#1

Yavin

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#2

An Bord des Shuttles Tanaran


„Roger, Rancor 5-7-5: Ankunft bei Yavin bestätigt. Erreichen erste Nav-Boje für weiteren Sprung über Celanon nach Naboo. Nächster Sprung in T minus Zwei.“
Flight Captain Lac griff nach oben an das Kontrollterminal seiner Raumfähre, betätigte nacheinander vier Knöpfe. Die Fähre passierte den roten Gasriesen des Systems mit hoher Geschwindigkeit und flog den vorgegebenen Weg zum Sprungpunkt in der Nähe des Dschungelmondes.
„Ein seltsames Gefühl, hier zu fliegen“, brummte sein Co-Pilot auf dem Sitz neben ihm, während er aus dem Sichtfenster auf die letzten Teile des Gasriesen blickte.
„Was meinst du?“
„Hier war es also. Der Anfang vom Ende.“
Lac wandte seinen Blick ebenfalls kurz vom Sternenhimmel ab und sah auf den namensgebenden Riesen des Yavin-Systems. Ja, hier war es passiert. Etwas, das Lac damals, wie vielleicht jeder andere, für unmöglich gehalten hatte. Er erinnerte sich noch daran, wie das Imperium damals eine Zeit lang versucht hatte, Propaganda zu betreiben und den Todesstern als „Planetaren Erz-Extraktor“ zu bezeichnen. Dies war schon damals schwer zu glauben gewesen, wie auch die Monate darauf und das Erstarken der Rebellion im Anschluss gezeigt hatten. Nun hatte sich seither viel geändert. Doch Lac zuckte zunächst nur mit den Schultern.
„Das Ende schlechter Bezahlung.“
Der Co-Pilot blickte kurz zur Seite, schien aber zunächst nicht weiter zu reagieren, daher fuhr Lac nach einer kurzen Pause fort.
„Zsinj zahlt mir beinahe das Doppelte wie das Imperium damals für die gleiche Arbeit.“
Dafür erntete Lac zunächst ein Seufzen seines Kameraden. „Mal sehen, wie lange noch.“
„Ist mir egal. Der Familie tut es im Moment gut, gerade mit der Kleinen. Allein dafür lohnt es sich schon.“

Die Sicht von Lac wurde einen Moment lang unscharf und er spürte auf beiden Ohren ein vereinnahmendes Fiepen. Er kniff kurz die Augen zusammen, griff nach seiner Tasse Caf und nahm einen tiefen Schluck. Sicher, es war auch viel Arbeit. Gerade dieser Transfer war von der Rancor Basis als prioritär angesehen worden – man wünschte einen schnellen, aber ruhigen Flug. Ausgerechnet in republikanisches Gebiet. Doch er hatte die Garantie vom Kommando bekommen, dass man ihn mit seinen Codes passieren lassen würde, vielleicht also eine Art Gefangenenaustausch. Das würde erklären, warum man ihren Passagier ruhig gestellt hatte.

Erneut ein Fiepen. Aus dem Weltraum blickte Lac ein menschlicher Schädel an. Beim nächsten Blinzeln war er verschwunden. Irritiert blickte er zur Seite, wo sein Kollege den Bildschirm betrachtete und die Lippen bewegte, auf dem die Distanz zum Sprungpunkt angezeigt wurde. Als Lac ihm nicht antwortete, blickte der Co-Pilot fragend zu ihm auf. Die Haut auf seinem Schädel löste sich wie Säure vom Schädel des Mannes ab und die toten Augen seines Gegenübers blickten ihn an. Lac spürte seinen Herzschlag im Kopf. Ein weiteres Blinzeln später schien der Mann wieder genesen zu sein.
„Lac?“, fragte der Mann skeptisch und beobachtete ihn intensiv. Etwas rüttelte kurz an seiner Schulter.
„Nein!“, kreischte Lac panisch und zuckte von der Berührung zusammen, drückte sich schutzsuchend in den Stuhl.
„Okay, okay. Ganz ruhig“ Der Co-Pilot hob irritiert beide Arme vorsichtig und löste damit die Berührung auf. Lac blinzelte wieder. Als er aus dem Sichtfenster sah, flogen sie gerade über eine tote, rötliche Wüste – neblig, modrig, von steinernen Gräbern und Monumenten durchzogen. Eine Frauenstimme flüsterte in fremder, alter Sprache. Er wusste plötzlich, dass er in den Passagierraum gehen musste. Er wusste, dass man es von ihm verlangte, aber er konnte es nicht. Etwas rief ihn, aber er glaubte nicht, dass es wirklich da war. Panische Angst stieg in ihm auf, zwang ihn dazu, seine Finger in die Armlehnen zu bohren. Aber es war nicht seine Panik. Ein Sturm aus Sand und scharfkantigen Steinen prasselte gegen das Sichtfenster, hinterließ aber keine Spuren. Vor dem Fenster stand ein funkelndes Geisterwesen in finsterer Robe.

Ein Blinzeln. Neben ihm saß eine mumifizierte Leiche, regungslos, in altertümliche Kleidung gehüllt, während aus starren Augenhöhlen Käfer umher liefen. Ein riesiges grollendes Monster vor ihm, ein abstürzender Sternenzerstörer, der in Richtung der Wüste driftete und dort schließlich donnernd zu Boden krachte. Lac konnte nicht sprechen. Er rüttelte an seinem Gurt, es gelang ihm aber nicht, den Mechanismus zu öffnen. Stattdessen knickte er den Joystick zur Seite ab, was die künstliche Gravitation aufgrund der ruckartigen Bewegung kurzzeitig überforderte und Lac hälftig aus dem Sitz schleuderte. Die Fähre knickte seitwärts ab. Im Cockpit schlugen die Instrumente Alarm.

Blinzeln. Eine geschundene einarmige Frau streckte ihm in einem Gefängnis die verbliebende Hand entgegen, die Lumpen an ihr zerfetzt. Ein flehender Blick, doch bevor die Hand gegriffen werden konnte, wurde alles schwarz.

