#21
Ruhig und fast schon stoisch hatte Nashira vor der Türe des Inneren Sanctums gewartet. Einer Türe, für die manch anderer bereit gewesen war zu töten, nur um vor ihr stehen zu können. Nashira wusste, dass es den einen oder anderen unter ihnen gab, der sie für ihre Position hasste und mit dem Gedanken spielte, ihren Platz einzunehmen. Doch bisher war es bei diesen Personen auch nur bei den Gedankenspielen geblieben, so hatte doch bisher keiner einen ernsthaften Versuch unternommen, sie aus dem Weg zu räumen. Aber deswegen war sie keinesfalls so leichtsinnig ihre Rivalen zu unterschätzen, so war doch Leichtsinn und Selbstüberschätzung der sicherste Weg zur eigenen Vernichtung.

Als sich die Türen öffneten und man sie einließ, fiel ihr Blick auf den Mann vor ihr. Der Mann, der sich selbst zum neuen Imperator ernannt hatte. Doch im Gegensatz zu anderen in ihren Kreisen, fiel sie vor ihm nicht ehrfürchtig auf die Knie, sondern blieb aufrecht und mit erhobenem Haupt vor ihm stehen. Sie verehrte und bewunderte diesen Mann nicht, so wie es viele um sie herum taten. Sie verabscheute den Mann nicht, so wie es viele im Palast taten. Aber noch weniger empfand sie Mitleid mit ihm, ob seines Zustandes. Wenn es überhaupt den Hauch eines Gefühls gab, dann war es Genugtuung. Vor sich sah sie einen Mann, der nicht nur sein Schicksal, sondern das Leben selbst herausgefordert hatte und dabei war den Kampf zu verlieren. Sein Zustand war der Preis, den man für einen derartigen Frevel zu bezahlen hatte. Aber Nashira war nicht so blind und naiv, wie viele andere im Einflusskreis dieses Mannes, die blind geworden waren dessen, was um sie herum passierte. Die jedes Wort, welches über die Lippen dieses Mannes traten, aufsaugten wie ein trockener Schwamm das Wasser. Dieser Mann war nicht der Erlöser. Er war nicht der Retter der Galaxis, als der er sich immer propagierte, sondern er würde ihr Untergang sein.

Vesperum war ein Mann, der nichts mehr in seinem Leben hatte, wofür es sich zu leben lohnte und er hatte nichts mehr, dass er verlieren konnte. Er wusste, dass sein Ende nahte und er hatte es akzeptiert. Doch diese Akzeptanz, das Wissen nichts mehr zu verlieren zu haben, machte ihn zu einer großen Gefahr. Nicht nur für die Lebewesen in seinem direkten Umfeld, sondern für jegliches Leben in der Galaxis. Der Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte, würde keinen Augenblick zögern und alles und jeden um sich herum mit in die ewige Dunkelheit ziehen. Vesperum durfte sein Werk nicht vollenden, wenn die Galaxis eine Zukunft haben sollte, doch Nashira wusste zu wenig über seine wahren Pläne. Sie hatte sein dunkles Netz aus verschiedensten Fäden noch lange nicht genug entwirrt und selbst wenn sie so weit gewesen wäre, so war sie nicht so dumm sich ihm alleine in den Weg zu stellen.

„Ich habe euer Rufen vernommen eure Lordschaft“, sprach sie leise und doch war ihre Stimme klar und deutlich im Raum zu hören. „Was soll ich für euch tun?“ Er hatte sie gewiss nicht aus Einsamkeit oder aus dem Wunsch nach Gesellschaft heraus zu sich gerufen. Für so etwas war er nicht der Mensch und sie ebenfalls nicht und das wusste er.
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#22
Taten. Erinnerungen verflogen, zerkauten sich im Angesicht des Momentes. Vesperum hatte vieles getan, um an diesen Punkt zu gelangen, den Thron zu beanspruchen, eine Schickalsal aus dem Grab zu helfen, welches verschüttet und vergessen war. Vesperum war in der Ewigkeit verloren und doch blieb der einfache Moment alles, was er greifen konnte. Das Jetzt war alles, was sich seinem Wahnsinn verneigte; während die Ewigkeit ein endloser Untergang war. Ein Ozean der Nacht, welcher nach ihm rief und ihm Mächte und Künste versprach, die unsterblich machten. Die kalte Hand des Todes kroch näher, als er Nashira ein Handzeichen gab. "Es ist merkwürdig: Seltsam und bemerkenswert, dass sich die Galaxis unentwegt bewegt. Angetrieben von ihrer sogenannten Physik und kosmischen Kräften, zieht sie ihre Kreise, immer und immer wieder, bis alles endet. Das Nichts wird einkehren, wenn das Chaos um sich greift, jede Verbindung gelöst hat und keine Physik und keine kosmische Macht diesem entgegen wirken kann," erklärte Darth Vesperum mit brechender Stimme, die fern und leblos aus einer Gruft gesprochen schien; vorbei an aschweißen Zähnen, von denen schwarz verfärbter Speichel tropfte. "Ich war in Gedanken. Mein Geist war fern dieser Galaxis und ich habe die Wunder gesehen, die uns versagt werden. Die Wunder, die uns zustehen und doch immer wieder entrissen werden," offenbarte Vesperum seine Gedanken, wenn auch widersprüchlich zusammengesetzt, denn jedes Wort sprach er einzelnd und übermäßig betont; fast so als er an sich selbst zweifelte und er nach Worten suchen musste, um eine Erfahrung zu beschreiben.

"Die Macht ist ein Ozean, mit Untiefen, Abgründen und Stürmen. Vielen Stürmen, die einen Geist zerfetzen können. - Und doch, wenn wir in sie eintauchen, vergrößert sich nur unser Unwissen im Umgang mit diesem Mysterium, weil es stets neue Grenzen schafft." Seine Augen weiteten sich, gaben die dämonische Eigenschaft preis, die so entrückt und verstörend war, dass selbst ein Spiegel aus Furcht zerbrechen würde, um diesem Angesicht zu entgehen. Schwarze Äderchen pulsierten an den Augenlidern, gruben sich tief hinein; mit jedem Herzschlag presste schwarzes Blut durch sie hindurch und auch seine Aura schien sich um diese Augen zu sammeln, die mehr Wahnsinn ertragen hatten. Schmerz lag in ihnen, wie ein zorniger Irrsinn, als auch Gewissheit. "Ich bin den Weg gegangen. Ich gehe ihn noch immer," stammelte er nun bruchstückhaft Sätze zusammen und doch war seine Stimme präsent, nahbar und nach Nashira greifend. Vesperums Stimme forderte Gehör, wandte sich in den Schädel, wie ein Parasit und verweilte dort. "Für viele Jahrtausende, seit Anbeginn, schafft die Macht ein Gleichgewicht, dann wieder Ungleichgewicht, und dies wiederholend für eine Ewigkeit. Ein ewiger Konflikt. Immer wieder. Immer wieder," formierte er nun klare Worte und spuckte dabei schwarzen Speichel aus seinem Mund, der in Zeitlupe niederzugehen zu schien. Vesperum war bereits umschlungen vom Tod, obwohl in seinem Angesicht der Tod nicht von ihm zu unterscheiden war.

