#11
„Bin ich eigentlich hier gerade der Einzige, dem aufgefallen ist, dass jedes Mal Fey'lya der ausschlaggebende Faktor ist, wenn es darum geht uns in eine ganz beschissene Lage zu bringen?“, kam es plötzlich von Wes, der sich bisher absolut ruhig verhalten hatte und jetzt Wedge, ebenso wie Luke, einen fragenden Blick zuwarf.
„Was meinst du mit ausschlaggebender Faktor?“, hakte Luke nach, der Wes gerade absolut nicht folgen konnte.
„Das würde mich jetzt allerdings auch interessieren“, meinte Wedge und zog leicht eine Augenbraue nach oben.
„Fey'lya wollte das Praxeum unter die Aufsicht seiner Leute stellen und das bestimmt nicht aus Nächstenliebe oder des Schutzes wegen, sondern weil er die Kontrolle über Luke und seine Leute übernehmen will“, fing Wes an zu erklären und beugte sich dafür sogar ein klein wenig verschwörerisch nach vorne. Es war zwar niemand außer ihnen hier der das Gespräch verfolgen könnte, aber sollte es an die Ohren des Rates kommen dann hätte er ein großes Problem. „Er hätte dann entschieden was Luke darf, was Luke zu tun hat oder wann er zu handeln hat. Fey'lya weiß sehr wohl in welchem Verhältnis Luke zu uns und wie wir zu Ackbar stehen und die Kontrolle die er dann gehabt hätte, hätte er unter Garantie zu seinem Nutzen benutzt um Ackbars Sympathisanten handlungsunfähig zu machen.“
„Deine Vorstellungskraft in alle Ehren, aber denkst du nicht vielleicht auch, dass du da ein wenig zu viel hinein interpretierst?“, schlug Luke vorsichtig vor, denn im Moment kam ihm das nämlich doch ein wenig übertrieben vor.
„Ich war noch nicht fertig“, warf Wes ein und trank schnell einen Schluck, bevor er weitersprach. „Allerdings wusste er, dass du dich nicht so einfach kontrollieren lassen würdest und dass du bereit bist notfalls deinen Weg auch alleine zu gehen. Also genau das, was du jetzt auch tust. Aber wenn rauskommt, dass du raus bist, dann wird das Wellen in der gesamten Galaxis schlagen. Wir haben es jetzt schon verdammt schwer alles zusammenzuhalten und wenn das durchsickert, dann...“
„Wes? Du weißt aber schon, dass das was du da so gerade von dir gibst, in so manchen Ohren nach Verrat klingt oder?“, raunte Wedge und sah sich vorsichtig in der Cantina um. Man konnte ja nie wissen, selbst mit einem Jedi am Tisch, wer auf einmal hinter einem stand.
„Und jetzt kommt's“, sprach Wes weiter ohne auf den Einwurf von Wedge zu reagieren. „Bei unserer Sache hatte er auch seine Finger drin. Er ist sogar derjenige, dem wir den Mist überhaupt zu verdanken haben.“
„Bei eurer Sache?“, fragte Luke nach, denn bisher hatte ihm noch keiner darüber aufgeklärt, was die Sonderstaffel überhaupt auf Velmor machte. Einem Planeten, wie er gerade nicht weiter von der Frontlinie hätte weg sein können.

„Vor ein paar Tagen wurde die Neue Republik von jemanden kontaktiert, der behauptete Informationen zu besitzen, welche den Kampfverlauf relevant beeinflussen würden“, erklärte Wedge und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Mehr rückte er allerdings nicht heraus. Stattdessen stellte er die Forderung, dass er die Informationen nur an den Commander der Sonderstaffel – also mich – übergeben würde. Sollten wir den Forderungen nicht nachkommen, dann würde er die Informationen an die Gegenseite übermitteln.“
„Und was hat Fey'lya damit zu tun?“, fragte Luke weiter nach.
„Nun das Ganze ging, wie du dir mit Sicherheit vorstellen kannst, vor den Rat. Ackbar war natürlich vehement dagegen uns von der Front abzuziehen und hat das auch ziemlich deutlich zur Sprache gebracht“, erklärte Wedge weiter was sich zugetragen hatte. „Das war wiederum für Fey'lya das gefundene Fressen, der natürlich die Chance nutzte um Ackbar in die Enge zu drängen und sein Können anzuzweifeln, wenn er den Erfolg unserer Truppen einzig und alleine von uns abhängig machen würde.“ Leise seufzte Wedge auf, der sich noch gut an den Tag erinnern konnte, auch wenn er selbst nicht persönlich vor Ort gewesen war, sondern nur über eine Holoübertragung zugeschaltet gewesen war.
„Das konnte Ackbar natürlich nicht auf sich sitzen lassen und hat sich zur Wehr gesetzt und – Nun du kennst Ackbar und kannst dir mit Sicherheit vorstellen, dass er mit wehenden Fahnen Fey'lya in die Falle gelaufen ist.“ Ackbar war ein guter Mann und ein guter Admiral und er genoss großes Vertrauen innerhalb der republikanischen Truppen. Sie alle wussten was Ackbar während der Zeit der Rebellion erreicht hatte und was er auch weiterhin jeden Tag erreichte, aber so gut wie er auf dem Schlachtfeld auch war, so schlecht war er auf dem politischen Parkett.
„Wie dem auch sei, er hatte keine andere Wahl als sich Fey'lyas Wunsch, uns hier her zu schicken, zu beugen und weil es dem Fellbündel auch noch gelungen ist die Mehrheit im Rat auf seine Seite zu ziehen sind wir jetzt hier.“
„Ja wir sind hier und nicht an der Front wo wir eigentlich sein sollten“, stimmte Wes zu. „Und das Imperium hat sozusagen freie Fahrt. Er schwächt die Republik indem er Luke so sehr in die Enge drängt, dass er keine andere Wahl mehr hat, als seinen eigenen Weg zu gehen und er schwächt die Republik indem er uns irgendwelchen Geistern hinterher jagen lässt. Und kommt mir jetzt bitte nicht mit Zufall.“ Wes sah erst zu Luke, dann zu Wedge und dann wieder zu Luke. Er konnte doch echt nicht der Einzige sein, der da einen Zusammenhang sah.
„Hm“, murmelte Luke nachdenklich, stützte seine Ellenbogen auf dem Tisch ab, verschränkte die Finger und legte sein Kinn auf diesen ab. „Ich muss zugeben, es klingt durchaus nach mehr als einem Zufall, besonders da beide Vorfälle relativ nacheinander passiert sind. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Fey'lya für die andere Seite spielt.“
„Muss er denn überhaupt für die andere Seite spielen?“, warf Wes ein.
„Für welche Seite soll er denn dann spielen?“, fragte Wedge, dem das Gespräch zwar ein wenig unangenehm war, aber ihn dennoch nicht wirklich los ließ. So nebeneinander gestellt konnte man die Verbindung nämlich wirklich nicht übersehen.
„Na für seine eigene natürlich“, meinte Wes, als sei es das offensichtlichste überhaupt.
„Seine eigene?“, kam es absolut gleichzeitig von Luke und Wedge, die einander einen überraschten Blick zuwarfen.
„Fey'lya will an die Spitze der Neuen Republik, aber in einem starken und gefestigten System schafft er das nicht“, erklärte Wes mit fast schon triumphierenden Blick. „Also muss er es erst marode machen und sich dann zum Retter der Neuen Republik aufschwingen und schon liegt es ihm zu Füßen.“
Wedge sah Wes mit großen Augen an, ehe er sein Gesicht in die offene Handfläche sinken ließ. Er hatte schon immer gewusst dass Wes eine große Phantasie besaß, aber dass sie so groß sein könnte, war auch ihm noch nicht klar gewesen.
„Ich will ja nicht leugnen, dass Fey'lya ein Streben nach Macht besitzt“, äußerte Luke sich vorsichtig und diplomatisch. „Aber ich denke nicht, dass er bereit ist dafür alles aufs Spiel zu setzen, was wir alle gemeinsam erreicht haben.“ Luke war sich sicher, dass man stets besser dran war, wenn man Fey'lya mit Vorsicht begegnete und stets wachsam seiner Worte gegenüber war, aber er hatte einfach seine Zweifel daran, dass Fey'lya bereit war einen so großen Verrat zu begehen, nur um anstelle von Mon Mothma die Neue Republik anzuführen. Diese Vorstellung entzog sich zum aktuellen Zeitpunkt einfach seinem Verständnis.
„Wenn es so kommen sollte, dann will ich aber eine ordentliche Entschuldigung von euch hören, damit das klar ist.“
„Wenn es so kommt, dann bekommst du eine von mir. Versprochen“, murmelte Wedge ohne Wes dabei anzuschauen.
„Und von mir ebenfalls“, fügte Luke an und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, nachdem er einen Blick auf Wedge geworfen hatte. Irgendwie tat es gut wieder mit ihnen zusammen zu sitzen. Es war ihm damals nicht leicht gefallen sich von der Sonderstaffel zu verabschieden, mit der er zusammen so viel erlebt und überlebt hatte. Sie waren für ihn eine Familie gewesen und auch wenn sie es für immer bleiben würde, so vermisste er sie sehr, wie ihm in diesem Moment schmerzhaft bewusst wurde. Es waren gewiss keine einfachen oder gar leichte Zeiten gewesen, aber gemeinsam hatten man sich jeder Herausforderung gestellt. Man hatte einander geholfen und einander den Rücken gestärkt. Man war nie alleine gewesen. Man hatte nicht einmal die Möglichkeit besessen sich alleine zu fühlen. Es war immer jemand da gewesen. Für einen kurzen Moment fragte Luke sich, ob er richtig gehandelt hatte, als er die Entscheidung getroffen hatte, seinen Weg alleine gehen zu wollen.
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#12
„Code Red! Ich wiederhole Code Red!“, erklang plötzlich Dereks Stimme aus dem Komlink und das Lächeln, welches eben noch auf Wedges Lippen gelegen hatte verschwand.
„Was ist los?“, fragte er und ein ernster Ausdruck legte sich auf sein Gesicht.
„Sturmtruppen und zwar zu viele davon“, antworte Feylis, die er am westlichen Perimeter stationiert hatte und was ihm somit verriet, dass sich das Imperium von zwei Seiten auf sie zubewegte.
„Tycho? Report!“
„Hier ist alles sauber Wedge“, antwortete Tycho, der von Wedge die Anweisung erhalten hatte den Raumhafen und den großen Markt davor im Blick zu behalten. „Sie müssen schon die ganze Zeit hier gewesen sein.“
Deutlich hörbar atmete Wedge aus, während er sich mit den Fingern über die Stirn strich. Hatte ihn sein Bauchgefühl die ganze Zeit über also doch nicht betrogen. Es war eine Falle gewesen und nun saßen sie hier wie auf dem Präsentierteller.
„Befehl an alle! Sofortiger Rückzug zum Sammelpunkt. Jegliche Konfrontationen sind zu vermeiden. Ich wiederhole – Keine Konfrontation!“
Wedge schaltete das Kom stumm und sah zwischen Wes und Luke hin und her. Er brauchte ihnen nicht zu erklären, was los war, so hatten sie es doch gerade beide ganz hervorragend selbst hören können.
„Kriegsbeeinflussende Informationen“, spuckte Wes die Worte beinahe aus. „Die Nachricht, dass Mitglieder der Sonderstaffel entweder tot oder in imperialer Gefangenschaft sind, ist in der Tat eine Krieg-beeinflussende Information.“ Sie waren zwar nur eine X-Wing Staffel, eine von vielen, aber im Gegensatz zu den anderen war ihre überall bekannt und von manchen Piloten auch gefürchtet. Sie hatten sich die Bezeichnung 'Sonderstaffel' durch Können und Leistung verdient und sie auszuschalten würde gewiss auf die Moral der Truppen schlagen.