Lac schmeckte kupferartigen Geschmack in seinem Mund. Er vermochte kaum zu atmen, zwang sich jedoch zu tiefen Atemzügen, beinahe hyperventilierend. Dutzende menschliche und anderweitige Schädel bedeckten den Boden der Fähre, stießen klappernd aneinander und sorgten dadurch für eine bizarre Melodie. Ein Baum riss den Steuerbordflügel der Fähre ab und schickte die Tanaran auf ihren letzten Flug in Richtung des Bodens.
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#3
Ein leichter Wind strich um das weiße Haar, ließ es flattern und gelegentlich über die Haut streichen, wo es kurz kitzelte. Es schien aber keine Regung zu verursachen. Das Haar warf feine Schatten auf den erdfarbenen Boden, streifenweise, wie Schnitte im Licht. Das war stets das Problem mit Licht. Es brannte den Schatten gewaltsam aus, erschuf aber damit auch neuen. Erschuf Verstecke, Katakomben, in denen er hauste und aus denen er wieder alsbald hervorkroch, so das Licht sich wieder anderswo hinwandte. Der Schatten war nicht fort, er war nur konzentriert, gebündelt. Vielleicht machte ihn das stärker, vielleicht nicht. Nur der Schatten selbst wusste das.

„Reah“, murmelten rissige Lippen kaum hörbar, ersuchten den Schatten um Rat. Qualm stieg ein Stück weit neben ihr auf. Vielleicht vergingen Minuten, vielleicht Stunden. Eine knirschende Fähre lag teils in der Erde, etwas schief in den Boden vergraben, umringt von Tausenden größeren und kleineren Metallstücken, das Cockpit ein paar Meter weiter abgetrennt vom Rest des verkümmerten Rumpfes. Mit zusammengekniffenen Augen verfolgte sie, wie der Qualm über die Baumwipfel zog, jedenfalls über jene, welche die Fähre nicht in einer Schneise zerschnitten hatte, ehe sie auf dem Boden aufgeschlagen war. Die Sephi blickte langsam an sich herab. Etwas fühlte sich seltsam an. Sie versuchte, auf ihre angewinkelten Beine zu sehen, deren Schienbeine bis zu den Knien auf dem erdigen Boden ruhten. Es war schwer zu sehen, schwierig überhaupt durch die milchigen Schlieren zu blicken, die der Schatten warf. Aber im Nebel schien erkennbar, dass wohl ein Teil einer abgebrochenen Metallstrebe wie ein Pfahl aus ihrer Seite ragte. Sie spürte, wie der purpurne Stoff dort feucht und schwerer geworden war als er sein sollte, aber andererseits war nicht mit Gewissheit zu sagen, was von alledem real war. Real und nicht real schienen näher beisammen als je zuvor.

In den Bäumen saßen Raben, Hunderte. In jedem davon. Ihr Krächzen war hörbar, doch alle beobachteten sie nur die Szenerie. Anstelle des Erdbodens waren nun allerorts Gebeine zu ihren Füßen. Das Rinnsal an ihrer Seite tropfte auf das tote Grinsen eines knöchernen Schädels, der in den staubroten Himmel blickte. Die Sephi spürte, wie Einzelne ihrer Haare an ihrem Gesicht zu haften begannen, was auf weitere Verletzungen schließen ließ. Ihr leicht geöffneter Mund schmeckte kupfern. Sie versuchte ihren Körper zu drehen, doch als ihr dabei plötzlich die Luft wegblieb, gab sie dieses Vorhaben auf. Die Wipfelraben höhnten krächzend, woraufhin sich die niederen anschlossen. Mit etwas Anstrengung drehte sie ihren Kopf seitwärts. Zwei Männer in schwarzer Uniform saßen dort ein paar Meter weiter, an das metallene Cockpit der Raumfähre gelehnt. Sie regten sich nicht, hatten aber die Augen geöffnet, blinzelten nicht, sondern starrten lediglich ins Nichts, aber schienen zu atmen. Einer hielt sich den blutigen Kopf, der andere hatte seinen eigenen Körper umschlungen. Teilweise schienen sich auch die Lippen zu bewegen. Sie starrten den Weg der Schädel entlang, der bis in den Wald reichte, vielleicht weit darüber hinaus. Irgendwann erhoben sich die Männer und schwankten den Weg voran, der sie entlang der Schneise der Fähre führte. Die Augen der Raben folgten ihrem Weg aufmerksam, bis der dunkle Nebel die beiden Leiber verschlungen hatte.
„Die Macht hat ein anderes Schicksal für dich“, hatte der verkörperte Schatten gesagt, befand sich direkt hinter ihr – die Stimme der toten Frau von Korriban. Die Sephi fuhr panisch herum, auf die Beine, noch bevor ihr Körper protestieren konnte. Schmerzen ließen sie aufschreien und ihre Stimme durch den Wald hallen, doch vor ihr stand nur das riesige Untier, über sie gebeugt. Zehn, vielleicht zwanzig Mal so groß. Das Leid zwang sie auf ein Knie. Geifer tropfte von dem riesigen Schlund des Wesens auf die Knochen, ehe er sich öffnete und ihrer habhaft werden wollte. Ein Abgrund ins Nichts, in die Dunkelheit des Schattens. Ihre linke Hand griff instinktiv an ihre gesunde Seite, an ihr Schwert, doch es war fort – man musste es ihr abgenommen haben, als sie schlief. Nicht dass es etwas hätte ändern können. Ihre Augen weiteten sich und einige ihrer Gesichtsmuskeln begannen zu zucken, als sie realisierte, dass es vorbei war. Das Wesen der Dunklen Seite verschlang sie mitsamt aller Gebeine unter ihren Füßen, ehe sie etwas tun konnte.

Als sie stark keuchend die blauen Augen wieder öffnete und aufblickte, stand jedoch lediglich ein junger Mann in sicherem Abstand vor ihr.
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#4
Zum Glück war der Weg nach Yavin ohne weitere Zwischenfälle verlaufen und es hatte auch kein imperiales Empfangskomitee im Orbit gewartet. Es war zugegeben ein wenig seltsam nach so langer Zeit wieder hier her zu kommen und für einen Augenblick hatte Luke das beinahe schon beklemmende Gefühl, als würde im nächsten Moment der Todesstern aus dem Planetenschatten treten. Aber so schnell wie das Gefühl gekommen war, war es auch schon wieder verschwunden. Der Todesstern, der sie hier bedroht hatte existierte nicht mehr. Viele gute Leute hatten in dieser Schlacht ihr Leben gelassen und mit Gewissheit auch viele Unschuldige. Menschen, die gezwungen gewesen waren auf dem Todesstern zu dienen, so zweifelte Luke daran, dass die gesamte Bemannung dieser Todeswaffe vollkommen von der Richtigkeit ihres Tuns überzeugt gewesen waren. Es waren seine Finger am Abzug gewesen, die sie zum Tode verdammt hatte. Damals war er froh gewesen gewonnen zu haben. Er hatte gefeiert, gejubelt und gelacht. Damals war er noch jung und naiv gewesen. Zu wenig hatte er gewusst und zu kurzsichtig war er gewesen. Heute jedoch, auch wenn nur wenige Jahre zwischen dem Sieg damals und seiner jetzigen Rückkehr vergangen waren, fühlte er sich um so vieles älter. Heute sah er mit anderen Augen auf das, was sich hier in diesem Orbit abgespielt hatte. Natürlich war er froh, dass die Rebellion gesiegt hatte, doch er wünschte es hätte einen Weg gegeben, der mit weniger Leben erkauft hätte werden müssen. Leben, welches auf beiden Seiten unwiederbringlich ausgelöscht worden war.