Nach all den Taten und Sünden gegen das Universums waren der Tod und Vesperum längst eine Person geworden. Im diesigen Licht der Kammer kam die skeletthafte Gestalt des Sith unter der Kapuze zum Vorschein, als er seinen Kopf ein Stück hob. "Eine Macht hinter der Macht liegt greifbar. Die Wunder liegen dort, Nashira. Ich habe sie berührt. Ich habe gesehen, was an dieser Galaxis defekt ist; was an diesem Universum defekt ist. Ein Fehler, uralt, verlassen und vergessen, ist die Ursache für all das Leid, dieses Unheil, welches Zeit darstellt. Die Konzeption unserer Realität ist falsch. Die Macht ist die Ursache und die Lösung," sagte der Totenschädel kristallklar, während sich ein makaberes Lächeln auf seine Lippen legte. "Die dunkle Seite ist der Hilferuf der Ewigkeit, um den Fehler zu korrigieren. Ich bin kurz davor. Kurz davor...," hauchte er, während sein Verstand wieder ins Jenseits verglitt und sich die Macht um seine Füße am Boden als dunkler Nebel manifestierte. Seine Aura war ein Nexus der dunklen Seite, wie ein schwarzes Loch schien alles im Nichts zu vergehen.

Der Tod herrschte und Chaos folgte ihm. Die Leben, der er ausgelöscht hatte, griffen nach seinem Rest an Seele, wollten ihn zur Hölle reißen, die er anderen bereitet hatte. Doch sein verbohrter Wille ließ ihn Zögern mit den Seelen ins Jenseits zu gehen. Mit aller Macht bebte er gegen die Wogen der Kälte an, die auch in die Umgebung schwappten und das Licht flackern ließ. Das Fenster im Hintergrund beschlug und das Wasser im Becken flockte mit Eis aus. Der Nebel kroch über seine Robe hinauf, kleinere Blitze zuckten in ihm, während Vesperum mit einer Bewegung jenen schwarzen Dunst verdammte und die Mächte einhegte, die er einst unbeholfen beschworen hatte. Die dunkle Seite gierte und rumorte, in seinem Körper und machte den Tod wieder sichtbar.

Er keuchte. "Du musst für mich nach Onderon reisen und ein jemanden retten," befahl der untote Meister einer alten Ideologie, die einst Götter sein wollten und doch nur verdammte Teufel waren, die ihrem Schicksal erlegen waren. "Sie befindet sich im Grab von Freedon Nadd auf dem Mond Dxun. Ich habe sie dort zurückgelassen. Finde die Person," forderte der Imperator und die Kälte packte mit ihren Krallen nach Nashira.

Vesperum schwieg, beäugte seinen Schützling, der mit Sicherheit nicht seine erste Wahl für diese Aufgabe war aber andere wertvollere Diener waren gebunden. Er kannte Nashira, kannte sie sogar sehr gut und hatte in ihrer Aura einst viel gesehen und auch viel fördern wollen, was dort verschüttet war aber Nashira war stets umhegt mit Grenzen und Mauern, denn sie log und betrog sich selbst sowie andere stets mit klarer Absicht. Sie war eine falsche Person, die vieles verdrängte und auch vieles sein musste. "Wir sind ohne Geist nur krude Materie, Nashira. Ohne Geist ist dort nichts. Erst der Konflikt fordert deinen Geist oder du vergehst als krude Materie im Tode," warnte der Sith-Lord nüchtern und deutete dann zur Eingangstür. "Ich erwarte dich," drohte er.
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#23
„Das Gleichgewicht der Macht“, sprach Nashira leise und ihre Stimme klang dabei beinahe schon andächtig. Ihr Blick glitt zu einem unsichtbaren Punkt, verweilte dort einen kleinen Moment, ehe er wieder in das Jetzt zurückkehrte. „Ein Zustand, den so viele begehren und der doch so wenig erstrebenswert ist.“ Es war ein kleines Lächeln, welche ihre sonst so hart wirkenden Lippen umspielte und doch war nicht erkennbar ob es sich um ein Lächeln des Mitleids oder des der Erheiterung handelte. „Das Licht, die Zeiten des Friedens, führt zu kulturellem Wachstum und zu Vermehrung von Leben“, begann Nashia mit ruhiger Stimme zu sprechen. „Die Evolution beginnt zu stagnieren und die Stärke des Einzelnen ordnet sich der Schwäche des Kollektivs unter. Das Leben verliert seine Anpassungsfähigkeit und seine Individualität und doch bringt es Bewegung in die Galaxis. Aber es bringt auch Enge mit sich und die Bewegungen beginnen einander zu überlappen. Werden die Überlappungen zu groß, die Enge zu gewaltig, so läuten sie die Zeit der Dunkelheit ein. Die Bewegungen sind wie viele übereinandergelegte Farben, die irgendwann einmal Schwarz ergeben.“ Nashira mochte nie als großartige Denkerin in Erscheinung getreten sein, sondern hatte sich meist als eine junge realistische Frau offenbart, die sich mehr an harten Fakten orientierte und nicht besonders viel von philosophischen Theorien hielt. Aber auch sie hatte einmal ein Leben vor diesem Leben gehabt. Ein Leben in einer offenen und dem Leben gewidmeten Gemeinschaft.

„Die Dunkelheit, die Zeiten von Krieg, führt zu einer Verminderung von Leben“, führte sie ihre Erörterungen weiter fort. „Die Evolution beginnt wieder ihre Arbeit auf zu nehmen und dafür zu sorgen, dass die Stärke eines Einzelnen dem Kollektiv seine Schwäche aufzeigt. Diese Zeiten sorgen dafür, dass sich das Leben seiner Umgebung anpasst, es entwickelt sich weiter und wird zu einer verbesserten Version seines früheren Seins. Doch das Vergehen von Leben führt zu einer kulturellen Stagnation, zu Stille bis hin zu einer alles umfassenden Stasis. Die Bewegungen kommen zur Ruhe, die Überlappungen werden weniger und das Licht beginnt wieder zu erstrahlen.“ Nashira warf einen kurzen Blick auf den Mann vor sich. Es war schwer zu entscheiden, ob er derartige Worte aus ihrem Munde überhaupt hören wollte oder ob sie sich nicht in Gefahr gebracht hatte, ihre ganz persönliche Ansicht über die Wechselwirkungen der Macht vor ihm zu offenbaren. Doch sollte es ein Fehler gewesen sein, so war er jetzt nicht mehr rückgängig zu machen.

„Licht und Dunkelheit ist der uralte Kreislauf des Lebens. Ein Gleichgewicht würde nichts anderes bedeuten, als dass sich die Wirkungen beider Pole gegenseitig aufheben würden“, kam es weiterhin mit absolut ruhiger und gefasster Stimme von der jungen Frau. „Es wäre das Ende alles Lebens, so würde nur noch ein Nichts herrschen. Altes Leben könnte nicht vergehen und Neues nicht erschaffen werden. Die Macht weiß das, so zieht sie ihre Kraft aus beiden Polen. Aus dem Pol des Lichts, des Lebens und dem Pol der Dunkelheit, des Todes.“ Ihre Worte beinhalteten viel von dem, wie man in ihrem Volke auf das Wirken der Macht deutete. Alles Lebende besaß eine Form von Energie, oftmals auch als lebende Macht bezeichnet. Viele andere machtbegabte Völker zogen ihre Kräfte aus dieser lebenden Macht. Doch wenn ein Leben verging, so wurde seine Energie freigesetzt und fügte sich der kosmischen Macht hinzu, aus welcher wieder neues Leben geboren werden konnte. Alles was diesen Kreislauf in Gefahr brachte, versuchte ihn zum Stillstand zu bringen, würde eine Gefahr für alles Lebende in dieser Galaxis bedeuten und nicht alleine nur, wie von vielen gedacht, intelligentes Leben.