Luke hatte seit dem Erklingen der Nachrichten aus Wedges Kom noch kein Wort zu der Lage gesagt, stattdessen zog er sein eigenes Kom hervor.
„Han? Bitte kommen“, versuchte er seinen Freund zu erreichen, der sich irgendwo hier in der Stadt aufhalten musste.
„Gut dass du dich meldest, ich wollte gerade -“, begann Han freudig zu sprechen, wurde jedoch von Luke unterbrochen.
„Han schnapp dir Chewie, gehe zurück zum Falken und verschwinde von Velmor“, kam Luke ohne Umschweife direkt auf den Punkt.
„Luke was ist los?“, fragte Han nach und seine Stimme war schlagartig wachsam geworden.
„Keine Zeit für Erklärungen. Tue einfach was ich dir gesagt habe und - Vertraue mir.“
Für einen kurzen Moment war nur statisches Rauschen aus dem Kom zu hören und Luke war sich nicht sicher, ob Han nicht gleich zu einer seiner Reden ansetzen würde.
„Verstanden“, erklang es dann jedoch kurz und knapp aus dem Kom und Luke konnte sich ein leises und erleichterndes Ausatmen nicht verkneifen.
„Und Kleiner?“, erklang Hans Stimme ein weiteres Mal aus dem Kom. „Möge die Macht mit dir sein.“
Mit einem schwachen Lächeln schaltete Luke das Kom in seiner Hand aus und sah zu Wedge und Wes.
„In Ordnung Jungs, wie ist unsere Lage?“


Wedge und Wes wechselten nach Lukes letzten Worten für einen winzigen Moment fragende Blicke, ehe Wedge das Wort ergriff.
„Aus westlicher, wie auch aus östlicher Richtung bewegen sich Sturmtruppen auf unseren Punkt zu“, fasste er die Lage zusammen. „Sie schneiden uns die Fluchtwege ab, so dass uns nur der Weg zum Raumhafen als Fluchtweg zur Verfügung steht. Vor diesem allerdings befindet sich der große Platz. Von allen Seiten einsehbar und ungeschützt was freies Schussfeld bedeutet. Ich bin mir sicher, dass sie sich dort bereits passend stationiert haben.“ Er war überzeugt davon, dass die sich nähernden Sturmtruppen nicht die Aufgabe hatten sie zu töten oder zu stellen, sondern sie wie Vieh in Richtung Raumhafen zu treiben. Dort würde man sie einkreisen und sie auffordern sich zu ergeben und ihnen drohen, dass wenn sie es nicht tun man das Feuer eröffnen würde. Ein Kreuzfeuer auf einem öffentlichen Platz, auf dem sich gerade dutzende von Personen aufhalten mussten. Unschuldige, die mit dieser Sache absolut nichts zu tun hatten. Doch dem Imperium würde es vollkommen gleich sein. Vermutlich würden sie, so wie viele Male zuvor, ihr Handeln damit rechtfertigen, dass man ihnen keine andere Wahl gelassen hatte.
Luke nickte leicht mit dem Kopf. Er hatte jedem Wort von Wedge aufmerksam gelauscht, auch wenn sein Blick ein wenig abwesend wirkte.
„Ja, es ist davon auszugehen, dass sie ihre Falle bereits ausgelegt haben“, stimmte Luke Wedge zu. „Aber ihr werdet nicht in diese Richtung verschwinden, sondern in die entgegengesetzte.“
„In die Entgegengesetzte? Wie sollen wir das denn anstellen?“, fragte Wes und warf Luke einen unverständlichen Blick zu. „Die Cantina hat keinen Hinterausgang, das haben wir bereits überprüft.“
„Die Gedanken des Wirts haben mir gerade verraten, dass es einen solchen gibt und zwar“, meinte Luke und auch wenn sein Blick abwesend wirkte, so sah man ihm dennoch an, dass er sich konzentrierte. „Ein Tunnel... Keller... Südwestlich führend.“ Lukes Blick fokussierte sich wieder auf die zwei ihm gegenübersitzenden Männer. Unter normalen Umständen nutzte er seine Fähigkeiten nicht in die Köpfe anderer einzudringen, doch diese Situation hatte ihm keine andere Wahl gelassen, wenn er das Leben seiner beiden Freunde retten wollte.
„Selbst wenn es diesen Tunnel tatsächlich geben sollte“, warf Wedge ein. „Was hindert sie daran uns zu folgen? Außerdem, sobald sie von dem Tunnel wissen, wird man an seinem Ausgang auf uns warten und da haben wir noch weniger Chancen, als auf einem offenen Platz.“
Wedge sah Luke mit ernstem Blick an. Sicherlich war der Tunnel eine Fluchtmöglichkeit, zumindest auf den ersten Blick, aber die Verteidigungsmöglichkeiten waren einfach nicht gegeben. Selbst wenn am Ausgang am Ende nur 5 Sturmtruppler standen, lagen ihre Chancen dennoch bei 'nicht vorhanden'. So ein Tunnel bot ja wohl nicht gerade die beste Deckung um sich gegen Blasterfeuer zu schützen. Doch je länger er Luke ansah, der ihm schweigend gegenüber saß, desto mehr regte sich in ihm ein Verdacht.
„Oh nein Luke! Schlag dir das aus dem Kopf!“, kam es etwas lauter als beabsichtigt über Wedges Lippen, der Luke einfach lang genug kannte, um sich auch ohne jegliche Macht vorstellen zu können was in dessen Kopf vor sich ging.
„Sag jetzt bitte nicht er hat vor den Lockvogel zu spielen“, meinte Wes und warf Luke einen zweifelnden Blick zu. Es war ja nicht so, dass man den Mitgliedern der Sonderstaffel nicht eine gewisse Verrücktheit unterstellte, aber das war dann doch zu verrückt.
„Es sind zu viele, auch für jemanden wie dich“, sprach Wedge weiter und bestätigte somit Wes Befürchtungen ohne direkt darauf geantwortet zu haben. „Du kannst sie nicht alle besiegen und das weißt du.“
„Ja das weiß ich und deswegen habe ich es auch nicht vor“, antwortete Luke und sein Tonfall ließ durchschimmern, dass er sich von seinem Plan nicht würde abbringen lassen. „Ich werde euch einfach nur so viel Zeit wie möglich verschaffen und mich dann aus dem Staub machen.“
„Das ist blanker Wahnsinn Luke“, meinte Wedge und schüttelte den Kopf.
„Nicht mehr, als mit einem X-Wing in den Reaktor eines Todessterns zu fliegen“, konterte Luke und ignorierte den bösen Blick, dem ihm Wedge dafür schenkte. Schweigend starrten sich die beiden Freunde in die Augen, bis Wedge den seinigen schließlich senkte und seufzte.
„Du hast es dir in den Kopf gesetzt und ich bin nicht mehr in der Position dir einen Befehl zu erteilen“, sagte Wedge mit schwerer Stimme, dem dieser Plan so überhaupt gar nicht schmeckte. Es war einfach nicht richtig, dass Luke ihnen jetzt aus der Patsche half. Luke, der eigentlich gar nicht hätte da sein dürfen und für einen winzig kleinen Augenblick kam ihm der Gedanke, ob es vielleicht die Macht gewesen war die Luke heute hier her geführt hatte. Allerdings verschwand der Gedanke genau so schnell wieder wie er gekommen war, denn das Konzept der Macht war einfach zu hoch für ihn.
„Und solltest du dich gefangen nehmen lassen – Ich hol dich persönlich raus, selbst wenn ich mir dafür den Weg, nach wohin auch immer, frei schießen muss.“ Es war ein Versprechen und eine Drohung zugleich.
„Warnung angekommen“, meinte Luke und musste trotz der ernsten und bedrohlichen Lage auflachen. „Und jetzt verschwindet, sonst brauchen wir gleich keinen Plan mehr.“
Wes und Wedge erhoben sich von ihrem Platz, wenn auch nicht ohne dennoch leise zu murren. Es gefiel ihnen beide nicht, aber sie konnten nun nicht mehr tun, als Luke zu vertrauen. Während Wes direkt auf den Besitzer der Cantina zusteuerte, immerhin musste er ihnen den Weg weisen, hatte sich Wedge nur ein paar Schritte entfernt und war stehen geblieben.
„Pass auf dich auf Luke und möge die Macht mit dir sein“, verabschiedete sich Wedge, mit dem innigen Wunsch im Herzen, dass es nicht das letzte Mal gewesen war, an dem sich ihre Wege im Leben gekreuzt hatten.