Er hatte mit Han schon auf dem ersten Teil ihrer Reise abgesprochen, dass sie dort landen und ihr Lager aufschlagen würden, an dem die Rebellion auch damals ihr Lager errichtet hatte, sofern es die Natur zulassen würde. Einen Großteil der Anlage hatte die Natur zurückerobert. Dicke Ranken zogen sich über die steinernen Tempel, deren Grundmauern von einem dichten Blätterwerk geschützt wurden. Auch wenn sich die Natur diesen Flecken Erde zurückgeholt hatte, so war eine Landung dennoch ohne größeren Schwierigkeiten möglich gewesen. Vieles am Boden erinnerte noch immer an die Anwesenheit der Rebellion vor Jahren und egal wohin er auch blickte, alles war mit Erinnerungen verbunden. Er sah eine triste, graue Wand an und in seinem Kopf bewegten sich Personen vorbei. Unterhielten sich über das was hinter ihnen lag oder das, was noch vor ihnen lag. An anderen Stellen hörte er die Stimmen von Personen, die miteinander Pläne für die Zukunft schmiedeten. Eine Zukunft, die jedoch manchen von ihnen nicht vergönnt gewesen war. Auch Luke hatte in dieser Schlacht einen guten, alten Freund verloren. Damals auf Tatooine – Sie hatten so viele Pläne gehabt. Er hatte so viele Träume und Ziele gehabt. Luke wünschte, er hätte diese Ziele erreichen können die er sich gesetzt hatte, seine Träume verwirklichen können. Aber Luke wusste auch, dass er für etwas gestorben war, an das er mit ganzem Herzen geglaubt hatte – Freiheit. So viele hatten für dieses Ziel ihr Leben gelassen und ließen weiterhin ihr Leben. Doch wie lange würde es dauern, bis sie die Kraft verließ? Bis die Zahl der Toten die Hoffnung begann zu ersticken? Es waren Fragen auf die Luke keine Antwort wusste. Aber vielleicht waren es auch Fragen die niemals eine Antwort erhalten würden. Fragen für die keine allgemeingültige Antwort existierte.

Zu viel ging dem jungen Mann in diesem Moment durch den Kopf. Zu viele Fragen, auf die er Antworten suchte. Probleme, zu denen er hoffte eine Lösung zu finden. So viel Unbekanntes und so wenig Bekanntes. Es war eine dunkle Flut, der er versuchte nicht nur Stand zu halten, sondern die er versuchte zurück zu drängen. Eine große Aufgabe mit einer fast schon erdrückenden Verantwortung und er wurde diesen leisen, nagenden Zweifel einfach nicht los. Der Zweifel daran dieser Rolle gerecht zu werden. War er wirklich schon bereit alles zum Wohle der Galaxis aufzugeben? Seine persönlichen Wünsche und Träume der Freiheit aller in dieser Galaxis unterzuordnen? Wenn er alles aufgab, was blieb dann noch von ihm übrig? Auf der Reise nach Yavin, da hatte es Momente gegeben, an denen er nicht einen Augenblick daran gezweifelt hatte das Richtige zu tun. Doch nach dem Wiedersehen mit seinen Freunden, der Erinnerung an vergangene Tage, der Erkenntnis was er bereits alles geopfert hatte, da war der Zweifel wieder aus den Tiefen seines Herzens hervorgekrochen. Nein, diese war nun wirklich nicht der richtige Moment um sich mit Han oder Chewie und am allerwenigsten mit C3PO auseinander zu setzen. Er wusste, dass sie Fragen an ihn hatten, Antworten von ihm wünschten und all das konnte er ihnen in diesem Moment einfach nicht geben. Nicht solange er selbst nicht wusste, ob er diesen Weg wahrhaftig zu Ende gehen konnte. Unter einem Vorwand hatte er das Lager verlassen und streifte nun ziellos und alleine durch die Dschungel Yavins. Er ließ sich von den Geräuschen der Natur lenken und von seinem Bauch. Ben würde jetzt vermutlich sagen, dass es nicht sein Bauch war der ihn führte, sondern die Macht. Wenn Ben etwas sagte, dann klang es immer so leicht. So einfach. Als wäre es nicht schwerer als das Schnippen mit den Fingern. 'Vertraue auf die Macht', hörte er nicht nur Ben in seinem Kopf sagen, sondern auch seinen Vater. Aus ihrem Munde klang das so selbstverständlich. So natürlich. Aber wie sollte er sich voll und ganz auf etwas verlassen, das er selbst nicht verstand? Deren Existenz, deren Wirken, sich ihm immer und immer wieder seinem Verstand entzog? Er zweifelte nicht daran, dass es die Macht gab und er zweifelte nicht, dass sie in der Lage war jemanden durch die schwierigsten Situationen zu begleiten. Aber war er wirklich einer derjenigen, bei denen sie es konnte? Was wenn er versagte? Was, wenn er ihr nicht würdig genug war? Was, wenn er fiel?

