#51
Und es geschah nichts, nicht hier, nicht sichtbar. Die grausige Spinne, Tod genannt, spann nur ein größeres Netz, breiter, mit den klebrigen Fäden, darauf lauernd die widerlichen Schmeißfliegen die sie waren einzufangen, langsam zu verschlingen und sich ihrer Essenz zu bemächtigen. Die Macht holte sich zurück, was sie einst gab und verteilte ihre Geschenke neu. Kreierte damit Monster und Heilige zugleich, ließ sie antreten unter großen Fanfaren, zum ewigen Gefecht. Der alte Mann ließ sich keiner der Gruppierungen zuordnen, sondern war dazu auserkoren gewesen, sich zwischen die donnernden Fronten zu begeben, nur um von ihnen zerrissen zu werden. Vor ihr lag das entstellte Opfer, leibhafter Zeuge dessen, zu was ein menschliches Wesen fähig war, zu welcher Bestie ein Mensch werden konnte, wenn er erst an der Krankheit litt, die sich Dunkelheit nannte. Reah starrte den entstellten Toten regungslos an. Es wirkte surreal, nicht echt, nicht annähernd so, als wäre es ihr Werk gewesen, ihr eigenes. Sanitätergeschmeiß hetzte sich ab, warf das Elend auf eine Trage und machte sich die Trophäe des Zorns zu entfernen. Vielleicht hätte sie ihm das Herz herausreißen sollen, nur um zu sehen, zu schauen ob es wirklich so verseucht war vor Furcht, wie sie dachte, nur um sich zu überzeugen, dass dieser Vaash auch wirklich ein Mensch war, ein freier Mensch und nicht die Maschine, die ihr Nest im Brückenturm baute. Vielleicht aber, sollte sie generell töten, weitermachen, dieses nutzlose Volk, dass sich tummelte, behinderte, im Wege stand zurück zur Macht schicken, auf das dieses Mysterium neue Varianten kreierte, bessere Lebewesen. Aber dennoch rührte sie sich nicht, blieb stehen und starrte weiter auf den Boden, dort wo eben noch Tiberius Vaash lag und sich nur noch ein wenig Blut fand. Nein, sie zog nicht das Schwert, schnitt keine blutige Schneise in das Schiff, bis dessen sich Magen sich aufblähte wie ein überreifer Kadaver und das Gewürm sich über die Galaxis ergoss.

Reah hörte ihren Namen, nur zart, wie geflüstert,weit weg, so, als wolle jemand sie aufwecken, ihr zeigen, dass sie aufwachen konnte, dass es vorbei war. Nicht einmal die Stimmlage wusste sie im ersten Moment einzuordnen, sondern lauschte nur stumm dem Schlag ihres eigenen Herzen, das raste wie wahnsinnig und gegen die Innenwände ihrer Brust hämmerte, ganz wie ein widerwilliger Protest, die Weigerung, in diesem Körper gefangen zu sein. Ihre Gedanken verloren sich weiter, wurden fortgetragen von einem Sturm finsterer Gewitterwolken, die sich stakkatoartig entluden und sich in diffusen Wirbeln in den Geist brannten. Sie folgte der weckenden Stimme nicht weiter, sondern erkundete lieber die eigens kreierte Welt der Dunkelheit, die sie in ihrem Verstand spann. Ein perfekter Traum für die Träumerin, ein Paradies für jene die solange schliefen, bis die Realität längst eine blasse Erinnerung war und... eigentlich auch nicht ganz echt. Die Wirklichkeit wirkte eher wie eine Geschichte, vielleicht ein düsteres Kindermärchen, während das eigene Leben, der eigene Kosmos, mehr durch die Kraft der eigenen Sinne gestaltet wurde. Der Traum im Kopf wurde durch Willen in die Galaxis gezerrt, der Traum der Dunkelheit wurde verkettet in der endlosen Galaxis des Gewöhnlichen und die Hexer, die Anker für dieses Ritual waren sie und Vesperum. Sie machten den Alptraum schlafender Kinder zur Wirklichkeit, ätzten ihn in Welten, in Augen, Ohren und Hirne. Ihr Geschenk an die Galaxis, die Gabe, die die Macht ihnen gab und die sie nun den einfachen Wesen zurückgaben war Schrecken leibhaft. Das Chaos hatte sie sanft wachgeküsst, an die Hand genommen und ihnen gezeigt, dass Himmel und Kosmos eins waren. Vision und Wirklichkeit - nur zwei verschiedene Worte für ein und dieselbe Sache.

„Ich möchte bei Euch bleiben, doch ich weiß nicht, wie lange ich es aushalte, ohne daran zu scheitern, Reah.“


Der wunderschöne Kristall des Chaos, das teure Schmuckstück, zerbrach in den groben Händen der monströsen Schattenkreatur. Scharfe Kanten schnitten sich in die stürmischen Winde, die durch den Verstand wirbelten, ließen das Bild flackern und verstummen, bis am Ende nur noch der Hall des Donners übrig blieb. Der Schatten sah sich für einen Moment irritiert, verstand nicht, war nicht in der Lage das Problem zu erkennen oder gar einzuordnen. "Warum?", stumme Worte geformt von ihrem Mund, aber kein Laut drang daraus hervor, zugeschnürt blieb die Kehle, verklebt, verteert und verseucht von der bestialischen Dunkelheit. Es war, als hätte die Kreatur das sprechen verlernt, als hätte die animalische Seite den Verstand okkupiert, nur noch in der Lage den aufgewühlten Emotionen, die Selbstenttäuschung, Wut und Hass, durch primitivste Mittel und Wege auszudrücken.
Muskelfasern spannten sich im Arm der verseuchten Frau, wo finstere Mächte, gespeist von der dunklen Seite hindurchflossen, die von weniger bedarften Seelen als widernatürlich oder unmöglich beschrieben wurden. Die Dunkelbestie ballte ihre Klauen, jene Hände mit denen sie den Admiral zerreißen wollte zu Fäusten. Schläge der Macht droschen auf ebenjene Durastahlwand, an die vor kurzem noch der Schädel des Alten schellte, während knisternde Entladungen unnatürlicher Energien über das klebrige Blut krochen. Vielleicht konnte sie sich selbst dafür hassen, für ihren Unverstand, ihr Unvermögen einmal das Richtige zu tun, einmal dem zu Folgen was sich Herz nannte, doch was unmöglich erschien, war dem Herr zu werden. Während brennende Leidenschaft und Zorn sich entladen konnten, wusste ihr Verstand nicht einmal, wie sie mit ihren Fehlern umgehen sollte, wusste, konnte nicht erkennen wie und warum sie es nicht verhindert hatte und noch wichtiger, warum es die Hexe nicht kommen sah. War die Welt vor ihren Augen etwa so schwarz, dass sie das blasse Lichtlein nicht mehr schimmern sehen konnte? Oder Stand ihr Licht so nah am Schatten, ließ ihn so schwarz werden, dass sie es nun erst erkannte, als es sich entfernte? Ihre Hände fassten an ihren eigenen Schädel, dort, wo sich Fingernägel in die aschgraue Fratze gruben, an der sich die Dunkelheit gütlich tat. Langsam zogen sie sich herunter, als wollten sie das Antlitz abwerfen, voll kindlicher Neugier, nur um zu sehen welches Gesicht unter der Dunkelheit verborgen lag. Doch während zarte Klauenschnitte warmes Blut aus den Wangenknochen tropfen ließ, musste die Kreatur erkennen, dass darunter nichts mehr war. Sie hatte es sich bequem gemacht, hatte der Dunklen Seite bereitwillig gestattet sich auszubreiten, die Kontrolle über Körper und Geist zu übernehmen, war gescheitert an ihrer eigenen Arroganz, als die Hexe dachte, sie hätte das Wesen der Finsternis begriffen und konnte es beherrschen, satt sich davon beherrschen zu lassen. Nun aber fand sie sich hier, eingeschlossen in ihrem eigenen Labyrinth, ohne einen Fluchtweg zu erkennen. Und nun schien es so, als wäre Sedraels einziger Zweck in ihrer Gegenwart jener gewesen, ein Gesprächspartner zu sein, nur um die eigenen Worte zu hören, nur um das eigene Wesen zu erhöhen und noch bevor Reah erkennen konnte, wie töricht und dumm es war, schloss der dunkle Mahlstrom auch die letzte Lücke zur Sonne ihres Herzens.

Der dunkle Fluss aber, offenbarte sich als ein offenes Gewässer, ließ Dinge erkennen, welche die lichtverblendeten Gestalten nie erblicken würden oder aber, der Schatten bildete es sich nur ein. Etwas braute sich zusammen, zuerst nahm die Hexe an, es würde ihrem eigenem Tun entsteigen, ein wie auch immer geartetes Echo, zurückgeworfen durch die Sphären der Macht. Dieser ferne Hauch der Gefahr war jedoch anders, weitaus gewöhnlicher, hatte den faden Beigeschmack der wachen Welt, selbst wenn ihn das nicht weniger tödlich machte. Reah schloss ihren Augen und ließ sich an die Wand sacken, während ihre Sinne auf dem Spinnennetz der Emotionen, das die Macht wob entlang balancierte. Von einem Ende zum anderen, bereitwillig zu Erkundung dieses Mikrokosmos, der sich vor ihrem inneren Auge präsentierte. Die Hexe folgte Wegen, die sie sowohl zu kontrollierter Hektik, als auch tödlicher Präzision und... Zuversicht führten. Ein anderer Strom der Macht warf sie beinahe aus dem Gefüge, als plötzliche Panik und Todesangst zur ihr zurückflossen, seltsam allein war, dass sie Sedrael in all dem Wirrwarr nicht ausmachen konnte, die kleine flackernde Kerze nicht fand. Ihre Gedanken blieben stehen, spulten noch einmal zurück und versuchten ein Bild aus den Eindrücken zu formen, die sich ihr offenbart hatten. Die Hexe schloss auf eine wie auch immer geartete militärische Intervention und besann sich dabei einerseits auf das, was sie selbst im Imperium erlebt hatte, als auch auf die Echos der Macht, die diese Annahme noch bestärkten. War ihr kleines Schmierentheater vielleicht aufgeflogen? Nicht unwahrscheinlich, wie sie zu ihrem eigenem Missfallen zugeben musste. Wenn das imperiale Protokoll wie üblich gearbeitet hatte, war der Geheimdienst, in diesem Falle Ysanne Isard schon seit geraumer Zeit darüber informiert, dass etwas nicht zwingend so vonstatten ging, wie es normalerweise sein sollte. Sie hatte nur... Reah erhob sich und blickte hinüber in das Transparistahlfenster, das die endlosen weiten der Sterne zeigte, genauso endlos, fühlte sich in diesem Moment ihre Naivität an, ihre Torheit. Hatte sie allen Ernstes angenommen, Isard hätte sich angekündigt, hätte auf diskretere Art und Weise versucht sich ein klares Bild über die Situation zu machen? Offensichtlich.

Kaum endete der Gedanke, erklangen die schiffsinternen Lautsprecher und bestätigten gewissermaßen ihren Verdacht, mehr noch ihre Befürchtung, vielleicht sogar Angst. Der Leib der Bestie sackte für den Moment herab, fühlte sich vorgeführt wie ein dummes Kind, das wusste welch einfältigen Fehler es begann, aber zu uneinsichtig war in rechtzeitig zu korrigieren. Hatte Sedrael nicht gesagt, sie hätten einfach gehen können? Sie hätten. Aber Reah hatte es nicht getan, hatte sich sicher gefühlt, gefangen in ihrer Arroganz gedacht sie wäre unangreifbar und sich nun fatal getäuscht. In diesem Moment schien es so offensichtlich und greifbar, dass sie eben all jene Hoffnungen verspielt hatte, die sie erreichen wollte. Ihr Blick fiel nach unten, richtete sich auf ihre Hände, die voller Anspannung ihr Lichtschwert hin und her wogen. Man hatte sie überrascht, in einem denkbar ungünstigem Moment getroffen und aus der Bahn geworfen, sie von ihrem Pfad gestoßen, noch aber war Reah nicht besiegt. Die Hexe kannte Niederlagen, kannte den Geschmack des eigenen Blutes an der Lippe und hatte lediglich vergessen wie er sich anfühlte. Letztlich sollte sie der Direktorin vielleicht sogar dankbar sein für ihr Einmischen, wurde die Welt um sie herum doch wieder schärfer, nun, wo sich offensichtliche Feinde zeigten, nun wo es Wesen gab, die es verdienten Hass und Verachtung zu spüren. Der Griff um das Schwert verhärtete sich und einige Sekunden warf die Lanze aus rotem Licht, ihre unheilige Aura in den Korridor. Die Hexe begutachtete die Waffe für einen Moment und erkannte sich kurz selbst darin. Im Gegensatz zu ihrer alten Waffen, die weitaus kunstvoller, eleganter und facettenreicher gestaltet war, fand sie hier Geradlinigkeit. Dies war kein stilvolles Mittel um sich ehrenvoll zu duellieren, sondern ein simples Mordinstrument, konstruiert um zu zerstören. Das Licht erlosch und ihr Griff löste sich vom Schaft des Schwertes. Ihre Hand ließ es in die Innenseite ihres Stiefels gleiten. Eine kleine geheime Tasche. Verdeckt und unauffällig, hinterhältig, wie so typisch für die Sith. Reah erhob sich und ließ ihren Geist in das schwarze Meer der dunklen Seite abtauchen. Isard mochte für den Moment siegessicher sein, aber sie vermochte nicht annähernd zu ahnen, welche Art von Kreatur sie mit ihren Aktionen beschwor.