Luke wartete, bis seine beiden Freunde verschwunden waren, ehe er sich von seinem Platz erhob und die Kapuze seines Umhang über den Kopf und tief ins Gesicht zog. Ohne auf die weiteren Gäste zu achten, die ihm durchaus neugierige Blicke zuwarfen, verließ er die Cantina. Mit leicht gesenktem Kopf blieb er mitten auf der Gasse stehen und warf einen kurzen Blick nach rechts und nach links. Den Richtungen, aus denen die Sturmtruppen ruhigen, aber zügigen Schrittes herankamen. Sein Blick glitt die Gasse entlang, welche seinen Freunden als einziger Fluchtweg hätte dienen sollen und ein kleines Lächeln legte sich auf seine Lippen, als er am Horizont die vertrauten Umrisse des Falkens erkennen konnte, der gerade dabei war die Atmosphäre des Planeten zu verlassen. Er schloss die Augen und ließ die Macht durch sich fließen. Die Macht, die durch jeden lebenden Organismus auf diesem Planeten floß und begann langsam seine Hände zu heben. Seine Handflächen deuteten in Richtung der nahenden Sturmtruppen und er wirkte beinahe wie jemand, der sich ergeben und zeigen wollte, dass er unbewaffnet war. Tief und konzentriert atmete Luke ein und in dem Moment, an welchem er ausatmete, streckte er seine Arme zur Seite und auf beiden Seiten der Gasse wurden Soldaten von einer unsichtbaren Kraft von ihren Füßen gerissen und durch die Luft nach hinten geschleudert. Hinter ihnen stehende Soldaten wurden entweder umgeworfen oder aus dem Gleichgewicht gebracht. Luke ließ seine Arme sinken und während eine Hand die Kapuze nach hinten zog, griff die andere Hand nach dem Lichtschwert an seinem Gürtel.

„Ich bin Luke Skywalker“, sagte er mit kräftiger Stimme und öffnete die Augen. „Und ihr habt euch den falschen Tag für einen Besuch auf Velmor ausgesucht.“ Mit einem elektrischen Sirren aktivierte er die grün schimmernde Klinge seines Lichtschwerts, bereit für alles was kommen möge.
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#13
Luke konnte sehen wie die Sturmtruppensoldaten von Verwirrung ergriffen wurden und genau das war auch in seiner Absicht gelegen. Es war etwas passiert, auf das die Soldaten nicht vorbereitet gewesen waren und nun wussten sie nicht, was sie tun sollten. Sollten sie angreifen, sollten sie warten oder sollten sie einfach ihren Befehlen folgen, welche sie vorher erhalten hatten? Wenn es nicht so viele Sturmtruppen gewesen wäre, hätte Luke die Situation sicherlich als amüsant empfunden, so aber war ihm alles andere als zu Lachen zu mute. Aus den Augenwinkel heraus konnte er sehen, wie ein Soldat ganz offenbar die Lage seinen Vorgesetzten schilderte und sich neue Befehle einholte und kurz danach wurden Befehle durch die Reihen gerufen und in das von ihm verursachte Chaos in den Reihen zog wieder Ordnung ein.

'Zeit zu verschwinden', sagte Luke zu sich selbst und setzte sich umgehend in Bewegung und zwar in genau die Richtung, in welcher seine Freunde hätten getrieben werden sollen. Ihm war klar, dass ihm am Ende ein noch viel größeres Problem erwarten würde, aber er hatte keine andere Wahl. Das war genau die Richtung in die er musste, um seinen Freunden ausreichend Zeit zu verschaffen.
„R2? Hörst du mich?“, sprach er laut, während er die Gasse entlang rannte und versuchte dabei niemanden Unbeteiligten über den Haufen zu rennen. Eine kurze Reihe von verschiedenen Pfeiftönen drang aus seinem Kom. „Ja ich weiß, dass das Imperium da ist“, antwortete Luke und entschied sich dazu einen kurzen Blick über die Schulter zu werfen. Die Soldaten waren ihm auf den Fersen, wenn auch weniger als er sich erhofft hatte, aber noch immer weitaus mehr, als gut für ihn war. „Hör zu R2, fliege den X-Wing direkt zum Marktplatz und bringe ihn dann so tief wie nur möglich herunter sobald ich dir das Zeichen dafür gebe.“ Erneut drangen aus dem Kopf die unterschiedlichsten Pfeif- und Piepstöne und so manch einer würde ihnen einen etwas sorgenvollen Unterton zuweisen. „Mir wird schon nichts passieren R2“, meinte Luke und beendete die Verbindung. Er war sich nicht sicher, aber er musste einfach an einen guten Ausgang glauben. Darauf vertrauen, dass ihn die Macht leiten und das Richtige tun lassen würde. Zweifel führten nur zu Angst und Angst führte dazu, dass man die falschen Entscheidungen traf.

Das kurze Gespräch hatte ihn genug abgelenkt um für den Bruchteil einer Sekunde nicht auf seine Umgebung zu achten und so sah er das Kind, welches gerade die Gasse überquerte, viel zu spät, um noch einen Bogen darum machen zu können. Er öffnete sich der Macht und mit ihrer Hilfe gelang ihm ein Sprung direkt über den Kopf des Kindes hinweg, welches erschrocken stehen geblieben war und mit großen Augen den Mann ansah, der gerade eben über seinen Kopf gesprungen war. Er konnte die Verwunderung in den Stimmen der Menschen hören, ihre Unsicherheit spüren und wie gerne hätte er ihnen etwas gesagt, doch er hatte keine Zeit dafür. Nicht solange ihm die Sturmtruppen auf den Fersen waren. Sie hatten noch keinen einzigen Schuss abgegeben und Luke wusste nicht, ob ihn das beruhigen oder beunruhigen sollte. Entweder sie hatten den Befehl erhalten ihn lebend gefangen zu nehmen oder aber sie waren sich ihrer Kameraden sicher, die gewiss schon über seine Ankunft informiert worden waren. Er musste sich etwas überlegen und das verdammt schnell, denn er konnte die großen Torbögen, welche den Übergang zum großen Marktplatz auf Velmor kennzeichneten, bereits gut erkennen.

