#21
Ruhig und fast schon stoisch hatte Nashira vor der Türe des Inneren Sanctums gewartet. Einer Türe, für die manch anderer bereit gewesen war zu töten, nur um vor ihr stehen zu können. Nashira wusste, dass es den einen oder anderen unter ihnen gab, der sie für ihre Position hasste und mit dem Gedanken spielte, ihren Platz einzunehmen. Doch bisher war es bei diesen Personen auch nur bei den Gedankenspielen geblieben, so hatte doch bisher keiner einen ernsthaften Versuch unternommen, sie aus dem Weg zu räumen. Aber deswegen war sie keinesfalls so leichtsinnig ihre Rivalen zu unterschätzen, so war doch Leichtsinn und Selbstüberschätzung der sicherste Weg zur eigenen Vernichtung.

Als sich die Türen öffneten und man sie einließ, fiel ihr Blick auf den Mann vor ihr. Der Mann, der sich selbst zum neuen Imperator ernannt hatte. Doch im Gegensatz zu anderen in ihren Kreisen, fiel sie vor ihm nicht ehrfürchtig auf die Knie, sondern blieb aufrecht und mit erhobenem Haupt vor ihm stehen. Sie verehrte und bewunderte diesen Mann nicht, so wie es viele um sie herum taten. Sie verabscheute den Mann nicht, so wie es viele im Palast taten. Aber noch weniger empfand sie Mitleid mit ihm, ob seines Zustandes. Wenn es überhaupt den Hauch eines Gefühls gab, dann war es Genugtuung. Vor sich sah sie einen Mann, der nicht nur sein Schicksal, sondern das Leben selbst herausgefordert hatte und dabei war den Kampf zu verlieren. Sein Zustand war der Preis, den man für einen derartigen Frevel zu bezahlen hatte. Aber Nashira war nicht so blind und naiv, wie viele andere im Einflusskreis dieses Mannes, die blind geworden waren dessen, was um sie herum passierte. Die jedes Wort, welches über die Lippen dieses Mannes traten, aufsaugten wie ein trockener Schwamm das Wasser. Dieser Mann war nicht der Erlöser. Er war nicht der Retter der Galaxis, als der er sich immer propagierte, sondern er würde ihr Untergang sein.

Vesperum war ein Mann, der nichts mehr in seinem Leben hatte, wofür es sich zu leben lohnte und er hatte nichts mehr, dass er verlieren konnte. Er wusste, dass sein Ende nahte und er hatte es akzeptiert. Doch diese Akzeptanz, das Wissen nichts mehr zu verlieren zu haben, machte ihn zu einer großen Gefahr. Nicht nur für die Lebewesen in seinem direkten Umfeld, sondern für jegliches Leben in der Galaxis. Der Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte, würde keinen Augenblick zögern und alles und jeden um sich herum mit in die ewige Dunkelheit ziehen. Vesperum durfte sein Werk nicht vollenden, wenn die Galaxis eine Zukunft haben sollte, doch Nashira wusste zu wenig über seine wahren Pläne. Sie hatte sein dunkles Netz aus verschiedensten Fäden noch lange nicht genug entwirrt und selbst wenn sie so weit gewesen wäre, so war sie nicht so dumm sich ihm alleine in den Weg zu stellen.

„Ich habe euer Rufen vernommen eure Lordschaft“, sprach sie leise und doch war ihre Stimme klar und deutlich im Raum zu hören. „Was soll ich für euch tun?“ Er hatte sie gewiss nicht aus Einsamkeit oder aus dem Wunsch nach Gesellschaft heraus zu sich gerufen. Für so etwas war er nicht der Mensch und sie ebenfalls nicht und das wusste er.
Zitieren
 