Die Hexe ließ sich von der Macht treiben und nahm die zahlreichen Soldaten, degradiert zu behelfsmäßigen Wänden mit dem einzigen Zweck sie geradlinig zu ihrem Ziel zu bringen, nur am Rande als schemenhafte Umrisse war. In der Macht rochen die Fratzen nach finsterer Genugtuung, eine Gehässigkeit, ihrer eigenen nicht unähnlich. Doch wo diesen Narren nur ihre Freude daran blieb, konnte sie sich an der Dunkelheit laben, die niederen Emotionen als Katalysator für ihre eigene Stärke nutzen und sich im Schmutz der Finsternis suhlen. Die Blindheit dieser Narren war beinahe köstlich und selbst Isard schien kaum anders. Allein ihre Aktion zeigte auf, dass sie erst handelte und dann begriff. Grob stieß die Hexe einen niederen Schiffsoffizier beiseite, der das Pech hatte nicht schnell genug aus ihrem Weg zu treten. Gehässige Bemerkungen drangen in ihre Ohren, verbrannten in ihrem Hochofen voller Hass und Abscheu, während sich ihre Schritte hin zum Turbolift beschleunigten, der sie zur Brücke bringen sollte.
Als die Sith eintraf, musste sie sich nicht die Mühe machen, jene Soldaten zu zählen, die Spalier standen, gewissermaßen nahm sie die Szenerie nicht einmal als solche war, sondern viel mehr als eine Handlung in ihrem Kopf, ein von der Macht projiziertes Bild, dass alle Beteiligten mit Fäden verband. Es war wie ein Marionettenspiel, bei der die Berührung eines jeden Fadens eine bestimmte Reaktion hervorrufen würde und ihr Fokus lag auf jenem, der hin zu dem Mann am Schreibtisch fühlte, jenem einfachen Abschaum, der sich als überlegener Sieger wähnte und sich nicht bewusst war, mit wem er hier spielte. Als Reah eintrat folgte sie nicht dem Pfad der Zinnsoldaten sondern blieb stattdessen in nächster Nähe zwischen ihnen stehen. Ihr Mund öffnete sich in der gewöhnlichen spöttischen Art, mit der sie dem üblichen Pöbel der Galaxis begegnete. "Ich schlage vor, Sie nehmen ebenfalls Haltung an.", entließ der Schatten seine Worte in den Raum, während dem Faden der Macht, hin zum Agenten, ein unsichtbarer impulsartiger Machtstoß folgte - weder gefährlich noch schmerzvoll, nur gerade eben stark genug den Stuhl des Emporkömmlings nach hinten kippen zu lassen.
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#52
Musik!

Es war der letzte Momente in einem Leben. Ein letzter Gedanke, gepeinigt in dem Wunsch, etwas ändern zu können. Es war die Essenz der Stille, welche umfing. Es war das niemals gesungene Lied eines Toten, welcher gegangen war, in die Weiten der Macht. Tiberius Vaash, ein Kriegsheld und Mann der Ehre, welcher Verrat an einer Sache geübt hatte, derer er sich eigentlich verschrieben hatte. Die letzten Tage waren so schnell verronnen, so voller Missgunst sich selbst gegenüber, dass der Mann, der nun auf dem Tisch der medizinischen Station lag, nicht nur entstellt von Gewalt, sondern auch entstellt von der Liebe zur Ehre war. Dennoch gewährte ihm die Macht eine Erlösung, eine seltene Absolution für die Hingabe zum Licht. Das Licht war gegenwärtig, jene Wärme, welche selbst die Dunkelheit vertrieb, derer er sich schuldig gemacht hatte. Wer unter den Waffen lebte, würde darunter umkommen. Ein Satz, der sich für Vaash nur minder erfüllt hatte. Er starb, weil eine verlorene Seele sein Leben benutzen wollte. Doch nicht unter ihrem Einfluss starb er, sondern aus freiem Willen. Der Admiral hatte sich selbst vergeben und sich dem Licht zugewandt, welches ihm einst von seiner verstorbenen Frau prophezeit worden war. Das Leid endete mit einem Hauch Ewigkeit. Es war die Zeit des Vergebens und des Friedens.

Nicht mit der Galaxis, sondern allein mit seiner eigenen Vergangenheit. Die Seele des Mannes war hier, anwesend unter den Lebenden, betrachtend, entrissen und doch beständig. Seine Frau rief ihn, die Kameraden, längst gegangen, riefen ebenso. Ihre Stimme waren ein Echo des alten Imperiums, ein Echo der Vergangenheit; und doch näher als der Moment. Kein Grund der Traurigkeit, kein Grund, zu weinen, auch wenn seine Kinder es tun würden. Seine Kinder, die Macht vergaß sie nicht, ein Leben für Millionen? Oder Millionen Leben für eines? Die Macht kannte keinen Zweck, keinen Nutzen, sondern war für sich schlichte Ewigkeit. Kein Leben war verloren oder gewonnen, sondern unterlagen der selben Unendlichkeit. Ein Himmel war mit denen, welche eingehen konnten; eine Hölle mit denen, welche sich selbst verdammten und im falschen Glauben Verbrechen, als auch Sünden, an der Macht verbrachen. Das Leben selbst war nur schnelle Illusion, gespielt auf einer Bühne, welche ebenso falsch und künstlich war, wie die Geräte auf der Krankenstation. Wie sehr noch der Wunsch aufwehte, sich zu entschuldigen; etwas zurückzulassen, was seinen Kindern Halt gab. Niemals gab es mehr einen Grund zu weinen, niemals würde es mehr Zugang zu dieser Welt geben. Tiberius betrachtete sich selbst aus der Macht; ein seltame Freude, eine Seligkeit, umfing ihn. Zu verschwinden, dass kümmerliche Ich aufzugeben, welches sich an Ehre geklammert hatte, erschien als eine schöne Möglichkeit. Frieden: Ja, es gab ihn. Mitunter im Tode. Erinnerungen zogen vorbei, wie Fetzen auf einem Wandteppich. Eriadu, die Geburt seiner Kinder, der erste Kuss und viele kleine Details aus dem Leben des Tiberius Vaash in nicht chronologischer Reihenfolge. Klein erschien seine militärische Karriere im Vergleich zu seinen Kindern, welche ein großes Schicksal haben sollte. Das Band endete nie, wie die Macht nie endete. Zuversicht überkam ihn, echte Zuversicht, dass das Licht existierte und nichts wirklich verloren war. Nichts; und jene Angst, welche ihn getrieben hatte, war vergessen, verschwunden mit der Pflicht. Die Jedi versuchte ihn zu retten. Versuchte es mit aller Hingabe zum Leben, welche ihr Leben mit dem Wunder schmückte.

Ja, Tiberius Vaash verabschiedete sich vorerst noch von seiner Frau, seinen Kameraden mit den Worten: "Noch nicht." Ihm wurde klar, dass nicht nur seine Kinder ihn brauchten, sondern auch die Jedi. Ja, sie war eine Jedi. Er sah es, hier an diesem Ort, wo Leben und Tod sich verbanden. Tiberius Vaash, geläutert vom Militarismus, von dem falschen Eifer ein guter Imperialer zu sein, kehrte zurück in seinen Körper, indem er ihn in der Macht berührte, wie ein sanftes Streicheln. Seine Frau lächelte und verschwand in einem strahlenden Licht, wie seine Kameraden, die gefallen waren. Es gab eine Zuversicht auf Ewigkeit für den alten Mann, der noch einmal Leben musste; noch einmal, für die Galaxis, die einem größeren Feind gegenüberstand als der Hexe oder dem dunklen Lord. Es war die Agonie des Krieges, die enden musste. Es war diese Pflicht, welche ihn einst ins Militär getrieben hatte. Einst dazu veranlasst hatte, dem System zu dienen. Die Liebe zum Leben, dessen Schutz und die Schaffung eines Friedens, welcher jedem Leben Zukunft ermöglichte, bis zu jenem Punkt, wo die Macht rief. Wie von uralten Kräften, für die weltlichen Geister der Mediziner und Soldaten nicht sichtbar, kehrte die Seele ein, restaurierte das geschundene Gesicht und den Schädel mit dem Willen der Macht; kaum sichtbar zog die Macht Knochen gerade, legte Blutungen still und erlaubte dem alten Mann erneut einen Herzschlag zu spüren. Es war ein Wunder, welches vielleicht nur Sedrael sah. Es ging schnell, so dass die Sephi vielleicht nur den hellen, warmen Lichtstrahl in der Macht wahrnahm, welcher den Animus in den Körper gab. Mit einem lauten Keuchen füllten sich seine Lungen erneut mit Luft, während seine Muskeln kräftig zitterten. Das Bewusstsein riss die Augen auf und starrte die Sephi an. Es war ein Austauch von Verständnis, da sie ihm geholfen hatte. Nicht durch ein wahres Wirken, doch durch ihre Hingabe zum Leben. Die Sephi war mehr als nur ein Werkzeug der Macht, sondern auch deren Apostel. Sie musste nur noch den Mut finden, sich der Dunkelheit der Hexe ganz zu stellen. Ihre Wärme war das Portal der Hoffnung gewesen, durch das der alte Mann zurückkehren konnte.

Tiberius Vaash war in der Macht gewesen, willendlich zurückgekehrt, um das einzig Richtige zutun, seine Kinder zu sehen. Schmerz kam auf, verzog sich nicht mehr, so dass Blut aus seinen Nasenlöchern quoll. Ja, er lebte aber der Körper litt noch unter den Wirkungen. Niemand ging in den Tod, kehrte zurück und opferte sein altes Leben ohne Schmerz. Jenes Wunder kostete Schmerzen und das taube Gefühl in den Beinen. Tiberius Vaash lebte erneut, frei und doch gebunden.
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#53
Entgegen der Aufforderung der Inquisitorin blieb der Agent so in seiner legeren Position sitzen und blickte zunächst lediglich zu ihr herüber.
„Ah, die Inquisitorin“, stellte er ihre Anwesenheit fest wie ein buchführender Lehrer für ein zu spät in den Unterricht gekommenes Schulkind, der innerlich die Verspätungen seiner Zöglinge notierte. Er wog den Stuhl mit einem Fuß hin und her. Auf einmal schien sich sein Gewicht auf dem Stuhl jedoch unnatürlich zu verlagern, bis nach einem Moment die Stuhllehne nach hinten kippte und der Stuhl mitsamt des Agenten nach hinten umfiel. Verdutzt blieb der Mann kurz liegen, ehe er sich langsam aufrappelte. Der Offizier der Schattensturmtruppe vor Reah schien kurz leise unter seinem Helm zu prusten, ließ sich jedoch seine Erheiterung kaum optisch kaum anmerken. Obwohl der Agent nicht darauf reagierte, als er sich seine Uniform sauber klopfte und sie mit ein paar Handgriffen richtete, schien es ihm dennoch nicht zu entgehen, zumindest trafen seine Augen für einen Sekundenbruchteil die reflektierenden, silbernen Polarisierungsfilter des Helmes.
„Ein netter Trick“, fuhr der Agent schließlich nach einigen Sekunden des Schweigens fort, während er ein paar Schritte auf die Hexe zumachte und dabei drei Mal langsam in die behandschuhten Hände klatschte, ein durchaus amüsierter Applaus; der für ein dressiertes Zirkusäffchen, das gerade kurz aus der ihm bestimmten Rolle gefallen war und damit das Publikum jedoch besonders zu erheitern wusste.
„Von einer Baroness hatte ich mir bessere Manieren erwartet“, stach er in lockerem Tonfall in ihre Vergangenheit, vielleicht als Test, wie sie darauf reagierte, oder um zu zeigen, dass er mehr von ihr wusste als den bloßen Umstand, dass sie ein Teil des Inquisitorius war. Und vielleicht wusste er auch noch mehr und war zu mehr fähig als sein eher unscheinbares Äußeres für den Moment vermuten ließe.