„Die Macht strebt kein Gleichgewicht an, so kennt sie seine Gefahren und aus diesem Grund verändert sie die Waagschalen mal auf die eine oder die andere Seite“, äußerte Nashira und ihr Blick glitt wieder für einen Moment zu einem unsichtbaren Punkt in längst vergessener Zeit. „Doch kann sie die Auswirkungen ihres Handelns nicht vorhersehen, nicht kontrollieren. Es ist wie ein Stein der in einen See geworfen wird. Um ihn herum bilden sich nur winzig kleine Wellen, doch sie ziehen weitere nach sich. Sie vereinen sich, werden größer und irgendwann kann keiner mehr vorhersagen was als nächstes passieren wird. Also ist sie immer wieder gefordert die Auswirkungen ihres Handelns zu berichtigen.“ Nashira lenkte ihren Blick auf den selbsternannten Imperator. Er mochte gewiss größeres Wissen über den dunklen Pol der Macht besitzen als sie jemals in der Lage sein würde, doch war es zugleich dieses Wissen was seinen Blick trübte. Er hatte seine Zeit, sein Selbst, alles was er war, den Studien dieses einzelnen Pols gewidmet, während sie ihren Geist und Verstand allen Aspekten der Macht offen gehalten hatte. Ihr Volk war ähnlich engstirnig gewesen und hatte immer nur eine Seite, ihre Seite, an etwas betrachtet und nie versucht etwas in seiner Gesamtheit zu verstehen. Sie hatte diese Denkweise noch nie besonders gemocht, doch als diese Denkweise ihr Leben zerstört hatte, war nur noch Abscheu dafür übrig geblieben. Abscheu, die Nashira sich selbst hatte schwören lassen, stets allem offen gegenüber zu sein was ihr im Leben begegnet, auch wenn es bedeutete bis zu ihrem letzten Atemzug Schüler von etwas zu sein.

„Eine Rettungsmission?“, fragte Nashira und ihre Augen veränderten sich kaum sichtbar. Rettungsmission waren nicht gerade das, was bisher in ihr Aufgabengebiet gefallen war, so war sie doch eher jemand, der ausgesandt wurde, wenn niemand mehr gerettet werden können sollte. Man mochte nun vermuten, dass sie über den Befehl Vesperums verwundert war, doch das war sie nicht. Es war nicht Verwunderung, es war Misstrauen. Dieses unterschwellige, nicht greifbare Gefühl, dass diese Aufgabe nicht ganz koscher war. „Wie eure Lordschaft wünscht“, sprach sie dann und neigte leicht ihren Kopf.
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#24
Vesperum wertschätzte Gedanken, Überlegungen und den Austausch von Wissen. Die dunkle Seite hatte ihn einsam gemacht, fast vollständig von regulären sozialen Sphären entfernt und alles, was ihm dennoch blieb, war jener Austausch über das Mysterium, welches inzwischen alles in seinem Leben kontrollierte;- vielleicht sogar alle Leben der Galaxis kontrollierte. Vesperum, nicht nur als Meister seines Ordens, sondern auch als Wanderer in der (Un)Zeit, hörte aufmerksam zu. "Konflikt," fasste er ihre Ausführungen in einem Wort zusammen, während er geduldig nickte. Der Totenschädel des Imperators wippte herab, sank fast vom Halse hinab, bevor ihn die Willenskraft des dunklen Lords wieder anhob. Nashira hatte verstanden. "Ich stelle dir eine Frage, Nashira. Eine einfache Frage," sprach der Meister aller neuen Sith. "Ist dir jemals in den Sinn gekommen, dass die Macht kein größeres Geheimnis und keine Offenbarung verbirgt?" Eine mutige Frage für eine Person, die alles der dunklen Seite geopfert hatte, um für einen Moment in der Ewigkeit größer zu sein als ein kurzes Aufflackern eines sterbendes Lichtes.

"Ich habe darüber nachgedacht. Ich habe oft darüber nachgedacht," untermauerte er seine gefährliche Frage, die alles was seinen Orden auszeichnete zerbersten konnte. Jene Frage, die seine Ideologie vernichten konnte, denn ohne Geheimnisse, Offenbarungen und den daraus resultierenden Versprechungen, wäre seine Ideologie nur ein leeres Dogma, welches von Narren und Gierigen geplärrt wurde. Vesperum wollte nicht leer entschwinden, ohne wenigstens einen Versuch unternommen zu haben, diesen ewigen Konflikt, geboren aus einem urzeitlichen Fehler, zu beenden. Der dunkle Lord hasste den Gedanken, dass er nicht für sich verantwortlich war. Er hasste den Gedanken, dass nichts von Bedeutung war und alles vergebens. All die Geschichte, die ihm ins Gesicht schrie, wäre bedeutungslos, wenn sich in der Macht nichts verbarg. Es musste dort mehr sein, denn ohne diesen geheimen Schatz, diesen einen Schlüssel, wäre alles, was er war nun war, ein Abgesang einer aneinergereihten Verfehlung und einer falschen Absicht vieler vor ihm. Doch auch er, durch seine Studien und Erfahrungen, konnte nicht verneinen, dass es mitunter unmöglich war, diesen Schatz aus den Untiefen der Macht zu heben. Mit jeder Handlung, mit jeder magischen Handlung, verrückte er die Grenzen nur weiter und selbst Sidious konnte nur Grenzen finden. Eine Leere folgte jedem neuen Schritt. Mit jedem Schritt wurde die Grenze neu definiert und die Macht entzog sich erneut dem gierigen Griff eines Suchenden. Das Urteil war schnell gesprochen, bevor das neue Verbrechen geschaffen war. Es endete niemals. Niemals fand sich ein Ende und ein klares Ziel, alles lag stets im Dunkeln. Es blieb nur Dunkelheit. Doch Vesperum war überzeugt, dass die Jahrtausende ihn in diese Position gebracht haben, eine einmalige Entscheidung für alle Wesen der Galaxis zu treffen. Sorzus Syn hatte das Wissen, Vesperum den Willen und die Sith ihren Hass, der notwendig war, um die endlosen Wege zusammen zu führen. In Vesperums Augen lag die Zukunft in dieser einen einmaligen Entscheidung, die noch kommen sollte. In seiner Arroganz vergaß er, dass vielleicht nicht er diese Entscheidung treffen sollte. Doch Nashira hatte diese Narbe gefunden, die ihn schmerzte. Der mächtige Imperator fürchtete sich davor, dass alles, was er tat, vergebens war. All das Leid, die Pein und der Horror am Ende bedeutungslos waren, wie die ständigen Konflikte des Lebens und die Kriege der Galaxis. Darth Vesperum wollte über das Universum richten und sein Urteil wäre sicherlich vernichtend.

"Es endet stets in Dunkelheit, Nashira. Die Frage ist, wie wir als Sith der Dunkelheit begegnen," entgegnete der Sith. "Es ist nichts bedeutungslos, solange wir streben und mit Leidenschaft gegen das Unbekannte antreten. Auch wenn die Macht ein stetiger Konflikt ist, flüchten wir davor nicht, sondern gehen in ihm auf. Schwäche liegt in der Apathie und der Flucht. Wir - im Gegensatz zu den Jedi - fühlen den Konflikt. Wir heißen jeden Schritt willkommen, der uns ins Unbekannte führt. Die dunkle Seite ist ein Weg, nicht das Ziel. Und das Ziel wird für einen wahren Sith stets sichtbar mit dem Beginn der Reise in die dunkle Seite," erklärte der Meister und lächelte bitter. "Ich habe die Zukunft gesehen und ich weiß, was wir als Sith tun müssen," gab er scheinheilig eine merkwürdige Botschaft von sich, die kryptisch das verschloss, was er wahrlich beabsichtigte. In der Tat hatte er gewisses Wissen aquiriert.