Luke blieb stehen, stützte sich mit der Hand an einem der Bäume ab und schloss die Augen. Langsam begann er ein und wieder aus zu atmen. Konzentrierte sich einfach nur auf seine eigene Atmung und versuchte auf diese Weise Ruhe in seinen aufgewühlten Verstand zu bringen. Es war niemanden geholfen, wenn er sich jetzt seinen Zweifeln und auch seinen Ängsten hingab. Aber er tat es nicht, weil sie einen auf die dunkle Seite ziehen könnten, sondern weil sie ihn gerade überhaupt nirgendwo hinführen würden. Alles was sie bewirken würden wäre, dass er sich im Kreise drehte und kostbare Zeit verstreichen ließ, von der ihm doch so wenig blieb. Luke straffte seine Haltung und richtete seinen Blick in das Dickicht vor ihm. Er durfte sich nicht von dem beeinflussen lassen was hinter ihm lag, sondern er musste seinen Blick nach vorne auf das richten was vor ihm lag. Nur wenn er seinen Weg fest im Blick hatte lief er kein Risiko zu stolpern. Mit neuer, wenn auch noch schwach glimmender Hoffnung, nahm Luke seinen Weg wieder auf. Hier auf Yavin, so hatte Ben gesagt, sollte er finden nach was er suchte, also sollte er auch suchen oder etwa nicht?

Erneut schloss Luke die Augen und öffnete seine Sinne für das was um ihn herum passierte. Das Rascheln des Winds in den Blättern der Bäume, der ferne Gesang von Vögel, das Kratzen von kleinen Krallen auf dem Boden. Alles war verbunden durch die Macht und bildete ein alles umspannende Netz und dieses Netz – Luke öffnete ruckartig seine Augen. Er hatte etwas gespürt. Es war nicht richtig greifbar gewesen und doch wusste er, dass es wichtig war. Luke lenkte seine Schritte in die Richtung, aus welcher die Veränderung in diesem lebenden Gebilde aus Macht verspürt hatte, ohne genau zu wissen was ihn dort erwarten würde. Er griff vorsichtig weiter mit seinen Sinnen hinaus und er spürte Schmerz. Er spürte Angst. Aber er spürte auch Verwirrung und noch etwas anderes. War es Wahn? Das was er durch die Macht spürte war greifbar und doch auch wieder nicht. Es fühlte sich fremd an und zugleich auch wieder vertraut. Es machte ihn wachsam und vorsichtig und zugleich verlockte es ihn zum Leichtsinn. Was war es, das ihm die Macht zeigen wollte? Wohin führte sie ihn? War es wirklich die Macht die er spürte oder war es vielleicht etwas vollkommen anderes? War es vielleicht das, wovor ihn Ben gewarnt hatte? Luke trat aus dem Wald hinaus auf eine Lichtung, durch die sich eine breite Schneise zog und an deren Ende die Trümmer einer Fähre verweilten. Teile der Fähre verteilten sich überall in der Lichtung. Es war schwer sich die Fähre in ihrem ursprünglichen Zustand vorzustellen, aber es war keinesfalls schwer die imperialen Insignien auf der Fähre zu entdecken. Aber diese rauchenden Trümmer waren nicht das einzige was Lukes Augen entdeckten, sondern da war noch eine Frau inmitten der Trümmer. Sie war verletzt und Luke erkannte, dass es ihr Schmerz gewesen war, den er gespürt hatte. Sie wirkte nicht, als wäre sie ein Teil des Imperiums und doch ließ Luke weiterhin Vorsicht walten. Eine seltsame Aura, die er einfach nicht einordnen konnte, umgab diese Frau. Sie war wie die silberne Oberfläche eines Teiches, durchzogen von dunklen, öligen Schlieren. Seine Hand wanderte zum Griff seines Lichtschwerts, während er vorsichtig auf die verletzte Frau zuging. In sicherem Abstand blieb er vor ihr stehen. Sie brauchte seine Hilfe, so ließen ihre Verletzung keine anderen Rückschlüsse zu, aber irgendetwas hinderte ihn vorerst daran den Abstand weiter zu minimieren.

„Wer oder was bist du?“, fragte Luke und ignorierte den Umstand, dass seine Frage nicht nur reichlich seltsam klang, sondern wohl in dieser Lage auch irgendwie unangebracht wirkte.
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#5
Des Schattens Ranken trieben aus, als der Fremde dort stand, verschleierte den Blick auf ihn und ließ den Menschen selbst in der Distanz gefährlich über ihr thronen. War er nur eine weitere Klaue, die nach ihr zu greifen versuchte? Keuchend stemmte sie eine Hand auf den Boden und richtete sich allmählich auf, etwas beschwerlicher als ihr lieb war. Das verschlingende Monster war fort, doch Abgründe erschienen nicht nur in Monstern, sondern mitunter auch in einfachen Menschen.

Die Lippen des Mannes begannen sich zu bewegen, hallten beschwerlich in ihrem Kopf wider, was sie schwieriger zu sortieren machte. Aber als die einzelnen Worte sich in ihren Gedanken zu Sätzen verbunden werden konnten, schien sich ihre Körperhaltung zu verändern. Ihr schweißgebadetes Gesicht mochte an ihm vorbeizusehen, eine Zeit zu lang ohne zu blinzeln. Die Frage schien zu schmerzen, oder jedenfalls einen Punkt zu treffen, der die unklaren Nebelschwaden in ihrem Inneren irritierte. Und wahrscheinlich war es nicht leicht zu beantworten – aus welcher Sicht man es auch immer betrachten mochte. Aus ihrem Gesicht verschwand merklich binnen einiger Sekunden die Farbe, wirkte dadurch noch farbloser zu werden als zunächst, als sie nachdachte. Die blauen Augen ruhten offenbar im Nichts, beinahe als hätte die Frage sie erschüttert. Doch es war mehr die Realisierung dessen, dass man von sich selbst nicht mehr klar sagen konnte, wer und was man nun eigentlich war. Vielleicht ein Problem, dem sie sich bereits auf Firrerre nicht gestellt hatte. Doch zu dem Zeitpunkt, jedenfalls während der Bekämpfung der Seuche und der Quarantäne, hatte es alles einen Zweck gehabt – ein Ziel, auf das es sich hinzuarbeiten lohnte. Dies war schlussendlich nun fort, dauerhaft. Und so mochte das Schicksal, das prophezeit war von der dunklen Seele eines noch dunkleren Planeten, ein unklares und womöglich unbeständiges zu sein.
„Eine Frage für weisere Gelehrte als ich es bin“, gab die Frau dem Menschen daher durchaus wahrheitsgemäß zur Antwort, wenn auch womöglich unbefriedigend für den Fragesteller, während ihr Blick allmählich in Richtung des erdigen Bodens abdriftete. Freundin, Feindin. Schlussendlich war das alles in letzter Zeit mehr ein semantischer Unterschied gewesen denn ein tatsächlicher. Wenn selbst eine Inquisitorin keine Feindin sein musste, schienen die Grenzen hierzu zu verschwimmen und waren womöglich auch nicht mehr von Bedeutung. Niemals konnte sie bestreiten, dass Reah ihr im Ergebnis das Leben gerettet hatte und umgekehrt. Dies mochte der eine verstehen können, viele andere vermutlich nicht. Vielleicht nicht einmal die beiden selbst. Andere mochten es als Verrat und falsches Verhalten ansehen. Nichtsdestoweniger oder geradezu deswegen war das Ergründen des Wer und des Was eine Frage, die sich zu stellen lohnte und irgendwann auch beantwortet werden musste – von ihr selbst. Aber der Tag würde nicht der heutige sein. Und die Antwort, so es überhaupt eine gab, vermutlich auch keine einfache.