Ein paar Meter vor der Inquisitorin kam er mit sicherem Schritt vorläufig zum Stillstand.
„Lassen Sie mich Ihnen kurz erklären, wie die Dinge hier von jetzt an laufen, ehe Sie noch einmal etwas extrem Dummes tun.“
Direkt, ungeschönt. Ohne Umschweife. Mit einem Räuspern reinigte der junge Offizier seinen Hals, um das Kommende mit klarer, unmissverständlicher Stimme aussprechen zu können und sich nicht unterbrechen zu müssen oder sich gar von ihr unterbrechen zu lassen. Er hob einen Finger.
„Erstens. Ich und meine Einsatzgruppe übernehmen das Kommando auf der Brücke. Ihre alte Crew…“ – sein Blick fiel kurz seitwärts auf den dampfenden Körper Horingtons – „… entsprach nicht unseren Anforderungen. Sie bleiben als Inquisitorin offiziell Führerin dieser Operation, doch ich bin umfassend vom Ubiqtorat bevollmächtigt, so dass ich Ihre Befehle jederzeit aufheben und ändern kann, wenn und soweit es mir gefällt.“
Ein weiterer Finger folgte seiner Auflistung.
„Zweitens. Dank meiner Bevollmächtigung werden alle Sturmtruppen auf diesem Schiff meinem Kommando Folge leisten. Mit anderen Worten: Wenn ich will, sterben Sie. Wenn ich sterbe, sterben Sie auch. Jede Sturmtruppe auf diesem Schiff hat bereits die Order erhalten, Sie zu liquidieren, sollte mir – auf welche Art auch immer – etwas zustoßen.“
Langsam kam er immer näher, wie der sichere Jäger, der sich an sein Opfer heranpirschte. Ein einfacher Mann gegen eine Hexe. Ein einfacher Mann mit einer Armee gegen eine Hexe ohne Armee. Auf dem Gesicht zeichneten sich Spuren eines schiefen Lächelns ab. Ein verstehendes Lächeln, das gewiss machte, dass er immerhin sie mitnehmen würde, wenn er selbst sein Leben für den Dienst am Imperium opfern musste, und er dies offenbar als einen immerhin akzeptablen Preis dafür empfand. Verstehend, dass es vermutlich schon jetzt der Kontrolle ihrerseits bedurfte, ihm nicht bereits jetzt den Kopf von den Schultern zu schlagen. Weitere Schritte auf sie zu.
„Uns ist also gleichermaßen an meiner Gesundheit gelegen. Ich schlage daher vor, Sie sorgen sich künftig besser um mein Wohlergehen und unterlassen solche Spielereien wie eben, die mein Mitgefühl unnötig strapazieren.“
Ohne Zögern schien das Wort des Mitgefühls aus seinem Mund zu kommen, scheinbar ohne sich der brutalen Ironie bewusst zu sein. Der Agent kam nur knapp vor der Inquisitorin zum Stehen. Ohne jede Scheu baute sich der ein paar Zentimeter größere Mann vor ihr auf, blickte zu ihr hinab, ein durchstechender, ernster Blick, als er gleichsam näher und näher zum Sinn seines Aufenthalts kam. Ein dritter Finger erhob sich direkt vor Reahs Gesicht, so nah, dass sie das Leder bereits riechen konnte, bevor er den Handschuh nach einem Moment wieder senkte.
„Und Drittens. Ich bin hier, um Sie daran zu erinnern, dass Sie Teil einer Organisation sind. Um Sie daran zu erinnern, was es bedeutet zu gehorchen. Und vor allem was es bedeutet, es nicht zu tun. Etwa indem Dinge verschwiegen… oder versteckt werden. Was es bedeutet, Verrat zu üben.“
Er verengte die Augen zu dünnen Schlitzen.
„Was es bedeutet… zu brechen.“
Brechen. Die Spezialität des Geheimdienstes unter seiner Direktorin. Freund wie Feind. Grüne Augen studierten das Gesicht der Inquisitorin aufmerksam, achteten auf jede Regung. Sondierten, analysierten, bewerteten. Angst? Erkenntnis? Er erwartete eine Reaktion darauf, ein Zucken, eine Änderung der Gesichtsfarbe seiner Gegenüber, irgendetwas, wissend, dass da etwas war, das sie erlebt hatte und nun wieder in ihr Gehirn dämmerte.
„Die Erinnerung daran ist noch da, nicht wahr?“, fuhr er fort, sehr leise, nicht viel mehr als ein Flüstern. „Fern, verdrängt, doch noch immer da. Es ist nur ein paar Jahre her. Die Erinnerung an Durastahl, das Kratzen an Wänden. Bis zur blutigen Gewissheit, dass auch die Macht nicht helfen kann.“
Sein Blick fiel hinab auf ihre Hände, auf ihre Fingerspitzen. Aussichtslosigkeit. Die Tortur des Geheimdienstes. Alles, jeder Augenblick war damals registriert und festgehalten worden. Und er hatte es gelesen. Wusste um jeden ihrer Momente der Schwäche in den fensterlosen und doch so durchsichtigen Gefängnissen irgendwo in einer der vielen Dunkelheiten der Galaxis. Kannte ihre Verzweiflung. Kannte ihre Reaktion, den Moment der Resignation. Der Tanz im Zwielicht des eigenen Irrsinns. Konditionierung, Rekonditionierung. Die Isolation in der Finsternis, die Einsamkeit, die Folter trieb Leute in den Wahnsinn, ließ sie irrationale Dinge tun, wie Reahs sinnloser Versuch, aus ihrem Gefängnis mit der bloßen Kraft ihrer Fingernägel auszubrechen. Die Versuche, die Zelle mit der Macht zu zertrümmern. Die Erkenntnis des Scheiterns. Die Erkenntnis, dass nur die Unterwerfung am Ende Erlösung schenkte. Brechen. Über Tage, Wochen, Monate.

Wieder verschränkte der Agent die Arme hinter dem Rücken und wandte nun der Inquisitorin den Rücken zu. Die Leichtigkeit des Mannes schien nicht nur aus der Stimme, sondern auch aus dem gesamten Körper gewichen zu sein. Gemächlich ging er über den Gangway hin und betrachtete das glitzernde Sternenpanorama durch das Transparistahlfenster.
„Wenn ich bedenke, wie wenig Respekt Sie einem Vertreter des Geheimdienstes zollen…“, begann er während seines Ganges in Richtung des Fensters nachdenklich, bezugnehmend auf seinen provozierten Sturz vom Stuhl. Die Nachdenklichkeit vermutlich gespielt, zumindest aber nicht offenkundig genug, um sie als bloße Scharade demaskieren zu können.
„Vielleicht muss ich die Prozedur wiederholen lassen“, stellte er bedeutungsschwer in den Raum und nickte verlassen in den Weltraum hinaus, eine Frage an Reah und zugleich Aufforderung, getarnt als Feststellung. Nahm sie auf, was er ihr erzählte und akzeptierte es oder war der angesammelte Stolz, der Trotz größer als das Verlangen, fern von diesem Ort der Hölle aus ihrer Vergangenheit zu bleiben? Eine Wiederholung eines Alptraums, einer Qual, die an Grausamkeit nur wenig Spielraum ließ. Konnte er es überhaupt anordnen? Ein einfacher Agent war zu einer Rekonditionierung nicht befähigt, doch wenn er wirklich auf Geheiß des Ubiqtorats handelte, so war es durchaus denkbar, dass ihm jede im besonderen Waffenarsenal des Geheimdienstes verfügbare Maßnahme zur Verfügung stand.
„… sofern es Anlass dazu gibt“, erklang die Stimme nach kurzem Schweigen wieder, brachte einen Hinweis darauf, was der Mann jetzt von seinem Opfer erwartete, und gab aus dem Rücken ein seitwärtiges Kopfnicken als Zeichen für die Sturmtruppen. Zwei der weißgepanzerten Soldaten direkt neben Reah traten jeweils einen Schritt auf sie zu, so nah, dass ihre Körperpanzer die Kleidung der Inquisitorin bereits touchierten, bereit den weiblichen Körpers demütigend abzutasten, sofern notwendig. Der Offizier der Schattenlegion kam ein paar Schritte vor Reah zum Stehen. Er streckte ihr eine geöffnete Hand entgegen, während die andere auf dem Gürtel am Griff seines Vibroschwertes ruhte.
„Euer Schwert bitte, Ma‘am“, knackte die Stimme unter dem schwarzen Plastoid, höflich, aber doch bestimmt. Nicht enthusiastisch, nur professionell. War ihr Widerstand durch die Androhungen, durch die vielleicht wahren, vielleicht falschen Psychospiele des Agenten für den Moment erlahmt?
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#54
Diesen kleinen, doch so kostbaren Moment, den der Machtstoß durch den Raum glitt schien selbst das emotionale Eis der sonst so augenscheinlich unnahbaren Sturmtruppen brechen zu lassen. Für diese winzige Zeitspanne, als der Stuhl den kritischen Neigungswinkel überstieg und der Fall des Agenten seinen unaufhaltsamen Lauf nahm - ein, wie Reah später befand durchaus... ansprechendes Bildnis. Sowohl die reale Darstellung als auch in metaphorischer Hinsicht. Aber noch betrachtete sie die Erwartungshaltung der gesichtslosen Soldaten, die in ihrem Geist herumtollten wie kleine Kinder und es kaum erwarten konnte am Ende des unaufhaltsamen Ereignisses johlend herumzuschreien. Mit welch einfachen Tricks ein menschliches Herz doch zu erfreuen war, fürwahr. Reah indes interessierte sich weitaus weniger für den Aufprall, war vielmehr abgelenkt von der interessanten Art und Weise, wie der Agent die Brücke hat dekorieren lassen. Die Hexe konnte nicht sagen, dass sie Mitleid empfand, erst recht nicht bei der rauchenden Maschine Horington. Der wahre Wert dieses Leichenhaufens lag gewissermaßen in den Leichen selbst. Die erbarmungslose und effiziente Art des Tötens ließ Rückschlüsse auf den Agenten zu, insbesondere zur Art, wie er gedachte seine Befehle umzusetzen und ungehorsam zu bestrafen. Dennoch verspürte sie für den Moment keine Angst, fühlte sich noch nicht übermäßig bedroht. Vielleicht hätte sie auch den Moment nutzen, und die Brücke von einem Großteil der abgelenkten Sturmtruppen säubern können. Diejenigen in ihrer unmittelbaren Nähe hätten vermutlich nicht einmal die Chance zu einer Reaktion. Einige der vorderen Lakaien mochten mehr Glück haben, wären am Ende aber dennoch zu langsam. Ein zeitintensives Problem würden letztendlich nur die Schattensturmtruppen darstellen. Nur... gewinnen würde sie damit rein gar nichts, es blieben die unzählbaren anderen Soldaten im Bauch des Schiffes, die nur allzu begierig auf Rache aus wären.
Anders als die durch ihre Helme geschützten Soldaten, warte die nachdenkliche Reah ein eher ausdrucksloses, ernstes Gesicht, als sich der Agent aufrappelte und selbstbewusst nach vorn trat. Eine weitere interessante Beobachtung. Selbst diese demütigende Entehrung vor einer Truppe Elitesoldaten schien seinem Selbstvertrauen nicht im geringsten geschadet zu haben und das wiederum sagte etwas über die vermeintliche Macht dieses Individuums aus. Macht zweifelsohne, die allein durch ihre Anzahl mächtig war. Gewöhnliche Wesen mussten sich auf eine Armee auf Handlangern verlassen um ihren Willen durchzusetzen. Eine recht traurige und primitive Methode. Doch auch wenn es ihn nicht verschreckt haben mochte, der Stolz des Mannes war angekratzt. Die unbeholfene Art die Peinlichkeit zu kaschieren und als "Trick" abzutun mochte es irgendwo nur noch schlimmer machen. Reah gab der Schiffsmannschaft drei Tage ehe dieser illustre Vorfall auch die entlegenste Ecke des Maschinenraumes erreicht hatte. "Kein Trick.", widersprach sie dem Mann ernst. "Interpretieren Sie ihr Missgeschick bitte nicht als mein schlechtes Benehmen."
Für einen Moment wollte sie weiter Nachsetzen, aber er hatte sie getroffen, den Pflock Herzen angesetzt und bereit sie festzuschlagen. Der Agent mochte ein Idiot sein, jemand der nicht den geringsten Dunst von der Macht hatte, der sich im Traum nicht ausmalen konnte wen oder was er versuchte hier unter seine Kontrolle zu bringen. Aber der Mann wusste wer sie war und das gab ihm Macht, Macht über ihre Person. Vielleicht sollte sie dieser Umstand weitaus weniger überraschen, als er es tatsächlich tat, aber es war stets eine gänzlich andere Sache etwas zu wissen oder dieses Wissen ausgesprochen zu hören.