Luke griff mit der Macht hinaus und versuchte so herauszufinden wo sich die Sturmtruppen am Marktplatz versteckt hielten, doch die Masse an Zivilisten machte es ihm unmöglich. Er war einfach noch viel zu ungeübt darin einzelne Individuen in so einer großen Masse eindeutig zu identifizieren und der Druck, unter welchem er eindeutig stand, machte es ihm nicht gerade einfacher. Für einen kurzen Augenblick glaubte er Bens Stimme zu hören, die ihm riet auf die Macht zu vertrauen, doch bestimmt hatte ihm sein Verstand einfach nur einen Streich gespielt. Es war ja nicht so, dass er sich nicht schon voll und ganz auf die Macht verließ. Es war das einzige, auf das er sich in diesem Moment verließ.

„Verschwindet!“, rief Luke mit lauter Stimme, die er mit Hilfe der Macht über den gesamten Marktplatz tragen ließ, kaum war er unter dem Torbogen hindurch gerannt. Verdutzte Gesichter sahen ihn an und er konnte sehen, wie sich ihre Augen weiteten, als sie die Sturmtruppen hinter ihm sahen. Furcht ergriff die Zivilisten und ihre Furcht schwoll zu einer Welle in der Macht an, die ihn beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht hätte. Er rannte genau auf den Mittelpunkt des Marktplatzes zu und blieb dort schweren Atems stehen. Er brachte sein Lichtschwert nach oben und begab sich in eine defensive Position, während die Sturmtruppen auf den Marktplatz strömten und einen Ring um ihn herum bildeten. Er konnte sie sehen, er konnte sie spüren und er versuchte über ihre Signatur die hier irgendwo versteckten Soldaten zu entdecken. Er konzentrierte sich, doch ohne Erfolg und er stand kurz davor seine Bemühungen zu beenden, als er erst hier und dann dort ein schwaches Aufglimmen in der Macht wahrnahm und mit einem Mal konnte er sie alle spüren und wussten wo sie sich aufhielten und dieses Wissen war erdrückend. Er brauchte Dreipeo nicht dafür, um zu erkennen, dass er keine Chance hatte.

„Hier spricht Captain Lorman“, drang die Stimme eines Sturmtrupplers an sein Ohr, welcher einen Schritt nach vorne getreten war. „Legen sie ihre Waffe nieder und ergeben sie sich uns. Widersetzen sie sich unseren Anweisungen werden wir unverzüglich das Feuer auf sie eröffnen.“
Luke wollte gerade etwas erwidern, als das vertraute Geräusch von Triebwerken an sein Ohr drang, aber er hatte R2 das Zeichen noch gar nicht gegeben. In beinahe dem selben Augenblick fegte eine Blastersalve durch die Reihen der Sturmtruppen.
„Du hast doch nicht gedacht wir überlassen dir den ganzen Spaß“, drang Wedges Stimme aus seinem Kom und auch wenn es noch viel zu früh dafür war, verspürte Luke so etwas wie Erleichterung. Eine weitere Blastersalve traf die Sturmtruppen, unter denen das Chaos ausgebrochen war. Während die einen nach Schutz suchten, eröffneten andere wiederum das Feuer auf die über ihnen fliegenden X-Wings, auch wenn sie mit ihren Gewehren gegen sie nichts ausrichten konnten.
„R2! Jetzt! Beeil dich“, bellte Luke in sein Kom und gab seinem treuen, kleinen Freund das Zeichen, während er hektisch nach einer Möglichkeit des Schutzes suchte. Doch außer ein paar kleinen Marktständen gab es nichts, was ihm Schutz geboten hätte, gegen das Feuer, welches nun von den bisher unbeteiligten Soldaten in den umliegenden Gebäuden abgegeben wurde. Aber es war allemal besser, als wie auf dem Präsentierteller zu stehen. Also begann Luke sich hinter den ersten Stand zu begeben und die Schüsse abzuwehren, die auf ihn abgegeben wurden, nur um direkt danach wieder in Bewegung zu sein. Ein bewegliches Ziel war immer schwerer zu treffen, als ein unbewegliches und der Staub und Dreck, den die Blastersalven seiner Freunde mit ihren X-Wings verursachten machte den Soldaten das Zielen schwieriger. Dennoch war diese Angelegenheit noch lange nicht ausgestanden und das machte ihm ein brennender Schmerz am Arm ziemlich schnell deutlich. 'Konzentriere dich Luke', ermahnte er sich selbst und fokussierte sich wieder auf das Geschehen um ihn herum.

Die Möglichkeiten der Deckung minimierten sich schneller als ihm lieb war, doch versuchte er sich nicht davon beeindrucken zu lassen. Er öffnete sich der Macht weiter und überließ ihr die alleinige Kontrolle über seine Bewegungen. Er dachte nicht mehr, er überlegte nicht mehr, sondern er ließ sich ganz von der Macht führen und leiten. Er war zu ihrem Werkzeug geworden.

Staub wirbelte um ihn herum auf und ein dunkles Dröhnen erklang direkt über seinem Kopf. Sein Blick glitt nach oben und er sah seinen vertrauten X-Wing direkt über sich schweben. R2 hatte es geschafft. Den aufgewirbelten Staub und seine tiefe Verbindung zur Macht nutzend sprang Luke senkrecht in die Höhe und landete auf der Schnauze seines X-Wings. R2 hatte die Luke zur Pilotenkanzel bereits geöffnet, so dass Luke kurzerhand hineinspringen und sich in den Sitz begeben konnte.
„Lasst uns von hier verschwinden“, sprach Luke in den geöffneten Kom-Kanal zu seinen Freunden, während er sich festschnallte.
„Wir geben dir Rückendeckung“, hörte er Tychos Stimme aus den Lautsprecher.
„Geht kein Risiko ein“, entgegnete Luke und übernahm die Kontrolle des Schiffes.
„Würden wir doch niemals tun“, erklang Wes' Stimme, der tatsächlich noch Zeit fand zu lachen.
Gemeinsam verabschiedeten sie sich noch mit ein paar zielgerichteten Blastersalven, ehe sie sich wortwörtlich aus dem Staub machten.

„Was hast du jetzt vor?“, fragte Luke auf dem Weg in den Orbit des Planeten.
„Was denkst du? Ich werde zur Flotte fliegen, den nächsten Kanal nach Naboo öffnen und Dampf ablassen“, hörte er Wedge sagen und Luke glaubte ihm jedes einzelne Wort davon.
„Wenn du das tust, dann tue mir bitte den Gefallen und erwähne mich nicht.“
„Wie bitte? Dich nicht erwähnen? Du bist der Grund warum wir überhaupt noch am Leben sind!“, erklang Tychos Stimme aus dem offenen Kom-Kanal.
„Und wenn ihr es tut, dann weiß jeder wo ich mich ungefähr aufhalte“, seufzte Luke und schüttelte den Kopf, auch wenn es niemand sehen konnte.
„Deine Beteiligung auf Velmor wird nicht lange ein Geheimnis bleiben, das weißt du selbst“, entgegnete Wedge.
„Ich weiß, aber wenn ihr schweigt verschafft es mir hoffentlich genug Zeit mein Ziel unbemerkt zu erreichen“, antwortete Luke.
„In Ordnung. Ich werde kein Sterbenswörtchen verraten. Das bin ich – das sind wir dir schuldig.“
„Ihr seid mir überhaupt nichts schuldig. Wir sind eine Familie oder etwa schon vergessen?“
„Und ich unterbreche euer Familientreffen nur verdammt ungern, aber meine Scanner kündigen etwas Großes an und mit groß meine ich sternzerstörergroß“, war es auf einmal Hans Stimme, die aus dem Kom drang.
„Verstanden“, antwortete Wedge auf Hans Kommentar. „Zeit zu verschwinden Jungs und Luke? Möge die Macht immer mit dir sein.“
Die Komverbindung deaktivierte sich und Luke beobachtete wie seine Freunde, seine Familie, in den Hyperraum sprang.
„Wir sollten es ihnen besser gleich tun“, meinte Luke und löste irgendwie schweren Herzens den Blick von dem Punkt, an welchem seine Freunde verschwunden waren. „Wir treffen uns an derselben Stelle, an welcher wir damals den Angriff gestartet haben.“
„Sicher, dass ich dich nicht an Bord holen soll?“
„Sicher“, versicherte Luke und schloss die Komverbindung. Er brauchte die Zeit bis Yavin jetzt einfach für sich. Es gab einfach zu vieles über das er nachdenken wollte.
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#14
Direkt nachdem Luke in den Hyperraum gesprungen war um wohin auch immer zu verschwinden, Wedge hätte es zu gerne gewusst, aber er akzeptierte natürlich die Entscheidung seines Freundes es ihm nicht zu sagen, waren auch die Mitglieder der Sonderstaffel in den Hyperraum gesprungen, mit direktem Kurs auf den Sammelpunkt der Dritten Republikanischen Flotte im Trax Sektor. Also genau dahin zurück woher sie gekommen waren. Zurück an die Front. Aber Wedge hatte ehrlich gesagt nicht vor gleich wieder zurück an die Front zu kehren. Nach allem was in den letzten Minuten passiert war gab es einfach zu vieles, das er jetzt vom Tisch haben wollte. Es hatte sich einfach zu viel Unmut in ihm angesammelt, als dass er einfach so zurück zur Tagesordnung zurückkehren könnte. Nein, bevor er sich wieder kopfüber in die nächste Mission stürzte gab es ein paar Angelegenheiten die er geklärt wissen wollte und er wusste auch schon genau wo und mit wem er sie klären würde.