Ihr Blick hob sich langsam ein Stück weit an, um ihren Gegenüber wieder zu betrachten, fror hier jedoch sichtlich erneut auf etwa halber Strecke ein. Die Augenbrauen senkten sich ein Stück weit. Der Schatten wölbte sich in ihrem Inneren, stach dornenreich mit spitzer Panik an ihre Gedanken. Seine Hand war direkt auf eine Waffe gerichtet, vielleicht instinktiv, vielleicht aus Erfahrung. Es war einerlei. Ganz gleich, wer der fremde Menschenmann war – es machte ihn potentiell gefährlich. Wie ein Raubtier fuhr die Finsternis ihre Krallen aus und wollte verteidigen, was sie zu vereinnahmen suchte. Verwirrt zog sich das scheue Licht zurück, als bräuchte es den Schutz. Ein Windhauch ließ ihre weißen Haare unkontrolliert umher wehen, wusch das Grün aus den Bäumen und das Braun aus der Erde, tauchte die Welt erneut in vertrauteres rostbraunes Licht, die Pupillen schienen kurz zu zucken. Im aschfarbenen Boden, der mehr und mehr Risse bekam, lugten die Gebeine neu hervor, kämpften sich hervor.
„Und dennoch…“
Ihre linke Hand erhob sich merklich und ein zittriger, blutiger Zeigefinger deutete beinah anklagend auf seine Hand und seinen Gürtel, an dem ein nur allzu vertrautes Objekt befestigt war.
„… mag die Antwort auch von Euch und Euren Absichten abhängen“, fuhr sie daraufhin fort und entgegnete den informellen Ton des Mannes nicht, sondern hielt auch sprachlich Abstand von ihm.
„Zu viele legten bereits leichtfertig die Hand daran und waren nicht mehr in der Lage, sie wieder davon zu lösen“, sagte sie schließlich mit etwas kratzigerer Stimme, schien dabei jedoch in ihrem Tonfall keineswegs zu implizieren, dass dies eine Warnung ihrerseits an den Menschen war, sondern vielmehr eine allgemeine Feststellung, deren Inhalt sie offenkundig missbilligte. Sie hob beide Hände langsam an als wolle sie ihrem Gegenüber symbolisch aufzeigen, dass sie leer waren.
„Seid Ihr einer davon?“
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#6
Es war ein wachsamer, gleichfalls wie auch neugieriger Blick, mit welchem Luke die Frau vor ihm ansah. Er wurde aus dem was er in der Macht spürte einfach nicht schlau und ihre ersten Worte waren auch nicht gerade besonders hilfreich. Im Gegenteil. Sie wussten Luke noch mehr zu verwirren, so dass er sie einfach nur mit leicht geneigtem Kopf anschauen konnte. Es war ihm vielleicht unterschwellig bewusst, dass es nicht besonders nett war eine andere Person einfach nur direkt anzustarren, aber in diesem Moment war er nicht wirklich in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. „Von welchen Gelehrten sprichst du?“, fragte er verwundert und neigte seinen Kopf auf die andere Seite. Sie wirkte real, jemand aus Fleisch und Blut und dennoch hatte sie etwas surreales an sich. Als wäre sie hier direkt vor ihm und dennoch auch wieder nicht. Fern an einem anderen Ort, der für seine Empfindungen und Augen unsichtbar war. Stetig wechselte die Aura, die sie in der Macht ausstrahlte, hin und her. Mal gewann das Licht und mal verschwand alles in Dunkelheit. So jemanden oder etwas, so sicher war er sich in diesem Punkt noch lange nicht, war ihm noch nie zuvor begegnet. „Und was für eine Art von Gelehrte bist du?“ Eine doch irgendwie berechtigte Frage, wenn sie schon zu ihm sagte, dass er andere Gelehrte als sie fragen sollte. Das implizierte ja nichts anderes, als dass sie auch eine war oder zumindest sich für eine hielt. Es war nicht so, dass er ihr nicht glaubte oder davon ausging, dass sie schlichtweg log, aber verlassen konnte er sich auf ihre Worte eben auch nicht. Dafür war ihr Verstand gerade einfach nicht klar genug. Vielleicht war sie einfach nur davon überzeugt eine zu sein, war es aber gar nicht. So jemand sprach zwar auch nicht die Wahrheit, aber man konnte der Person nicht vorwerfen zu lügen. Denn für diese Person war die Lüge ja die Wahrheit.