Die Sith hätte gerne gelacht, als er anfing zu sprechen - nicht über ihn, nicht einmal über seine Aussage, sondern weil er recht hatte. Aber sie verzog keine Miene, sondern blieb stumm stehen in stiller Erwartung auf sein Diktat. Der Agent lag mit seiner Einschätzung richtig, nur, dass die Dummheit nicht in seiner überflüssigen Reizung lag, sondern eben vielmehr darin überhaupt hier zu sein. Noch hier zu sein. Seit Palpatines Tod hatte sie nun über ein Jahr lang Zeit gehabt, war praktisch über ein Jahr lang frei gewesen zu gehen und sich vom imperialen Raum abzunabeln, blieb aber stattdessen. Ganz so, als hätte sich die Hexe an diese Art der Freiheit gewöhnt, als wähnte sie sich sehr sicher, im Zweifel jederzeit fliehen zu können. Dies war ihre Einschätzung von extrem dumm - weitaus treffender und vielsagender als eine lächerliche persönliche Kränkung, wie sie diese Made betraf.
Während er weitersprach, bestätigte er Reahs durch Schlussfolgerungen gewonnen Eindrücke Stück für Stück und offenbarte weitere Details. Reah setzte seine Bevollmächtigung etwa auf einer Stufe mit absoluter Narrenfreiheit und fühlte sich darin, vor allem durch das Brückenbild, bestätigt. Gerne hätte sie geglaubt, oder besser noch unterstellt, er wäre lediglich ein wichtigtuerischer Lügner, doch die Loyalität der Soldaten, die im Namen eines... Feiglings, der sich hinter ihrer Waffengewalt versteckte präzise und ohne Umschweife unpassendes Personal hinrichteten ließ sie stark an ihrer Wunschvorstellung zweifeln. Ihre Augen blickten derweil abwechseln von Horington zum Agenten, der nun offensichtlich das Amt des Captains übernehmen würde. Trotz seiner zahlreichen Defizite, fühlte es sich für einen kurzen Moment so an, als zöge sie den Blechkadaver diesem Abschaum vor. Einen Moment lang lag es ihr auf der spitzen Zunge den Agenten zu... fragen ob er überhaupt die nötige Qualifikation besaß um ein Schiff dieser Größenordnung zu kommandieren, verkniff sich den belanglosen Seitenhieb jedoch und warte untypisch und doch unruhig, ohne eine Unterbrechung weiter ab.
Das schwache zerbrechliche Wesen kam weiter herangekrochen, zweifellos um das zu tun was sie sonst tat: emotionale Reizung, die Provokation eines Fehltrittes nur aus der sadistischen Freude heraus, bestrafen zu können. Selbst wenn die Verfehlung als solche in diesem Moment künstlich geschaffen wurde und kaum als solche geltend war. Nicht unter normalen Umständen. Nicht in normalen Gehirnen. Ein kleiner Teil des Verstandes, ein kleines Rädchen, dass viele weitere Räder mitdrehen ließ, begann in etwa zu verstehen, was sie mit Vaash veranstaltet hatte. Gleichzeitig aber, mahnte eine andere Stimme in ihren Gedanken, dass es Vaash für seinen freiwilligen Dienst am und für das Imperium verdient hatte. Der Gedanke tropfte herab wie warmer Lebenssaft, hinein ins Maul der Bestie der Blutgier, die nach vorn preschen und den Mann mit ihren Klauen zerfetzen wollte. Widerstand, erneut fehlte der Widerstand. Vaash der sich nicht gewehrt hatte, der sie physisch nicht gefordert hatte und nun dieser sich in falscher Macht aalende Agent, der, offenbar so verblendet vom imperialen Wesen, nur darauf wartete sein Leben zu geben, allein um in der Gewissheit zu sterben, dass es sie ebenso tötete. Fanatischer Eifer mochte in dem jungen Mann das verbrannt haben, was sich einst Leben nannte, denn was für eine Art Mensch könnte sich sonst am eigenen Tod ergötzen?
Reah ballte ihre Hände zu Fäusten, als der Mann noch näher herantrat, so nah, so nah um ihm das Fleisch von den Knochen zu reißen. Sie presste ihre Zähne fest aufeinander und versuchte nicht emporzusehen, senkte eher den Kopf und blickte hinab auf den Durastahlboden, nur um nicht diesem überstarken Reiz nachzugeben ihn zu töten, ihm die Hände um den Hals zu legen - nur einen winzigen Moment, nur eine kleine geschickte Drehung und es wäre vorbei. Sie versuchte sich in die Mahct zu flüchten und sich zu verstecken, wankte und tastete sich jedoch nur durch undurchdringliche Schwärze - zu unmittelbar war die Verlockung, zu nah war diese abscheuliche Präsenz, die sie hier, gleichsam begierig und bangend zurückließ, auf den Impuls wartend. Dinge. Ihre Finger zuckten in der Faust zusammen. Sie verbarg keine Dinge, sondern ein lebendes Wesen. Oder hatte es verborgen. Mehr heißer Zorn kroch nach oben, entsprungen aus dem Zweifel, ob Sedrael überhaupt noch lebte - denn in der Macht hatte sie sie nicht entdeckt und wenn nicht, so injizierte der Zorn weiter sein Gift in ihre Gedanken, hatte es auch kaum mehr einen weiteren Sinn sich an dieser Stelle zurückzuhalten, zu gehorchen. Sollten Sith nicht frei von Ketten sein? Andererseits... Das glühende Feuer zuckte umher und zog sich für einen Moment, einen Gedanken zurück. Anderseits war sich Reah sicher, dass ihr ein plötzliches ableben nicht entgangen wäre, nicht einfach so. Es erschien nicht abwegig, dass die Jedi in diesem Moment als eine zusätzliche Versicherung für den Agenten diente, etwas, dass ihm auf jeden Fall die Kontrolle sichern sollte. Ihr Kopf zuckte für einen Moment, als wollte sie doch hochsehen, nur um sich die abscheuliche Mimik anzusehen um zu sehen ob ihre Vermutung richtig oder eher falsch war. Doch Reah zögerte. Was wenn dieser gewöhnliche, unbeeindruckende und aufgeblasene Mann, diese einfache lästige Made, etwas sehr viel effizienteres hatte um eine artgerechte Kontrolle zu gewährleisten?

Ihr Gedanke schien parallel mit seinen Worten zu laufen und noch während ihr Gehirn die Bedeutung seiner Worte verarbeitete, zuckte ihr Kopf doch nach oben, starrte mit weit geweiteten Pupillen in das Antlitz des Agenten, mehr noch, durch ihn hindurch - hinein in jene einsame Dunkelheit, die er mit seinen Worten wob. "Nein.", hauchte die Hexe abwesend. Panik kroch in ihren Blick, als ihr Kopf erneut das abspulte, was im Imperium als "Brechen" bekannt war. Es war wie er sagte, sie hatte es nicht vergessen,nur weit verdrängt, weit genug in sich selbst begraben, dass sie niemandem davon erzählt hatte, tief genug verschüttet, dass selbst Fragen zu ihrem Leben, zu ihrer Person es nicht zu Tage fördern konnten. Letztendlich lag dieses Teilstück von Reah Nigidus so tief im Dunkeln, dass sie vergessen hatte, dass es eben genau jene Prozedur war, die sie vielleicht hatte endgültig zerbrechen lassen, dass jener Vorgang das Monster erschaffen, maßgeblich miterschaffen hatte, dass Sedrael im Korridor sah. Aber der Agent täuschte, wenn er dachte, es würde nur den Willen brechen, nur die Aufmüpfigkeit austreiben. Dazu war die Methodik viel zu grob, möglicherweise sollte sie es auch sein, sollte genau darauf abzielen den Verstand eines Wesens in kleinste Stücke zu zersetzen und ihm dabei zuzusehen wie es versuchte die Scherben unbeholfen zusammenzupuzzlen, neu zu verkleben und zu reparieren, doch unfähig ihn zur Gänze zu beheben. Reah spürte wie die Finsternis die Furcht katalysierte, sie zurück durch ihre Venen schoss. Ihre Fingernägel bohrten sich scharf in das Fleisch ihrer Hand und ließen an jenen Stellen wo die feine Haut durchbohrt wurde, rotes Blut hervordringen. Der Schatten bemerkte es nicht, sondern schlug in seinen Gedanken jene Schlacht gegen das barbarische Gefängnis erneut, wollte es mit der Macht zertrümmern, mit dem eigenen Willen zerbrechen lassen. Sie konnte sich beinahe sehen, wie Faustschläge gegen eine Panzertür krachten, nicht unähnlich jener Durastahlwand an der Vaashs Schädel aufschlug und sie sich keinen Millimeter verzog. Der Schrecken bestand nicht etwa darin gefangen zu sein, sondern mit sich selbst gefangen zu sein. Ertragen zu müssen, wie die eigene Dunkelheit sich im Kreis drehte, immer wieder zurückfloss, nirgends hin konnte und den Geist weitaus schneller zerfraß als jedwede Einsamkeit. Und so war es, als ob ihre Gedanken den Agenten in der Realität als jene unzerstörbare Türe einordneten. Während Metallkonsolen unter dem Druck, den die panische Dunkelheit in den Raum entließ ächzten und knarzten, Glas platzen ließ, fand sich Reah nicht in der Lage den Agenten zu zerschmettern. Der Pflock steckte in ihrem Herz, hatte präzise dort getroffen, wo er treffen musste um das Ungeheuer zurückweichen zu lassen, es daran erinnert, dass selbst erstaunliche Kraft ihre Grenzen hatte. Grenzen die weitaus näher waren als sie dachte, weitaus realer, selbst wenn sie es, immer noch mit weiten Augen geradeaus starrend kaum realisieren mochte.
Erst die Berührung der weiß gepanzerten Soldaten ließ sie mit einem starken Zucken aufschrecken und zerrte ihren Geist von den tiefen Verliesen des Geistes zurück an die Oberfläche. Reah spürte, wie sich ihr Brustkorb immer noch panisch hob und senkte, die Luft noch immer hektisch aufnahm und ebenso schnell wieder ausstieß. Sie versuchte sich neu zu orientieren und das Bild, diese verdrängte Erinnerung aus ihren Gedanken zu vertreiben, doch der Mann hatte sein Ziel erreicht, hatte die Kette dort gelegt, wo sie besonders fest saß, wo jeder Schritt, jeder Augenblick und jeder Atemzug sie daran erinnerte, dass sie jemandem gehörte. Wieder einmal.
Ihre Augen trafen einen ausgestreckten schwarzen Panzerhandschuh und es dauerte einen weiteren Moment, ehe sie die Geste als solche realisierte und einordnen konnte. Ihre Fäuste lösten sich, während eine Hand mit einem tauben, irgendwo sogar schwachen Gefühl hinabtastete. Reah knickte ein Knie ein und streckte die Hand tiefer, die das Lichtschwert aus dem Stiefel zog. Mit der Emitterlinse zu ihr gerichtet, legte sie die Waffe in der Hand ab, fand sich aber noch immer nicht in der Lage zu sprechen. Es war weg, selbst dort wo der Zorn rauchte, befand sich für den Moment nichts mehr.
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#55
„Was…“
Ein Dröhnen im Kopf. Zirpen von Vögeln wie an einem lauen Sommertag. Erst nach einem Moment kehrte die Erinnerung zurück. Stöhnen, als schmerzende Knochen aneinandermahlten. Dunkelheit. Wie viel Zeit war wohl vergangen? Minuten? Stunden? Vielleicht Tage? Möglicherweise hatte man sie mehrfach betäubt und sie war jetzt schon auf der anderen Seite der Galaxis. Mit einem Ächzen blickte Sedrael zuerst nach oben. Ihre Hände waren überkreuzt ein Stück über ihrem Kopf an die kaum beleuchtete Wand gekettet, wie auch ihre Beine. Ein kurzes Rütteln bot kaum Spielraum, jedenfalls keine Chance, sich von selbst daraus zu befreien. Prägnante metallene Quader mit Leuchtdioden an den Ketten deuteten darauf hin, dass die Ketten unter Strom gesetzt werden konnten. Vielleicht, mit besonders viel Konzentration könnte sie eventuell… Aber in Sedraels Kopf schwebte immer noch dieses Gefühl des Fremdstoffes, des Giftes, das ihr in den Hals injiziert worden war und das sie weiterhin spüren könnte. Er war da, zirkulierte in ihrem Körper und zerfaserte immer weiter, doch selbst die kleinsten Spuren hinterließen ihre Eindrücke. Ihre Gliedmaßen hatten immer noch ein lahmes Gefühl, das der völligen Erschöpfung, als hätte sie tagelang nicht geschlafen. Die Sephi blickte allmählich in den weitgehend dunklen Raum hinein. Es gab nur einen hellen Punkt. Mitten im Schein von Scheinwerfern stand die rot uniformierte Frau und betrachtete ihre Beute aufmerksam, die Hände locker vor der Brust verschränkt. Graue, karge, schräge Wände warfen harte Kanten in den Raum.
„Wer sind Sie?“
Die Frau schmunzelte kurz. Bereits jetzt, offenbar allein mit dem bloßen Stellen dieser einzigen Frage, hatte sie ihre erste Information gesammelt. Schweigen, zunächst einmal. Nichts an ihr schien den Anschein erwecken zu wollen, auf die Frage ernsthaft antworten zu wollen. Erst nach endlosen Sekunden näherte sich die Frau allmählich und das Klacken der Stiefel auf dem harten Metallgitterboden brannte sich in Sedraels Trommelfell.
„Sehr interessant“, begann die Frau ohne jeden Bezug zur Frage. „Ich hätte nicht erwartet, dass ich einmal dabei zusehen kann, wie eine Jedi versucht, einen imperialen Offizier zu retten. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.“
Sedrael spürte, wie ihre Augen sich für einen Moment lang weiteten und ihr sämtliche noch vorhandenen Farbtöne aus dem Gesicht rannen. Sofort wich ihr Blick zur Seite aus. Die Frau hatte sie dabei beobachtet? Erinnerungslücken machten sich breit. Sedrael wusste nur noch, dass sie die Stirn des Mannes umfasst hatte, aber alles Weitere war nur noch bruchstückhaft und allenfalls in Schemen zu erkennen. Versucht? War es also nur beim Versuch geblieben? Oder war der Versuch erfolglos geblieben? Unsicher biss sich Sedrael auf die Unterlippe. Beinahe war sie taub, aber ein wenig davon spürte sie. Sie unterdrückte den Wunsch, nach dem Mann zu fragen und sammelte ihren Atem für einige Worte.
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden“, murmelte sie aus den tauben Lippen heraus. „Ich bin beim ISB. Es wäre besser für Sie, wenn Sie mich gehen lassen.“
„Wirklich“, entgegnete die Frau und lachte kurz, ein ernsthaft und beinahe erstaunlich erheitertes Lachen. Mit einigen langsamen, wohl platzierten Schritten trat die rote Uniform bis auf ein paar Meter an sie heran. „Ich habe schon viele Lügner gesehen. Gute, schlechte. Das, meine Kleine, war leider einer der armseligsten Versuche.“
Offenbar öffnete diese Masche doch nicht alle Türen. Die Art und Weise, wie die Frau auf die Antworten reagierte, ließ für die Sephi keinen Zweifel daran, dass sie aufgeflogen war. Sofern es überhaupt so bezeichnet werden konnte. Denn… wer war die Frau wirklich? Eine Verbündete von Reah? Womöglich hatte die Inquisitorin Sedraels Aussage, dass sie sich nicht sicher war, wie und in welcher Form sie bei ihr bleiben konnte, so verstanden, dass sie nun ihre Anwesenheit eben durch reine physische Kraft zu erzwingen suchte. Das erschien nach dem Ausbruch der Hexe keineswegs undenkbar – und dennoch konnte die Sephi sich nicht vorstellen, dass die Inquisitorin sie gerade dann nur mit einem Lakaien empfangen würde. Das war allerdings nur eine Theorie. Eine wenig fundierte dazu. Und doch war es immer noch mehr als alles andere, das sie sich ausmalen konnte. Oder jedenfalls die angenehmste von mehreren düster erscheinenden Alternativen.
„Und was wollen Sie von mir?“
Ungemach begleitete die Bewegungen der Frau, als diese kurz zur Seite blickte und mehr und mehr Ungeduld ausstrahlte. Sie atmete ein Mal knapp aus und war ihre Augen schließlich wieder zurück zu ihrer Gefangenen. Erst jetzt fielen Sedrael die verschiedenfarbigen Augen der Frau auf, das eine im blau einer frostigen Eislandschaft, das andere feuerrot im Zwielicht der brennenden Sonnenscheibe. Zwei Extreme, beide in schierem Widerstreit zueinander.
„Dass ich von jetzt an die Fragen stelle. Genau genommen, nur eine einzige Frage. Du weißt etwas und du wirst mir dieses Wissen geben. Ob du es willst oder nicht“, entgegnete die Frau kühl und stellte die ohnehin klaren Fronten noch einmal fest. Fronten, die ungleicher kaum verteilt sein konnten – die eine Seite bereit zuzuschlagen und ihr Arsenal zu zeigen, die andere geschwächt und ohne Möglichkeit, sich gegen das zu wehren, was kommen mochte. Wieder einmal gedrängt in die Passivität, in die Rolle der Reaktion. Ja, wieder einmal.

