#36
Einhundert Fregatten? Amber blickte stuzig in das blaue Holobild vor ihr, dass den Kontaktmann des Kriegsherren Zsinj zeigte. Das war mehr als sie erwartet hatte - viel mehr und obgleich der Gewinn aus diesem Geschäft, trotz ihres Großzügigen Rabattes, mehr als üppig ausfallen wird, kam sie nicht drum herum stuzig zu hinterfragen, wofür der ehrgeizige Großmoff eine Bestellung in dieser Größenordnung benötigte. Plante er einen Angriff? Natürlich. Die interessante Frage wäre lediglich auf wen. Mon Calamari? Unwahrscheinlich, die Verteidigungsstreitmacht würde Zsinj zuviele Schiffe und Leute kosten, als dass es sich rentieren würde. Mehr noch hielt sie den Abspalter nicht für so dreist, sofort den Pakt zu brechen, den sie geschlossen hatten. Absolut inoffiziell natürlich. Weder der Rat, noch das Oberkommando, noch Mothma würden davon erfahren... zumindest hoffte sie das. Denn es gab auch ein logistisches Problem: mit einer Lieferung dieser Größenordnung fertig zu werden würde eine Weile dauern, eine ganze Weile, berücksichtigte man, dass ihr Unternehmen gleichzeitig die Kriegsbemühungen der Republik unterstützen musste und nicht alle Kapazitäten darauf verschwenden konnte, Zsinjs Wünschen nachzukommen. "Ihnen ist durchaus klar, dass diese Order einiger Zeit bedarf, oder? Dem Großmoff muss klar sein, dass Forerunner nicht sein Exklusivlieferant ist und er nicht die oberste Priorität genießt." Das Holo starrte sie mit neutraler Miene an, schien aber, wie der letzte Kontaktmann, nicht viel Wert auf lange Reden und schöne Worte zu geben. "Das ist ihm vollkommen bewusst. Sagen Sie uns nur, in welchem... ungefähren Zeitraum wir mit den Schiffen rechnen können.", lautete seine nüchterne Antwort. Eine schöne Antwort, auf die sich leider nicht so klar antworten ließ, wie es ihr eigentlich genehm wäre. "Zwanzig Fregatten stehen bereit und können sofort versendet werden, die geforderte Zahl dürfte in den nächsten sechs Monaten erreicht werden. Wir können fertig gestellte Schiffe in regelmäßigen Intervallen überstellen.", bot sie ihrem Kontaktmann an, deren Holobild ihr kurz zunickte. "Das wäre wünschenswert. Wir werden uns gegebenenfalls noch einmal bei Ihnen melden - Ende."

Ja, Ende. Vorerst. Dieser Weg war ein schmaler Grat, von dem sie nur zu leicht abrutschen konnte. Dennoch war der gegenseitige Vorteil enorm, selbst wenn einige das nicht so betrachten mögen und gewiss als Verrat republikanischer Prinzipien auslegen würden. Letzten Endes aber, spülte die geschäftliche Beziehung zu Zsinj ihr beträchtliche Summen in ihre Kasse, Geld, dass schlussendlich dazu verwendet werden würde, mehr Schiffe gegen den eigentlichen Krieg gegen das Imperium zu konstruieren, mehr Geld, dass in eine Erweiterung der Anlagen fließen könnte, um noch schneller mehr Kriegsgerät zu fertigen. Und Zsinj war kein direkter Feind, zumindest noch nicht. Eines Tages mochte der Großmoff sein Glück herausfordern, aber noch nicht. Wenn die Republik schnell genug agierte, empfindliche Schläge gegen das Kernimperium landen könnte und sich die Abspalter untereinander zerfleischten, so würde dieser Tag vielleicht sogar niemals anbrechen. Das wäre zumindest wünschenswert, wenn auch sehr optimistisch gedacht.

Was ihr blieb waren einige Tage auf Naboo, Tage, in denen sie den Rat von ihrem neuen Vorhaben überzeugen musste - irgendwie. Je nach Kriegsverlauf mussten sie jedoch erkennen, dass der Hapes-Sternhaufen füre ihre Anstrengungen essentiell war. Ein ideales Rückzugsgebiet, dass durch natürliche Gegebenheiten auch mit einer unterlegenen Streitmacht verteidigt werden konnte, auch wenn Amber nicht im Traum daran dachte, dass die hapanische Königin sich der republikanischen Sache anschließen würde, aber das war unnötig. Mehr noch, sie wusste selbst, vielleicht besser als viele, dass es genug gute Gründe gab dieser Planetengemeinschaft den Beitritt vorzuenthalten. Selbstbestimmung war ein hohes Gut, dass niemand leichtfertig abtrat, auch sie nicht. "Wir erreichen in Kürze die Hauptwelt. Mit Landeanflug auf Theed fortfahren?", erreichte sie die Stimme des Sluissi über das Interkom. Bald wäre es mit der angenehmen Ruhe vorbei, wenn wieder die Politik das Alltagsgeschäft bestimmte. Fast konnte man jene beneiden, die ein einfaches Leben führen. Ein abenteuerliches. Die Schmuggler, Söldner... vielleicht waren ihre Gedanken romantisch verklärt - aber was machte das schon? Jeder Mensch besaß seine Träume und mehr als einmal hatte sie darüber nachgedacht, einfach alles über Bord zu werfen um ein solches Abenteuer zu wagen. Schließlich hatte auch sie nur ein Leben und die Zeit gab nichts zurück. Es wäre die perfekte Flucht vor einer undankbaren Galaxis, der sie versucht hatte zu dienen, sie zu einem besseren Ort zu machen. Aber noch war nicht die Zeit um Träumereien nachzuhängen. Man mochte viel über sie sagen, aber sie drückte sich nicht einfach vor ihrer Verantwortung, nicht, solange sie noch eine Welt repräsentiert, die Interessen ihrer Einwohner.

Der Farbenstrudel des Hyperraumes riss ab, als die Fregatte sanft in den Realraum über Naboo zurückkehrte. Filigran und kunstvoll schlängelte sich die "Tourian" durch die myriaden von Kriegsschiffen, die den schönen Planeten unter ihr bewachten, wie ein goldener Käfig für einen besonders wundervollen Vogel. Die Verteidigungsflotte von Naboo, das letzte Bollwerk gegen das Imperium. Kaum eine halbe Stunde später, durchbrach die Spitze des Konsularschiffs die Wolkendecke und zeigte das umwerfende Bild Theeds unter ihr. Immer wieder musste sie staunen, dass es trotz mehrmaliger der Attacken seitens der Handelsföderation, nie gelungen war das Antlitz des Planeten zu entstellen, anders als so viele Planeten, die unter dem Schrecken des Klonkriegs litte. Republikanische, wie auch konföderierte Welten. "Wir erreichen in zehn Minuten die Landeplattform, Machen Sie sich landfein, Fräulein! Dash Ende." Amber schüttelte amüsiert den Kopf, ja, es wurde Zeit alles zusammenzupacken, sich zu sammeln und wieder in den täglichen Wahnsinn einzutauchen.
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