"Doch wir weichen ab," verneinte der Imperator eine weitere Ausführung. "Ja, eine Rettungsmission. Diese Person ist mir sehr wichtig und auch überaus relevant für die weiteren Pläne. Du wirst sie sicherlich kennen oder besser erkennen, sobald du sie findest, Nashira," erläuterte der Sith-Lord kaum weiteres und bestätigte nur seinen eigenen Auftrag an Nashira.
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#25
Nashira sah den Mann vor sich mit wachsamen Blick an. Gewiss nicht alleine nur wegen dem, was er sprach, sondern wegen dem, was er tat. Über all die Jahre hinweg war es ihr einfach zur Gewohnheit geworden ihren Gegenüber aufmerksam zu beobachten, beinahe schon seine nächsten Bewegungen und Handlungen zu kennen, noch ehe die Person selbst den Gedanken dazu gefasst hatte. Man überlebte in dieser Welt nicht wenn man wenn man nicht wachsam oder gar schlimmer, nicht aufmerksam war. Jede noch so kleine Bewegung, jeder noch so kurze Änderung der Blickrichtung, jede noch so winzige Regung der Mimik konnte den entscheidenden Hinweis geben. „Ich glaube nicht, dass die Macht ein größeres Geheimnis oder eine Offenbarung verbirgt“, antwortete Nashira mit ruhiger Stimme. „Sie ist keine Frucht, in deren Mitte ein einzelner Kern ruht, zu dem man gelangt, wenn man die äußere Hülle abgetragen hat. Viel mehr gleicht sie einem ungeschliffenen Juwel, welcher beginnt mehr und mehr Facetten zu zeigen, je länger man sich mit ihm beschäftigt. Selbst wenn man glaubt eine Facette zu kennen, so braucht man nur seine Betrachtungsweise ändern um etwas Neues zu entdecken. Etwas, das man vorher noch nicht gesehen hat und sich dessen auch gar nicht bewusst gewesen ist.“ Nashira wusste, dass sie sich mit ihrer Antwort auf dünnem Eis bewegte, so waren doch viele Anhänger der Dunklen Seite fest davon überzeugt, dass es nur eine einzige wahre Sichtweise auf die Macht gab – Die Ihrige. Doch sie selbst hatte in ihrem früheren Leben eine vollkommen andere Sichtweise von ihrem Volk vermittelt bekommen. Eine Sichtweise, die nicht gegensätzlicher der hätte sein können, mit welchem die Anhänger der Dunklen Seite die Macht betrachtete. Sie war zu viel in der Welt herum gekommen, hatte zu vieles gesehen und zu vieles gelesen, als dass sie noch in der Lage gewesen wäre, sich einzig und alleine auf eine Sichtweise zu beschränken. Ihre Aufgabe erforderte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit und keine starren Verhaltensweisen. Da ließ es sich nicht vermeiden, dass hier und da etwas im Gedächtnis hängen blieb und sich einnistete.

„Durch die vielen unterschiedlichen Facetten, die stets Veränderung unterliegen und dem immer wieder auftauchenden Neuen, ist die Macht selbst Geheimnis und Offenbarung zugleich“, sprach Nashira weiter. „Sie verbirgt nichts, sie hält nichts vor uns geheim. Es ist unser eigener Geist, der uns in unserem Verständnis beschränkt und verhindert, dass wir sie in ihrer Gänze verstehen.“ Tief in ihrem Inneren wusste Nashira, dass ihre Antwort wohl nicht die Art von Antwort gewesen war, die sich der Imperator aus ihrem Mund gewünscht hatte. Aber er hatte ihr einen eigenen Willen gelassen, einen eigenen Geist und einen freien Verstand und den nutzte sie in ihrem Leben. Es gab genug unter den Dunklen Jedi, die alles aufgegeben hatten und dem Imperator speichelleckerisch nach dem Mund sprachen. Die ihn vergötterten und seine Worte aufsogen, als wären sie die Macht selbst. Ignoranz und Arroganz hatte schon vielen Völkern in das Verderben gerissen und das war ein Weg, dem sie nicht vorhatte zu folgen.

„Ich werde mich umgehend auf den Weg nach Onderon machen“, kam es mit einem kaum wirklich sichtbaren Senken des Kopfes von Nashira. Sie würde auf dem Weg genug Zeit haben, etwas über ihre Zielperson heraus zu finden, so wie sie es immer tat. Nur jemand, dem nicht mehr viel am eigenen Leben lag, ging unvorbereitet auf eine derartige Mission.
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#26
Vesperum respektierte eigene Meinungen von Personen, die ihren Wert bewiesen hatten. Dennoch negierte er diese Meinungen im nächstem Atemzug. Denn dieser Sith glaubte, das Schicksal verstanden zu haben. Nashira erntete nicht den Zorn des Imperators, sondern einen merkwürdigen Blick. Der mächtige Herrscher dachte nach. Ihre Worte hatten etwas bewegt, was den Geist des Lords unruhig werden ließ. Es war diese eine Befürchtung, die Vesperum stets antrieb. Es war niemals genug. Niemals würde etwas genug sein, um dem Universum schließlich die letzte Antwort zu entreißen. Trotz seinem profunden Wissen in der dunklen Seite, war dort stets der Antrieb, dass das Schicksal noch nicht gebrochen war. Weise war Vesperum noch lange nicht, auch wenn er sich selbst diesen Anschein gab. "Kämpfen wir nicht alle gegen Illusionen, die durch uns selbst geschaffen werden?" Eine Frage, die der Lord ohne Umschweife stellte. Eine Frage, die aus der Furcht geboren war, dass sein Weg tatsächlich nur eine Illusion war. "Ohnehin glaube ich, dass zu gewissen Teilen das Universum einem holographischen Prinzip folgt, Nashira."

Der Imperator trat auf Nashira zu, verschränkte die Hände vor sich und wirkte in seiner Bewegung andächtig, fast einem Mönch gleich. "Alles, was wir sehen, was wir wahrnehmen, wird durch unseren Willen erfasst. Alles, was du bist, was ich bin, wird definiert durch unseren Willen. Auch unsere Realität wird geboren aus dem Wunsch und Verwirklichung unseres Willens. Wir Sith wissen, dass alles, was jemals war, unser Wille ist," dozierte der Meister mit angenehmer Stimme, die dennoch nicht ihre dunkle Farbe verlor. "Wille formt Realität," sprach der Imperator eine feste Dogmatik aus, die er seinem Orden vermittelte. "Es sollte so sein, Nashira. Die mächtigen Seelen können selbst das Schicksal beeinflussen und die Wirklichkeit verändern, ohne von den Konsequenzen der Veränderung niedergeworfen zu werden. Wenn dein Geist stark genug in der dunklen Seite ist, wirst du begreifen, dass Realität durchaus veränderbar ist." Der Imperator verweilte einen Moment unmittelbar vor Nashira. Seine kalte Aura kroch über den Boden, wie ein diesiger Nebel. Der Sith-Lord wollte seiner dunklen Jedi etwas vermitteln, was sie begreifen sollte. Etwas, woran sie sich festhalten konnte, wenn sie dem wahren Horror gegenüberstand. Die dunkle Seite in Nashira musste noch reifen, damit sie wahrhaftig an Größe gewinnen konnte. Auch wenn Vesperum gelegentlich Zweifel an ihr hegte, da er um ihre Vergangenheit wusste und ihre einstigen Aufgaben. Sie war eine Attentäterin und somit gleichsam eine geborene Verräterin, da Attentäter heimtückisch und in den Schatten agierten. Verrat war eine valide Auswahl für sie und noch nutzte Vesperum diese Heimtücke anderen gegenüber. Dennoch war Vesperum nicht naiv und wusste, dass sich diese Verhaltensweisen auch bei Zeiten gegen ihn richten konnten. Ihm war klar, dass er Nashira kontrollieren musste. Und Ideologie war eine der vielen Ketten, die er ihr anlegen wollte, ohne ihre verräterischen Fähigkeiten zu beeinträchtigen. Auch sah Vesperum Nashira nicht als unmittelbare Bedrohung an, denn noch erfüllte sie ihren Zweck. Die Mächte, die er beschworen hatte, ließen ihn tatsächlich glauben, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering war, durch eine bekannte Attentäterin getötet zu werden.