Der laute Schritt eines Stiefels hallte in ihren Ohren und forderte ihre Aufmerksamkeit ein. Die Frau stand am Rande des Schattenspiels, das die Scheinwerfer warfen und hüllten ihr Gesicht in einen Klingensturm aus Kanten und Ecken.
„Wo ist der Unterschlupf der Jedi?“
„Der… was…“, keuchte Sedrael völlig perplex, den Mund erstaunt geöffnet. Zu einer anderen Zeit, in anderer Verfassung hätte sie sich ein müdes Lächeln abgerungen, doch ihr Körper verweigerte ihr diesen kleinen Moment der Stärke. Die Frau glaubte, dass sie wirklich mit neuen Jedi im Bunde war, womöglich mit denen, die Quel-Tuus auf Firrerre, damals gefühlt vor so vielen Jahren erlebter Geschichte, erwähnt hatte? Ein… Missverständnis also. Sedrael schien sich ein wenig zu entspannen, nicht zu viel, aber doch ein wenig. Vielleicht war noch Zeit, es auszuräumen. Sofern die Frau nur zuhören wollte.
„Tut mir leid, Sie zu enttäuschen, aber das kann ich einfach unmöglich wissen.“
Zum ersten Mal ein Hauch von Überraschung im Gesicht der Frau. Nur einen allzu kurzen Moment, ehe der gewohnte Blick wiederkehrte. Überrascht vermutlich darüber, dass die schlechte Lügnerin von vorhin über die Frage tatsächlich erstaunt schien, ohne dabei schauspielen zu müssen. Sie also wohl nicht – wie die meisten Gefangenen – einfach nur nicht sagen wollte, wo der Aufenthaltsort war, sondern sich dahingehend einließ, es schlichtweg gar nicht zu wissen zu können. Vielleicht keine übliche Reaktion einer ihrer Gefangenen, aber doch nicht unüblich genug, um die Frau allzu beeindrucken zu können. Der Einwand wurde offenbar zur Kenntnis genommen, ohne jedoch wirklich Eindruck zu hinterlassen.
„Aber wir wissen, wer du bist, Sedrael.“
Ein Konter, die Retoure für die kurze Überraschtheit, die die Sephi einen Augenblick lang angerichtet hatte und nun vergolten bekam. Blaue Augen starrten die Gefängniswärterin an. Die Scharade um Agentin Maledice schien somit nur eine kurze, kuriose Episode in ihrer Geschichte zu bleiben. Die Frau lächelte. Ein Lächeln, das Wasserfälle gefrieren ließ. „Ja, die Aufzeichnungen aus dem Tempel waren für unsere Zwecke schon immer sehr… aufschlussreich, selbst wenn sie für das Finden von Abtrünnigen der Zeit vor der Jedi-Säuberung nur wenig Ertrag hatten. Doch zumindest dauert es nicht lange, Daten abzugleichen und Übereinstimmungen mit Subjekten festzustellen, deren Status bislang als unbekannt eingeordnet wurde.“
Es dauerte eine Zeit lang, ehe Sedrael alle Informationen verarbeitet hatte. Diese… Person musste eine derer sein, die so einen weiten Zugriff auf Datenbanken besaß, dass sie jedenfalls einen maßgeblichen Anteil an dem hatte, was sich als Vernichtung der Jedi ereignet hatte. Nur dann konnte sie wohl überhaupt an Teile solcher Informationen gelangen und ihr nun vorhalten. Dann wiederum musste ihr aber auch das ganze Bild zur Verfügung stehen und nicht nur selektive Teile davon. Sedrael blickte auf, versuchte, den Blick in die erschreckenden Augen der Frau zu richten, aber es gelang ihr nicht lange, ehe ihre Nackenmuskeln schmerzten und der Kopf wieder hinabsackte.
„Da Sie informiert sind, wissen Sie doch, dass mein Orden bereits der Vergangenheit angehört. Und dass ich bereits ging, bevor er aufhörte zu existieren.“
„Nur zu gut. Und dennoch schickt sich gerade jemand an, einen solchen neu zu errichten. Auf welche Art und Weise das auch immer geschehen soll. Und alle möglichen und unmöglichen Kreaturen sollen sich hierbei einfinden. Unbekannte, Bekannte aus der Vergangenheit. Leute aus den Aufzeichnungen.“
„Und ich war die ganze Zeit auf…
„Oh, ja. Firrerre. Ich weiß. Das letztlich von der Republik unterstützt wurde im Kampf gegen die Seuche. Eine Republik, die diese neuen Jedi ebenso unterstützt. Ich glaube aber nicht an Zufälle.“
Tatsächlich schien aus dieser Sicht einiges dafür zu sprechen, dass die Sephi in irgendeiner Form in diesen seltsamen neuen Jedi-Kult involviert war. Doch Sedrael kam nicht umhin zuzugeben, dass die Frau wohl häufig mehr in Dingen sehen wollte als tatsächlich da waren, vielleicht ein typisches Symptom in ihrem Berufsfeld, das stets am Rande der Paranoia zu wanken schien. Die feuerrote Uniform kam nahe, sehr nahe und beugte sich ein Stück hinab. Gespenstisch klapperten die Ketten beim Versuch ein Stück vor der Flamme zurückzuweichen.
„Sag es mir, Kleine“, flüsterte die Frau und strich Sedrael über die rechte Wange. „Besser jetzt als später, allein um deinetwillen. Glaub mir, ich bekomme immer, was ich will. Die Frage ist stets nur, wann es so weit ist und welche Mittel ich dafür einsetzen muss.“
„Aber Sie irren sich einfach. Ich weiß überhaupt nichts von diesen neuen Jedi.“
Die Macht warf Nebel in die Zelle, verschleierte die klaren Fronten und glättete Kanten. Sedrael spürte, wie ihre eigene Unsicherheit wieder anwuchs. Die Frau wollte ihr nicht glauben. Konnte ihr nicht glauben. Und selbst wenn sie es tat, war es einerlei. Sie würde es trotzdem auf ihre Art versuchen. Versuchen müssen. Welche Wahl hatte sie schon? Einen Augenblick lang betrachtete die Frau sie nur. So als schien sie in diesem Moment weniger schlüssig als vorher, ob das der Wahrheit entsprach oder nicht. Doch bald schon senkte sie den Kopf und seufzte ein Mal laut. Offenbar hatte sie es auch nicht erwartet, dass sie die von ihr gewünschte Information so ohne weiteres bekommen würde, aber ein bestimmter Teil von ihr schien tatsächlich gehofft zu haben, dass es so wäre.
„Wir werden sehen“, entgegnete sie lediglich. Keine Drohung, mehr eine Feststellung. Fast der Wunsch, dass ihr Opfer sie anlog, damit sie eben nicht alle nur denkbaren, schaurigen Techniken ihrer Informationsgewinnung aufbieten musste, nur um an die Information zu gelangen, die sie auch viel einfacher hätte bekommen können. Schließlich trat sie dann zurück, vom Scheinwerferlicht in Richtung der Durastahltüre, gegen die sie ein Mal hämmerte, um sich bemerkbar zu machen. Sekunden später glitt die Tür nach oben, gab den Blick auf die Freiheit preis, nur um ihn nach wenigen Momenten wieder fortzureißen, als der letzte Spalt Hoffnung unter der Türe verschwand. Mit einem Klicken gingen die Scheinwerfer aus und hinterließen kaum mehr als das schwarze Dickicht der Ungewissheit.
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#56
Das in die Ecke gedrängte Tier war immer das gefährlichste. Es gab diesen kritischen Moment, in dem sich entschied, ob das Tier gehorchte oder den irrationalen und selbstmörderischen Versuch wagte, aus der nicht zu entrinnenden Einkesselung auszubrechen. Der Tanz mit der Rasierklinge, deren scharfe Schneide sich stets gefährlich nahe an seinem eigenen Körper befand. Doch Gefahr war Alltag geworden, selbst jetzt schon. Wer dem Druck nicht standhielt und Zeichen der Schwäche zeigte, überlebte nicht lange. Analysieren, das Risiko einschätzen. Jede Situation, jede Person nach ihren Parametern bewerten. Alles bewerten. Und wessen Bewertung sich als falsch herausstellte, der starb meistens. Traggis hatte sich gerade nicht verkalkuliert. Daher überlebte er, jedenfalls für diesen Moment. Oft genug noch würde dies in nächster Zeit wohl auf dem Prüfstand stehen, doch der Agent hatte auch keineswegs vor, leichtsinnig zu werden. Ihm war bewusst, dass er der Frau letztlich als Person wenig entgegenzusetzen hatte. Doch selbst Rancors konnte man mit den richtigen Mitteln Angst machen. Und wenn das Imperium eines wusste, dann war es, wie selbstverliebten Zauberern das Handwerk zu legen war. Oder sie gefügig zu machen.
„Gut“, lobte der Agent sein Tier emotionslos, streckte den Arm seitwärts und wartete darauf, bis die Schattensturmtruppe den Weg zu ihm zurückgelegt hatte und den Griff der Waffe in seiner Hand ablegte. Er hob den metallenen Griff an, betrachtete die komplexe Waffe aus eigentlich längst vergangenen Tagen einen Augenblick lang.
„Faszinierend“, meinte er mit einem Hauch von Bewunderung in der Stimme, wog den Griff wie abgelenkt eine Zeit lang in seiner Hand. Gleißendes rotes Licht erstrahlte schließlich, als er den Mechanismus betätigte, tauchte das Fenster vor ihm in düsteren blutroten Schein. Seine Augen betrachteten die gleißende Klinge gedankenverloren.
„Wirklich faszinierend.“
Er vollführte einen einfachen Schwung mit der Waffe, ein einstudierter Duellhieb, der andeutete, dass er im Schwertkampf trainiert war. Nur erfahreneren Beobachtern mochte auffallen, dass er das fehlende Gewicht der Energieklinge nicht gut berechnete und die Bewegung daher nicht so fließend und elegant wie es vielleicht sein sollte. Erfahrung im Schwertkampf offenbar, aber demnach keinerlei mit einem Lichtschwert. Ein kaum erkennbares Zucken seiner Mundwinkel deutete auf ein unterdrücktes Lächeln hin, das er sich gerade nicht sichtbar gestattete. Neben ihm ächzte eine Metallkonsole, doch er schien es in seiner Abgelenktheit nicht zu bemerken.
„Ich sammle Schwerter, primitivere für gewöhnlich“, begann er unvermittelt zu erzählen, ohne den Blick von der Waffe nehmen zu können. „Vibroschwerter, einfache Metallklingen. Ein legendäres Lichtschwert fehlt mir bislang. Ursprünglich hatte ich vor, Ihr Schwert meiner Sammlung hinzuzufügen, doch da Sie kooperativer erscheinen als erwartet, werde ich zu meinem Bedauern davon absehen.“
Zuckerbrot und Peitsche. Sie hatte aus seiner Sicht etwas richtig gemacht, ihm pariert und somit hatte sie sich eine Belohnung verdient. Vielleicht ein Entgegenkommen, vielleicht auch nur ein rhetorisches Mittel seinerseits, während er die Lichtklinge immer wieder leicht nach oben und unten wog, offenbar um ein Gefühl für das Gewicht zu bekommen.
„Sir…?“, keuchte der IGD-Lieutenant ein paar Meter neben ihm. Der Agent deaktivierte das Schwert widerwillig und blickte zu seinem Lieutenant an der Hauptkonsole des Schiffes hinüber. Fassungslos starrte sein kaum jüngerer Offizier auf seine zitternden Handflächen. Gläserne Schrapnelle hatten tiefe Furchen in sie gegraben, Glasstücke und kleinere Splitter ragten aus zerstörter Haut hervor. Blut tropfte auf den grauen Metallboden. Der überraschte Lieutenant rang um seinen Atem. Neue Situation. Informationen. Bewerten. Traggis sondierte binnen Sekundenbruchteilen mit sprunghaften Blicken die anderen Konsolen, von denen alle ähnlich beschädigt waren, manche mehr, manche weniger. Keine jedoch schien unversehrt zu sein. Einzelne Dellen hatten sich im lockeren Metall gebildet. Fließend landete sein adlerhafter Blick auf der Inquisitorin, die noch immer schwer atmete. Er hatte vermutet, dass er mit dieser Äußerung einen Wirkungstreffer landen würde, vielleicht aber hatte er doch unterschätzt, welche tiefen Abgründe er wieder hervorrief. Nun, eigentlich nicht. Eigentlich war es ihm klar gewesen. Schließlich war gerade das das Ziel gewesen. Und vielleicht erinnerten sie ihn sogar an die seinen.
„Sie werden sich besser kontrollieren müssen. Ich gedenke nicht noch einmal zu tolerieren, dass jemand aus meiner Einheit zu Schaden kommt“, warnte er die Inquisitorin kühl und machte mit ihrem Schwertgriff eine Geste in Richtung einer Sturmtruppe. Der Soldat trat aus dem Spalier und ging an den geschockten Lieutenant heran, der noch immer seine Handflächen anstarrte. Mit einem festen Griff an die Schulter der schwarzen Uniform erlangte die Sturmtruppe seine Aufmerksamkeit und führte den Mann dicht an der Inquisitorin vorbei hinaus auf den Brückenkorridor in Richtung der Medi-Station. Der Agent wartete, bis sich die Türe hinter den beiden schloss, dann sah er erneut hinab auf die faszinierende Waffe, schließlich zurück auf deren Eigentümerin und verengte die Augen - weniger erfreut von ihrem Verhalten als eben noch.
„Vielleicht behalte ich Ihr Schwert doch besser.“
Langsam befestigte er den Griff in seinem leeren, noch geöffneten Holster und schloss es daraufhin. Zuckerbrot und Peitsche. Hin und her. Pure Berechnung. Lernte sie es dadurch? Lernen dadurch, dass sie seine Reaktion auf etwas kalkulieren konnte und also das tat, was er glaubte, das sie tun sollte? Vielleicht, vielleicht nicht. Auch er machte nur Angebote, die ihr das Leben vereinfachen würden, wenn sie sie annahm. Zumindest... aus seiner Sicht, auch wenn sie dem Stolz der Inquisitorin widersprechen mochten. Doch Stolz war ineffizient. Und Tiere brauchten auch keinen.
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#57
Faszination? Der gemeine Pöbel der Galaxis, zu dem sie Agent Traggis zweifelsohne zählte, war in seinem Denken ebenso eingeschränkt wie dumm. Faszination beschrieb den Umstand des Unwissens, des Nicht-Verstehens von Dingen und ebenso verhielt es sich mit dem Lichtschwert in seiner Hand. Er erschien mehr wie ein Kind, dass mit den Bordgeschützen eines Sternenkreuzers herumspielte und die daraus resultierenden Folgen bei weitem unterschätzte. Ein Lichtschwert, selbst einfachere Formen wie die genannten Metall- oder Vibroklingen bezogen ihre Macht nur bedingt von den tatsächlichen Schwertkampffähigkeiten des Anwenders. Vielmehr war es erst die Macht selbst, die diesen Waffen jenen tödlichen Schneid beibrachte, der sie so gefürchtet machte und ebenejene Macht war es, die diese Waffen zu prägen vermochte. Ein geübter Geist vermochte in alten Lichtschwertern ebenso Geschichten zu lesen wie in zahlreichen Holobüchern - jedes hatte seinen eigenen Hintergrund, jedes von ihnen war geformt durch den Träger, der seine Abdrücke, weitaus mehr als bloße Fingerabdrücke darauf hinterließ und dann schließlich war da noch mehr. Die spezielle Zusammensetzung der einzelnen Bauteile ihre Herkunft und ihre Geschichte. Für Traggis war es ein exotisches Schmuckstück, eines, in dem weitaus mehr steckte, das weitaus weniger schön, als vielmehr schrecklich war. Dies war eine Waffe des Krieges, geschaffen aus den Resten zerstörerischer Sith-Droiden, vielleicht sogar einmal selbst Sith, jahrtausendelang vom dunklen Geist Korribans beeinflusst und verdorben. Die Waffe in den Händen des Agenten war nicht etwa nur ein Metallschaft, der einen hochenergetischen Strahl erschaffen konnte, er durch beinahe alle bekannten Materialien schnitt, diese Waffe war zu einem Teil selbst Sith - ein Produkt der dunklen Seite, geformt und gesponnen aus dem Willen des Tals der dunklen Lords. Wenn ein niederer Mensch sich einbildete etwas derartiges besitzen zu wollen, sich anmaßte es beherrschen zu wollen, er wäre ebenso ein Narr der versuchte einen Hssiss zu zähmen. Traggis würde nicht einmal merken, wie das Unsichtbare in seinem neuen Schmuckstück ihn über die Zeit hinweg zerfressen und verderben würde. Mochte der Agent die Macht nicht spüren, so spürte sie doch ihn.