Tycho kletterte gerade aus seinem X-Wing und sah aus den Augenwinkel wie Wedge mit einem Techniker diskutierte. Er konnte nicht hören worum es ging, aber wenn er sich Wedge ansah und seine Gesten richtig deutete, und dazu gehört gerade wirklich nicht viel, dann war da gewaltig etwas im Busch. Achtlos warf Tycho seinen Helm auf eine der vielen Kisten die hier herumstanden und eilte Wedge hinterher und kaum war er mit ihm gleich auf, überholte er ihn und ging nun, den Blick auf Wedge gerichtet, vor diesem her.
„Hör zu“, begann er an zu sprechen. „Ich weiß du bist sauer und du hast auch jedes Recht dazu. Wegen der Sache mit Luke und jetzt die Sache mit Velmor und glaube mir wenn ich dir sage, dass wir alle deswegen schlechte Laune haben, aber“, Tycho unterbrach sich mit einem tiefen Atemzug. „Ich sehe dir an, dass du etwas vorhast, dass du besser nicht tun solltest. Also wie wäre es wenn wir Zwei einen Abstecher in die Messe machen, uns einen hinter die Binde kippen, ein bisschen Zeit verstreichen lassen und dann, dann kannst du, solltest du dazu noch in der Lage sein, noch immer tun, was auch immer du zu tun vorhast.“ Mit leicht geneigtem Kopf und einem aufmunternden Lächeln sah Tycho seinen Freund und Commander an.
„Deinen Versuch in allen Ehren“, antwortete Wedge ohne seine Richtung zu ändern oder gar sein Tempo zu verringern. „Aber wenn ich es jetzt nicht hinter mich bringe, dann wird es kein gutes Ende nehmen.“ Weder für ihn, noch für jemand anderen. Er kannte sich. Er konnte viele Dinge einfach akzeptieren, einfach runterschlucken und er konnte lange den Mund halten, aber tat er es zu lange, dann explodierte er. So war es damals schon gewesen und so würde es auch weiterhin sein. Er konnte verstehen, dass Tycho sich Sorgen machte und das vermutlich nicht einmal so grundlos, aber es gab einfach keinen anderen Weg.
„Dann verrate mir wenigsten was du vorhast, wenn du dich schon nicht davon abbringen lassen willst“, meinte Tycho und versuchte allerdings noch immer Wedges zügige Gangart zu verlangsamen, indem er ihm einfach nicht aus dem Weg ging.
„Ich werde mir die Erlaubnis einholen nach Naboo zu fliegen und vor dem Provisorischen Rat zu sprechen“, antwortete Wedge so ruhig, als würde er gerade einfach nur über das heutige Abendessen sprechen.
„Du hast was vor?!“, rief Tycho und schlug mit großen Augen die Hände über dem Kopf zusammen. „Du kannst doch jetzt nicht alleine nach Naboo fliegen!“
„Wer sagt etwas von alleine?“, entgegnete Wedge und ein kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lippen. „Du kommst mit.“
„Wie ic-“, der Rest des Satzes allerdings ging in einem Wust aus den unterschiedlichsten Schimpfwörter, in den unterschiedlichsten Sprachen, unter die Tycho von sich gab, als er mit dem Fuß an etwas hängen blieb und unsanft auf dem Boden landete. Murrend und sich über seine eigene Dummheit aufregend saß Tycho auf dem Boden und klopfte sich mit den Händen den Dreck von der Kleidung, auch wenn das nicht wirklich viel half. Immerhin hatte seine Vorstellung Wedge dazu gebracht stehen zu bleiben und ihm eine helfende Hand entgegen zu strecken.

„Ja, du hast richtig verstanden“, kam es grinsend von Wedge, der seinem Freund wieder auf die Beine half. „Ich will, dass du mitkommst und du weißt auch genau warum.“
„Und die Staffel?“
„Wes wird sich solange darum kümmern. Es wird schon nichts schief gehen, nur weil wir Zwei mal für zwei Tage nicht da sind.“
„Oh und lass mich raten“, meinte Tycho und sah Wedge mit zweifelndem Blick an. „Er weiß noch gar nichts von seinem Glück und du wirst ihn auch nicht vorwarnen, sondern ihn vor vollendete Tatsachen stellen oder?“
„Hast du ernsthaft etwas anderes von mir erwartet?“, kommentierte Wedge Tychos Aussage einfach nur mit einem Achselzucken und setzte dann seinen Weg fort. Natürlich hatte er Wes noch nichts von seinen Plänen erzählt und er hätte auch Tycho erst davon erzählt, wenn er die Erlaubnis erhalten hätte, einfach weil Beide versucht hätten es ihm auszureden. Wenn man einander schon so lange kannte und im wahrsten Sinne des Wortes gemeinsam durch die Hölle gegangen war, dann gab es kaum noch Dinge die einen überraschen konnten, weil man einfach genau wusste wie der andere reagierte. Aber für die Staffel selbst war dies wiederum ihre Stärke. Wo andere Staffeln untereinander kommunizieren mussten, was ihre Manöver anging, so brauchten sie das nicht mehr. Jeder wusste einfach genau was der andere vorhatte zu tun und reagierte entsprechend. Es war nicht nur zeitsparend sondern auch abhörsicher.

Nein, natürlich hatte Tycho nichts anderes von Wedge erwartet, aber er hätte ehrlich gesagt auch nichts dagegen gehabt auch einmal von ihm überrascht zu werden. Irgendetwas, mit dem er nicht gerechnet oder was er nicht bereits vorher geahnt hatte. Es hatte zwar seine Vorteile jemanden anderen einschätzen zu können und das wollte er auch gegen nichts in dieser Galaxis eintauschen, aber so hin und wieder ein bisschen Überraschung war doch nicht zu viel verlangt. Während er Wedge folgte überlegte er sich noch immer, was wohl in dem Kopf von seinem besten Freund gerade vor sich ging, dass er es so eilig hatte nach Naboo zu kommen. Gut, sie alle waren wütend, aber das alleine war gewiss nicht der Auslöser gewesen. Es musste noch etwas anderes dahinter stecken und er würde schon noch herausfinden was.