"Es ist nicht von Bedeutung, ob es Geheimnisse gibt oder Offenbarungen, sondern es ist allein von Bedeutung, dass wir nach ihnen greifen. Denn wenn unser Wille nach ihnen greift, dieser genährt und stark genug ist, werden sich diese Geheimnisse und Offenbarungen dort befinden." Der Meister nahm das Senkens des Kopfes wahr, reagierte mit einem fürsorglichen Nicken darauf. Danach begab sich der dunkle Lord zum Ausgang. Er ging an Nashira vorbei, wandte sich aber im großen Portal noch einmal zu ihr um. "Natürlich wirst du dich umgehend nach Onderon begeben. Vergiss aber niemals, dass Realität den Sith untertan ist," erklärte Vesperum warnend und verschwand dann mit leisen Schritten, geleitet von seinen Wachen im Scharlachrot. Nashira verweilte nun allein.
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#27
Nashira hatte den Palast auf dem selben Wege wieder verlassen, wie sie ihn auch betreten hatte und auch dieses Mal ignorierte sie die Blicke die man ihr zuwarf. Die Blicke waren ihr so gleichgültig, wie ihr auch diese Personen hier waren. Der Großteil von ihnen waren einfach nur Speichellecker, die auf die wenigen Brotkrummen hofften, welche vom Tisch des Imperators fallen könnten. Sie waren demütige Diener, doch Loyalität besaßen sie keine. Jedenfalls würden sie sich nicht in die Schlacht werfen, sollte ihrem Herrscher eine Gefahr drohen. Nun gut, sie würde es vermutlich auch nicht tun, aber sie hatte auch nie jemanden absolute Treue und Loyalität geheuchelt.

Mit einem leisen Zischen schloss sich die Rampe zu ihrem Schiff, welches man ihr schon vor einer ganzen Weile zu ihrer persönlichen Verfügung bereit gestellt hatte. Man konnte es beinahe schon als luxuriös bezeichnen und es war gewiss nichts, was man als unauffällig bezeichnen würde, aber aus genau diesem Grund war es für sie das perfekte Schiff. Weder an der Hülle, noch im Inneren des Schiffes deutete irgendetwas auf eine imperiale Herkunft hin und selbst die Kennung des Schiffs änderte sich in regelmäßigen Abständen. Es war ein Schiff, welches man eher im Besitz eines imperialen Agenten erwarten würde und doch war sie keiner. Nun, man konnte ihre Arbeit durchaus mit der eines imperialen Agenten vergleichen, nur mit dem Unterschied, dass sie lediglich für einen Mann arbeite und nicht für eine Behörde. Entspannten Schrittes ging sie durch das Schiff in Richtung Cockpit. Sie hatte gerade auf dem Pilotensitz Platz genommen und wollte die Koordinaten von Onderon in den Computer eingeben, damit dieser die schnellste Route berechnen konnte, als ein Blinken sie darauf aufmerksam machte, dass eine Nachricht auf sie wartete. Nashira erhob sich wieder aus dem Pilotensitz und begab sich in die Schiffsmesse, in deren Mitte auf einem Tisch ein Holocomprojektor eingebaut war. Sie ließ sich auf einen der Sessel sinken und öffnete den Kanal.
„Kylaria“, begrüßte Nashira die Frau, deren Gestalt nun in bläulichem Licht über dem Tisch schimmerte. „Hast du etwa etwas interessantes für mich?“
„Sonst würde ich mir wohl kaum die Mühe machen“, antwortete die junge Frau und blickte sich aufmerksam um. „Ich habe da eine Nachricht abgefangen, die dich sicherlich interessieren wird.“
„Rede und ich entscheide, ob es interessant für mich ist“, meinte Nashira mit einem Lächeln und lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Sie war Kylaria vor ein paar Jahren begegnet, als diese versucht hat sich unerlaubter Weise Zugang zu einer imperialen Grabungsstätte zu verschaffen. Eine Jägerin von Artefakten und immer auf der Suche nach einem Käufer der gestohlenen Güter. Nashira hatte ihr einen Handel vorgeschlagen. Entweder Kylaria landete in einem imperialen Gefängnis oder aber aber sie würde sie in Zukunft mit Informationen über bisher unerforschte Gräber und Tempel versorgen. Selbstverständlich nicht auf dauerhafter kostenloser Basis. Kylaria hatte sich richtig entschieden.
„Ich konnte eine Übertragung an die Republik abfangen“, begann Kylaria zu berichten. „Ein Mann, sein Name ist übrigens Auron, behauptete auf einem Planeten namens Irkalla auf einen alten Jeditempel oder so etwas in der Art gestoßen zu sein und forderte fachmännische Unterstützung an. Er war sogar so freundlich und schickte ihnen später nicht nur die exakten Koordinaten, sondern auch eine sichere Route nach Irkalla.“
Nashiras Blick richtete sich auf einen Punkt hinter der Holoübertragung. Es konnten viele Leute behaupten auf irgendwelche Hinterlassenschaften der Jedi gestoßen zu sein, denn für die meisten Personen hatte alles was alt war irgendwie mit den Jedi zu tun. Aber die Wahrheit war, die wenigsten Personen waren überhaupt in der Lage zu beurteilen, was Jedi überhaupt waren. Für die Meisten war es ein Mythos, eine Legende und daran hatte auch das Wirken eines jungen Mannes namens Luke Skywalker nichts geändert. Sie war schon dabei diese Information als irrelevant zu deklarieren, als weit hinten in ihren Erinnerungen etwas anfing zu schwingen. Sie wusste nicht was genau es war, aber ihr Gefühl sagte ihr plötzlich, dass sie diese Information nicht ungenutzt lassen sollte.
„Schicke mir alles was du hast“, sprach Nashira und erhob sich aus ihrem Sessel. „Um den Rest kümmere ich mich.“
„Ich wusste doch, dass es dein Interesse erregen wird“, entgegnete Kylaria mit einem leichten Kopfnicken und beendete die Übertragung.