Die ausgemergelte Hexe beobachtete den blinden Tropf, der so verblendet von aller Weltlichkeit nicht wusste was er tat. Er demonstrierte sein vermeintliches Können, wollte sie vielleicht beeindrucken, während ihre Augen den Bewegungen der Klinge folgten. Nicht gut genug. Ganz wie befürchtet. Er war für die einfachen Sphären seines Daseins nicht schlecht, konnte auf dem Gebiet des Schwertkampfes vielleicht sogar mit den Besten mithalten, aber doch so unfähig das volle Potenzial einer Klinge auszuschöpfen, mehr noch verdeutlichte sich, wie wenig er das Konzept hinter der Waffe verstand. Er verließ sich fatalerweise auf seine Körperbeherrschung und obgleich beeindruckend bemerkte die Hexe die kleinen Fehler die sich einschlichen, die Erwartungen, dass die Wucht des Schlages aus dem Gewicht der Klinge kommen müsste, dass bei Lichtschwertern fehlte. Während ein normales Schwert eben nur für jene Zwecke bestimmt war, ihre Kraft aus der physischen Kraft des Anwenders und der schwere der Klinge zog um Feinde zu zerschmettern, gestaltete sich die Waffe der Jedi und Sith weitaus vielseitiger. Der Trick bestand in der Auffassung, das Schwert als Verlängerung des eigenes Körpers zu betrachten, einem Körper, der auf dem Fluss der Macht dahinglitt. Die Klingenführung war eher intuitiver Natur und folgte nicht den gängigen Schrittfolgen des normalen Schwertkampfes - ein geübter Lichtschwertkämpfer wusste wo die Klinge sein musste, er wusste intuitiv wie sein Kampfstil sie zum Ziel führen würde, ohne sich in den Schlagmustern zu limitieren. Ein kritischer Missstand zweifelsohne, den Traggis nie wirklich würde beheben können - unabhängig davon, wie viel Mühe er sich auch geben mochte. Die Hexe schüttelte enttäuscht den Kopf, enttäuscht vom sinnlosen Versuch des blinden Narren etwas zu beherrschen, das er nicht Verstand und sich dabei doch der Tatsache so sicher war, sich so daran klammerte, dass er etwas von Schwertkampf verstand.

Korriban indes schien seine Fühler auszustrecken, wusste wie leicht sich Faszination in Obsession umwandeln ließ, wie einfach ein normaler Mann zu ködern, in den Bannkreis zu locken war, während ihr eigener Fokus sich verlagerte, weg vom Agenten, hin zu jenem unglücklichen Hund, der zu spüren bekam, dass sie keine Klinge brauchte um einen Mann zu töten, dass sie der Verlust ihrer Waffe sie nur minimale Stücke ihrer Gefährlichkeit beraubte. Abgesehen vom einfachen Umstand, dass es bei weitem nicht das einzige Schwert dieser Art an Bord war... wie... ungründlich. Ihr Blick fiel nach unten, dorthin, wo das Blut der Hand tropft, sich in der Lache aus Dreck und Düsternis sammelte, während Traggis sich geistesabwesend nur um sein neues Spielzeug zu kümmern wusste. Roch er ihn nicht, den süßen Lebensnektar, der sich dort verteilte? Und wenn nicht, sang die Klinge nicht fröhlich ihr Lied des Blutes, dass sie so sehr begehrte? Wie tragisch für den Mann, dessen Hand, verkrüppelt von Glassplittern schlaff hing und das Leben herausfließen ließ. Eine Fratze ironischen Mitleids formte sich, sagte stillschweigend, dass diese unangenehme Erfahrung sich hätte vermeiden lassen, wenn man sie nur in Ruhe ließ, nicht in die Ecke drängte, nur um extreme Emotionen zu provozieren. Die sadistische Neugier eines Dummen, musste ein anderer bezahlen.
Erst der verzweifelte Ruf des verwundeten Elends nach seinem Patriarchen holte den Dummkopf zurück aus seiner Trance und ließ ihn die Situation zur Gänze erkennen, ließ ihn wieder kurz in seiner falschen Macht aufblühen und ihn seinen belanglosen Tadel aussprechen. War der Blinde so taub, dass er nicht hören konnte, wie lächerlich es klang? Ein leeres Lied ohne Strophen, getragen von der summenden Melodie des Lichtschwertes, aber hohl in der Wirkung. Toleranz offenbarte die Schwäche, zeigte, dass sie nicht so entbehrlich war, wie Traggis es gern hätte, denn war es nicht ebenjene Rede Palpatines vor dem Senat, an jenem Tag als er sein Imperium formte, dass er sprach, es werde keine Kompromisse geben? Welch tragische Ironie und wie wenig dieser nutzlose Agent doch begriff, wie vergiftet dieses Imperium von falschem Ideal bereits war. Wie wenig Palpatine und wie viel Eigennutz in diesem Kadaver steckten.