Luke griff vorsichtig weiter mit der Macht hinaus, doch er konnte noch immer nichts feindseliges spüren. Auch wenn sich Dunkelheit um die Frau gesammelt hatte, so schien doch keine offensichtliche Gefahr von ihr auszugehen. Jedenfalls zu diesem Zeitpunkt nicht. „Meinen Absichten?“, wiederholte Luke ein Teil ihrer Worte fragend und es dauerte einen kurzen Moment, ehe ihm klar wurde, dass ihr Finger nicht einfach nur auf ihn gerichtet war, sondern auf einen bestimmten Teil von ihm. Fast schon ertappt entfernte er seine Hand vom Griff seines Lichtschwerts und hob nun, ähnlich wie sie beide Hände ein Stück weit in der Luft. „Ich weiß, es sah anders aus, aber ich hatte nicht die Absicht dir Angst einzujagen oder dir ein Leid zu zufügen“, sagte Luke wahrheitsgemäß und in seine Tonfall schwang nicht nur etwas entschuldigendes mit, sondern in seiner Stimme lag auch eine wärmende Ruhe. „Ich trage es nicht als Ersatz für Worte“, sprach er weiter, ohne dass sich sein Tonfall geändert hätte. „Sondern um mich gegen diejenigen zu verteidigen, die nur noch die Sprache des Kampfes verstehen.“ Langsam ließ Luke seine Hände sinken und ging vorsichtigen Schrittes näher auf die Frau zu. Vielleicht war es ein Risiko, vielleicht brachte er sich gerade selbst in Gefahr, aber etwas sagte ihm, dass von ihr keine Gefahr ausging. Damals auf Dagobah hatte er sich von Gefühlen leiten lassen und hatte verloren. Eine Lektion über die er lange nachgedacht hatte und es hatte noch länger benötigt, ehe er sie im vollen Umfang verstanden hatte. Er wollte sich nicht wieder von Gefühlen und Instinkten leiten lassen, auch wenn für viele Unwissende die Macht und der Instinkt gerne mal dasselbe waren. „Die Galaxis hat schon zu viel Leid gesehen und erlebt“, kam es in weiterhin ruhigen Tonfall über Lukes Lippen. „Eine Waffe heilt keine Wunden und sie spendet keinen Trost. Sie kann Leben nur nehmen, nicht aber geben.“ Nur eine Armlänge von ihr entfernt blieb Luke stehen. Seine ganze Haltung, seine gesamte Aura hatte etwas friedfertiges angenommen. Ganz so, als wolle er ihr nicht nur zeigen, dass von ihm keine Gefahr drohte, sondern es sie auch spüren lassen. Vorsichtig und langsam streckte Luke seinen Arm aus und hielt ihr seine Hand hin. „Sie ist auch nicht in der Lage Frieden zu bringen“, sagte er und ein sanftes Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Frieden bedeutet einander die Hand zu reichen und sich gegenseitig zu helfen.“ Es lag nun an ihr, ob ihr diese Antwort ausreichte. Ob er in ihren Ohren die richtigen Worte gewählt hatte. Er wusste selbst, dass es in dieser Galaxis leider nicht immer möglich war einfach einander die Hand zu reichen um alte Feindschaften zu überkommen. Zu sehr war jede Seite von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugt und zu sehr waren viele von dem Einsatz von Waffen als Lösung für jedes Problem überzeugt. Es wäre zu schön würde es auch in seinem Leben ohne eine Waffe funktionieren, aber es war nicht möglich und das war ihm bewusst. In manchen Situationen hatte man einfach keine andere Wahl, als selbst eine Waffe zu ziehen um sich oder Personen die einem wichtig waren zu verteidigen. Doch selbst wenn man eine Waffe gezogen hatte, hatte man noch immer eine Wahl. Eine sehr entscheidende Wahl. Die Wahl darüber Leben zu nehmen oder es zu verschonen. Nur wer den Tod respektierte, war in der Lage den Wert eines Lebens wertzuschätzen.
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#7
Der Mann beobachtete sie. Äußerst gründlich. Es gefiel dem Schatten nicht, beobachtet, bestarrt zu werden. Wie eine Beute. Die man taxierte und in die man anschließend seine Klauen stach. Doch anders als zunächst blieb der Mensch für den Moment passiv und zeigte keine Form einer Aggression oder eines einfordernden Verhaltens. Stattdessen war da Verwirrung und Unsicherheit, natürlich auch aufgrund ihrer eigenen, für ihn völlig nutzlosen Antwort, die er sich aber offenbar zur Interpretation heranzog.

Die Rückfragen des Mannes auf ihre vage Aussage hin zeugten indes von einem wachen, seziererischem Geist. Das war zunächst aber überhaupt nichts Schlechtes, vielmehr im Gegenteil. Wer genau hinhörte und aufmerksam war, mochte leichter offener und aufgeschlossener, weniger selbstzentriert sein als dies andere waren. Neugier und Erkenntnisstreben konnten zwar in mancher Situation bedrohlich werden, in den allermeisten waren sie es jedoch nicht, sondern geradezu vernünftig. Ihre dunklen Lippen schürzten sich als Reaktion kurz, verengten sich dann aber doch zu einem angedeuteten schiefen Lächeln. Die Augen jedoch schienen sich dem nicht vollständig anschließen zu wollen, was dem Ganzen einen unnatürlichen Charakter gab. Sie schwieg und sah ihn lediglich einige Sekunden lang auf diese Art an. Es war erkennbar, dass sie es nicht für den richtigen Augenblick hielt, ihre Äußerung genauer zu erläutern. Sicherlich hätte sie ihm wieder eine andeutungsweise Antwort voller Rauch und Unklarheit zum Sezieren geben können, doch war es nicht ihr Begehr, den Mann mit nebulösen Andeutungen zu strafen oder zu quälen. Sie kannte den Mann nur nicht. Ihre Geschichte ihm gegenüber offenzulegen nach dem, was sie erlebt hatte, schien daher gefährlich, wenn nicht gar fahrlässig. Einfachen Fremden gegenüber bereits – umso mehr aber jemanden, der ein Lichtschwert mit sich führte. Ein Häscher, womöglich. Um sie erneut in Ketten zu legen. Vielleicht auch nicht. Sie vermochte es nicht zu beurteilen. Das machte es nicht leichter. Er konnte eine Antwort verdienen, irgendwann. Zunächst jedoch musste sie erkennen können, wer der Mensch vor ihr war… und weshalb er sich zu diesem Zeitpunkt ausgerechnet hier befand. Wo auch immer hier in diesem Moment überhaupt war.

Während er weitersprach, trat er näher an sie heran. Ihre Augen weiteten sich ein Stück weit, als er dies tat. Sofort schien ihr Körper dadurch zu versteifen, die Kälte biss in ihren Nacken. Gefahr. Der Schmerz in ihrer Seite ließ sie einige Male keuchen, ehe sie die Augen zusammenkniff, um noch durch den trüben Schleier sehen zu können. Der Mann gab sich zwar Mühe, seinen Eindruck mit Wort und Tat zu korrigieren. Seine Hände hatten sich schlechten Gewissens ebenso erhoben, womit er ihre Geste zu spiegeln schien. Die Worte jedoch mochten keinen rechten Eindruck auf sie zu machen, zumindest nichts, was eine tatsächliche Reaktion nach außen hervorrief. Womöglich auch, weil sie nur die Hälfte der Worte wirklich verstand und die andere Hälfte in einem Trog aus dumpfen, verzerrten Lauten in ihrem Kopf ertränkt wurde. Auch die Kanten in ihrer Sicht wurden schlierig als seien sie in ständiger Bewegung und schärften sich auch nach mehrmaligen Versuchen nicht.
„Ich verstehe“, entgegnete sie dann ersichtlich halbabwesend, als er zu sprechen aufgehört hatte, und es schien zweifelhaft, dass sie das tatsächlich hatte. Nichts davon abseits ihrer Worte deutete dies an. Auch zeigte sich selbst durch das Zureden kaum ein sichtbarer Effekt auf ihren verkrampften Körper wie auch ihren verdrehten Geist.