Für einen kurzen Moment blieb Nashira an dem Tisch stehen und sah einfach nur stur auf die glatt polierte Fläche des Tisches. Sie hatte einen klaren Auftrag direkt von Vesperum bekommen und so wie er ihr diesen vermittelt hatte schien er von Bedeutung zu sein. Doch das was sich in ihrer Erinnerung gemeldet hatte, auch wenn sie noch immer nicht genau wusste was es war, schien nicht minder von Bedeutung zu sein. Es war wichtig, das spürte sie einfach. Ihr war klar, dass sie ein großes Risiko einging, wenn sie sich nun auf den Weg nach Irkalla machte, aber es war ein langer Weg bis dahin und auf diesem Weg würde sie genug Zeit haben sich eine anständige Erklärung zurecht zu legen, sollte sie wider erwarten mit leeren Händen zurückkehren.
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#28
Einsam verkroch sich der mächtige Imperator auf seinem Thron, im Versuch jene Schatten seiner Schuld zu vertreiben. Wie ein endloser Albtraum erschien ihm die Abfolge der Ereignisse. Nicht einmal der fromme Wunsch der Reue, welcher wahrlich Selbsthass geworden war, konnte Erlösung versprechen. Vesperum blieb allein zurück, konnte nicht einmal mehr flüchten, denn alles was er noch hatte, war jene Absicht, nicht wortlos zu weichen. Und doch sprach er kein Wort, schwieg still, auch im Angesicht des bösen Geistes, welcher in seiner Nähe hauste. Sorzus Syn schob sich aus den finsteren Schatten hervor, richtete ihre toten Augen auf ihn und forderte mit ihrer Präsenz die Unendlichkeit heraus. Der Geist näherte sich, schlich durch den Moment, wie ein Raubtier, auf der Suche nach einer Beute. Vesperum konnte nicht kämpfen, nicht standhaft sein, denn alles, was er geopfert hatte, galt dem Ritual, welches dieser Geist geschaffen hatte. In seinen Augen spiegelte sich die Erscheinung des bösen Vergangenen. Es bedurfte keiner Sätze, keiner Erklärung und auch keiner Wahl mehr. Alles, was getan war, hatte bereits eine Kette von Ereignissen in Bewegung gesetzt, die Vesperum erbeten hatte und doch war dort dieses Gefühl. Dieses hämmernde Gefühl, welches an den Resten seiner verkümmerten Seele zog. Immer noch fehlte etwas. Niemals konnte er das Bild vollständig sehen und doch jedes Teil füllte ihn mit fester Absicht. Sorzus Syn war hier, nicht um ihn zu trösten, sondern um Vesperum daran zu erinnern, dass es für einen wahren Sith nur einen Weg voran gab. Niemals zurück. Und doch lag Vesperums Herz seit dem schickshaften Tag in weiter Ferne zurück, dort wo auch Aidan, sein altes Selbst, begraben lag. Sorzus Syns Schemen verschmolzen mit dem schwarzen Schatten hinter dem Thron des Imperators, unweit seines übergroßen Tisches. Vesperum spürte eine Schwere auf seiner Brust, die seine Atmung erschwerte. Seine Aufmerksamkeit erodierte, gab sich dem dunklen Fluss hin, der alle Dinge an diesem Ort verband und gleich auseinander riss. Leben hatte an diesem Ort tatsächlich keine Bedeutung, denn alles richtete sich auf ein ewiges Ende aus.

Vielleicht hoffte Vesperum sogar darauf, dass es enden würde. Der Fluch, den er sich selbst angetan hatte, schmerzte. Nicht nur die Reste seines Herzens zerbrachen Stück für Stück, sondern auch sein Sinn für diese Realität. Der Thron war eine Stütze, ein politischer Stock, der ihn in ein Amt kleidete, welches seine Absicht begrenzte aber ihn auch gleichsam hier an dieser Realität hielt. Die weltliche Absicht hielt die Transzendenz zurück, die in jeder Handlung lag, die er begang. Nichts war hier beständig, so wie die böse Absicht, alles nieder zu werfen, um aus den Trümmern etwas Besseres zu erschaffen. Sorzus Syn legte ihre unsichtbare, unfühlbare und doch greifbare Hand auf die Schulter ihres Schützlinges. "Du bist nicht mehr allein," log sie nicht einmal. Sorzus Syn wollte ihre eigene Absicht nicht aufgeben. Ihre Pläne nicht verwerfen und gleichsam ihren Schüler nicht verlieren. Es war auch merkwürdig für sie, denn in Vesperum hatte sie seit Jahrtausenden einen Gleichgesinnten gefunden, der er ihr wirklich mit Verständnis lauschte; nicht nur aus Machtinteresse, sondern aus wahrer Absicht, dieses Wissen auch zu verwenden, um die Galaxis endgültig und fortdauernd zu verändern. Sorzus Syn wollte Veränderung und so auch Vesperum. Einst hatte sie mit den ersten Gefallenen flüchten müssen, verbannt von den Jedi und der Republik. Sie war tief gestürzt und hatte im Dunkeln Wissen und Macht gefunden aber keine Familie. Syn konnte Vesperums Gedanken lesen und verstehen. Jeder Gedanke war für sie offen, wie ein Buch. - Und doch verschloss Vesperum etwas vor ihr, was nur ein Gefühl war. Ein Gefühl versteckte er vor ihr. Etwas, was niemand ihm entreißen dürfte. Diesen einen Schmerz, der ganz ihm gehörte. Sorzus Syn, der böse Geist aus der Vergangenheit, eine Heimsuchung, war hier Gesellschaft und Linderung. Vesperum blickte zur Seite, zu dem Geschöpf, welches die Jedi einst zu verbannen versuchten. Müde schloss er seine Augen, denn die Kräfte, die er beschworen hatte, wogen schwer. Stille, während Syn ihm Beistand war, mit ihrer wohligen Kälte, die seine Gedanken lähmte. Syn war eifersüchtig auf Amaranthine und Saanza, auf alle, die ihn mehr beeinflussen konnten, als sie es konnte. Doch in diesem Moment wurde auch die Eifersucht des Dämons gelindert, denn Vesperum war ihr ausgeliefert. Dies war ihr gemeinsamer Moment. Und für sie ein Moment der Kontrolle. Die Galaxis musste sich verändern, damit die Jedi nie mehr sein konnten. Damit nichts außerhalb der Sith existieren konnte. Vesperum war nicht mehr nur Werkzeug, sondern Obsession für den Geist. Sie erschuf ihn durch sich selbst neu, benutzte ihn, um ihn besser zu machen. Bald würde es soweit sein. Ihre Rache würde auch seine Rache sein.

Syn und Vesperum waren verbunden und linderten sich gegenseitig ihre Pein, die sie sich selbst mit ihren Sünden aufgeladen hatten. Der Imperator versank in Gedanken, ließ sich treiben und erlaubte der dunklen Seite ganz zu leben. Überall kroch sie umher, wogte und verdrängte jedes Licht. Die Deckenbeleuchtung und auch alle sonstigen Lichter im Raum fielen aus. Finsternis. Schlichte Dunkelheit legte sich über den Ort, wie sie Vesperum verdient hatte. Ganz im Dunkeln, mit Syn im Rücken, verweilte der Herrscher. Doch plötzlich durchfuhr ihn ein äußerer Gedanke. Ein Splitter schlug sich in seine Machtwahrnehmung. Eine Vision von einem Ort, den er nicht beschreiben konnte. Etwas geschah. Die Macht veränderte sich, etwas bewegte sich im endlosen Meer und ließ eine Welle wogen. Mit einer Handbewegung aktivierte er sämtliche Lichter im Raum, holte das künstliche Licht zurück und blickte ernst zu Syn, die ähnliches gespürt hatte. "Etwas ist geschehen," sagte der dunkle Lord, um sich direkt im Anschluss vom Thron zu erheben. Syns Hand fiel ins Nichts. "Die Macht verändert sich, passt sich an und versucht sich meinem Zugriff zu entziehen," erklärte der Imperator mit leiser aber zorniger Stimme.