Gemeinsam mit Tycho verließ er den Turbolift, betrat die Kommandozentrale des Schiffes und ging zügigen Schrittes den Gang entlang bis er vor einem jungen Mann stehen blieb. „Öffnen sie mir einen gesicherten Holo-Kanal zu Admiral Ackbar“, sagte Wedge und verschränkte die Arme.
Der junge Mann, welcher gerade erst heute Morgen zu diesem Schiff transferiert worden war, war durch den Ton des Mannes vor ihm verunsichert. Er hatte ihn noch nie zuvor gesehen und er konnte auch nirgendwo erkennen welcher Dienstgrad dieser Mann besaß, so trug er doch seinen Pilotenoverall so, dass die Stelle, an welcher sich das Abzeichen befand, verdeckt war. Das einzige was er wusste war, dass der Mann vor ihm ein X-Wing Pilot war und davon gab es viele, aber nur wenige besaßen das Recht dazu ihm irgendwelche Befehle zu erteilen. Es konnte sein, dass dieser Mann das Recht besaß, aber vielleicht war das auch nur ein Test und er hatte gewiss nicht vor durch einen Test zu fallen.
„Sir?“, kam es fragend über die Lippen des jungen Mannes, den Blick in Richtung des Captain des Schiffes gerichtet.
„Sie haben Captain Antilles gehört.“
„Sir, jawoll Sir!“, meinte der junge Mann, ehe er schon beinahe aus seinem Stuhl aufsprang und vor Wedge salutierte. „Entschuldigen sie, Sir! Ich habe sie nicht gleich erkannt, Sir!“ Die Ohren des jungen Mannes glühten so rot, dass Wedge sich ein Lachen verkneifen musste.
„Wolltest du eigentlich nicht damit aufhören?“, meinte Tycho grinsend und stützte sich mit dem Unterarm auf Wedges Schulter ab.
„Aufhören? Ich? Niemals“, entgegnete Wedge nicht minder breit grinsend, so wusste er doch sehr wohl auf was sein Freund da gerade anspielte. „Die Verbindung baut sich übrigens nicht von alleine auf“, meinte Wedge dann deutlich ernster an den jungen Mann gewandt, der noch immer stocksteif und salutierend vor ihm stand.
„Oh natürlich Sir! Entschuldigen sie Sir!“ Nun auch noch mit hochrotem Kopf ließ er sich zurück in seinen Stuhl sinken und vermutlich wäre er am liebsten noch tiefer gesunken.
„Legen sie das Gespräch in mein Büro“, gab der Captain des Schiffes den Befehl an den jungen Mann, ehe er zu Wedge und Tycho sah. „Ihr kennt den Weg.“ Er war einer der wenigen Personen gewesen, die man in die Mission der Staffel eingeweiht hatte und wenn diese nun zurück war und Wedge um einen gesicherten Kanal direkt zu Ackbar baten, dann war irgendetwas schief gegangen. So viel jedenfalls sagte ihm seine Erfahrung.
„Danke“, meinte Wedge mit einem leichten Kopfnicken in Richtung des Captains, den er schon seit einigen Jahren kannte und der sich als taktischer und strategischer Kopf herausgestellt hatte. Sie hatten ein gutes Verhältnis, ganz ohne Zweifel, aber dass er ihm sein Büro einfach so überließ, war etwas das über ein gutes Verhältnis hinaus ging und Wedge rechnete es ihm hoch an. Nicht jeder, selbst noch so loyale, Captain eines Schiffes hätte jemand anderem sein Büro für ein sensibles Gespräch überlassen. Jedenfalls ohne nicht mindestens selbst anwesend sein zu wollen. Aber die Flotte unter Ackbars Leitung war eben doch ein wenig anders, als die anderen Flotten.

Das Blinken des Holoprojektors auf dem Tisch war ein deutliches Zeichen dafür, dass die Verbindung aufgebaut und aufgerufen werden konnte und Wedge kam dem auch umgehend nach. Ein bläuliches, durchscheinendes Bild von Admiral Gial Ackbar schwebte über dem Tisch und während Tycho einen ordentlichen militärischen Gruß von sich gab, war es bei Wedge eher die nachlässige Version davon. „Admiral“, begann Wedge direkt das Gespräch ohne sich groß mit Höflichkeitsfloskeln aufzuhalten. „Ich ersuche die Erlaubnis für Tycho und mich umgehend nach Naboo aufbrechen zu dürfen. Wir sind im Besitz brisanter Informationen die keinerlei Aufschub erlauben, sondern umgehend dem Provisorischen Rat mitgeteilt werden müssen.“ Über die Jahre hinweg hatte sich zwischen ihm und dem Admiral eine Beziehung ergeben, die man wohl durchaus eine Freundschaft nennen konnte. In Wedges Augen war Ackbar einer der fähigsten Männer in der Neuen Republik und er war sich absolut sicher, dass man ohne ihn nie so weit gekommen wäre. Er hatte sein Können immer und immer wieder unter Beweis gestellt und hatte nie, so wie viele andere, aus sicherer Entfernung seine Befehle gegeben, sondern er kannte die Frontlinie wie kein anderer.

„Ich habe allerdings leider auch noch eine andere Bitte“, sprach Wedge nach einer kurzen Pause weiter und das, was er nun zu sagen hatte, ging ihm alles andere als leicht von den Lippen. Er wusste genau, was er von dem Admiral und Mitglied des Provisorischen Rates abverlangte und er konnte nur hoffen, dass er das absolute Vertrauen des Admirals besaß. „Der Status der Staffel. Unsere Reisepläne. Nichts davon darf ihr Büro verlassen. Es muss absolutes Stillschweigen bewahrt werden, auch dem Rat gegenüber. Dieses Gespräch hier hat nie stattgefunden.“ Wedge war sich bewusst, was in seinen Worten mitschwang und dass er sich damit auf relativ dünnem Eis bewegte, aber sollte es tatsächlich ein Leck in ihren Reihen geben, jemand der ein falsches Spiel spielte, dann durfte dieser nicht schon vorher aufgeschreckt werden. Alles was ihnen dann noch übrig bleiben würde, wäre eine eiskalte Spur und genau das galt es unter allen Umständen zu vermeiden.
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#15
[Bild: ackbar.png]
Die Lage dieser Galaxis war komplex. Die neuen Aktionen des Imperiums veränderten den gewünschten Ablauf erheblich. Admiral Ackbar war nicht überfordert aber sehr eingebunden. Das Imperium hatte durch seine Angriffe im Hinterland der Republik einen erheblichen Schaden angerichtet, welcher nicht nur schmerzlich war, weil so viele Leben verloren waren, sondern auch, weil es viele Mitgliedswelten verunsicherte. Es wurde zwar noch nicht offen darüber gesprochen aber einige Welten diskutierten bereits insgeheim darüber, ihre Flottillen aus der Flotte der Republik zu lösen, um ihre Heimat besser schützen zu können. Wenn dies geschehen sollte, würde dies das Offensivpotenzial der Republik erheblich schwächen und dem Imperium wieder Raum gegen, einen größeren Gegenschlag zu organisieren. Es war auf eine böse Art geschickt, einen Angriff auf zivile Welten durchzuführen und so die Republik unter Zugzwang zu setzen. Ackbar hasste den Gedanken daran, dass auch auf ihn eine politische Debatte zukommen könnte, damit eben jener Rückzug der Heimatflotten nicht sofort einsetzte. Es gab keinen einfachen Ausweg aus dieser Lage, denn Ackbar war kein Politiker aber sein Wort hätte in dieser Sache großes Gewicht, da viele Mitgliedswelten seinem militärischen Urteilsvermögen vertrauten. Ackbar wollte nicht auf die politische Bühne. Niemals, denn er war einfach kein Politiker und einfach eine alte Kampfflosse, welche viele Kämpfe in seinem Leben bestritten hatte, um letztlich in einem letzten Kampf, die Tyrannei des schrecklichen imperialen Apparates zu beenden.

Besorgt strich er mit einer Flosse über die große Holokarte, welche viele Welten anzeigte und die jeweiligen Territorien unterschiedlich einfärbte. Symbole stellten jeweilige eigene Schiffe oder fremde Schiffe dar, hervorgehoben wurden dreieckige Symbole, welche sich augenscheinlich durch das Hinterland der Republik bewegten. Es handelte sich um die gemeldeten Angriffe von Blitzer Harrsk, dem Kriegsverbrecher. Nicht nur Angriffe auf schwach verteidigte Welten erfolgten, sondern auch auf Versorgungskonvois oder Handelsflotten, welche viele Welten mit Medikamenten, Nahrung und auch Konsumgütern versorgten. Ackbar rang um eine Strategie, da ihm nicht viele Schiffe zur Verfügung standen, denn die meisten waren im Vorstoß in den Kern gebunden. Dort rechnete der Admiral mit einem erheblichen Widerstand. "Verdammt sei dieser Teufel Harrsk," schimpfte der Altgediente und schlug gleichsam mit der Flosse auf die Kante des Kartentisches. "Verdammt sei auch dieser Teufel Vesperum! Verdammt seien sie alle," ergänzte er und blickte dann zu seinen anwesenden Offizieren, die ebenso ratlos, wie er waren, wie man diese Strategie schnell kontern konnte, um eine politische Eskalation innerhalb der Republik zu vermeiden. "Ich brauche zwei Geschwader, die sofort eingreifen und die angreifenden Verbände verfolgen," befahl Ackbar und bickte dann zu einer herbeitretenden Kommunikationsoffizierin, die sich mit einem Seitenschritt näherte. "Ja?" - fragte der Admiral, der erkannte, dass sich die junge Offizerin nicht traute, ihn direkt anzusprechen. "Sie haben eine Prioritätskommunikationsmeldung," sprach sie, ohne Lächeln und deutete dann in Richtung der Holokommunikators. "Einverstanden," antwortete Ackbar und schlug dann mit beiden Flossen jeweils einmal auf die Kante des Tisches, fast so, als ob er sich von diesem verabschieden wollte. "Wir machen gleich weiter. Bis dahin möchte ich Ideen hören, denken sie alle nach," wies der Admiral im leichten Scherz an aber meinte dies durchaus ernst. Mit langsamen aber beständigen Schritten näherte sich der Oberkommandierende der Flotte dem Holoterminal. "Ah," sagte er und rang sich ein Mon-Calamari-Lächeln ab.

