#29
Orbit von Atrisia, Supersternenzerstörer Abaddon

Das Licht brannte, wie durch die Fokussierlinse eines Lichtschwerts gebündelt versengte es den Schatten mit seiner Lanze aus superheißem Plasma, die sich mühelos durch Mauerwerk, von finsterem Teer verklebt schnitt. Mauern waren verschieden, sie erinnerte sich. Mauern waren mehr als Hindernisse für andere, für jene, deren neugierige Blicke versuchten hindurchzulinsen. Doch schützten sie Strukturen auch vor dem eigenen Blick, der rückgewandte Reflektor auch der Netzhaut, der Tunnel, der zum persönlichen Sanktuarium führte. Jenes Heiligtum, das sorgfältig wie ein Archiv das Leben und die Essenz eines Individuums aufbewahrte. Doch nicht alle Wesen wollten zurückblicken, nicht alle Wesen wagten es sich, an der Pforte Einlass einzufordern. Manche von ihnen hatten Angst sich selbst zu sehen und doch nicht mehr zu erkennen. Ein Wesen konnte so zerschlagen, so deformiert und verunreinigt werden, das jegliche Ähnlichkeit kaum mehr als solche auszumachen war. Eine alte Münze ließ sich dem gleich zertrümmern, in Hälften schlagen und während eine Hälfte zur Schlacke geschmolzen werden mochte, so blieb die andere unversehrt, doch geblendet, entrissen. Zwei Teile, die nie wieder zusammenpassen würden, Teile, die niemand mehr miteinander in Verbindung bringen würde. Die Vergangenheit brach, trug das was war zu Grabe und ließ es in den heiligen Hallen verrotten, so lange, bis ein geschundener Geist sich nicht mehr wagte sich daran zu erinnern. Dies geschah mit Dingen, die zurückblieben. Mit Dingen, die zurückgelassen werden mussten. Weil sie sich angepasst hatte. Die Hexe verstand Sedrael, nun wo das Licht so grell schien, nun, wo es gerade jede kleine unbedeutende Jedi war, die sie an sich selbst erinnerte. Denn letztendlich, egal wie sie es sich drehte, wie sie es sich zurechtlegte, war diese Inquisitorin, war Darth Maledice doch letztlich nur entstanden, weil sie sich angepasst hatte. Sich vermeintlich eingeredet hatte, jenes System, dass sie aus dem Leben gerissen hat zu unterwandern, auf die Chance zu lauern, um dann zurückzuschlagen. Vergeblich. Dunkelheit korrumpierte und schlimmer noch, sie dämmte die Sicht ein und vernebelte den Verstand. Die dunkle Seite machte sie animalischer, nicht dumm oder wild, nicht zwingend von Zorn und Hass getrieben aber von Instinkten gedrängt.

Am Ende war Reah nicht immer eine Person, die sich ihr eigenes Handeln schlüssig erklären konnte, mitunter erschienen ihr Aktionen im Affekt richtig, die sich Stunden später als Irrsinn entpuppten. Verstand und Handlung befanden sich Widerstreit miteinander. Paradebeispiele hierfür waren sowohl Korriban als auch Firrerre. Denn war es nicht jene Hexe gewesen, die die Galaxis durch ihr dunkles Machwerk noch stärker verfinsterte? Erst rettete sie eine Kreatur die nun, nur wenige Wochen später am liebsten tot sehen würde, gefolgt von einem Völkermord an einer aussterbenden Spezies. Ein Mitleidsgedanke entstand zwar nicht, doch nun, da sie wusste, da sie annehmen konnte, dass das Echo der sterbenden Welt in seinen leidvollen Bann zog... sie hätte es sich überlegt. Oder nicht? Die Gedanken des Schattens zögerten und zogen es vor sich tiefer zurückzuziehen, weg von dem Licht des weißen Engels. Sie hatten Angst, vielleicht hatte sogar Reah selbst Angst, nun, da die Saat des Zweifels Wurzeln geschlagen hatte, wo der giftige Regen kam und die verderbten Früchte erblühten. Wankelmut brachte keine Antworten und was wenn, nun... was wenn Sedrael sie nun Fragen würde? Nun eine Antwort forderte, warum jener Planet sterben musste? Es gab keine Antwort, nicht mehr, keine, die Reah vor sich selbst als akzeptabel befand. Sie konnte Lügen, aber sie konnte nicht vor sich selbst Lügen - und wenn sie es nicht einmal fertig brachte sich selbst zu belügen, welches plumpe Wesen sollte ihr dann noch glauben? Am Ende konnte sie wie jeder Sith, wie jedes hilflose Wesen, das in der Nacht gefangen war, nur hilflos und blind im Dunkeln um sich schlagen in der Hoffnung das eigene Verderben niederzustrecken. Am Ende aber und sie wusste es, würde es nur jene Treffen, die es am allerwenigsten verdienten. Dies war der Fluch der dunklen Seite, die Ketten des Abgrunds und wie dieser Abgrund sich nun bewusst wurde, wie seine Lieblingshexe ein gefallen an jenem reinen weißen Engelswesen entwickelte, zeigte er erneut seine mahnende Fratze und offenbarte wo sie stand - wie tief sie stand. Letzten Endes war es nun sogar das Licht, das ihr einbrannte, etwas Unentschuldbares getan zu haben. Dies war die abschließende Phase der Anpassung: vom Systemgegner umgewandelt in das System selbst und es brauchte sie, jene kleine unscheinbare Sephi, die sich dem Schlund des Abgrunds offenbar mutig entgegenstellte und sich wagte in die Schatten zu leuchten und der Schatten wiederum war so erschrocken vom dem was er sah, dass er sich nicht wagte, nie wagen würde sie zu verschlingen. Vielleicht war es das, was sie auf Firrerre spürte und nie hatte benennen können.