"Es gab eine erhebliche Bewegung im Fluss der Macht." Vesperum stampfte zum Holoterminal am Ende des Raumes. Mit seinem krallenhaften Finger aktivierte der Imperator das Terminal und wählte die verschlüsselte Leitung zum Ubiqtoriat, personifiziert durch Ysanne Isard, aus. "Direktorin," sagte er. "Wir müssen etwas besprechen..." Er blickte ernstlich und besorgt in den Holoscanner. Die Sorge über diesen Vorgang ließ ihn handeln, denn die Macht dürfte sich ihm nicht entziehen. Nicht so kurz vor dem Ende.
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#29
Vesperum fühlte es. Dieses Gefühl war dort. Eine Gewissheit, dass seine Zeit ablief. Unweigerlich, gnadenlos und unaufhörlich, schien ihm das Schicksal zu entgleiten. Irrsinnig klammerte er sich an seine Idee, an seine Überzeugung, die ihm ebenso leer erscheinen musste, wie sein Thron. Alles, was er immer wollte, war zum Greifen nah und doch so fern. Die wohlige Kälte fühlte sich seit langem wieder frostig an. Mit zitternden Händen hielt er sich gebrochen am Terminal fest. Der mächtige Vesperum war gefangen. Vesperum war Gefangener seiner eigenen Absicht und die Verdammnis lag längst in der dunklen Seite. Das Gesicht der Direktorin zeigte sich. Eine Vertrauensperson des Imperators, die gleichsam gefährlich war. Vesperum brauchte einen Moment, um die Worte zu finden. Einen winzigen Moment, um seine Gedanken zu sortieren, die längst in einer anderen Welt lagen. Schmerzhaft presste sich Blut durch seine Adern, drückte gegen das verottende Gewebe seiner aschweißen Haut an und ließ ein Pulsieren zurück. Sein Körper wollte diesem Leben entfliehen, frei sein von der Qual, die sein verbohrter Wille anrichtete.

Die dunkle Seite war in seiner Erscheinung manifestiert. Eine Ewigkeit bedeutete für Vesperum stets Wiederholung. Immer und immer wieder das Gleiche tun zu müssen. Der Sith fürchtete sich davor. Die Geheimdienstchefin blickte wartend mit verschränkten Armen zu Vesperum auf. "Direktorin," grüßte er erneut. "Ich brauche eure Hilfe." Ein Eingeständnis. Darth Vesperum, trotz seiner Rituale, seines Ordens und der Sith, war nur ein Relikt eines Herrschers, der tot war. Seine Macht war geliehen, geborgt von anderen, die ihm dienten. Vesperum war längst klar, dass er nicht mehr lange herrschen konnte. Vielleicht noch Monate, vielleicht noch Jahre aber das Ende lag vor ihm. Egal, wie er sich anstrengte, die Macht arbeitete gegen ihn. Er hasste diese Galaxis. Einen jeden, der sich an seinem Schicksal erfreute. "Die Jedi müssen aufgehalten werden. Etwas geschieht. Etwas...," versuchte er seine Bilder, die er sah, in Worte zu fassen. Worte zu finden, für etwas, was nicht geschehen war. Nicht geschehen dürfte aber geschehen könnte. "... von Bedeutung für uns alle," erklärte der dunkle Herrscher. "Ich möchte, dass ihr einen jeden Jedi ausfindig macht. Ich möchte, dass ihr einen jeden überzeugten Jedi töten lasst. Insbesondere Luke Skywalker. Er muss sterben! Die gebrochenen und abgefallenen Jedi bringt zu mir," forderte der böse Untote mit aufgerissenen Augen, in denen neben Horror auch Angst stand. Die Zeit lief ab. "Weiterhin bringt Machtsensitive, welche nicht Jedi sind, nach Byss," sagte der Sith-Lord gleichsam fordernd. Er musste seine Reihen auffüllen, seinen Orden vergrößern, damit das Licht nicht seine Nacht vertreiben konnte. Die ewige Nacht würde kommen und er würde endlich das Schicksal neuschreiben, dem er so herzzerreißend entkommen wollte. - Und doch konnte er es nicht. Wieder war dort dieser Gedanke, dass auch sein Schicksal, des finsteren Sith-Lords, bereits vorher bestimmt war. Dieser Gedanke schmerzte, da es ihm jedwede Mitwirkung entzog. Egal, was er tat, es war bereits durch die Macht bestimmt. Hass brodelte in ihm und der Zorn ließ seine Krallen ins blanke Metall der Konsole kratzen. Metall verborg sich leicht und das Holobild flackerte. Hilflos trat Vesperum von dem Terminal zurück.

"Direktorin tut es. Die Jedi dürfen uns nicht aufhalten. Wir können das Imperium retten." Wahrscheinlich wollte Vesperum nur sich selbst und sein Ritual retten. Doch der Imperator log inzwischen ohne Willen oder Absicht. Er log immer, selbst wenn er glaubte, die Wahrheit zu sprechen. Die dunkle Seite, in ihm verwirklicht, verhinderte jedwede wahre Absicht und jede echte Hoffnung. Der Zorn und Hass endeteten in diesem bösen Eifer, welcher in tiefer Angst seinem Schicksal entkommen wollte. Vesperum war verloren, wie sein Herz. Einsam sanken seine Augen in ihre Höhlen zurück. Der mächtige Meister war allein und selbst der gierige Geist von Syn wollte nicht mehr Gegenwart schenken. Es wurde kalt um seine Seele, die Reste, die davon übrig waren. "Erstattet mir Meldung," sagte er mit leiserer Stimme, bevor er den Kanal schloss. Der Projektor stellte sein Brummen und Rauschen ein.