Der Schatten atmete aus, ein letztes Mal, drückte die Dunkelheit zurück in die Sphären des Bewusstseins, dort wo sie greifbar war, dort, wo sie sich sammeln und wabern konnte. Ihr Blick erhob sich, vielleicht ein verwundetes Tier, getroffen ja, aber nicht minder gefährlich als vor dem Schuss. Erschöpft, aber nicht lange genug um harmlos zu werden. Wieder blitzten die Augen vom Agent zum Heft der Waffe und wieder zurück zum Agenten. Gefühl kroch in ihre Arme zurück, als von Dunkelheit verseuchtes Blut durch die Venen rann und sie sie vor der Brust verschränkte, nicht mehr wie krankes tollwütiges Wild, sondern weitaus näher an der kühlen und unnahbaren Ausstrahlung, die sie sonst an den Tag legte. "Wie bedauerlich, Agent...", entgegnete die Hexe und setzte eine kurze Pause "...für Sie."
"Vielleicht begreifen Sie diese Waffe nicht so sehr wie Sie es möglicherweise glauben und ich sähe es wirklich ungerne, wenn Ihre Soldaten mich hinrichten müssten, nur weil Sie nicht in der Lage sind mit Ihrem neuen Spielzeug umzugehen.", Reah könnte sich ein kaltes Lächeln, eine Art Vorahnung für Traggis, etwas, dass ihm verriet, dass er sie überrascht hatte, sogar getroffen, aber das es mehr brauchte um sie zu besiegen. "Korriban war einst die Hauptwelt der Sith.", erzählte sie unverblümt weiter und gab nun ihrerseits Traggis keine Option sie zu unterbrechen. "Ein karger Wüstenplanet, Zentrum des Aufstiegs und Untergang unzähliger Reiche - dieses Imperium ist bei weitem nicht das Erste." und Reah verkniff sich darauf hinzuweisen, dass es auch nicht das Letzte sein würde. "Wie dem auch sei, vielleicht kennen Sie den Planeten sogar. Imperator Vesperum hatte ihn kürzlich besucht...", ich Blick fuhr herum und legte sich unheilvoll auf den Agenten, als gäbe es nicht den leisesten Zweifel an ihrer Loyalität oder hehren Absichten "...ich war bei ihm. Ein... aufschlussreicher Besuch - für jene, deren Augen mehr sehen als bloße Weltlichkeit.. Dieses Schwert, Ihre...", Reah gönnte sich ein kurzes kichern "...Trophäe, stammt von dort. Gefertigt aus alten Sith, wenn Sie so wollen. Ein Lichtschwert ist nicht nur eine einfache Waffe, Agent, seine Macht entspringt aus verschiedenen Quellen, nicht nur aus einem Kondensator und einer Emitterlinse. Die Teile dieser Waffe haben Krieg gesehen und überlebt, sie waren Jahrtausendelang in Dunkelheit gefangen, einsam zurückgelassen, allein, nur begleitet vom Flüstern uralter Sith-Lords." Die Hexe gestattete sich eine Pause, als Ankündigung, dass sie ihren Vortrag beenden würde. "Wenn Sie eine Waffe beherrschen wollen, sollten Sie ihr Wesen verstehen. Andernfalls bleibt es ein Stück Metall mit einer Energieklinge und so wie ich Ihre Demonstration gesehen habe... haben Sie noch sehr viel zu lernen, Agent."
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#58
Schweigend hörte sich Traggis den Vortrag der Frau an, während er mit halber Aufmerksamkeit die Konsole betrachtete, die soeben noch heil gewesen war. Scharfe Kanten, nicht nur hier, auch in ihren Worten, ihren Gesten, in allem. Jede Bewegung. Da war es wieder, das Tier, ungezähmt. Dieses Überlegenheitsgefühl, nahe an der Klippe zur Arroganz, oder womöglich schon darüber hinaus. Ein schiefes Grinsen fuhr über sein Gesicht, mehr das eines Piraten denn das eines Offiziers. Eigentlich eine Schande, dass er diesen Funken zum Erlöschen bringen sollte. Er mochte die Wildheit. Vielleicht war auch das der Grund gewesen, warum er zum Agenten auf dem Schiff einer Inquisitorin vom Ubiqtorat erkoren worden war. In den falschen Händen war Wildheit einfach zu gefährlich. Einen Augenblick lang ließ der Agent der Inquisitorin ihre Genugtuung, auch wenn ihm ihre Widerworte vielleicht weniger missfielen als sie erwartete. Es war – alles in allem – aus seiner Sicht vielleicht das Interessanteste, dass sie sich überhaupt dazu bemüßigt sah, ausschweifend von ihrem Schwert zu berichten. Sein Grinsen im Gesicht wich nicht von der Stelle.
„Nun, dann freut es mich sehr zu hören, wie Sie sich an die Situation anpassen und sich bereits jetzt um mein Wohlergehen sorgen, um mich daran zu hindern, mit meinem Spielzeug etwas Dummes zu tun, Inquisitorin“, zog er sich schließlich aus ihrer Rede durchaus in einem unterschwelligen Tonfall, der sie aufziehen sollte, das heraus, was ihm gerade gefiel – losgelöst vom eigentlichen Kontext ihrer Rede und doch an sich auch genau das, was sie gesagt hatte. Natürlich war der Inhalt ein anderer gewesen und natürlich – war es ihm egal. Schließlich fiel sein Blick an ihr vorbei, hinter sie, als eine neue Gruppe schwarzer Geheimdienstsoldaten in Begleitung einiger Techniker auf die Brücke ankam.
„Ihr neues Operator-Team für die Brücke meldet sich zum Dienst, Sir“, sagte der Ranghöchste der Männer und reichte Traggis ein Datapad zum Abzeichnen. Für eine Sekunde betrachtete der Agent den Bildschirm. Die Geheimdienstmänner also, die mit Isards Shuttle angekommen waren.
„Sie halten sich für so viel besser, nicht?“, sagte Traggis dann, während er das Datapad studierte und darauf herumzutippen begann, ohne aufzusehen oder einen Adressaten zu nennen. Dennoch war aus dem Kontext ersichtlich, dass es nur die Inquisitorin sein konnte, deren vorherige Stichelei und Schauergeschichte er jetzt in einer Frage zusammenfasste. Ob nun wahr oder nicht. Schon nach der eigenen Logik der Inquisitorin würde er selbst ohnehin nicht dazu in der Lage sein, den Unterschied zu bemerken. Seine eigene Logik interpretierte ihre Aussagen natürlich sowieso ein Stück weit anders.
„Und doch… kann ich gerade mit Ihnen machen, was ich will. Das muss ein ziemlich erniedrigendes Gefühl sein, einem Mann ausgesetzt zu sein, der in den eigenen Augen so minderwertig ist. Aber Sie akzeptieren es. Weil Sie genau wissen, dass auch dies hier Macht ist.“
Er sah wieder auf, breitete seine Arme aus, umfasste die gesamte Brücke in seiner Geste, um den Punkt zu verdeutlichen.
„Sehen Sie sich um. Wie Sie gerade selbst demonstrieren, ist sie nicht weniger real als das, was Sie unter Macht verstehen. Auch wenn Sie noch so sehr wollen, dass Ihre Macht das ist, was zählt.“
Während seiner Geste sah er sich auf der Brücke um. Dabei fiel sein Blick auf den noch immer unregelmäßig surrenden Maschinenkadaver des früheren Captains der Abaddon. Seine Geste blieb einen Moment in der Luft hängen.
„Ziffer 17, schaffen Sie das weg“, brummte er zwischenzeitlich dem IGD-Mann vor ihm zu, der ihm das Pad überreicht hatte. Dieser wechselte kurz den Blick zwischen Traggis und dem Kadaver, dann winkte er die von ihm mitgeführten Techniker herbei und ließ sie die Leichen der ehemaligen Brückenbesatzung bergen und wegbringen. Irritiert und wenig erfreut über ihre Ersatzverwendung machten sich die Techniker an die Arbeit, warfen sich gegenseitig fragende Blicke zu. Mit einem Nicken ließ der Zifferagent auch Traggis' Blaster einsammeln, der noch immer auf der Konsole lag. Währenddessen wandte sich Traggis selbst wieder der Inquisitorin zu und fuhr fort, so als habe er das Gespräch mit ihr nie unterbrochen.
„Ihre ganze Macht, Ihre ganze Stärke… wie Sie sehen, sie bedeutet gerade gar nichts. Streng genommen macht das im Moment also Sie zum minderwertigen Wesen. Und im Vergleich zum Imperium sind Sie das auch. Ein Nichts. So wie ich. Der einzige relevante Unterschied zwischen uns beiden ist also eigentlich nur, dass ich das längst akzeptiert habe und Sie es erst noch müssen, um mich wieder loszuwerden.“
Er tippte ein Mal mit der rechten Hand gegen das jetzt wieder gefüllte Holster, wenn auch nicht mit der Waffe, die dort ursprünglich Platz finden sollte.
„Wenn Sie also glauben, dass ich Ihre Waffe beherrschen möchte, damit herumwedeln möchte, um so zu tun als wäre ich einer von euch…“
Plötzlich schien er wieder erstaunlich amüsiert, so als habe er in Gedanken gerade eine besonders unerwartete Erkenntnis gehabt. Die Waffe war eben das, was sie war. Faszinierend. Ein Relikt einer alten Zeit, die nie wiederkehren sollte. Obwohl er nicht abstreiten konnte, dass er die Klinge gerne noch einmal sehen wollte, das kalte, energetisch brummende Metall noch einmal anfassen wollte. Später. Es war genug Zeit. Kein Grund für Unruhe. Der Agent zuckte schließlich die Schultern, um seine Aussage zu beenden.
„Ich bitte Sie. Nichts liegt mir ferner. Ihr Leute habt einfach nie begriffen, wie sehr euch die Galaxis immer verabscheut hat und immer verabscheuen wird.“
Schließlich glitt die Brückentüre erneut auf. Der Agent schien sofort seine etwas legere Haltung zu korrigieren. Rot. Mit ein paar Schritten stand Traggis direkt neben der Inquisitorin, so, dass sein geschlossenes Holster mit ihrem Schwert auf der ihr abgewandten Seite lag. Zur Linken der Inquisitorin positionierte sich dagegen der Offizier der Schattentruppen, während seine beiden unterstellten Soldaten vorbei an den weiter Spalier stehenden weißen Pendants sich an der Brückentüre je zu einer Seite des Neuankömmlings mit der flammend roten Uniform aufstellten. Traggis neigte seinen Körper etwas zu Reahs Seite, so dass sein weiterhin auf die Direktorin gerichteter Kopf näher an dem der Inquisitorin war.
„Zumindest erfahren wir gleich, ob Ihre Jedi es bereits begriffen hat“, flüsterte er ihr leise ins Ohr, ehe er sich wieder gerade stellte und darauf wartete, dass Ysanne Isard die Brücke betrat.
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#59
In der Vorstellung dieses Jungen mochte es anders aussehen, vielleicht realisierte er es nicht oder verschloss sich der simplen Wahrheit, wie gut ihre Worte doch treffen konnten. Es ging ihr dabei nicht um Einsicht, es war absolut und banal wie der Agent zu ihr kleinen Geschichte oder zu der Waffe stand, die er in seinen Besitz gebracht hatte, einfach weil er deren Bedeutung, deren Gewicht und Potenzial in seinem Dasein als einfacher Mensch nie voll erkennen würde können - diese Annahme basierte weitaus weniger auf Arroganz, als vielmehr auf dem simplen Umstand, dass er nicht auf das Spektrum der Macht zugreifen konnte und seine Sicht auf die Dinge durch diesen natürlichen Makel sehr... eingeschränkt blieb.
Reah zielte daher auf gänzlich andere Reaktionen ab - Traggis mochte die Macht nicht spüren, aber umgekehrt war dies natürlich der Fall, Reahs Zugriff auf ihn bewies das. Und vielleicht wusste es Traggis auch, in den Untiefen seines Geistes musste ihm bewusst sein, dass die Hexe zu mehr in der Lage war als ihn von den Füßen zu fegen oder entbehrliche Konsolen zu demolieren. Vielleicht wusste er, dass sie sich dazu entschließen konnte, sein Herz zum Stillstand zu bringen, wenn sie nur die richtige Melodie auf dem Instrument der Macht zu spielen vermochte. Und dieses Wissen wiederum mochte eine schreckliche Angst mit sich bringen, die Angst einer Macht ausgeliefert zu sein, gegen die er sich nicht verteidigen konnte, die er nicht einmal sehen konnte. Reahs Attacken konnten aus dem Nichts über ihn kommen - es würde keine Warnung geben, keinen Blaster, der gegen die Brust gedrückt wurde und der Trost, dass sein Tod den ihren nachzuziehen vermochte, war ein sehr, sehr kläglicher. Irgendwo schien Traggis das sogar zu begreifen, zu wissen, dass er immer noch - zumindest zu entscheidenden Teilen - ein eigenständiges Individuum war, mit allen Sorgen und Nöten, die eine solche Existenz mit sich brachte. Dies war seine Schwäche, er offenbarte sich unbewusst und Reah musste nichts weiter tun als ihm liebevoll ihr Gift zu überreichen. Er trank es ebenso begierig wie jeder andere.

Dies mochte ihr großes Geheimnis sein - nein, nicht nur ihres, allgemein das Geheimnis der dunklen Seite, warum Sith, dunkle Jedi und ähnliche gestalten Macht über andere Personen gewinnen konnten - leicht gewinnen konnten. Emotionen waren immer der Schlüssel und jede Gefühlsregung, die ein Individuum ihr offenbarte, war ein Angriffspunkt und der professionelle Traggis begann ebenso sehr damit sich unterschwellig seinen Emotionen hinzugeben wie Reah das sehr offen vor wenigen Momenten selbst tat. Er versteckte sie,zweifelsohne, versuchte seine professionelle Rolle zu spielen, doch die Art und Weise wie er Dinge sagte, wie er sich versuchte hervorzutun und sie in den Schatten zu stellen, zeigte ihr doch wie... schnell sich Kratzer in seinem Lack bildeten. Und Kratzer neigten dazu zu rosten - alles was sie tun musste war metaphorisch hineinzuspucken und dabei zuzusehen wie Agent Traggis von sich selbst zerstört wurde. Lächerlich. Töricht. Allein der krude Gedanke daran sie mit nichtigen Worten erniedrigen zu können. Nicht auf eine so plumpe Art und Weise, es bereitete ihr viel mehr perfide Freude dabei zuzusehen, wie er sich rhetorisch bemühte ihr wehzutun und dann doch dabei so zu versagen - Traggis hätte besser geschwiegen, hätte seinen Stolz herunterschlucken sollen, als er es noch konnte - denn auf diese Art würde er daran ersticken und zu Grunde gehen. Ein bedauerliches Ende für einen bedauerlich unbedeutenden Mann. Er hatte seine Momente, sicher, oder besser seinen einen Moment, aber irgendwo... fühlte er sich bereits an wie ein Spielzeug. Vielleicht war es einfach seine naive Art, die sie das Glauben ließ, wie er sich daran krallte und einredete, dass er Macht besaß. Tat er nicht. Letztendlich war Wissen Macht und Traggis wusste leider nicht viel - er kannte ihre Vergangenheit, aber verstand ihr Wesen nicht. Der Agent hatte keine Ahnung davon, wie Reah Nigidus wirklich funktionierte, ein Rätsel, das bislang ohnehin noch niemand zur Gänze gelöst hatte, nicht einmal Sedrael.

Was Traggis also blieb war der klägliche Umstand, dass ihm von einem Verwaltungsapparat Autorität zugestanden wurde, die ihn dazu befähigte jene Wesen mit weniger Autorität zu kommandieren - wie etwas Ziffer 17, der sich um Horringtons Wrack zu kümmern hatte. Beinahe Schade - diese neue Art der Brückendekoration hatten einen gewissen Charme versprüht. Ein wenig dramatisch zwar, aber irgendwo doch sehr treffend.
Sie wandte sich an den Agenten und trat einen Schritt auf ihn zu und sei es nur um zu verdeutlichen, dass seine Einschätzung von Erniedrigung offenbar nicht allzu stark zutraf. Eigentlich gar nicht, allein schon Aufgrund der Tatsache, dass er dummerweise Befugnis und tatsächliche Befähigung nicht zu differenzieren wusste. Der Schatten stand nun also in all seiner Pracht vor dem störrischen Eindringling, der sich an den nichtigen Inhalt überflüssiger Worte klammerte, als würden sie ihn beschützen - ein fatales Pokerspiel, dass auf Angst und Einschüchterung setzte und, das er letzten Endes verlieren mochte. Sie reckte ihren Kopf nach vorn, gerade eben weit genug weg um Traggis nicht zu berühren, doch nah genug für einen Kuss - sollte je ein Wesen derart verrückt sein etwas derartiges bei einer Kreatur der Finsternis zu versuchen und lächelte ihn ungewohnt milde an, beinahe wie eine Lehrerin es bei einem Schuldkind tun würde, dass versuchte mit seinem enormen Wissen zu prahlen, sich dabei aber unglücklich verrannte und korrigiert wurde. "Nun, Traggis nein, eigentlich nicht. Das mag daran liegen, dass all das, was Sie unter Macht verstehen nur jene Befugnis ist, die Sie vom Ubiqtorat erhalten haben und erneut zeigen Sie, wie wenig sie doch begreifen. Ich frage mich...", Reah hob einen Finger, tat erst so, als würde sie ihn nachdenklich ans Kinn legen, entschied sich dann aber anders "...ob Sie sich Ihrer Rolle hier tatsächlich bewusst sind. Ihnen sollte klar sein, dass meine Fähigkeiten nicht vom Wohlwollen staatlicher Institutionen limitiert sind - nicht direkt. Und ich glaube nicht...", Reahs Lächeln nahm die Form eines boshaften Grinsens an, "...dass Sie es sich mit dem Orden der Sith verscherzen wollen." Ihr Finger schnellte impulsartig nach vorn und drückte auf Traggis' Brustbein. "Finden Sie nicht? " Der Schatten machte eine kurze Pause um die Worte wirken zu lassen, aber nicht lange genug um ihm Zeitraum für einen Widerspruch einzuräumen, ehe sie fortfuhr: "Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Sie versuchten gerade Darth Maledice einzuschüchtern - das mächtigste Wesen nach Imperator Vesperum - und sind daran kläglich gescheitert." Die Hexe wandte sich mit einem kurzem Kichern ab und ließ den Mann zurück. "Ich weiß nicht wie Sie dazu stehen aber mir an Ihrer Stelle wäre das ein wenig... peinlich."