Doch waren die Dinge deswegen anders? Änderte Erkenntnis irgendetwas? Letztlich stand sie nur allein in den Hallen des Geistes und zeigte Geschehnisse, Fehler womöglich, die ohnehin unumkehrbar waren. Reah hielt still, beinahe wie eine interessierte Beobachterin in einem Lichtschwertkampf, gewissermaßen war es dies sogar, wenn auch auf geistiger Ebene. Sie konnte sehen wie Sedrael die Klinge kunstvoll führte, so elegant und grazil, so effizient und präzise, wie es die Hexe tatsächlich konnte. Die Worte blätterten das poröse Gestein ab, jener Ballast der sie zu Boden drückte, der sie dort festhielt, wo sie feststand, der sie beschwerte und im modrigen Sumpfland versinken ließ. Es schien als hätte Sedrael sich angeschickt die maroden Türen zu öffnen, mehr noch, als hätte die Sephi ihren Mut zusammengenommen und sich in das Dornengestrüpp, jenes verwinkelte und widerspenstige Labyrinth das Reahs Geist darstellte voran gewagt und genau wusste welchen Pfad sie einschlagen musste, um zu ihrem Ziel zu gelangen. Tat sie es bewusst oder folgte sie einem Ruf der Macht? Und wenn ja, war es Reah selbst die hier rief? Es gab viele Arten nach Hilfe zu schreien und nicht immer, ganz besonders in ihrem Falle, war sie sich dieser Tatsache vielleicht nicht einmal bewusst. Stück für Stück musste sie mit ansehen, wie die Mechanismen ihres eigenen Versteckspiels ausgehebelt wurden. Das Räderwerk der Illusionistin zerfiel lockerte sich, es konnte nicht das tun, was Sedrael ansprach, es konnte nicht überstehen, nur blenden. Ein Scheinbild konnte geschaffen werden, eine falsche Wand ließ manchen Tölpel zögern doch je stärker sich die Realität darum manifestierte, desto leichter war sie zu durchschauen bis sie schließlich von selbst entschwand. Die Hexe musste erkennen, dass sie versucht hatte, was nicht funktionieren konnte: eine Realität in eine Illusion zu verwandeln. Das Individuum Sedrael zu einer Lüge umzuformen doch einer Lüge konnte niemand vertrauen und Lügen vertrauten niemanden. Die Paradoxe Scharade fiel in sich zusammen - von simplen Wahrheiten ins Wanken gebracht. Überstehen aber, mussten sie es dennoch und dies mochte jener Punkt sein den Sedrael übersah oder nicht ansprach. Möglicherweise hatte sie es bereits selbst erkannt: wer sich nicht anpasste, provozierte den Konflikt und ihr musste bewusst werden, musste unmissverständlich klar sein, was die Konsequenz dessen sein würde. Nicht jedes Problem ließ sich harmonisch und mit gewitzter Wortgewalt lösen für einige waren grobere Mittel erforderlich.