Der Mensch kam nahe, zu nahe für ihren Geschmack. Ihr Mund öffnete sich einen Spalt und stieß schwer atmend Luftzüge aus. In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken umher. Erst als er stehen blieb, wurde ihr Blick wieder ein Stück weit fokussierter, während er ihr eine Hand reichte. Kurz schüttelte sie den Kopf, weniger aus Ablehnung als vielmehr als wolle sie etwas abschütteln. Sie senkte ihren Blick hinab und blickte dabei die ihr gereichte Hand für weitaus länger als eigentlich notwendig an. Mehrere Male blinzelte sie dabei. Dann hob sie die ihre an, stellte dabei aber fest, dass ihre helle Haut von Blut überzogen war. Es schien nie zu enden. Man verließ Korriban nicht einfach. So hatte es schon in den Legenden gehießen, den Schauermärchen. Es mochte Vieles wahrer sein als man gemeinhin dachte. Sie geriet ins Stocken, die Hand zittrig etwa auf Brusthöhe erhoben, bis erneut einige Sekunden der Stille vorübergegangen waren. Dann plötzlich sah sie ihn an, die Augenbrauen leicht angehoben, als habe sie ihn jetzt erst entdeckt.
„Habt Ihr etwas zu trinken?“, fragte sie ihn dann ohne jedweden Zusammenhang zu dem, was er soeben gesagt hatte, beinah wirr. „Und medizinische Versorgung?“
Ihr Blick richtete sich mit einer Seitwärtsdrehung ihres Kopfes zu dem dampfenden Raumschiffsrumpf, der in weiten Teilen zerstört auf dem Erdboden qualmte, zerrupft von der Landung. Es schien nicht naheliegend, etwas davon noch hieraus bergen zu können.
„Ich… weiß nicht, was hier passiert ist und wie Ihr damit zusammenhängt, aber ich schätze, dass ich beides benötigen werde.“
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#8
Angespannt und die Frau nicht aus den Augen lassend stand Luke noch immer mit ausgestreckter Hand vor ihr. Ihm war, als würde sich die Zeit so weit ausdehnen, dass sie beinahe zum Stehen kam. Ein Gefühl. Eine Illusion. Doch dann geriet sie wieder in Bewegung als die Frau ihre Hand erhob und es für einen Moment so wirkte, als wolle sie seine Hand ergreifen, doch dann mitten in der Bewegung wieder erstarrte. Beinahe so, als würde sie sich vor dem fürchten was kommen würde, wenn sie seine Hand ergriff. Glaubte sie noch immer, dass er eine Gefahr darstellte? Dass er ihr etwas antun könnte? Aber das lag nicht in seiner Absicht und bisher gab es keinen Grund, warum sich das ändern sollte. Sie schien in diesem Moment nun wahrlich keine Gefahr darzustellen, so dass er in die Lage geraten könnte sich verteidigen zu müssen. Dann jedoch änderte sich der Ausdruck in ihrem Gesicht und zum ersten Male hatte er den Eindruck, dass sie ihn ansah und nicht nur durch ihn hindurchsah. Als wäre sie sich zum ersten Male ihrer Umgebung, der Wirklichkeit bewusst. Als hätte sie einen Schleier durchbrochen, der sie bisher umgeben und ihren Verstand vernebelt hatte.

„Etwas zum trinken?“, wiederholte er dann vollkommen überrascht ihre Worte, so hatte er ehrlich gesagt mit etwas anderem gerechnet, auch wenn er nicht sicher war überhaupt mit etwas gerechnet zu haben. Aber in einer derartigen Situation war es wohl eher natürlich mit einer anderen Sache zu rechnen, besonders in Anbetracht ihrer vorherigen Worte. Andererseits war es in Anbetracht ihres Zustandes wiederum vollkommen angebracht. „Ähm … Ja … Moment“, stotterte Luke, noch immer von der Frage überrascht und zugleich sich über sich selbst ärgernd. Eigentlich hätte er von selbst darauf kommen können ihr etwas zum Trinken anzubieten, aber stattdessen war er mit seinen Gedanken bei weniger einfachen Dingen gewesen. Geradezu darauf wartend, dass sich ein Geheimnis des Universums offenbarte oder so etwas in der Art. Ungelenk und nervös öffnete Luke den Verschluss an seinem Gürtel und befreite die Wasserflasche von seinem Gürtel und schaffte es sogar, sie beinahe fallen zu lassen. Unsicher reichte er ihr die Flasche und trat einen Schritt vor ihr zurück.

„Nicht bei mir“, antwortete Luke und warf einen Blick über seine Schulter und wieder zu ihr. „Aber im Falken, also meinem Raumschiff, also eigentlich nicht meines, sondern Hans … Han Solo … Also der Falke gehört ihm und dort gibt es mit Sicherheit etwas. Nicht viel, aber es sollte ausreichen.“ Als er aufgebrochen war hatte er nicht an solche Dinge gedacht, denn er hatte ja auch einfach nur einen Spaziergang machen wollen um seinen Kopf frei zu bekommen. Weder hatte er damit gerechnet, dass er sich verletzen könnte und noch weniger, dass er auf jemanden treffen könnte, der medizinische Versorgung benötigte. Lukes Blick glitt an der Frau vorbei zu den qualmenden Trümmerstücke die einst ein Raumschiff gewesen waren. Es war niemand mehr am Leben, das hatte ihm die Macht bereits verraten, aber das hieß nicht, dass sich nicht doch herausfinden lassen würde, woher das Schiff gekommen war oder wem es gehört hatte.

