#31
Tyvos stieß bei Derricotes Antwort lediglich ein leises Schnauben aus. Wissenschaftler, wenn man Derricote als solchen bezeichnen konnte, sie lebten in ihrer theoretischen Welt in welcher vielleicht dies, oder jenes möglich wäre, wenn man denn genügend Zeit hätte. Dies war der Grund warum ein jedes imperialen Wissenschaftsteam stets eine harte Hand im Hintergrund benötigte um diese an den Zeitplan zu halten. Doch dem Grand Moff waren ausnahmsweise die Hände gebunden, er konnte an dem feisten General kein Exempel statuieren, zumindest noch nicht. „Dann ist ihnen auch bewusst, dass die Zeit drängt.“, war Cornos kurze und wenig einfallsreiche Antwort. Es gab nicht mehr hinzuzufügen, der Sachverhalt war so simpel wie er nur irgendwie sein konnte. Entweder man hatte hier Erfolg, oder bei Zero X, oder die Kompetenz des Oberkommandos würde wider Erwarten steigen, andernfalls drohte der baldige Untergang.
Das ungleiche Duo betrat, begleitet vom stummen Deathtrooper, einen weiteren Flur, welcher sich ewig hinauszuziehen schien. „Instabil.“, wiederholte Tyvos und erinnerte sich ein weiteres Mal an jenen Zwischenfall auf Yn. Ja instabil war wohl der korrekte Ausdruck für diese Substanz. „Sie haben hier mit Sicherheit einige der besten, wenn nicht die besten Wissenschaftler des Imperiums vereint, unter ihrer Führung wird das Erstellen eines Trägersystems sicherlich keine allzu lange Frage der Zeit sein?“, erkundigte er sich, nun in einem versöhnlichen Tonfall. Der Verweser hatte bemerkt, dass er mit Druck und Drohungen bei Derricote nichts zu erreichen schien und war schlau genug seine Taktik zu ändern. Trotz seiner wenig attraktiven Statur war Derricote eitel, er wollte Anerkennung und Lob für seine Arbeit, Tyvos würde sie ihm gewähren, bis er hatte was er wollte. „Ich werde Ihnen wie gesagt jedwedes Mittel zur Verfügung stellen, doch dafür erwarte ich, dass sie ihre Leute...“, Tyvos machte eine kurze Pause, um sich ein weiteres Mal zu Derricote umzudrehen, „entsprechend motivieren. Ich bin mir sicher sie können noch ein weiteres Quäntchen Leistung aus diesen Frauen und Männern herausholen.“, erklärte Tyvos dessen Ton eine Mischung aus Wohlwollen und doch wieder etwas Bedrohliches an sich hatte, wobei dies mehr den Untergebenen des Generals galt.

Schließlich erreichte man einen Turbolift, dessen Tür sich nach der Eingabe eines Codes durch General Derricote öffnete. Dir drei Männer traten eiligen Schrittes ein und mit einem lauten Rauschen setzte der Lift sich in Bewegung, gefühlt eine Ewigkeit in die Tiefe fahrend. Tyvos wunderte sich nicht, dass das Labor derart tief unter der Erde begraben lag. Im Falle eines Austretens des Schwarz war dies die wohl sicherste Möglichkeit zu verhindern, dass es in die Außenwelt gelang, wenngleich einige arme Seelen hier unten ihr Ende finden würden. Er hoffte inständig nicht zu diesen zu gehören. „Konnten Sie bei diesen magnetischen Feldern bereits Erfolge erzielen?“, hakte Tyvos nach und durchbohrte Derricote förmlich mit seinen grünen Augen. Die Antwort erhielt er sogleich, was er mit einem enttäuschten Seufzen quittierte. Er verabscheute Heuchelei, doch zuweilen musste auch ein Grand Moff von ihr Gebrauch machen und letztlich heiligte der Zweck die Mittel. Nach den Worten des beleibten Generals schien es beinahe unmöglich Black Moon zu kontrollieren und Tyvos konnte in seiner Stimme und seinem Blick etwas erkennen, Angst. Übelnehmen konnte der Verweser es ihm nicht, er wusste wie Schwarz tötete und der Gedanke keine Kontrolle darüber zu haben ließ es ihm auch kalt den Rücken hinunterlaufen. „Ich verstehe.“, entgegnete er trocken, „Es wird doch nicht in der Lage sein sich selbstständig von einem Planeten zum anderen zu bewegen?“, fuhr er sogleich ungläubig und leicht besorgt fort. Der Gedanke war absurd, doch dieses ganze Projekt war absurd. Wer hätte sich vorstellen können, dass solch eine Substanz überhaupt existierte. Und was wusste Derricote, was Tyvos nicht bekannt war?