Der Schatten zuckte, als er erfahren musste, wie sich eine plötzliche, eine unerwartete Berührung anfühlte. Sie spürte wie sich ihre Hand anspannte, als das Blut in den Venen sich wie Feuer anfühlte. Das Licht ließ das klebrige Pech darin lodern und nur mit Mühe konnte der Blick der Hexe der Geste folgen, die in den Tiefenraum deutete. "Verlockend.", sprach sie schließlich, doch wagte sich nicht Sedrael anzusehen. Ein fürwahr reizvolles Angebot und Reah hätte zugesagt, hätte vor Tagen ohne jedwede bedenken zugestimmt, so lachhaft dieses Angebot aus den Blickwinkeln mancher auch anmuten mochte. Doch die Sephi hatte Recht. Es gab Ketten, die ließen sich nicht durch eine trostspendende Geste auflösen, jene Ketten, die sich Verantwortung nannten. Jedes fühlende Wesen hatte in einer Gemeinschaft Verpflichtungen, erst recht in einer so großen Galaxis und galten sie nicht Institutionen, so galten sie bestimmter Moral oder sich selbst. "Ihr habt Recht.", stimmte Reah der Sephi knapp zu und zwang ihren Körper sich zu entspannen, sich gefallen zu lassen, was Sedrael ihr dieses eine Mal anbot. "Und Ihr werdet in Kürze erfahren worum es sich dabei handelt. Eine letzte Sache wenn Ihr so wollt, eine Sache, die in einem solchen Desaster enden wird, dass ich das Imperium werde verlassen müssen." Ungesehen zuckten die Mundwinkel nach oben, als wollten sie ein müdes Lächeln andeuten. Die Worte galten weniger Sedrael, als vielmehr ihr selbst. Das mysteriöse Tal der Jedi, sie wusste zu wenig darüber um es beurteilen zu können, ja konnte nicht einmal sagen, um was es sich dabei handelte. Und doch wollte sie vermeiden, mit allen Mitteln verhindern, dass der Imperator seine gierigen Hände danach streckte. Dies war ihr klar, klar seit Byss wo die Speichellecker Vesperums die Wichtigkeit der Unversehrtheit dieser Legende betonten. War es ein Nexus der Macht? Ein Grabmal, ähnlich Korriban? Eine Waffe? Als was es sich auch entpuppte, im Falle Vesperum wusste ihr verstand, dass es ein mächtiges Instrument sein mochte, wenn es seine Aufmerksamkeit erregte und jene Macht war nicht für die Hände eines Monsters bestimmt, vielleicht für die Hände von niemanden. "Doch eine Sache noch, Sedrael.", sprach sie während sich der Kopf nach oben reckte und sich aus der Lethargie befreite. "Auch Ihr dürftet langsam erkennen, dass wir uns in einer Zeit befinden, in der erlangte Freiheit verteidigt werden muss. Ich will Euch nicht bekehren und doch... solltet Ihr je den Wunsch verspüren Euch den kämpferischen Aspekten des Jedi-Daseins zuwenden zu wollen, zögert nicht zu fragen." Zu sehr erinnerte sie sich daran, wie die Sephi ihr Schwert auf Firrerre einfach beiseite geworfen hatte und offenbar widerstandslos ihren möglichen Tod akzeptiert hatte. Doch darin lag keine Größe - nur Narren oder Feiglinge wählten den Märtyrertod und obgleich Reah bewusst war, dass es viele Arten gab einen Kampf zu führen, so musste doch deutlich zu sehen sein, dass das Imperium, selbst die Republik und die Mehrheit der Jedi, der Sith nur eine Art kannte und akzeptierte. Pazifismus war Nobel anzusehen, doch seit Alderaan wusste die Galaxis, dass es sich um ein närrisches Ideal handelte. "Denn wenn Ihr Euch auf Eurem Weg in die Freiheit nicht totrennen wollt, werdet Ihr eines Tages kehrt machen müssen und sie auch verteidigen."