Das Bild verschwand und der Imperator fuhr sich über sein Gesicht, fast so, als ob er seine Gedanken wegwaschen wollte. Nichts geschah. Alles verblieb. Syns unholder Geist huschte vorbei, kreiste um ihren Schützling, der auch mit ihr einsam war. Das Monster, welches sie geschaffen hatte, erkannte seine Ketten und war unfähig sie zu sprengen. Denn diese Verdammnis, jener Abyss, war alles, was er noch hatte. Das ständige Streben nach mehr, nach mehr Erlösung und mehr Macht. Es gab kein Entkommen und Vesperum in seinem Schmerz spürte die dunkle Seite, welche durch seine Adern pulsierte. Ein Wunsch von ihm, konnte Personen töten. Eine Erinnerung unendliche Qualen beschwören. Und doch war er nichts als ein Schatten einer vergangenen Zeit, die sich weigerte, endlich zu enden. Die Sith mussten enden und doch taten sie es nicht. Vesperum wollte ihr Erbe und nachdem er es endlich hatte, zerbrach er daran; wie all jene, die sich Sith nannten. Denn das Erbe der Sith war ein Fluch der Macht. "Erlösung," jappste der Imperator sehr leise aber flehend, während er auf seinen Thron kroch, um in die Ferne seiner Halle zu blicken. Vor ihm schloss sich das Portal und ließ ihn mit seinem Albtraum zurück.
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#30
Das Blut eiterte umsichtig in seinen Adern. Ein kalter Schrei stand in seinem toten Gesicht, als die Dunkelheit seine Nähe suchte. Jede Schuld der Galaxis lag auf seinen Schultern, als er in eifrigem Hass, die dunkle Seite wahrnahm. Hass brodelte, wankte und wogte in ihm und in jeder Verbindung zur Macht lag dieser heimsuchende Zorn. Der Thron war sein Gefängnis. Alles verlor in seinem Angesicht an Farbe und wurde grau, wie die Asche, die er zurücklassen wollte. Nichts war hier von Bedeutung, nichts gab ihm einen Sinn, außer dieser beißende Wunsch nach Rache. Diese Galaxis sollte für seine Fehler büßen. Ein jeder sollte bezahlen, damit er den Preis für seine Allmacht entrichten konnte. Sein ganzes Leben wandelte sich in einen falschen Zustand. Die todbringenden Augen traten leicht aus den Augenhöhlen hervor, während seine Atmung schwergängig war. Sein Körper schien den beschworenen Kräften nachzugeben und nur durch seinen verbohrten Willen in dieser Galaxis gehalten zu werden. Seine Knochen traten inzwischen durch die aschweiße pergamentartige Haut hervor, drückten diese sanft hinauf aber durchbrachen die Linie nicht. Schwarze Adern bebten in der Haut und zeichneten kalte Muster. Nur das sanfte Keuchen versicherte die Lebendigkeit, denn ansonsten würde ein jeder annehmen, das diese Person längst tot war. Eine Leiche atmete nicht. Doch auch diese Atmung war okkult, verzerrt und schwer, so als ob sie alle Gefüge zerbersten wollte. Die Augen nahmen eine wechselnde Farbe zwischen einem dämonisch Gelbton, einem tiefen Schwarz und einer blutigen roten Farbe an. Seine Augen waren widernatürlich und pulsierten in der dunklen Macht, die er durch Rituale an sich gebunden hatte. Er war besessen von dieser Grausamkeit, die auch sein eigenes Leben in jene Ungestalt wandelte. Unter seinen Lidern lagen tiefe Gräben aus einem schwarzen Schatten, welche bis zu den Mundwinkeln zu reichen schienen. Der Mund war rissig, verfärbte sich umso mehr in einen schwarzen Ton und sein Speichel dahinter wirkte eitrig. Selbst seine Eckzähne traten inzwischen leicht hervor und gaben seiner Erscheinung eines bestienhaften Charakter, die einer der vielen Höllen entkommen war. Die Hände waren knöchernd und die Finger lang, um schließlich in Nägeln, wie Krallen abzuschließen, obwohl sie gepflegt waren. Diese Krallen waren brüchig und gruben sich tief in das eigene Fleisch der Finger. Vesperum war kein Mensch mehr und in jedem Anblick, ein Teufel, geschaffen aus der Manifestation der dunklen Seite. Nichts verbarg die Hinwendung zur bösen Macht der Finsternis, welche Vesperum vor langer Zeit vollzogen hatte. Jeder Schritt wandelte ihn mehr in ein untotes Etwas, welches sich dem Tod verweigerte.

Nicht nur dem Tod, sondern auch dem Schicksal. Darth Vesperum spürte diese Macht, sie berauschte ihn, und doch war es niemals genug. Seine Zeit reichte niemals aus, um den großen Plan zu vollenden. Er glaubte daran, das all sein eigenes vergebens wäre, wenn er nicht erfolgreich wäre. Alles, wirklich alles, was er tat, diente der dunklen Seite, um schlussendlich die uralte Idee der ersten Sith zu verwirklichen. Diese Galaxis würde endlich von ihren Fehlern bereinigt werden. Endlich würde alles korrigiert werden, was zu Leid führte. Auch seinem eigenem. Vesperum akzeptierte die Konsequenzen seines Aufstiegs. Auch die Zerstörung seiner Menschlichkeit. - Und doch war dort noch etwas, was er nicht aufgab. Etwas, was verschlossen in seinem Restherzen lag. Etwas, was nicht einmal Sorzus Syn fand oder verstand. Der Thron war nur Symbol, sein Körper nur Werkzeug, aber sein Herz war sein letzter Schatz. Niemand rettete ihn. Niemand konnte den Hass aus ihm herausschneiden, der alles bestimmte, was ihn ausmachte. Doch beschützte etwas in ihm, jenen Schatz vor dem gierigen Hass und Zorn, die jede Verbindung seiner Macht auszeichnete. Dieser wertvolle Rest seiner Geschichte war nicht verloren und vielleicht sogar die mächstige Waffe, die er besaß. Seine Vergangenheit, die er nicht loslassen konnte, gebot diesem Schutz eine Verpflichtung. Vesperum blickte durch den fast leeren Raum, spürte die dunkle Seite, so real, wie andere einen Wind spürten, und auch das finstere Rauschen, welches in seinen Ohren ein Dröhnen war, war hier ganz real für den Imperator.

Der kalte Frost war sein ewiger Winter, welcher jede Wärme unspürbar machte. Der Fluch zeigte sich nicht in fremden Gesichtern, sondern ausschließlich in seinem eigenen Gesicht. Enttäuscht, dass diese Allmachtsfantasie keine sofortige Erlösung anbot, blickte der mächtige Herrscher auf seine toten Hände, die Leben ausgelöscht hatten, zu hunderten. Und doch war er nicht besser, nicht größer, nicht am Ziel. Der Blick verweilte auf seinen Händen, als Vesperum klar wurde, dass er sich selbst ausgeliefert hatte. All seine Entscheidungen, dieser verfluchte Thron, und auch seinen Rituale waren niemals genug. Vesperum spürte eine seltene Emotion. Er schämte sich. Nicht, weil er ein Sith war, sondern weil das Sith-Sein immer noch nicht genug war, um Amaranthine zurück zu bringen. Nicht genug, um die Galaxis endlich vom Chaos zu befreien, damit niemand mehr leiden konnte. Der Sith Lord wollte schreien aber tat es nicht, beließ seine Lippen geschlossen und blickte leer auf seine Hände, die schließlich müde auf die Armlehnen herabsenken. Bedeutunglos war jeder Atemzug, denn der Tod war längst hier. Er war als Mensch tot. Gescheitert an Ambition und Schmerz. Der Imperator dachte in diesem Augenblick tatsächlich an Sidious.

An die Weisheiten, die er im Geheimen seinen dunklen Jedi vermittelt hatte. Weisheiten der Sith, die ihm damals wie ein Versprechen von großer Macht erschienen waren aber heute erkannte Vesperum, dass auch sie nur Schlüssel für ein größeres Geheimnis waren und vielleicht nicht so weise, wie geglaubt. Sidious hatte gelogen. Vesperum selbst war nach Korriban gegangen, hatte den Sith ihr Wesen entrissen und sich selbst zum Nabel ihrer Macht gemacht. Vesperum war der einzige dunkle Lord. Dennoch kam in ihm dieser Gedanke auf, dass Sidious Recht behalten sollte. Die dunkle Seite war der Weg zu Fähigkeiten, die manche für unnatürlich hielten. Alles in seinem jetzigen Dasein war unnatürlich. Selbst seine Wahrnehmung der Zeit und der Ewigkeit; alles verfloss in einzigen Punkt. Wie hatte Sidous diese Macht bloß ertragen? Vesperum lächelte bei dem Gedanken, dass Sidious ähnlich einsam auf diesem Thron gesessen hatte. Sie waren sich nicht unähnlich, nur ihre Ideen waren unterschiedlich. Sidious wollte eine ewige und ordnende Herrschaft. Vesperum wollte eine göttliche Herrschaft, die alles neuordnen würde. Beide wollten in den Augen von vielen Sterblichen unmögliches; beide wollten diese Galaxis in einer gewissen weise ordnen. Darth Vesperum erkannte, dass die Sith in ihrer ganzen Geschichte, diesem Weg gefolgt waren. Dem einen Wunsch: endlich allen Dingen zu gebieten. Der Imperator ließ das Lächeln sterben, wie auch jeden Befehl, den er heute geben wollte. Er genoss die Stille, die Einsamkeit, mit seinen Gedanken, die inzwischen zurück in seine Vergangenheit gingen. Zu seiner Jugendzeit auf Fondor. Es lag kein Trost darin.
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