#22
Taten. Erinnerungen verflogen, zerkauten sich im Angesicht des Momentes. Vesperum hatte vieles getan, um an diesen Punkt zu gelangen, den Thron zu beanspruchen, eine Schickalsal aus dem Grab zu helfen, welches verschüttet und vergessen war. Vesperum war in der Ewigkeit verloren und doch blieb der einfache Moment alles, was er greifen konnte. Das Jetzt war alles, was sich seinem Wahnsinn verneigte; während die Ewigkeit ein endloser Untergang war. Ein Ozean der Nacht, welcher nach ihm rief und ihm Mächte und Künste versprach, die unsterblich machten. Die kalte Hand des Todes kroch näher, als er Nashira ein Handzeichen gab. "Es ist merkwürdig: Seltsam und bemerkenswert, dass sich die Galaxis unentwegt bewegt. Angetrieben von ihrer sogenannten Physik und kosmischen Kräften, zieht sie ihre Kreise, immer und immer wieder, bis alles endet. Das Nichts wird einkehren, wenn das Chaos um sich greift, jede Verbindung gelöst hat und keine Physik und keine kosmische Macht diesem entgegen wirken kann," erklärte Darth Vesperum mit brechender Stimme, die fern und leblos aus einer Gruft gesprochen schien; vorbei an aschweißen Zähnen, von denen schwarz verfärbter Speichel tropfte. "Ich war in Gedanken. Mein Geist war fern dieser Galaxis und ich habe die Wunder gesehen, die uns versagt werden. Die Wunder, die uns zustehen und doch immer wieder entrissen werden," offenbarte Vesperum seine Gedanken, wenn auch widersprüchlich zusammengesetzt, denn jedes Wort sprach er einzelnd und übermäßig betont; fast so als er an sich selbst zweifelte und er nach Worten suchen musste, um eine Erfahrung zu beschreiben.

"Die Macht ist ein Ozean, mit Untiefen, Abgründen und Stürmen. Vielen Stürmen, die einen Geist zerfetzen können. - Und doch, wenn wir in sie eintauchen, vergrößert sich nur unser Unwissen im Umgang mit diesem Mysterium, weil es stets neue Grenzen schafft." Seine Augen weiteten sich, gaben die dämonische Eigenschaft preis, die so entrückt und verstörend war, dass selbst ein Spiegel aus Furcht zerbrechen würde, um diesem Angesicht zu entgehen. Schwarze Äderchen pulsierten an den Augenlidern, gruben sich tief hinein; mit jedem Herzschlag presste schwarzes Blut durch sie hindurch und auch seine Aura schien sich um diese Augen zu sammeln, die mehr Wahnsinn ertragen hatten. Schmerz lag in ihnen, wie ein zorniger Irrsinn, als auch Gewissheit. "Ich bin den Weg gegangen. Ich gehe ihn noch immer," stammelte er nun bruchstückhaft Sätze zusammen und doch war seine Stimme präsent, nahbar und nach Nashira greifend. Vesperums Stimme forderte Gehör, wandte sich in den Schädel, wie ein Parasit und verweilte dort. "Für viele Jahrtausende, seit Anbeginn, schafft die Macht ein Gleichgewicht, dann wieder Ungleichgewicht, und dies wiederholend für eine Ewigkeit. Ein ewiger Konflikt. Immer wieder. Immer wieder," formierte er nun klare Worte und spuckte dabei schwarzen Speichel aus seinem Mund, der in Zeitlupe niederzugehen zu schien. Vesperum war bereits umschlungen vom Tod, obwohl in seinem Angesicht der Tod nicht von ihm zu unterscheiden war.

Nach all den Taten und Sünden gegen das Universums waren der Tod und Vesperum längst eine Person geworden. Im diesigen Licht der Kammer kam die skeletthafte Gestalt des Sith unter der Kapuze zum Vorschein, als er seinen Kopf ein Stück hob. "Eine Macht hinter der Macht liegt greifbar. Die Wunder liegen dort, Nashira. Ich habe sie berührt. Ich habe gesehen, was an dieser Galaxis defekt ist; was an diesem Universum defekt ist. Ein Fehler, uralt, verlassen und vergessen, ist die Ursache für all das Leid, dieses Unheil, welches Zeit darstellt. Die Konzeption unserer Realität ist falsch. Die Macht ist die Ursache und die Lösung," sagte der Totenschädel kristallklar, während sich ein makaberes Lächeln auf seine Lippen legte. "Die dunkle Seite ist der Hilferuf der Ewigkeit, um den Fehler zu korrigieren. Ich bin kurz davor. Kurz davor...," hauchte er, während sein Verstand wieder ins Jenseits verglitt und sich die Macht um seine Füße am Boden als dunkler Nebel manifestierte. Seine Aura war ein Nexus der dunklen Seite, wie ein schwarzes Loch schien alles im Nichts zu vergehen.