"Diese Akk-Hunde," scherzte er, als er auf dem Bildschirm las, welche Personen mit ihm kommunizieren wollten . Die Verbindung bestand bereits und Ackbar blickte in ein bekanntes Gesicht. Die Statusmeldung gab eine gesicherte Verbindung aus. "Commander Antilles," grüßte Ackbar zufrieden. Wenn es eine Person gab, der er uneingeschränkt vertraute, was es Wedge Antilles; eine solide Basis und wahnsinnig guter Pilot. Der Admiral hörte aufmerksam zu. "Gut, gut," winkte er mit der Flosse ab. "Ich will die Botschaft auch erst hier hören. Diese Isard hat ihre Ohren überall und ich weiß nicht, ob sie nicht bereits unseren Code geknackt hat. Sie haben meine Erlaubnis," erklärte er nickend. "Ich habe nichts gehört und kann auch nichts weitergeben. Sie haben schlicht einen wichtigen Termin auf Naboo, Commander," sagte Ackbar und winkte erneut mit seiner Flosse ab. "Machen Sie es so," entgegnete er mit fester Stimme. Wenn es wirklich so wichtig war, und noch dazu so geheim, sollten sie das Notwendige tun. Wedge war kein Mann und auch kein Soldat, welcher einfach so, mit solchen Bitten an ihn herantrat und Lagen falsch beurteilte. Ackbar vertraute Wedge und würde dies schon im Kommando geregelt bekommen, irgendwie schrieb er die Aktionen der Sonderstaffel schon schön und rückte es in den Akten gerade, denn es war stets wichtiger, dass das gemeinsame Ziel erreicht wurde.
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#16
„Wie gelingt es dir eigentlich immer Ackbar um den kleinen Finger zu wickeln?“, kam es fragend von Tycho, der das Reden Wedge überlassen hatte. Nicht, dass er es nicht mindestens genau so gut beherrschen würde, aber in dem Fall hatte Wedge einfach den besseren Draht.
„Ich wünschte ich wäre dazu in der Lage“, antwortete Wedge mit einem leicht angedeuteten Achselzucken. „Aber ich bin es nicht. Es macht nur den Anschein, weil wir beide dasselbe Ziel vor Augen haben und beide von Politik nicht viel halten.“ Sicherlich mochte es nicht falsch sein zu behaupten, dass er eine besondere Verbindung zu Ackbar besaß und das war wohl nichts anderes als die Wahrheit, denn er hatte durchaus mehr Freiheiten, als so manch anderer, der denselben Rang innehatte wie er. Aber es war einfach falsch zu denken, dass er dadurch sämtliche Freiheiten besaß zu tun und zu lassen was er wollte. Auch er hatte sich für Fehlverhalten zu verantworten, auch er musste für Misserfolge gerade stehen und auch er musste für seine Forderungen kämpfen. Dennoch war er froh über sein gutes Verhältnis zu Ackbar, denn es machte ihm dann zugegeben doch so manche Sache ein klein wenig einfacher.

„Dann wollen wir mal Wes von seinem Glück in Kenntnis setzen“, meinte Wedge mit einem Grinsen und verließ das Büro des Captains, nickte diesem zum Abschied zu und verschwand dann zusammen mit Tycho in Richtung Pilotenmesse. Der wohl einzige Ort, an welchem Wes und die anderen Piloten der Staffel zu diesem Zeitpunkt sein würden. Man würde sich den Bauch vollschlagen und vielleicht sich auch ein Ale gönnen, selbst wenn man noch im Dienst war. Ein Verhalten, das bei anderen Geschwadern gerne mal zu Unmut führte und ihnen den Ruf eingehandelt hatte, sich alles erlauben zu können, nur weil sie als Aushängeschild der Neuen Republik galten. Seine Leute durften das nicht, weil sie das Aushängeschild waren, sondern weil er es ihnen erlaubte. Er kannte seine Leute und er wusste was sie leisteten und somit erlaubte er ihnen auch die eine oder andere Freiheit, solange ihre Leistung nicht darunter litt. Damit schmälerte er in keinster Weise die Leistung anderer Geschwader oder deren Wichtigkeit in diesem Krieg. Ein jeder tat was getan werden musste. Ein jeder ging ein Risiko ein und ein jeder lief Gefahr nicht mehr lebend zurück zu kommen. Aber es war nicht für diese Personen verantwortlich und somit war es nicht seine Entscheidung was sie tun und was sie nicht tun durften. Er persönlich hielt schlichtweg nichts davon die Zügel ständig nur stramm zu halten, so wie es andere Commander taten. Er vertraute seinen Leuten und diese kleinen Freiheiten die er ihnen zustand, war ein Zeichen seines Vertrauens. Aber seine Leute wussten auch, dass er die Zügel schneller stramm ziehen würde, wenn sie über die Stränge schlugen, als sie Ale sagen konnten. Aber das war sein Führungsstil und nur weil es bei seiner Staffel funktionierte, musste es nicht bei jeder Staffel funktionieren.

„Wedge! Tycho! Wir haben euch schon vermisst“, hörte man Wes schon rufen, noch bevor die beiden Männer die Pilotenmesse richtig betreten hatten.
„Ist es nicht immer wieder schön angekündigt zu werden“, seufzte Tycho, dem das persönlich schon wieder viel zu viel Aufmerksamkeit war. Jeder Pilot hier hatte mitbekommen, dass sie gekommen waren und jeder würde mitbekommen, dass sie wieder gingen. Es würde sich schneller herumsprechen, als ihrer Sache dienlich gewesen wäre. Natürlich hatte man durch das Auftauchen der anderen Staffelmitglieder schon mitbekommen, dass die gesamte Staffel wieder zurück war, aber ohne die Begrüßung hätte es mit Sicherheit länger gedauert, ehe es anderen Piloten aufgefallen wäre, dass sie beide das Schiff wieder verlassen hatten.

Wedge war an den Tisch getreten, ohne Anstalten machen sich zu setzen. Das was er zu sagen hatte würde nicht lange dauern und abgesehen davon zählte jede Minute. Das Zeitfenster was sie besaßen war nicht gerade groß und hatte sich bereits begonnen zu schließen.
„Sagt mal, wieso rennt ihr beiden noch immer in euren Anzügen herum?“, kam es mit musternden Blick von Derek, dem dieser Umstand natürlich nicht entgangen war.
„Weil Tycho und ich noch eine wichtige Sache zu erledigen haben und wir deswegen umgehend wieder aufbrechen werden“, antwortete Wedge und ließ seinen Blick langsam über die Gesichter seiner Kameraden wandern. „Wes wird während meiner Abwesenheit das Kommando über die Staffel haben und ich erwarte von jedem von euch, dass ihr seinen Befehlen genau so Folge leistet wie meinen. Vergesst nicht – Ich habe meine Augen und Ohren überall.“
„Wann werdet ihr wieder zurück sein?“, kam es von Wes, der eine dumpfe Vorstellung hatte wohin es seine beiden Freunde zog.
„Ich hoffe es dauert nicht länger als unbedingt notwendig“, entgegnete Wedge, der das nicht einfach nur so daher gesagt hatte, sondern es wirklich hoffte. Er gehörte einfach nicht nach Naboo auf irgendein politisches Parkett, sondern in das Cockpit eines X-Flüglers. Dort konnte er seine Feinde wenigstens erkennen und einschätzen, was man von Naboo ja nicht gerade behaupten konnte.
„Verstehe“, meinte Wes und nickte leicht mit dem Kopf. „Dann sollten wir euch wohl nicht länger aufhalten oder Jungs?“ Sein Blick ging in die Runde, die seine Worte mit einem Nicken bestätigte.
„Oh und Wedge bevor ich es vergesse“, Wes senkte kurz seinen Kopf, ehe er ihn mit einem breiten Grinsen wieder aufrichtete. „Gebe ihm bitte eine von mir mit.“
„Damit ich ihm wieder den Arsch retten muss?“, warf Tycho ein und sah zwischen Wes und Wedge hin und her.
„Was glaubst du denn warum er dich mitnimmt“, konterte Wes lachend und bekam dafür von Wedge einen Schlag mit der flachen Hand auf den Hinterkopf.
„Weil Tycho in der Lage ist die Situation nüchtern, ruhig und objektiv zu betrachten, während ich dich am Ende nur aus dem Militärgefängnis rausboxen müsste.“
Ein wenig verdattert sah Wes Wedge an, während der Rest der Staffel, die natürlich den Schlagabtausch alle mitbekommen hatten, in ein einstimmiges und vielleicht nicht gerade leises Lachen verfielen.
„Ich habe vor euch allen einen auszugeben wenn wir wieder zurück sind, also macht keinen Unsinn“, meinte Wedge zum Abschied, klopfte 3x mit den Fingerknöcheln auf den Tisch und wandte sich dann kurzerhand um. Zügigen Schrittes verließ er nicht nur die Pilotenmesse, sondern legte auch den Weg von dort in den Hangar zurück.