„R2 hörst du mich?“, versuchte Luke eine Kommunikation zu seinem kleinen Freund zu machen, der sofort mit einer aufgeregten Reihe von Pfeiftönen reagierte. „Ja mir geht es gut R2 und ...“ Eine weitere Reihe von Pfeiftönen unterbrachen Luke, dessen Augen sich für einen kurzen Moment nach oben drehten. Es war ja schön jemanden zu haben, der sich um einen sorgte, auch wenn es nur ein Droide war, aber ein bisschen Vertrauen könnte man ihm hin und wieder auch entgegen bringen. Es war doch nicht so, dass ihm jedes Mal etwas passierte, wenn er alleine unterwegs war. „Ich möchte dass du ein Medipack aus dem Falken besorgst und zu mir kommst“, sprach Luke und fügte ein rasches „Nein das ist nicht für mich“, hinzu. Er schaltete den Komlink ab, bevor R2 eine Chance hatte noch etwas zu antworten. Sein kleiner Freund würde hoffentlich dem abgestürzten Schiff ein paar Antworten entlocken können, denn von der Frau würde er wohl so schnell keine erhalten. Zumindest bezweifelte er das in diesem Moment dann doch.
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#9
Achtsam entnahm Sedrael die Flasche aus der Hand des Mannes, schien dabei kurz über die leichte Unbeholfenheit des Mannes zu schmunzeln. Sie entschied sich jedoch dagegen, diese spitzfindig zu kommentieren, auch wenn das vielleicht zur Auflockerung der Atmosphäre beigetragen hätte. Aber sie fühlte sich gerade nicht danach, sondern sah sich mit der Flasche in ihrer Linken in der näheren Umgebung um. Ihre blauen Augen fielen auf einen größeren Felsen im Gras, ein paar Meter entfernt. Etwas mühsam schob sie sich Schritt für Schritt vorwärts, bis sie mit der rechten Hand an den Felsen fassen konnte, drehte sich um und setzte sich äußerst langsam und vorsichtig so hin, dass ihr Rücken gegen den Felsen lehnen konnte. Kurz verzog sie beim Hinsetzen das Gesicht und stöhnte auf, als es in ihrer Seite stach und pulsierte. Sie legte den Kopf so weit in den Nacken, bis auch ihr Hinterkopf die steinerne Oberfläche berührte und sie dadurch in den bläulichen Himmel blicken konnte. Einmal ausatmend schloss sie die Augen, führte die Wasserflasche an den Mund und nahm einen kräftigen Schluck hieraus. Es war in der Tat ein wohltuendes Gefühl.
„Danke“, sagte sie dann an den Fremden gerichtet, während sie die Augen langsam wieder öffnete und ihn ansah. Sie versuchte wohl zu lächeln, es schien jedoch anhand der Schmerzen nicht richtig gelingen zu wollen. Die Helligkeit der Umgebung sorgte auch dafür, dass ihre empfindlichen Augen zwar geöffnet, aber doch merklich zusammengekniffen waren und dadurch auch ihre Stirn in Falten gelegt war. Ihr war nicht klar, wie sie seine Anwesenheit verstehen sollte, doch zumindest schien es nicht so als ginge von ihm eine Gefahr aus. Das war jedenfalls der Eindruck für den Moment - sie war aber nicht gut darin, ihn in diesem Moment zu lesen, weder hier vor Ort in materieller Hinsicht noch auf einer Ebene der Macht.

Ohne jede Unterbrechung ihrerseits hörte sie sich an, was er ihr zu sagen hatte. Die von ihm aufgeworfenen Namen sagten ihr zwar nichts, aber etwas anderes erlangte ihre Aufmerksamkeit. Ein Raumschiff also? Seine etwas ungeschickte und sogleich weiter von ihm erklärte und korrigierte Formulierung ließ bereits einiges erahnen und gewisse Rückschlüsse über ihn zu.
„Du bist also nicht von hier?“, schlussfolgerte sie daraus und nickte knapp. „Woher kommst du?“
Die Frage war gezielt offen und bot ihm an, so viel über sich zu erzählen, wie es ihm gerade beliebte, sich gleichzeitig aber nicht dazu verpflichtet zu fühlen, so er dies nicht wollte. Dies schien ihr im Hinblick darauf, dass er seit ihrer Begegnung äußerst nervös und beinahe fahrig wirkte, am geschicktesten. Sie selbst verstand nicht ganz, was an ihr so furchterregend sein mochte – schlussendlich schien sie aus ihrer Sicht doch nur eine offenbar hier ungeplant Schiffsbrüchige zu sein. Aber jeder konnte seine Gründe haben. Sie konnte nur spekulieren, was der Hintergrund war. Schlussendlich blieb aber der Punkt bestehen. Nämlich dass er ein Lichtschwert trug. Und das tat niemand ohne Grund. Erneut nahm sie einen Schluck aus der Flasche, einen kleineren diesmal.
„Keine Bewegung!“, rief dabei plötzlich eine weitere männliche Stimme aus dem Rücken des fremden Helfers, gefolgt von der Entsicherung einer Waffe. „Ganz ruhig!“
Sie blickte von der Trinkflasche langsam auf, sah die beiden Männer in ihren schwarzen, imperialen Uniformen, wie sie gerade aus dem Weg aus dem Wald heraus kamen. Der eine hatte offensichtlich eine Kopfverletzung, die bereits von der rechten Schläfe bis zum Hals angetrocknet schien. Es handelte sich dabei anscheinend auch um den Wortführer und Höhergestellten. Beide jedoch wirkten zerzaust, ihre Uniformen leicht zerschlissen und faltig. Und beide hatten ihre Blasterpistolen gezogen und auf den Fremden gerichtet, blieben auf – so schätzte sie – etwa zehn bis zwanzig Metern Entfernung von dem fremden Menschen stehen, warteten dort auf dessen Reaktion.
„Jetzt weg von ihr – schön langsam. Und die Hände da hin, wo wir sie sehen können!“
Sedrael glaubte sich an die beiden erinnern zu können. Auch ihr Auftreten ließ eigentlich nur den Schluss zu, dass sie ebenfalls mit in der Raumfähre gewesen sein mussten. Sie war sich zwar nicht sicher, aber es konnte sein, dass sie die beiden irgendwann vor dem Abflug einmal gesehen hatte. Allerdings war ihr nicht klar, in welchem Verhältnis sie nach dem Absturz nun zu diesen beiden Menschen stand. Und ebenso wenig, in welchem sie zu dem Fremden standen.
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