Der Tod herrschte und Chaos folgte ihm. Die Leben, der er ausgelöscht hatte, griffen nach seinem Rest an Seele, wollten ihn zur Hölle reißen, die er anderen bereitet hatte. Doch sein verbohrter Wille ließ ihn Zögern mit den Seelen ins Jenseits zu gehen. Mit aller Macht bebte er gegen die Wogen der Kälte an, die auch in die Umgebung schwappten und das Licht flackern ließ. Das Fenster im Hintergrund beschlug und das Wasser im Becken flockte mit Eis aus. Der Nebel kroch über seine Robe hinauf, kleinere Blitze zuckten in ihm, während Vesperum mit einer Bewegung jenen schwarzen Dunst verdammte und die Mächte einhegte, die er einst unbeholfen beschworen hatte. Die dunkle Seite gierte und rumorte, in seinem Körper und machte den Tod wieder sichtbar.

Er keuchte. "Du musst für mich nach Onderon reisen und ein jemanden retten," befahl der untote Meister einer alten Ideologie, die einst Götter sein wollten und doch nur verdammte Teufel waren, die ihrem Schicksal erlegen waren. "Sie befindet sich im Grab von Freedon Nadd auf dem Mond Dxun. Ich habe sie dort zurückgelassen. Finde die Person," forderte der Imperator und die Kälte packte mit ihren Krallen nach Nashira.

Vesperum schwieg, beäugte seinen Schützling, der mit Sicherheit nicht seine erste Wahl für diese Aufgabe war aber andere wertvollere Diener waren gebunden. Er kannte Nashira, kannte sie sogar sehr gut und hatte in ihrer Aura einst viel gesehen und auch viel fördern wollen, was dort verschüttet war aber Nashira war stets umhegt mit Grenzen und Mauern, denn sie log und betrog sich selbst sowie andere stets mit klarer Absicht. Sie war eine falsche Person, die vieles verdrängte und auch vieles sein musste. "Wir sind ohne Geist nur krude Materie, Nashira. Ohne Geist ist dort nichts. Erst der Konflikt fordert deinen Geist oder du vergehst als krude Materie im Tode," warnte der Sith-Lord nüchtern und deutete dann zur Eingangstür. "Ich erwarte dich," drohte er.
Zitieren
 
#23
„Das Gleichgewicht der Macht“, sprach Nashira leise und ihre Stimme klang dabei beinahe schon andächtig. Ihr Blick glitt zu einem unsichtbaren Punkt, verweilte dort einen kleinen Moment, ehe er wieder in das Jetzt zurückkehrte. „Ein Zustand, den so viele begehren und der doch so wenig erstrebenswert ist.“ Es war ein kleines Lächeln, welche ihre sonst so hart wirkenden Lippen umspielte und doch war nicht erkennbar ob es sich um ein Lächeln des Mitleids oder des der Erheiterung handelte. „Das Licht, die Zeiten des Friedens, führt zu kulturellem Wachstum und zu Vermehrung von Leben“, begann Nashia mit ruhiger Stimme zu sprechen. „Die Evolution beginnt zu stagnieren und die Stärke des Einzelnen ordnet sich der Schwäche des Kollektivs unter. Das Leben verliert seine Anpassungsfähigkeit und seine Individualität und doch bringt es Bewegung in die Galaxis. Aber es bringt auch Enge mit sich und die Bewegungen beginnen einander zu überlappen. Werden die Überlappungen zu groß, die Enge zu gewaltig, so läuten sie die Zeit der Dunkelheit ein. Die Bewegungen sind wie viele übereinandergelegte Farben, die irgendwann einmal Schwarz ergeben.“ Nashira mochte nie als großartige Denkerin in Erscheinung getreten sein, sondern hatte sich meist als eine junge realistische Frau offenbart, die sich mehr an harten Fakten orientierte und nicht besonders viel von philosophischen Theorien hielt. Aber auch sie hatte einmal ein Leben vor diesem Leben gehabt. Ein Leben in einer offenen und dem Leben gewidmeten Gemeinschaft.