Es war irgendwo Schade, dass dieses kurze Kräftemessen von der Hauptattraktion unterbrochen wurde, die sich ihren Weg zur Brücke bahnte: Direktorin des IGD, Ysanne Isard. Unverkennbar. Unverwechselbar und gegenwärtig sehr verwundbar. Reah besah sich der Einheitenformation der Sturmtruppen, während Sie sich neben den Agenten stellte - ein nutzloses und fatales Protokoll. Im Idealfall wären ein halbes dutzend Männer und Isard tot, ehe auch nur ein Schuss fiel - allein Aufgrund der Tatsache, dass diese Aufstellung es ihnen unmöglich machte sie zu treffen, ohne die eigenen Kameraden über den Haufen zu schießen. Es war immer noch so verlockend, so eine wunderbare Gelegenheit die Dinge ins rechte Licht zu rücken, wären dort draußen nicht die unzähligen übrigen Sturmtruppen. Aber wie auch immer, es würden sich Gelegenheiten finden - oder auch nicht. Das hing ein wenig von Isard ab, ihrer Motivation und ihren Zielen.
Zumindest fand Traggis noch einmal Gelegenheit ihr einen vermeintlichen Dämpfer zu verpassen, offenbarte damit aber nur weitere Teile seines Unwissens. Wer Sedrael tatsächlich als Jedi betrachtete, sie für einen Jedi hielt, für eine Art Skywalker, der kannte sie nicht oder war blind - am ehesten beides zusammen, gestapelt auf einem Fundament von Unfähigkeit und Ignoranz. Aber gewissermaßen erklärte es, warum Isard erst jetzt erschien und das wiederum war... ungünstig. Reah kannte die Methoden des Geheimdienstes, wusste, was geschehen konnte und für die Sephi wäre diese Erfahrung alles andere als angenehm. Letztlich aber, hielt die Hexe Sedrael für zäh, wenn schon nicht mit beeindruckenden Fähigkeiten gesegnet, vermochte sie es doch unter widrigen Umständen zu überleben.
Sie sparte sich eine verbale Erwiderung auf Traggis' Worte und trat stattdessen einen kleinen Schritt vor, präzise und berechnet, ebenso, dass ihr anderer Fuß mit dem Hacken direkt auf der Stiefelspitze des Agenten zum stehen kam und auf die Zehen darunter drückte. Reah stemmte eine Hand in die Hüfte und verlagerte das übrige Körpergewicht damit noch weiter in Traggis' Richtung - vielleicht wollte er sie erziehen, dem imperialen Standard angleichen, das gleiche ließ sich aber auch umgekehrt schlussfolgern: unbedachte und dumme Aussagen wurden ebenso wenig toleriert. "Ysanne Isard.", stellte Reah ein Stück weit amüsiert das offensichtliche nochmals fest. "Deutlich früher als erwartet."
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#60
Irritiert blickte der Agent den Finger an, wechselte von ihm zum Gesicht der Inquisitorin und wieder zurück, mehrfach, so als schien er sie fragen zu wollen, ob es ihr Ernst war, dass sie ihn anfasste. Dennoch wich er trotz ihrer plötzlichen und durchaus raschen Annäherung nicht sichtlich zurück, auch wenn die Nähe, die sie einnahm, ihn vermutlich dennoch überrascht hatte – mehr jedenfalls als ihre inhaltliche Enthüllung, die ihn tatsächlich gar nicht zu beeindrucken wusste.
„Das kümmert mich nicht“, entgegnete er nach einem Moment und schob ihren Finger mit einer Hand von seiner Brust fort. „Ich erhalte meine Anweisungen nicht von einem kläglichen Orden. Nicht von Ihnen. Nicht von Vesperum.“
Es schien keine massive Überraschung zu sein, dass der Agent in Anbetracht seiner bisherigen Äußerungen offenbar von jenem Teil des Imperiums eher wenig hielt. Und nicht zuletzt galten Geheimdienstler als ein abgeschottetes System, als eingeschworene Gemeinschaft und als eigener, pulsierender Organismus, der so autark von anderen Institutionen war, dass man nur wenigen anderen wirklich vertrauen konnte, im Gegenteil sogar begann, ihnen von Natur aus zu misstrauen und den eigenen Dienst als eigentliche Heimat zu identifizieren. Dass er jedoch auch den Imperator aufzählte, schien durchaus ungewöhnlich, wenn es auch der Sache nach richtig war, da er seine Befehle tatsächlich nicht unmittelbar von ihm bekam, sondern derzeit offenbar direkt vom Ubiqtorat. Wie sich nicht zuletzt auch mit der Anwesenheit der Direktorin selbst auf der Brücke zu bestätigen schien. Aufmerksam betrachtete der Agent, wie seine Dienstherrin langsam, Schritt für Schritt näher kam.
„Ich gebe mir Mühe, nicht dann zu erscheinen, wenn ich erwartet werde“, sagte die Frau bereits einen Moment nach der Feststellung der Inquisitorin, dünn lächelnd. „Es führt in aller Regel zu interessanteren Situationen.“
Gerade als Isard weiter vortrat, zuckte der Agent kurz und blickte nach unten. Zu seinem Glück nahmen die Durastahlkappen der imperialen Stiefel einiges an Verletzungsgefahr aus der Aktion der Inquisitorin heraus, die ansonsten durchaus zum Brechen seiner Zehen hätte führen können. So blieb es bei einem äußerst deutlichen Druckschmerz, der ihn aufstöhnen ließ, ehe er mit beiden Händen den Rücken der Inquisitorin packte und ihr einen mehr als erforderlichen Stoß nach vorne gab, um die Frau ein gutes Stück nach vorne von ihm fortzuschubsen und so seinen Fuß von dem ihren zu befreien.
„Traggis“, brummte Isard und der Agent blieb widerwillig stehen. Ein roter Ärmel erhob sich und ihre rechte Hand machte eine wegwischende Bewegung. Kurz schnalzte sie mit der Zunge und entließ die Leute von der Brücke. Ihr Agent warf der Direktorin einen Blick zu, doch sie nickte bloß in Richtung der Tür. Etwas missbilligend sah er die geöffnete Türe an und schien nicht erwartet zu haben, dass auch er den Raum verlassen sollte. Das mochte nicht eingeplant gewesen sein und vielleicht eine kurzfristige Entscheidung der Direktorin in Anbetracht der offenbar schwierigen Situation zwischen ihm und der Inquisitorin.
„Schmälern Sie Ihre gute Arbeit nicht mit einem Makel. Wir besprechen das hier noch“, warf Isard ihm zu, als er an ihr vorbeiging. Er verlangsamte seinen Schritt nur für einen kurzen Moment, reagierte mit einem Nicken und ging anschließend weiter. Nach und nach leerte sich die Brücke und als letztes verließen auch die Sturmtruppen den Raum, so dass nur noch Ysanne Isard selbst, die Inquisitorin und die drei Schattensturmtruppen allein im Gehirn des Zerstörers waren. Die Gleittüre schloss sich leise. Mehrere Meter vor der Inquisitorin kam Isard zum Stillstand, die beiden schwarzgepanzerten Soldaten folgten ihr bei jedem Schritt, wobei ihre Helme aufmerksam auf die Inquisitorin gerichtet schienen.
„Was ist mit Euch passiert? War er das?“, fragte Isard zunächst und deutete auf Reahs zerkratztes Gesicht, dann auf die blutigen Hände, eine Augenbraue skeptisch angehoben.
„Was wäre denn wenn?“, meinte Reah mit ebenfalls hochgezogener Braue, als würde sie Isard bewusst imitieren wollen. Sie hielt die Spannung einen kurzen Augenblick lang, ehe sie Traggis mit einer wegwerfenden Geste entlastete. „Nein, nicht direkt. Plötzliche Änderungen in einer gewohnten Umgebung resultieren nur manchmal...“, sie breitete ihre Arme aus, um noch einmal auf die Menge der demolierten Konsolen hinzuweisen, „... in etwas extremen Gegenreaktionen.“
Einen Augenblick lang warf die junge Direktorin ihren Blick auf die beschädigten Displays, dann bewegte er sich weiter in Richtung des Offiziers der Schattensturmtruppen. Der Helm neigte sich ein paar Zentimeter nach unten und wieder nach oben, und schien die Version der Inquisitorin somit wortlos zu bestätigen. Schließlich wandten sich Isards zweifarbige Augen wieder der Frau zu. Offenbar ignorierte sie die Imitation oder interpretierte es gar nicht als solche. Oder es war ihr schlichtweg gleichgültig, ob es eine war oder nicht. Hätte es Relevanz gehabt, wenn der Agent sie misshandelt hätte? Vermutlich. Es schien nicht so, als wäre die Direktorin daran interessiert, mit einer gebrochenen Reah zu sprechen. Vielleicht sogar ganz im Gegenteil.
„Die Änderung war nicht zu vermeiden. Ich habe aber nur die bestehende Gelegenheit genutzt, um hier Leute zu platzieren, denen ich trauen kann“, erklärte sie und umschrieb den gewaltsamen Austausch der Brückencrew in einer Art, als wäre es nur ein Zug in einer Simulation gewesen. „Das Ganze ist nicht auf meinen Mist gewachsen. Vesperum glaubt, dass hier irgendetwas nicht stimmt und ich denke, wir wissen beide, dass sein Misstrauen durchaus berechtigt ist.“
Ihr Blick schien keinen Zweifel zuzulassen, aber sie entschied dennoch, es nicht bei der bloßen Andeutung zu belassen. Es erschien durchaus zweckmäßig, ihre Gegenüber darüber aufzuklären, wie die Dinge gerade standen.
„Zumindest… ist es nicht ganz üblich, eine Jedi des alten Ordens in eine ISB-Uniform zu stecken. Ah, und nebenbei...“ Isards Mund wandelte sich zu einem Schmunzeln und sie pausierte für ein paar Sekunden. „Wenn Ihr das noch einmal tut, weist Eure Agentin nächstes Mal ein bisschen ein. Es kränkt mich schon ein wenig, wenn ich vom ISB nicht erkannt werde.“
Es war seltsam, dass die Worte der Direktorin überhaupt nicht vorwurfsvoll oder anklagend klangen, sondern sie fast eher ihren Spaß an dem amateurhaften Versuch zu haben schien. Das mochte nicht ganz zu der brachialen Aktion auf der Brücke passen, mit der die Frau schließlich auch in der einen oder anderen Form zu tun haben musste. Oder aber ihr Agent hatte seine Befugnis weiter genutzt als ihr lieb gewesen war. Natürlich war nicht zu erwarten, dass sie das in irgendeiner Form kommentieren würde. Stattdessen hob sie beschwichtigend eine Hand an.
„Aber keine Sorge, es geht ihr gut. So weit. Das hier ist Euer und Vesperums Problem, nicht meins. Ich halte mich aus seinen überirdischen Dingen heraus und er sich dafür aus meinen. Und das kommt mir gerade sehr gelegen. Denn nichtsdestotrotz bin ich mir meiner Grenzen wohl bewusst und dass es Dinge gibt, die ich nicht analysieren kann. Für jede Analyse braucht es Experten.“
Ihr Blick landete erneut auf Reah, fixierter und vielleicht auch etwas fordernder als bisher, die Augen leicht verengt. Nicht zuletzt deshalb schien bereits aus dem Kontext klar zu werden, dass die Inquisitorin nun in die Rolle der Expertin erwachsen war und es ihr auch nicht oblag, sich diese Rolle auszusuchen.
„Sagt mir - wie berechenbar ist Vesperum seit Korriban noch?“, fragte Isard schließlich. „Ich kann keine tickende Zeitbombe auf dem Thron brauchen. Etwas ist seltsam, seit er wieder da ist. Er wirkt instabiler als zuvor, unruhig, abwesend.“
Sie schüttelte ein paar Sekunden lang den Kopf und ihr schwarzes Haar mit den weißen Strähnen flatterte leicht, während sie ihre Hände ausbreitete und mit den Schultern zuckte.
„Um ehrlich zu sein, ich glaube, er ist verrückt.“
Darum ging es also. Es schien kaum einen besseren Ansprechpartner für sie innerhalb des Imperiums zu geben, der ihr dabei mehr brauchbare Informationen dahingehend zukommen lassen konnte als die Person, die machtbegabt war und zudem Vesperum seinerzeit von Korriban gerettet hatte – nun aber in irgendeiner Form auch von ihm gelöst war, indem sie etwas vor ihm verbarg. Für Isard insoweit eine naheliegende Wahl – insbesondere wenn sie Nigidus ohnehin jederzeit als Verräterin enttarnen konnte und deren Wort im Fall einer Aussage zu Lasten von Isard daher im Zweifel nicht viel wiegen würde. Schließlich hatte die Direktorin gegenüber Vesperum bislang nie ein Anzeichen für Untreue gezeigt.
„Und vergesst nicht, ich könnte Euch bereits jetzt auffliegen lassen, wenn ich wollte. Es ist also nicht notwendig, irgendetwas zu beschönigen.“
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