Es hatte ein paar wenige fragende Blicke gegeben, als er sich danach erkundigt hatte ob die beiden X-Flügler einsatzbereit waren, aber das war es auch gewesen. Niemand hatte ihnen neugierige Fragen gestellt oder versucht eine beiläufige Unterhaltung vom Zaun zu brechen und somit war der Start relativ zügig und problemlos von statten gegangen.
„D6 verbinde Tac-Eins mit Captain Celchus Schiff und schirme den Kanal von allen Verbindungen ab“, wandte sich Wedge an seine R2 Einheit, welche mit einer Reihe von unterschiedlichsten Pfeitöne reagierte, welche vom Bordcomputer in, für Wedge lesbare, Worte umgewandelt wurde. „Wenn ich alle sage, dann meine ich alle. Ich will keine unerwünschten Zuhörer haben. So schwer verständlich kann das selbst für einen Droiden doch nicht sein.“ Die Pfeiftöne hinter ihm wurden nicht nur lauter, sondern die Abstände auch deutlich kürzer und Wedge brauchte keinen Bordcomputer um zu wissen, dass seine R2 Einheit gerade zu einer Schimpftirade angesetzt hatte.
„Stelle die Verbindung über Tac-Eins zu Captain Celchu her“, gab Wedge weitere Anweisungen und warf einen kurzen Blick aus dem Cockpit zu dem neben ihm fliegenden X-Flügler.
„Hat ganz schön lange gedauert“, hörte er Tychos Stimme. „Also, wie sieht dein Plan aus?“
„Dann stell mal die Lauscher auf“, antwortete Wedge und ließ den Kanal zu Tycho offen, damit dieser zuhören konnte, auch wenn seine nächsten Worte nicht diesem galten. „D6 ich werde dir jetzt eine Nachricht mitteilen und ich möchte, dass du sie anschließend mit Charlie-Alpha-Whisky-Null-Acht-Sieben-Echo verschlüsselst und-“, eine Reihe von unterschiedlichsten Pfeiftönen erklang hinter ihm. „Ja ich weiß, dass es sich um einen sehr alten Code handelt“, begann er zu sprechen und wurde ein weiteres Mal unterbrochen. „Und ja, ich weiß, dass er in keiner offiziellen Datenbank der Neuen Republik hinterlegt ist und“, wieder fing es hinter ihm an zu pfeifen und zu schrillern. „Tue einfach nur was ich dir sage, ansonsten muss ich mit dem Gedanken spielen mich nach einer umgänglicheren R2 Einheit umzuschauen.“ Es folgte lediglich ein einzelner Pfeifton, den man auch ohne einen Bordcomputer als ein eindeutiges 'Jawoll' interpretieren konnte. Gerade weil die Verschlüsselung so alt war und nirgendwo auftauchte wollte Wedge sie für diese Nachricht verwenden. Es gab exakt nur fünf Personen in der Neuen Republik, welche in der Lage waren die Verschlüsselung zu lösen und der Empfänger der Nachricht war eine dieser fünf Personen.
„Erbitte die Koordinaten für eine unregistrierte Landung von zwei Schiffen, sowie einen undokumentierten Transport in die Zentrale. Kontakt zu Dritten muss unter allen Umständen vermieden werden. Befinden uns bereits auf dem Weg.“
Wedge rieb sich mit den Finger umständlich über die Augen und fragte sich für einen Moment, ob er die Sicherheit nicht ein klein wenig übertrieb. Andererseits stand so vieles auf dem Spiel, dass man nicht vorsichtig genug sein konnte. Irgendjemand hatte Fäden gezogen und er würde sie weiter ziehen, wenn man die Person nicht vom Spielfeld nahm. Je schneller man wusste wer es war, desto schneller würde man in Erfahrung bringen können, wer sein Kontakt war und somit einige Leben retten.
„Diese Nachricht verschlüsselst du bitte wie von mir erbeten, versiehst sie im Anschluss mit Charlie-Romeo-19-22-Whisky-Alpha und schickst sie auf direktem Wege an General Madine.“
„Code 19-22? Direkt an Madine? Übertreibst du nicht vielleicht ein klein wenig?“, erklang Tychos Stimme im Cockpit, der wie von Wedge gewünscht, alles mitanhören hatte können.
„Vielleicht tue ich das, aber vielleicht auch nicht und glaube mir, das erstere wäre mir wesentlich lieber als das letztere“, antwortete Wedge offen und ehrlich. „Beim ersteren stehe nur ich dumm da, beim letzteren könnten gute Soldaten ihr Leben verlieren.“ Wer auch hinter allem steckte, es war ihm gelungen die Staffel in eine Falle zu locken, aus der sie ohne Lukes Hilfe nicht entkommen wären. Die nächsten von ihnen würden so viel Glück vielleicht nicht haben. Der Krieg war noch lange nicht vorbei, auch wenn sich das viele nach der Vernichtung des zweiten Todessterns über Endor und dem Tod des Imperators gewünscht hatten. Krieg war noch nie fair gewesen, doch je länger er anhielt, desto schmutziger wurde er geführt.
„Jemand auf Naboo hat Ohren, wo er keine haben sollte und ein anderer eine zu lose Zunge und ich will herausfinden wer und das kann ich nicht, wenn wir mit wehenden Fahnen und offizieller Ankündigung auf Naboo landen“, sprach Wedge weiter. „Ich will niemanden aufscheuchen, bevor das Fangnetz nicht vollständig ausgelegt ist.“
„Und was lässt dich annehmen, dass die Person, von der du denkst, dass sie sich auf Naboo befindet, nicht schon weiß, dass wir entkommen sind?“
„Ich baue auf die Arroganz und die Überheblichkeit des Imperiums. Vermutlich haben sie nur den engsten Kreis an wichtigsten Personen darüber informiert, dass wir entkommen sind, um den Schaden zu minimieren und weiterhin Stärke demonstrieren zu können. Ein Lauscher auf Naboo wird da eindeutig nicht dazu gehören und selbst wenn er es weiß, gibt es für ihn zur Zeit keinen Grund seine Zelte abzubrechen, denn es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass jemand auf Naboo weiß, was sich auf Velmor zugetragen hat oder dass wir uns auf dem Weg dorthin befinden“, versuchte Wedge in Worte zu fassen, was ihm sein Bauchgefühl und seine Erfahrung mitteilte, während er seinem Astromech den Befehl gab, drei verschiedene Sprünge zu berechnen, welche sie nah genug an Naboo heranbrachte, aber weit genug entfernt um nicht sofort entdeckt zu werden.
„Du hast also vor sie mit unserer Anwesenheit und einer offenen Anschuldigung im Beisein des Provisorischen Rats aus ihrem Loch zu scheuchen und dazu zu bringen einen Fehler zu machen?“
„Genau das habe ich vor.“
„Dann hoffe ich, dass du bis zu unserer Ankunft auf Naboo auch einen Plan hast, wie du das umsetzen willst.“
„Reisen durch den Hyperraum müssen doch sinnvoll genutzt werden.“
„Ja mit Schlafen zum Beispiel.“
„Es hindert dich niemand daran.“
„Als ob ich jetzt schlafen könnte, nachdem was ich alles gehört habe“, meinte Tycho und unterdrückte ein Gähnen. Natürlich war er müde und natürlich würde er jetzt lieber in seinem Quartier liegen und sich von dem Tag erholen, der nicht nur anstrengend gewesen war, sondern auch noch lange nicht vorbei war. „Drei Sprünge? Sag nicht du befürchtest auch noch jemand könnte uns verfolgen.“
„Alte Gewohnheit, die uns schon oft genug vor Ärger gerettet hat“, entgegnete Wedge, gefolgt von einem leisen und traurigen Lachen.
„Verstanden. Ich kleb dir am Heck und halte dir den Rücken frei. So wie ich es immer tue“, antwortete Tycho und warf nun ebenfalls einen kurzen Blick aus dem Cockpit. Sie hatten alle viel zu viele Freunde und Kameraden in den vergangenen Jahren verloren und an manchen Tagen war es schwer Morgens aus dem Bett zu kommen und nach vorne zu schauen. Wieder in den Kampf zu ziehen. Ja, es war schwer und Tycho hatte den leisen Verdacht, dass es für Wedge noch schwerer sein musste. Er sprach zwar nie darüber, aber das musste er auch nicht. Man musste einfach nur genau hinschauen und man wusste was los war.

Fortsetzung: Theed | Flottenhauptquartier - Ackbars Büro
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