„Die Dunkelheit, die Zeiten von Krieg, führt zu einer Verminderung von Leben“, führte sie ihre Erörterungen weiter fort. „Die Evolution beginnt wieder ihre Arbeit auf zu nehmen und dafür zu sorgen, dass die Stärke eines Einzelnen dem Kollektiv seine Schwäche aufzeigt. Diese Zeiten sorgen dafür, dass sich das Leben seiner Umgebung anpasst, es entwickelt sich weiter und wird zu einer verbesserten Version seines früheren Seins. Doch das Vergehen von Leben führt zu einer kulturellen Stagnation, zu Stille bis hin zu einer alles umfassenden Stasis. Die Bewegungen kommen zur Ruhe, die Überlappungen werden weniger und das Licht beginnt wieder zu erstrahlen.“ Nashira warf einen kurzen Blick auf den Mann vor sich. Es war schwer zu entscheiden, ob er derartige Worte aus ihrem Munde überhaupt hören wollte oder ob sie sich nicht in Gefahr gebracht hatte, ihre ganz persönliche Ansicht über die Wechselwirkungen der Macht vor ihm zu offenbaren. Doch sollte es ein Fehler gewesen sein, so war er jetzt nicht mehr rückgängig zu machen.

„Licht und Dunkelheit ist der uralte Kreislauf des Lebens. Ein Gleichgewicht würde nichts anderes bedeuten, als dass sich die Wirkungen beider Pole gegenseitig aufheben würden“, kam es weiterhin mit absolut ruhiger und gefasster Stimme von der jungen Frau. „Es wäre das Ende alles Lebens, so würde nur noch ein Nichts herrschen. Altes Leben könnte nicht vergehen und Neues nicht erschaffen werden. Die Macht weiß das, so zieht sie ihre Kraft aus beiden Polen. Aus dem Pol des Lichts, des Lebens und dem Pol der Dunkelheit, des Todes.“ Ihre Worte beinhalteten viel von dem, wie man in ihrem Volke auf das Wirken der Macht deutete. Alles Lebende besaß eine Form von Energie, oftmals auch als lebende Macht bezeichnet. Viele andere machtbegabte Völker zogen ihre Kräfte aus dieser lebenden Macht. Doch wenn ein Leben verging, so wurde seine Energie freigesetzt und fügte sich der kosmischen Macht hinzu, aus welcher wieder neues Leben geboren werden konnte. Alles was diesen Kreislauf in Gefahr brachte, versuchte ihn zum Stillstand zu bringen, würde eine Gefahr für alles Lebende in dieser Galaxis bedeuten und nicht alleine nur, wie von vielen gedacht, intelligentes Leben.

„Die Macht strebt kein Gleichgewicht an, so kennt sie seine Gefahren und aus diesem Grund verändert sie die Waagschalen mal auf die eine oder die andere Seite“, äußerte Nashira und ihr Blick glitt wieder für einen Moment zu einem unsichtbaren Punkt in längst vergessener Zeit. „Doch kann sie die Auswirkungen ihres Handelns nicht vorhersehen, nicht kontrollieren. Es ist wie ein Stein der in einen See geworfen wird. Um ihn herum bilden sich nur winzig kleine Wellen, doch sie ziehen weitere nach sich. Sie vereinen sich, werden größer und irgendwann kann keiner mehr vorhersagen was als nächstes passieren wird. Also ist sie immer wieder gefordert die Auswirkungen ihres Handelns zu berichtigen.“ Nashira lenkte ihren Blick auf den selbsternannten Imperator. Er mochte gewiss größeres Wissen über den dunklen Pol der Macht besitzen als sie jemals in der Lage sein würde, doch war es zugleich dieses Wissen was seinen Blick trübte. Er hatte seine Zeit, sein Selbst, alles was er war, den Studien dieses einzelnen Pols gewidmet, während sie ihren Geist und Verstand allen Aspekten der Macht offen gehalten hatte. Ihr Volk war ähnlich engstirnig gewesen und hatte immer nur eine Seite, ihre Seite, an etwas betrachtet und nie versucht etwas in seiner Gesamtheit zu verstehen. Sie hatte diese Denkweise noch nie besonders gemocht, doch als diese Denkweise ihr Leben zerstört hatte, war nur noch Abscheu dafür übrig geblieben. Abscheu, die Nashira sich selbst hatte schwören lassen, stets allem offen gegenüber zu sein was ihr im Leben begegnet, auch wenn es bedeutete bis zu ihrem letzten Atemzug Schüler von etwas zu sein.