Endlich kam der Turbolift zum Stehen und der Grand Moff, Derricote und DT-9225 betraten eine Zwischenebene. Hier schien das Projekt Black Moon konkreter zu werden. Tyvos sah Wissenschaftler in Schutzanzügen, welche im Vorbeigehen von ihrem Vorgesetzten gegrüßt wurden. Es herrschte ein recht lockerer Umgangston, was bei dem Anaxsi für Unverständnis sorgte. Er war einen anderen Führungsstil gewohnt, doch offensichtlich schien Derricotes Art zu funktionieren. Man erreichte einen weiteren Korridor, als der General stehen blieb. Nun würden sie den kritischen Bereich betreten und auch Tyvos benötigte einen Schutzanzug. „Na schön.“, entgegnete er wenig begeistert und ließ sich einen der speziell für diese Arbeit angefertigten Anzüge geben. „DT-9225, sie bleiben hier.“, befahl der Grand Moff dem Death Trooper und begab sich mit Derricote zum Eingang des Sicherheitsbereiches. „Nun Derricote, ich bin gespannt was Sie mir zeigen können.“, sagte Tyvos und bedachte den General mit einem erwartungsvollen Blick.
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#32
Wie sollte Derricote etwas erklären, was er selbst nicht verstand? Etwas, was so fremd war, dass sich alle wissenschaftlichen Erklärungen von einer Sekunde zur anderen auflösten. Sie alle waren im Anbetracht der Entdeckung des Schwarz-Moleküls, welches gleichsam Materie war und auch nicht, überfordert. Es nahm kristalline Formen an, war aber auch gleichzeitig eine Energie, die wie ein Krebs wuchs. Augenscheinlich schien Schwarz in mehreren Dimensionen zu existieren, die sich einem ganzheitlichen Zugriff entzogen. Derricote hatte keine gute Antwort. Er stocherte mit seinem Team nur im Dunkeln herum und hoffte auf eine Tür zu stoßen. Es machte ihm ehrlich Angst. Dieses Substanz, sofern es denn eine Substanz war, war eine Gefahr die eigentliche Existenz von allem. Corno schien nicht zu verstehen, was man hier tat. Diese Waffe war möglicherweise zu gefährlich. Es kostete Augenblicke, bis der General seine eigenen Gedanken sortiert hatte. "Vorerst funktionieren die Felder und erlauben zumindest eine rudimentäre Lagerung der Substanz, die aus den gewachsenen Kristallen gewonnen wird," antwortete Derricote. "Ich denke aber, dass ein Transport in einem Torpedo oder einer Bombe ausgeschlossen ist. Ein Fehler in der Energiequelle oder eine Störung im Feldgitter und schon wäre die Waffe nicht mehr zielgerichtet einzusetzen. Unsere Streitkräfte könnten dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden," versuchte er seine Sorgen in unmittelbare, nicht zu fachterminologische, Worte zu packen. Derricote dachte scharf nach. Die Frage des Moffs hatte er sich auch oft gestellt, da in den letzten Studien die Probanten, die Black Moon ausgesetzt waren, merkwürdige Dinge von sich gaben. Je höher die Dosis, bevor eine vollständige Mutation einsetzte, umso deutlicher sprachen sie wirr von Visionen, die sie erlebten. Horror und Albträume plagten sie und doch war in allen Visionen eine gemeinsame Stimme, etwas Gemeinsames, zu erkennen. Die Bilder ähnelten sich auf erstaunliche weise, so dass es schlicht nicht mit der Agonie der Erkrankung im Zusammenhang stehen konnte. Es war anders. Ein Experiment hatte sogar offenbart, dass die Infizierten auf lange Strecken scheinbar ihre Gedanken und Emotionen austauschen konnten, bevor sich ihre Bewusstseine auflösten. Dennoch blieb eine Art Kopie in den wandelnden Kristallen zurück, so dass viele selbst nicht mehr menschlich, Wortfetzen von sich gaben. Gleiches ließ sich bei diversen intelligenten Alien-Probanten beobachten. Dieses Projekt hatte eine eigene Dynamik gewonnen. "Es ist schwierig in Worte zu fassen. Es ist generell schwierig eine definitive Aussage zur Substanz zu machen," war schließlich die Antwort, die nicht ganz offen zeigte, was Derricote tatsächlich befürchtete. "Wir werden es im Labor sehen," meinte er und hoffte darauf, dass Corno mit seinen Augen besser verstand, was die Entwicklung in diesem Projekt bedeutete.

