#61
Nein, gewiss tat Agent Traggis das nicht, wo er sich doch so überlegen wähnte, so stark und doch... nur Haut und Knochen. Die Mühle des Krieges aber verbrannte das Fleisch und würde das Mark zu feinem Mehl mahlen, wie Sternenstaub, der ziel- und hifllos durch die Galaxis trieb. So geschah es, wenn man keinem kläglichen Orden, sondern einem kläglichen Staat diente. Und "dienen" war überdies ohnehin eine denkbar falsche Beschreibung von der Tätigkeit, die Darth Maledice ausübte. Das Imperium stellte sich als ein Drache dar, war aber doch so viel mehr nur eine Schlange, die sich so sehr nach dieser Macht sehnte und in ihrer Gier versuchte die Galaxis zu verschlingen, nur um die finale Phase ihrer Metamorphose zu erreichen. Und dann würde die Kreatur schlussendlich kollabieren, das faule Fleisch von Millionen Toten im Magen, dass sich durch den Leib verteilte wie toxisches Miasma und das Monster von Innen zerfraß. Sie lächelte spöttisch. Weitaus mehr über diesen Gedanken als über Traggis unkreative Antwort. So ähnlich verhielt es sich auch mit der dunklen Seite oder anders gesagt, hatten fünfundzwanzig Jahre Sith-Herrschaft gereicht um mit einem Machtkonzept, das vorher nur wenige Mitglieder einer relativ kleinen Gruppierung betraf, auf eine gigantische Gesellschaft auszuweiten. Reah fragte sich indes, wie lang es dann dauern mochte, bis die naiven Bewohner erkannten, dass sie nur die Nahrung für den Moloch waren, der sie führen wollte. Letztendlich konnte niemand, der so durchtränkt vom fanatischen Glauben der Sith-Lehre war wie Vesperum, einfach aufhören, jemals zu dem Gedanken gelangen, die angehäufte Macht würde genügen. Die Galaxis sehnte sich vielleicht den Frieden herbei, doch eine Kreatur wie jene, die auf Coruscants Thron saß, benötigte diesen Krieg um zu funktionieren und jede Unterbrechung würde einer Stagnation des Katalysators der Dunkelheit gleichkommen, von der er so abhängig war. Vielleicht war sie seine Luft, ließ ihn atmen und brannte ihm doch das Leben aus.
Reah lächelte genügsam weiter, nun jedoch tatsächlich über den Agenten und sein, zweifellos aus unterdrückter Rage heraus, loseres Mundwerk. Es war nicht gänzlich uninteressant zu erfahren, dass er Vesperum nur bei seinem Darth-Namen nannte, aber bewusst darauf verzichtete ihn mit "Imperator" anzusprechen. Eine sehr plötzliche Wendung, die ihre Neugier durchaus ansprach und ebenso die Frage relativierte, wer denn nun tatsächlich ein Verräter war.

Diese Frage aber, würde noch einige Momente warten müssen, zumindest so lang, bis eben jene gefürchtete Direktorin des Imperialen Geheimdienstes, Ysanne Isard, ihr anliegen erklärt hatte. Reahs Blicke folgten indes dem Agenten, der wie ein ungezogenes Kind vor die Tür geschickt wurde, ehe sich ihr Fokus wieder grob auf Isard legte. Aber nicht übermäßig, denn anders als jener Frischling, der sich an seiner Macht zu laben versuchte, besaß die Direktorin eine gewisse vernünftige Ader und, was weitaus wichtiger war, das nötige Kalkül und die Rationalität, sie nicht sinnlos zu reizen. Ohnehin hätte sie Coruscant sicherlich nicht verlassen, nur, um eine im Gesamtkollektiv des Imperiums betrachtet, relativ unwichtige Person zu triezen, nein, im Zweifel wäre Reah bereits tot gewesen, ebenso wie die Maschine Horington. So ließ der Schatten Ysard reden und entfernte sich mit leisen, doch präzisen Schritten, instinktiv hin zu den dunkleren Ecken des Schiffes. Sie lehnte sich gegen eine der Durastahlwände, verschränkte die Arme vor der Brust und gab sich eher nachdenklich, hielt nur vereinzelt Sichtkontakt mit der rot gekleideten Direktorin.
Ein müder Seufzer entglitt der Sith, als Ysard Sedraels Tarnung erwähnte und machte deutlich, dass eine Erwähnung ihrer desaströsen Tarnung kein Punkt war, den sie für bemerkenswert hielt, oder aber, der ihr nicht selbst längst bewusst wäre. "Sie als Jedi zu bezeichnen wäre doch etwas weit über das Ziel hinausgeschossen - meinen Sie nicht, Direktorin?", erwiderte Reah auf eine Art, die deutlich machte, dass derartige Späßchen derzeit nicht ihren Humor trafen. "Und bitte, nicht meine Agentin. Sedrael gehört sich nach wie vor selbst. Sie benötigte lediglich die rein... optische Legitimität sich auch frei bewegen zu können." Reah wog ihren Kopf zur Seite und fügte noch an: "Das Konzept des Lügens scheint ihr ohnehin nicht Vertraut, umso seltsamer erscheint es, dass es Sie braucht um diese klägliche Scharade aufzudecken. Ich fürchte Admiral Vaash ist daran gescheitert." Ein vielsagendes Lächeln zuckte über Reahs Gesicht, wohl eine Art barbarisches Versprechen zur Not auch mit den Händen zu zerfetzen, was der Sephi zu Nahe kommt.