„Eine Rettungsmission?“, fragte Nashira und ihre Augen veränderten sich kaum sichtbar. Rettungsmission waren nicht gerade das, was bisher in ihr Aufgabengebiet gefallen war, so war sie doch eher jemand, der ausgesandt wurde, wenn niemand mehr gerettet werden können sollte. Man mochte nun vermuten, dass sie über den Befehl Vesperums verwundert war, doch das war sie nicht. Es war nicht Verwunderung, es war Misstrauen. Dieses unterschwellige, nicht greifbare Gefühl, dass diese Aufgabe nicht ganz koscher war. „Wie eure Lordschaft wünscht“, sprach sie dann und neigte leicht ihren Kopf.
Zitieren
 
#24
Vesperum wertschätzte Gedanken, Überlegungen und den Austausch von Wissen. Die dunkle Seite hatte ihn einsam gemacht, fast vollständig von regulären sozialen Sphären entfernt und alles, was ihm dennoch blieb, war jener Austausch über das Mysterium, welches inzwischen alles in seinem Leben kontrollierte;- vielleicht sogar alle Leben der Galaxis kontrollierte. Vesperum, nicht nur als Meister seines Ordens, sondern auch als Wanderer in der (Un)Zeit, hörte aufmerksam zu. "Konflikt," fasste er ihre Ausführungen in einem Wort zusammen, während er geduldig nickte. Der Totenschädel des Imperators wippte herab, sank fast vom Halse hinab, bevor ihn die Willenskraft des dunklen Lords wieder anhob. Nashira hatte verstanden. "Ich stelle dir eine Frage, Nashira. Eine einfache Frage," sprach der Meister aller neuen Sith. "Ist dir jemals in den Sinn gekommen, dass die Macht kein größeres Geheimnis und keine Offenbarung verbirgt?" Eine mutige Frage für eine Person, die alles der dunklen Seite geopfert hatte, um für einen Moment in der Ewigkeit größer zu sein als ein kurzes Aufflackern eines sterbendes Lichtes.