Wenig später, längst dem Lift entkommen, umgezogen und vor der schwergepanzerten Schleuse zum Hochsicherheitsbereich. An der Wand vor der Schleuse hingen luftdichte Filterhelme mit großen Glasvisieren. "Setzen sie einen Helm auf und verschließen sie ihn fest mit dem Halsring," erklärte Derricote, der bereits nach einem Helm griff und diesen über seinen Kopf zog. Mit einer geübten Bewegung seiner beiden Hände, verriegelte er den Helm am Halsring, so dass ein zischendes und fiependes Geräusch ankündigte, dass er fest verschlossen war. Derricote atmete ruhig weiter, bis sich der Filter auf seine Atemfrequenz eingestellt hatte. "Dieser Bereich ist eine Sicherheitszone. Sofern diese Tür eine Kontamination mit dem Partikel feststellt, werden wir in der Schleuse eingesperrt und eine Turbine wird uns mit heißem Plasma verbrennen. Die Anzüge selbst weisen geringste Mengen von Flüssigkeiten ab aber wurden noch nicht gegen Black Moon getestet. Ich möchte nur unser aller Tod verhindern, da sich Black Moon scheinbar unter Umständen auch als Aerosol bewegen kann. Durch unsere Manipulationen scheint es diese Fähigkeit erworben zu haben," folgte dann eine erweiterte Erklärung, wobei diese schwer zu verstehen war, da Derricote gegen den Helm ansprechen musste und ein Vocoder seine Stimme leicht blechernd wiedergab. Mit einer schweren Bewegung legte Derricote einen großen Schalter, welcher rot markiert war, um. "Zwei Personen, Eintritt in Zone 14," rief der General zu einer Kamera. Scheinabr eine Routinemeldung. Beide waren einen winzigen Moment in der Schleuse gefangen, bis sich schließlich die Innentür mit einem merkwürdigen Dampf öffnete. Beim Weg hinaus konnte Corno die Gitter erkennen, die bei Gefahr Plasma einleiten würden. Diese Gitter fanden sich im gesamten Korridor. "Wir müssen zum nächsten Lift," sagte Derricote, grüßte mit Handzeichen einige Wissenschaftler und auch Wachen, die andere Schutzanzüge trugen. Die Wachen hier unten trugen schwarze Schutzanzüge und trugen auch keine Waffen bei sich, sondern nur Betäubungsstäbe und Schlagstöcke. Feuerwaffen schienen wohl eine zu große Gefahr zu sein. Schnell erreichte man einen weiteren Lift, den Derricote mit einem Code aktivierte. Corno und er traten ein. Der Lift setzte sich blitzschnell in Bewegung. Er hatte nur eine Auswahlmöglichkeit: Labor B1. Tief unter der Erde, nochmals durch Kilometer Felsen isoliert, befand sich die Haupttestkammer der Einrichtung. Es dauerte einige Minuten bis der Turbolift die entsprechende Ebene erreichte. Die Tür öffnete sich und gab erneut einen Korridor frei. Derricote trat hinaus, blickte sich um und trat an eine Konsole, um einen Sicherheitsbericht zu lesen. Er verglich einige Werte auf dem Schirm.

"Sicherheitslage grün," meldete er an Corno und trat von der Konsole weg. Hier befand sich keine Person, außer Corno und Derricote. Derricote eilte vor eine mächtige Tür, die von einem Kraftfeld umgeben war, welches elektrisch pulsierte. "Unsere magnetische Sicherheitstür. Vielleicht der einzige Schutz vor einem Ausbrechen der Substanz," meinte der General und zog eine Codekarte durch eine Konsole daneben, bevor er mehrere Passwörter in Folge eingeben musste. "General Derricote, Stimmbestätigung," sagte er in Richtung der Konsole, bis sich schließlich das Kraftfeld deaktivierte, die übergroßen Bolzen aus der tresorartigen Türen zurückfuhren und sich die Schleuse öffnete. Beide traten ein und befanden sich in einer großen Kammer mit einzelnen Forschungskammern in den Seitenwänden, verstärkt mit schweren Transparistahlfenstern. In der Kammer selbst befanden sich mehrere Arbeitstische mit Forschungsequipment und zusätzlichen Zylindern in denen tote aber mutierte Kreaturen schwammen, in einer bläulichen Flüssigkeit. Derricote trat über ein paar Stufen hinab zur Hauptkonsole. Auch hier überprüfte er einige Daten und ließ Corno für einen Moment zurück. Dieser konnte die mutierten Kreaturen betrachten: Menschen, die schwarze Äderchen aufwiesen und kristalline Verwachsungen und viele andere Spezies, wie Twilek, deren Lekku durch Kristalle ersetzt waren und Bisra-Hunde, deren Maul mit Kristallzähnen besetzt war und aus deren Augen schwarze Flüssigkeit in die bläuliche Substanz abfloss. In einigen Exponatgläsern schwammen sektierte Objekte, wie entfernte Augen oder Hände, sogar mehrere Herzen standen in einem Regal unweit von Corno. Sie schlugen noch, obwohl sie tot sein müssten. Auch sie wiesen schwarze Äderchen auf. Die Testkammern im Hintergrund wirkten dunkel, schienen aber ein Geheimnis zu verbergen, da ein merkwürdiges Grunzen und Dröhnen aus ihnen kam. Die gepanzerte Schleuse schloss sich hinter Corno und das Kraftfeld aktivierte sich wieder. Die Exponate sorgten für einen gewissen Horror, da sie in sich zwar tot waren aber irgendwie auch nicht, da sie gelegentlich zuckten oder die Kristalle sich unter ihren Überresten bewegten. Sofern sich Corno gewissen Exponaten nähern würde, würden diese umso deutlicher zucken. Scheinbar reagierten sie auf Leben selbst.
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