatte. Allerdings, wer fühlte sich schon wohl, wenn er erfuhr, dass er ein klein wenig ein Versuchsobjekt gewesen war? Allerdings hoffte er inständig, dass sie jetzt nicht verärgert oder schlimmer noch wütend auf ihn war, denn Wut war Letzte was in dieser Situation dienlich war. Er hatte keine Ahnung welche Folgen das Gefühl von Wut auf sie haben würde. Immerhin wusste er nicht was sie erlebt hatte, aber was er gesehen hatte hatte ihm einen kleinen Einblick gewährt und der hatte ihm gereicht.

Aus den Augenwinkel entdeckte Luke einen umgefallenen Spind. Er versuchte ihn zu öffnen, aber er war verschlossen. Mit geübtem Griff zog er sein Lichtschwert aus dem Gürtel, zündete es und schnitt vorsichtig das Schloss heraus und steckte dann das ausgeschaltete Lichtschwert zurück an seinen Gürtel. Mit beiden Händen griff er nach der Türe des Spinds und nach ein paar Mal kräftigem Rütteln und Ziehen gab die Türe endlich nach. Er hatte Glück, denn in dem Spind hatte sich tatsächlich etwas zum Anziehen befunden. Die Uniformjacke war das Einzige in dem Spind gewesen und Luke war sich sicher, dass der Besitzer sie nicht mehr benötigen würde. Es war gewiss nicht optimal, aber allemal besser als nichts. Mit seinem Fund in Händen kroch Luke wieder aus dem Wrack und ging ruhigen Schrittes auf die junge Frau zu, blieb aber in höflicher Distanz stehen.

„Nicht besonders modisch“
, meinte er mit einem entschuldigend Blick und einem Grinsen, während er ihr die Jacke langsam entgegen streckte. „Aber sie ist sauber und sollte für ausreichend Schutz sorgen.“ Wäre Mytria jetzt hier, würde sie ihm gewiss einen tadelnden Blick zuwerfen, weil er es wagte einer jungen Frau eine derartige Jacke zu reichen. Immerhin unterstützte die Jacke in keinster Weise jegliche weiblichen Vorzüge, aber irgendwann würde auch Mytria begreifen, dass Nutzen wichtiger war als Aussehen. Bis dahin war es wohl noch ein langer Weg, aber wer einen Weg verließ, nur weil er steinig war, würde sein Ziel niemals erreichen.
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