"Ich habe darüber nachgedacht. Ich habe oft darüber nachgedacht," untermauerte er seine gefährliche Frage, die alles was seinen Orden auszeichnete zerbersten konnte. Jene Frage, die seine Ideologie vernichten konnte, denn ohne Geheimnisse, Offenbarungen und den daraus resultierenden Versprechungen, wäre seine Ideologie nur ein leeres Dogma, welches von Narren und Gierigen geplärrt wurde. Vesperum wollte nicht leer entschwinden, ohne wenigstens einen Versuch unternommen zu haben, diesen ewigen Konflikt, geboren aus einem urzeitlichen Fehler, zu beenden. Der dunkle Lord hasste den Gedanken, dass er nicht für sich verantwortlich war. Er hasste den Gedanken, dass nichts von Bedeutung war und alles vergebens. All die Geschichte, die ihm ins Gesicht schrie, wäre bedeutungslos, wenn sich in der Macht nichts verbarg. Es musste dort mehr sein, denn ohne diesen geheimen Schatz, diesen einen Schlüssel, wäre alles, was er war nun war, ein Abgesang einer aneinergereihten Verfehlung und einer falschen Absicht vieler vor ihm. Doch auch er, durch seine Studien und Erfahrungen, konnte nicht verneinen, dass es mitunter unmöglich war, diesen Schatz aus den Untiefen der Macht zu heben. Mit jeder Handlung, mit jeder magischen Handlung, verrückte er die Grenzen nur weiter und selbst Sidious konnte nur Grenzen finden. Eine Leere folgte jedem neuen Schritt. Mit jedem Schritt wurde die Grenze neu definiert und die Macht entzog sich erneut dem gierigen Griff eines Suchenden. Das Urteil war schnell gesprochen, bevor das neue Verbrechen geschaffen war. Es endete niemals. Niemals fand sich ein Ende und ein klares Ziel, alles lag stets im Dunkeln. Es blieb nur Dunkelheit. Doch Vesperum war überzeugt, dass die Jahrtausende ihn in diese Position gebracht haben, eine einmalige Entscheidung für alle Wesen der Galaxis zu treffen. Sorzus Syn hatte das Wissen, Vesperum den Willen und die Sith ihren Hass, der notwendig war, um die endlosen Wege zusammen zu führen. In Vesperums Augen lag die Zukunft in dieser einen einmaligen Entscheidung, die noch kommen sollte. In seiner Arroganz vergaß er, dass vielleicht nicht er diese Entscheidung treffen sollte. Doch Nashira hatte diese Narbe gefunden, die ihn schmerzte. Der mächtige Imperator fürchtete sich davor, dass alles, was er tat, vergebens war. All das Leid, die Pein und der Horror am Ende bedeutungslos waren, wie die ständigen Konflikte des Lebens und die Kriege der Galaxis. Darth Vesperum wollte über das Universum richten und sein Urteil wäre sicherlich vernichtend.

"Es endet stets in Dunkelheit, Nashira. Die Frage ist, wie wir als Sith der Dunkelheit begegnen," entgegnete der Sith. "Es ist nichts bedeutungslos, solange wir streben und mit Leidenschaft gegen das Unbekannte antreten. Auch wenn die Macht ein stetiger Konflikt ist, flüchten wir davor nicht, sondern gehen in ihm auf. Schwäche liegt in der Apathie und der Flucht. Wir - im Gegensatz zu den Jedi - fühlen den Konflikt. Wir heißen jeden Schritt willkommen, der uns ins Unbekannte führt. Die dunkle Seite ist ein Weg, nicht das Ziel. Und das Ziel wird für einen wahren Sith stets sichtbar mit dem Beginn der Reise in die dunkle Seite," erklärte der Meister und lächelte bitter. "Ich habe die Zukunft gesehen und ich weiß, was wir als Sith tun müssen," gab er scheinheilig eine merkwürdige Botschaft von sich, die kryptisch das verschloss, was er wahrlich beabsichtigte. In der Tat hatte er gewisses Wissen aquiriert.

"Doch wir weichen ab," verneinte der Imperator eine weitere Ausführung. "Ja, eine Rettungsmission. Diese Person ist mir sehr wichtig und auch überaus relevant für die weiteren Pläne. Du wirst sie sicherlich kennen oder besser erkennen, sobald du sie findest, Nashira," erläuterte der Sith-Lord kaum weiteres und bestätigte nur seinen eigenen Auftrag an Nashira.
Zitieren
 