Doch es ging nicht etwa um Sedrael, nein, ganz und gar nicht: wie sie schon vermutete war diese bewusste Respektlosigkeit gegenüber dem Imperator, die Traggis unverhohlen hatte verlauten lassen, nicht unwichtig für Isards Besuch, mehr noch, schien es eben jener besondere Grund zu sein. Wie vielsagend, dass ein Imperium, dass an allen Ecken zerbrach nun auch noch intern, auf höchsten Ebenen zu wanken begann. War das Fundament so derartig marode? Es wäre ein Fest für Intriganten, die am Ende ihrer Tat mit nackten, blutigen Füßen auf diesem Scherbenhaufen tanzten, der einst die Galaxis in Angst und Schrecken versetzte. Langfristig hatte Reah vielleicht mit dem Faktor Pestage gerechnet, der sich durch Vesperums Rückkehr nun in einer deutlich geschwächten Position befindet. Doch, dass nun selbst die Direktorin begann zu zweifeln... Reah nahm einen tiefen Atemzug, schloss die Augen und öffnete sie kurze Zeit später wieder, gefolgt von einem mitleidigem Lächeln. Sie tanzte in der Luft umher, kaum sichtbar, doch immer präsent - die Furcht, die durch alles kroch, sich eines jeden Individuums bemächtigen konnte. Ysanne Isard hatte Angst - nicht unbedingt Panik, aber doch eine Art unwohles Gefühl, dass eine eher düstere persönliche Zukunft aufzeigte. War etwa der Keim der Saat aufgegangen, man könnte den Krieg verlieren? In solch hohen Kreisen? Ja, es zerbrach, weil Vesperum nicht Souverän, sondern nur Tyrann war. Er vermochte nicht zu herrschen, vielleicht hatte er es nicht einmal mehr ernsthaft vor, sondern war mehr an der Macht und damit einhergehend den Möglichkeiten interessiert, die seine Position mit sich brachte und eine planlose Direktorin zurück ließ.
"Experten? Interessant. Ich dachte eher, Sie würden sich im Falle solcher Fragen eher an Cronal oder Lumiya wenden, Ysanne..." Reah streckte den Rücken gerade, machte eine abwinkende Geste und stieß sich von der Wand los. "...aber genug." Sie bewegte sich langsam durch die zerstörten Konsolen hindurch, bewegte sich eher planlos und willkürlich im beschädigten Brückenraum, konzentrierte sich aber nun vollends auf Isard. Keine einfache Frage, erst recht nicht, wenn der Fragende nur denkbar wenig von der Macht verstand, es lag also ein wenig an der... Mitarbeit der Direktorin, solche Dinge auch verstehen zu wollen.
"Verrückt ist er nicht.", stellte die Sith unmissverständlich und deutlich klar, als sähe sie es als unumstößlichen Fakt an. "Irre stellen wohl kaum eine Gefahr dar. Weder für Sie, noch für mich, noch für das Imperium. Ich denke Darth Vesperum ist im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, selbst wenn seine Handlungen keinen rationalen Mustern entsprechen oder Sie seinen Gedanken nicht folgen können." Reah machte an eine der Konsolen stopp und stützte sich locker mit einer Hand darauf ab. "Aber Planeten wie Korriban können die Wahrnehmung verändern und erweitern - zumindest die jener Wesen, die Sie als McH-Fälle betrachten. Wie Sie wissen bewahrte der alte Jedi-Orden sein Wissen in der Bibliothek des Tempels auf, bevor dieser zerstört wurde, jedoch...", Reah lächelte vielsagend, "...ist das Wissen der Sith weitaus schwieriger zu erlangen. Sehen SIe... Vesperums Art, die Sith, sind nicht gerade dafür bekannt die erlangte Macht in einer Bibliothek mit anderen zu teilen. Sith nehmen ihre Geheimnisse mit ins Grab und Korriban ist mehr Gruftwelt als eigentlicher Planet. Wenn ein ambitionierter Sith-Lord, der in den Sphären der Macht aufsteigen will, nach Führung sucht, wird ihn Korribans Ruf früher oder später von selbst ereilen."

Sicherlich würde sich Isard mit dieser Erklärung kaum zufrieden geben, aber es war ein Einstieg, ein bewusst grob gehalten und stark vereinfachter, eben so, dass, dass es für die geistig durchaus gebildeten aber anderweitig eher wenig bewanderten Geschöpfe der Galaxis begreifbar sein konnte.
Ich kann Ihnen nicht sagen welche Geheimnisse Vesperum dort tatsächlich gefunden hat, aber sie haben den glauben an seine Philosophie, den glauben an die Sith gestärkt und ihn gefestigt. Zumindest lässt seine Reaktion nach Onderon drauf schließen: seine alten Lords sind entweder tot oder gefangen und durch jene ersetzt die er für stärker und fanatischer hielt, ihm blind zu folgen - eine zumindest in meinem Falle fatale Fehlkalkulation. Das bedeutet, sofern meine Annahme richtig ist und Vesperum seinen blinden Fanatismus auslebt, Ihr Imperium unter der Philosophie der Sith kollabieren wird." Sie machte eine Pause und blickte ernst zu Isard hinüber, wobei sie warnend einen Finger erhob. "Sith sind Einzelgänger, Direktorin. Sie können sich an die Spitze einer Gesellschaft setzen um diese zu führen, doch vorrangig gieren sie nach der Macht und den Möglichkeiten die eine solche Position mit sich bringt, ihr Handeln wird von ihren Interessen bestimmt, nicht von einer bestimmten Ideologie. Vielleicht also, wird Vesperum Sie, Pestage, Harrsk und alle anderen einfach Opfern, nur um sein persönliches Ziel zu erreichen...", Reah lächelte sanft und offenbarte das Offensichtliche: "...denn Verrat ist die Natur der Sith. Finden Sie heraus, was genau Vesperum auf Korriban entdeckte und Sie finden ihre Antwort."
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