#8
Gedankenflüsse tropften herab wie schwarzer Teer, zähflüssige Tropfen, die sich an Kanten verfingen und hängen blieben. Gedanken die ablenkten, weg vom wesentlichen und hin zu Dingen, die man lieber ausblenden wollte. Ausblenden sollte. Donnovan war so ein Gedanke, nein, weniger der Mann als vielmehr seine Worte. Die Inquisitorin ließ sich nicht einschüchtern, erst recht nicht verschrecken, wohl aber Bremsen. Man konnte sie ins straucheln bringen, denn ihre Pläne waren nicht perfekt. Vielmehr ein einziges Wagnis. Sie hatte ihr perfides Spiel auf Firrerre mit einem hohen Einsatz begonnen und doch schwankte es Stunde um Stunde, ob sich dieser Einsatz letztendlich auszahlen würde. Ihre Chancen stiegen und sanken gleichermaßen, ganz davon abhängig, wie andere Variablen reagieren würden. Dies begründete sich vor allem in der Tatsache, dass Reah Nigidus keine große Planerin war, es war ihrem Wesen gänzlich fremd Pläne über Dekaden zu schmieden, auf einen einzigen Moment hinzuarbeiten und dann mit einem grandiosen letzten Streich zu siegen. Nein, ihr Wesen war intuitiver Natur, ein natürlicher Fluss, den man zwar durch künstliche Dämme bremsen konnte, der sich schlussendlich aber Alternativen suchte - und wenn er über die Ufer treten musste um sein Ziel zu erreichen. Unter diesem Aspekt ließen sich ihre Aktionen betrachten: sie übertrat die Grenzen ihrer Befugnisse und aus den Augen unbelehrbarer Kleingeister überschätzte sie ihre Macht. Die Sephi war ein Risiko, eines, von dem ihr Leben irgendwo abhängen mochte - je nachdem wer wo welche Information wie einsetzte. Informationen waren der Schlüssel zum Sieg und gleichzeitig das Tor zur Verdammnis - glücklicherweise hatte Donnovan sie an etwas erinnert. Etwas, dass ihr fatalerweise entfallen war und dass sich eher früher als später rächen konnte. Der Captain hatte ihr damit indirekt in diesem kurzen Gespräch ein wichtiges Detail offenbar: er vermutete in der Sephi eine Jedi und diese Vermutung ließ am Ende ihrer Überlegung nur einen Schluss zu: Donnovan kannte den medizinischen Bericht. Er hatte offenbar, dass zu einer solchen Untersuchung kam und Reah wusste, was das bedeutete. Das imperiale Protokoll ließ keine Ausnahmen zu. Mit ziemlicher Sicherheit wusste nun irgendjemand, zweifellos jemand wichtiges, im Imperialen Zentrum darüber Bescheid wo sie sich befanden und noch wichtiger, was für einen interessanten Gast sie in ihrer Gewalt hatten. Diese ziemliche Sicherheit würde sich in absehbarer Zeit in Gewissheit wandeln. Aber noch würde die Inquisitorin nichts tun, nicht, solange sich nicht abzeichnete auf welche Art und Weise diese Information genutzt werden würde. Im schlimmsten Falle würde sie Vesperum erreichen - einen dann sehr erzürnten Vesperum, der sie umgehend zu sich beordern würde. Ein Szenario, dass vermutlich mit ihrem Ableben endete - so sie dem Aufruf folge leistete. Eine weitere Möglichkeit wäre das Imperium zu verlassen und sich in eine andere Struktur einzugliedern. Reah war nicht so naiv zu glauben, dass es einen Sinn hatte, sich auf abgelegenen Planeten zu verstecken, nein, man würde sie eher früher als später finden. Unter diesen Umständen wäre es weiser, sich an einen der größeren Abspalter zu binden, jenen verblendeten Tölpeln, die alle nur nach weltlicher Macht geiferten und bis zu einem gewissen Grad beeinflussbar waren. Zumindest, wenn man den Erfolg ihrer Kollegen im Auge behielt, allen voran Jerec und Lanu Pasiq. Jerec, den sie jetzt jagen und niederstrecken würde. Doch noch trat dieser Fall nicht ein und deshalb gab es auch noch keinen Anlass dazu einer... Überreaktion zu verfallen. Die Inquisitorin würde abwarten und die Zeichen deuten, sobald sie sich zeigten und ihre Position so lange ausnutzen, wie es ihr möglich war. Denn im Gegensatz zu langfristigen, verschrobenen Planern, war die Hexe sehr flexibel und anpassungsfähig, etwas, das vor allem daran liegen mochte, dass sie sich keiner bestimmten politischen Idee oder philosophischen Glaubensbekenntnis zugehörig oder verpflichtet fühlte. Für sie zählte allein Mithilfe welcher Werkzeuge, sie ihre Vorstellungen umsetzen konnte.