#25
Nashira sah den Mann vor sich mit wachsamen Blick an. Gewiss nicht alleine nur wegen dem, was er sprach, sondern wegen dem, was er tat. Über all die Jahre hinweg war es ihr einfach zur Gewohnheit geworden ihren Gegenüber aufmerksam zu beobachten, beinahe schon seine nächsten Bewegungen und Handlungen zu kennen, noch ehe die Person selbst den Gedanken dazu gefasst hatte. Man überlebte in dieser Welt nicht wenn man wenn man nicht wachsam oder gar schlimmer, nicht aufmerksam war. Jede noch so kleine Bewegung, jeder noch so kurze Änderung der Blickrichtung, jede noch so winzige Regung der Mimik konnte den entscheidenden Hinweis geben. „Ich glaube nicht, dass die Macht ein größeres Geheimnis oder eine Offenbarung verbirgt“, antwortete Nashira mit ruhiger Stimme. „Sie ist keine Frucht, in deren Mitte ein einzelner Kern ruht, zu dem man gelangt, wenn man die äußere Hülle abgetragen hat. Viel mehr gleicht sie einem ungeschliffenen Juwel, welcher beginnt mehr und mehr Facetten zu zeigen, je länger man sich mit ihm beschäftigt. Selbst wenn man glaubt eine Facette zu kennen, so braucht man nur seine Betrachtungsweise ändern um etwas Neues zu entdecken. Etwas, das man vorher noch nicht gesehen hat und sich dessen auch gar nicht bewusst gewesen ist.“ Nashira wusste, dass sie sich mit ihrer Antwort auf dünnem Eis bewegte, so waren doch viele Anhänger der Dunklen Seite fest davon überzeugt, dass es nur eine einzige wahre Sichtweise auf die Macht gab – Die Ihrige. Doch sie selbst hatte in ihrem früheren Leben eine vollkommen andere Sichtweise von ihrem Volk vermittelt bekommen. Eine Sichtweise, die nicht gegensätzlicher der hätte sein können, mit welchem die Anhänger der Dunklen Seite die Macht betrachtete. Sie war zu viel in der Welt herum gekommen, hatte zu vieles gesehen und zu vieles gelesen, als dass sie noch in der Lage gewesen wäre, sich einzig und alleine auf eine Sichtweise zu beschränken. Ihre Aufgabe erforderte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit und keine starren Verhaltensweisen. Da ließ es sich nicht vermeiden, dass hier und da etwas im Gedächtnis hängen blieb und sich einnistete.

„Durch die vielen unterschiedlichen Facetten, die stets Veränderung unterliegen und dem immer wieder auftauchenden Neuen, ist die Macht selbst Geheimnis und Offenbarung zugleich“, sprach Nashira weiter. „Sie verbirgt nichts, sie hält nichts vor uns geheim. Es ist unser eigener Geist, der uns in unserem Verständnis beschränkt und verhindert, dass wir sie in ihrer Gänze verstehen.“ Tief in ihrem Inneren wusste Nashira, dass ihre Antwort wohl nicht die Art von Antwort gewesen war, die sich der Imperator aus ihrem Mund gewünscht hatte. Aber er hatte ihr einen eigenen Willen gelassen, einen eigenen Geist und einen freien Verstand und den nutzte sie in ihrem Leben. Es gab genug unter den Dunklen Jedi, die alles aufgegeben hatten und dem Imperator speichelleckerisch nach dem Mund sprachen. Die ihn vergötterten und seine Worte aufsogen, als wären sie die Macht selbst. Ignoranz und Arroganz hatte schon vielen Völkern in das Verderben gerissen und das war ein Weg, dem sie nicht vorhatte zu folgen.

„Ich werde mich umgehend auf den Weg nach Onderon machen“, kam es mit einem kaum wirklich sichtbaren Senken des Kopfes von Nashira. Sie würde auf dem Weg genug Zeit haben, etwas über ihre Zielperson heraus zu finden, so wie sie es immer tat. Nur jemand, dem nicht mehr viel am eigenen Leben lag, ging unvorbereitet auf eine derartige Mission.
Zitieren
 
#26
Vesperum respektierte eigene Meinungen von Personen, die ihren Wert bewiesen hatten. Dennoch negierte er diese Meinungen im nächstem Atemzug. Denn dieser Sith glaubte, das Schicksal verstanden zu haben. Nashira erntete nicht den Zorn des Imperators, sondern einen merkwürdigen Blick. Der mächtige Herrscher dachte nach. Ihre Worte hatten etwas bewegt, was den Geist des Lords unruhig werden ließ. Es war diese eine Befürchtung, die Vesperum stets antrieb. Es war niemals genug. Niemals würde etwas genug sein, um dem Universum schließlich die letzte Antwort zu entreißen. Trotz seinem profunden Wissen in der dunklen Seite, war dort stets der Antrieb, dass das Schicksal noch nicht gebrochen war. Weise war Vesperum noch lange nicht, auch wenn er sich selbst diesen Anschein gab. "Kämpfen wir nicht alle gegen Illusionen, die durch uns selbst geschaffen werden?" Eine Frage, die der Lord ohne Umschweife stellte. Eine Frage, die aus der Furcht geboren war, dass sein Weg tatsächlich nur eine Illusion war. "Ohnehin glaube ich, dass zu gewissen Teilen das Universum einem holographischen Prinzip folgt, Nashira."