Orbit von Atrisia, Modular-Kreuzer Celsius

Übliche Probleme? Iphris zögerte während sich ihre Haltung wieder etwas versteifte und sie sich entschuldigend räusperte. Sie musste zugeben nicht direkt zu wissen, was der Flottenadmiral meinte, noch spürte sie das Verlangen, sich in derartige Belange einzumischen. Für Menschen wie Iphris war das Wort "Jedi" mehr ein Mythos und nach über zwanzig Jahren imperialer Propaganda blieben selbst bei wachem Geist nur lose Fetzen zurück, ganz davon zu schweigen, dass mit imperialer Strafverfolgung zu rechnen war, sollte sich jemand wagen sich mit dieser Thematik zu beschäftigen. Das hieß nicht, dass sie Vaash solcher Umtriebe verdächtigte, denn letztlich kannte jeder die Geschichten um den imperialen Exekutor Darth Vader und die Kuati hatte eine recht konkrete Ahnung auf was der Flottenadmiral mit seiner Aussage anspielte. Selbst wenn nicht, erlaubte es allein sein Stand hinter die Fassaden der Propaganda zu blicken und einige Dinge klarer zu sehen und vielleicht sogar aussprechen zu dürfen. Andererseits, so unwahrscheinlich es vom ihrem Gefühl her auch schien, konnte es auch gut sein, dass der Mann sie nur testen wollte. Ein freundliches Gesicht war nicht immer ein vertrauensvolles und wie sich anhand seiner Anwesenheit ableiten ließ, konnte man sogar einen Tiberius Vaash für den Geheimdienst einspannen. Aber wie die Lage nun auch sein mochte, es dürfte den alten Mann überraschen, dass er falsch lag. "Verzeihen Sie mir, wenn ich mir nicht sicher bin, was sie damit meinen, Admiral.", begann Iphris entschuldigend, "Aber als problematisch hätte ich das Verhältnis zwischen Captain Stratis und Inquisitorin Nigidus nicht beschrieben. Ich kann Ihnen die genauen Hintergründe nicht nennen, aber er wurde nach Kuat versetzt." Problematisch war es eher gewesen, wie sich Stratis untergeordnet hatte und jeder offenen Konfrontation aus dem Weg gegangen war, als hatte er gehofft, die Inquisitorin könnte irgendetwas für ihn tun, solange er nur mitspielte. Nun, vielleicht war sein Plan mit ebenjener Versetzung letztlich sogar aufgegangen, hier konnte sie nur spekulieren. "Sie werden feststellen, dass sie ein wenig... eigen ist. Allerdings hat sie sich bei navalen Operationen bislang bedeckt gehalten und sich nicht eingemischt." Nun, zugegeben, das klang ein wenig harmloser als es tatsächlich der Fall war, allerdings würde Iphris keine Vorgesetzte, erst Recht keine Agentin des Geheimdienstes, über den Kom-Kanal diskreditieren.

Die Kuati seufzte. Natürlich wollte der Admiral etwas wissen, blöd und gewissermaßen auch peinlich, war es lediglich, wenn es kein Wissen gab, dass sie teilen konnte. Gewissermaßen war sie selbst ebenso ahnungslos was das weitere Vorgehen anging, wie er - nun, beinahe jedenfalls. Es gab Gerüchte, Spekulationen und sie hatte das Gefühl, dass die Worte, die bei ihr ankamen, bereits so verfälscht waren, dass der wahrhafte Informationsgehalt gegen Null ging. "Nicht wirklich Sir, tut mir Leid. Ich kann Ihnen höchstens einige Vermutungen anbieten, die unter den Crews kursieren. Offenbar hatte Inquisitorin Nigidus das grobe Vorgehen mit Captain Stratis besprochen bevor er aufbrechen musste." Iphris zuckte mit den Schultern und kramte ihre Gedanken zusammen um dem Admiral die Puzzleteile zu präsentieren, die sie zusammenkratzen konnte. "Es geht anscheinend um einen Komplott zwischen einem hochrangigen Mitglied der Pentastar-Bewegung und - so unwahrscheinlich das auch klingen mag - einer Jedi-Niederlassung." Keine Sache, die aus ihrer Sicht irgendwie Sinn machen konnte. Es gab keine großen Orte mehr, an denen sich Jedi versammeln konnten - Palpatine war gründlich gewesen, sehr gründlich und noch weniger Sinn schien die Involvierung von Pentastar zu machen - selbst mit Kaines Abspaltung blieb der Draht über Großadmiral Grant zum Imperium irgendwo bestehen. Oder reichte die Verschwörung vielleicht tiefer als sie annahm? Gewissermaßen würde es die Verstrickung des Geheimdienstes und das große Militäraufgebot erklären. Iphris strich sich eine Strähne hinters Ohr und atmete ruhig aus. Weniger Spekulationen, mehr Fakten. Es hieß abwarten. Immerhin schien Vaash die Art von Person zu sein, die bereit schien, Informationen weiterzugeben - mit etwas Glück also, wären sie in den nächsten Stunden alle ein wenig schlauer.
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