Ruhig, auf groteske Art sogar sanft, ruhten ihre Augen noch immer auf der Sephi. Ihre Haltung war noch unverändert. Nur langsam kroch nach der Überlegung das Leben zurück in den Körper und setzte die Gliedmaßen in Bewegung. Der Schatten trat einen Schritt hervor und schlich durch die Dunkelheit, bis er dem Licht, dass sich dreisterweise ins Zentrum dieser Kammer gesetzt hatte, ganz Nahe war. Erst dann legte der Todesengel von Firrerre seine Arroganz ab und begab sich hinunter auf die gleiche Ebene, wie jene Jedi, die dieses grausame Schicksal erdulden musste. Nun saßen sie sich Gegenüber, Licht und Schatten, von Angesicht zu Angesicht. Wie eine verzerrte heilige mochte die dunkle Gestalt dabei anmuten, wie sie auf den Knien saß, die Hände wie eine Bittstellerin auf die Oberschenkel gelegt. Und doch versprach die Aura nichts heiliges. Dunkelheit fiel ab udn verteilte sich im Raum. Eine gelassene Dunkelheit. Ein Schatten, der seinen Frieden damit geschlossen hatte, nicht Teil des Lichts sein zu können, es seines Wesens wegen aber weder verachtete, noch verabscheute. Nicht allgemein, einige Aspekte vielleicht, ja, einige Jedi, aber nicht generell. Es gehörte dazu. Es war notwendig, wenn Schatten überleben wollte. Sollte das Licht entschwinden, so würde auch sie sich auflösen und nur noch ein undeutlicher Schemen in der Finsternis sein. "Mag sein.", bestätigte sie ruhig die Worte der Sephi. Ihr kleiner Engel hatte die Lage erkannt und schlug nicht in wilder Panik um sich. Sie erkannte die Situation und hatte die Sträke, das Durchhaltevermögen um damit umzugehen. Aber was wichtiger war: sie hatte eine Wahl gehabt. Dies war der Inquisitorin wichtig, ihr die freie Wahl zu lassen ihren Weg zu beschreiten. Sie mochte das Ziel vorgeben, den Rahmen definieren, überließ es allerdings zur Gänze der Jedi sich darin frei zu bewegen und nach Möglichkeiten zu agieren. "Aber Ihr konntet entscheiden. Ihr könnt Euren Weg selbst gestalten - vergesst das nicht." Sicherlich steckte in diesen Worten eine größere Lektion, als sich auf den ersten Blick erkennen ließ. Die Wahl haben - im imperialen Kontext war dies ein immenes Geschenk, ein Geschenk zweifelsohne, dass die Jedi als solches nicht erkennen würde. Weil sie die Abgründe im Imperium nicht kannte. Weil sie nicht wusste, wie es war keine Wahl zu haben, nur eine Maschine zu sein, ein kleines Rädchen im großen Getriebe. Aber in Freiheit lag auch Verantwortung. Denn auch Firrerre war eine Wahl.

Die Augen hinter dem weißen Totenschädel schlugen sich nieder und sondierten die kühle baue Haut. Ja, sie erinnerte sich, der Makel der Sephi, Emotionen nicht verbergen zu können, zumindest nicht für jene, die mit ihrer Spezies vertraut waren. Der Schatten war es nicht, sie konnte mutmaßen was es bedeuten mochte, doch letztlich würde es ein Buch mit sieben Siegeln bleiben, ihre Überlegungen würden nie zu Sicherheiten führen. Und doch gab es Wege, Wege der Macht, diese Siegel zu lockern und zu brechen und das Buch zu öffnen, es zu lesen, gar zu verschlingen. Aber die Inquisitorin ließ davon ab, sie würde nicht in diese Gefühlswelt einbrechen. Derartiges konnte gefährlich sein, auf mehrere Arten und Weisen. Zum einen hatte sie kein Interesse daran die Sephi zu verschrecken, nicht mehr, als sie es durch ihre Handlungen ohnehin schon war, zum anderen bargen Gefühle oft Erinnerungen. Sie konnten wie ein Spiegel sein, so schön und doch so unbarmherzig. Sie konnten zeigen, was man vergessen hatte, woran man sich nicht erinnern wollte. "Ich wäre enttäuscht, wenn es Euch nicht gelänge hinter diese Scharade zu blicken.", gab die Hexe ohne Umwege zu. "Und doch muss ich Euch enttäuschen, wenn ich sage, dass diese... Umgestaltung weniger mit Euch zu tun hat, als Ihr vielleicht glaubt." Reah hatte gewiss keine Angst davor ihr Gesicht zu zeigen, es war hinfällig, wer sie in der Macht erkannte, der wusste, was einem hinter dem starren Abbild erwartete. Und dennoch tat sie nichts dagegen. Keine ihrer Hände bewegte sich, das Götzenbild verschwinden zu lassen. Dies war die Wahl der Jedi. Es lag in ihrer Verantwortung, ihrem Handeln die Dinge zu ändern, die störten. Wer in Freiheit lebte musste handeln. Denn wer die Hände in den Schoß legte, der lieferte die Freiheit letztlich ans Messer, der zeigte, dass er sie nicht brauchte, dass sie nicht länger benötigt wurde. "Und doch vermute ich, dass Ihr weitaus... gewichtigere Fragen habt. Oder täusche ich mich?"
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