Der Imperator trat auf Nashira zu, verschränkte die Hände vor sich und wirkte in seiner Bewegung andächtig, fast einem Mönch gleich. "Alles, was wir sehen, was wir wahrnehmen, wird durch unseren Willen erfasst. Alles, was du bist, was ich bin, wird definiert durch unseren Willen. Auch unsere Realität wird geboren aus dem Wunsch und Verwirklichung unseres Willens. Wir Sith wissen, dass alles, was jemals war, unser Wille ist," dozierte der Meister mit angenehmer Stimme, die dennoch nicht ihre dunkle Farbe verlor. "Wille formt Realität," sprach der Imperator eine feste Dogmatik aus, die er seinem Orden vermittelte. "Es sollte so sein, Nashira. Die mächtigen Seelen können selbst das Schicksal beeinflussen und die Wirklichkeit verändern, ohne von den Konsequenzen der Veränderung niedergeworfen zu werden. Wenn dein Geist stark genug in der dunklen Seite ist, wirst du begreifen, dass Realität durchaus veränderbar ist." Der Imperator verweilte einen Moment unmittelbar vor Nashira. Seine kalte Aura kroch über den Boden, wie ein diesiger Nebel. Der Sith-Lord wollte seiner dunklen Jedi etwas vermitteln, was sie begreifen sollte. Etwas, woran sie sich festhalten konnte, wenn sie dem wahren Horror gegenüberstand. Die dunkle Seite in Nashira musste noch reifen, damit sie wahrhaftig an Größe gewinnen konnte. Auch wenn Vesperum gelegentlich Zweifel an ihr hegte, da er um ihre Vergangenheit wusste und ihre einstigen Aufgaben. Sie war eine Attentäterin und somit gleichsam eine geborene Verräterin, da Attentäter heimtückisch und in den Schatten agierten. Verrat war eine valide Auswahl für sie und noch nutzte Vesperum diese Heimtücke anderen gegenüber. Dennoch war Vesperum nicht naiv und wusste, dass sich diese Verhaltensweisen auch bei Zeiten gegen ihn richten konnten. Ihm war klar, dass er Nashira kontrollieren musste. Und Ideologie war eine der vielen Ketten, die er ihr anlegen wollte, ohne ihre verräterischen Fähigkeiten zu beeinträchtigen. Auch sah Vesperum Nashira nicht als unmittelbare Bedrohung an, denn noch erfüllte sie ihren Zweck. Die Mächte, die er beschworen hatte, ließen ihn tatsächlich glauben, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering war, durch eine bekannte Attentäterin getötet zu werden.

"Es ist nicht von Bedeutung, ob es Geheimnisse gibt oder Offenbarungen, sondern es ist allein von Bedeutung, dass wir nach ihnen greifen. Denn wenn unser Wille nach ihnen greift, dieser genährt und stark genug ist, werden sich diese Geheimnisse und Offenbarungen dort befinden." Der Meister nahm das Senkens des Kopfes wahr, reagierte mit einem fürsorglichen Nicken darauf. Danach begab sich der dunkle Lord zum Ausgang. Er ging an Nashira vorbei, wandte sich aber im großen Portal noch einmal zu ihr um. "Natürlich wirst du dich umgehend nach Onderon begeben. Vergiss aber niemals, dass Realität den Sith untertan ist," erklärte Vesperum warnend und verschwand dann mit leisen Schritten, geleitet von seinen Wachen im Scharlachrot. Nashira verweilte nun allein.
Zitieren