#1

Irkalla


Der Planet Irkalla liegt im galaktisch westlichen Teil der Unbekannten Regionen und ist Teil einer Formation eng verschränkter Sternensysteme. Aufgrund der umliegenden, äußerst tückischen Gravitationsverhältnisse lässt sich der Planet nur mit einer Hand voll kaum kartographierter und unsicherer Hyperraumrouten erreichen. Die meisten gehen von Kitel Phard (J-12) in den Kernwelten aus.

Irkalla ist der einzige Planet im gleichnamigen System und verfügt über eine reichhaltige Flora und Fauna, beherbergt jedoch kein intelligentes Leben. Vom Orbit aus gesehen dominieren fahlrote Akzente die Landmassen und überwiegen gegenüber blauen Meeren. Vor allem die Wald- und Dschungelflächen des Planeten faszinieren die seltenen Besucher mit ihrer mysteriösen Schönheit und zahlreichen feuerartigen Farbtönen.

Während des Ersten Großen Jedi Schismas rund 25.000 Jahre vor der Schlacht von Yavin, kam es auf Irkalla zum finalen Zweikampf zwischen dem Jedi Großmeister Awdrysta Pina und der dunklen Jedi Arden Lyn. Ersterer überlebte das Duell nicht, versetzte seine Kontrahentin aber vor seinem Tod in eine Jahrtausende andauernde Macht-Stasis. Während der Jedi-Verfolgung entdeckten schließlich Diener des Galaktischen Imperiums das Grabmal und setzten ihrem langen Schlaf ein Ende.
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#2

Storyeinstieg


Irkalla-System, leichter Frachter "Cyclops"

"Puh, das habe ich ja noch ganz passabel hingekriegt", kommentierte Auron nach dem Sprung aus dem Hyperraum und ließ sich in den Pilotensitz zurückfallen. Sämtliche Anspannung fiel augenblicklich von ihm ab, nachdem die rubinartige Kugel direkt vor seinen Augen lag. Ein schneller Blick auf den Navigationscomputer offenbarte seine galaktische Position und – was viel wichtiger war – dass sich kein weiteres Schiff im System aufhielt. "Du musst also Irkalla sein", sprach er mit sich selbst und knackte mit den Fingerknöcheln, bevor er die Hände in seinen Nacken legte und einige Augenblicke still die fremde Welt vor sich beobachtete.

Auron hatte die letzten Wochen hart daran gearbeitet, Gerüchten nachzugehen und Archive zu durchforsten. Schließlich war es ihm gelungen aus alten Sternenkarten, Flugberichten und mündlichen Überlieferungen die notwendigen Randbedingungen für eine astrophysikalische Simulation zu extrahieren. Der Navigationscomputer der "Cyclops" lieferte daraufhin eine Vielzahl potentiell stabiler Hyperraumwege. In altbewährter Weise verbrachte der Abenteuer dann noch einige Nächte über den Karten brütend und entschied sich letztlich für die, aus seiner Sicht, vielversprechendsten Routen.

Ein erster, grober Scan offenbarte, dass die Welt nicht von humanoiden Lebewesen bewohnt war. Ebenso existierten keine Städte oder größere Strukturen, die direkt auf intelligentes Leben hinwiesen. Nun galt es den Wert dieses Planeten überschlagsmäßig zu bestimmen, um daraus einen adäquaten Preis für die entdeckte Hyperraumroute festzulegen. Das Fehlen von einer indigenen Zivilisation konnte Fluch oder Segen sein, denn während die Möglichkeit zur Etablierung einer neuen Handelsroute wegfiel, bestand weiterhin die Chance auf einen wahren – bisher unentdeckten – Schatz gestoßen sein.

Irkalla, zwei Wochen später

Ein Tiefenscan des Planeten offenbarte nur durchschnittlich große Mineralienvorkommen und keine seltenen Erze. Welten wie Irkalla gab es – aus geologischer Sicht – tausende in der Galaxis und niemand würde sich sonderlich hierfür interessieren. Die Flora und Fauna war hochentwickelt, doch vermochte Auron dieser Tatsache nur schwerlich einen Wert beizumessen. Es sah auf den ersten Blick nicht vielversprechend aus und der Abenteurer hatte sich schon beinahe damit abgefunden, eine weitere Niete gezogen zu haben. Wie auf jeder Welt gab es jedoch einige statistische Anomalien, die durch den Tiefenscan ans Tageslicht gebracht wurden. Meist handelte es sich dabei um extraterrestrische Objekte, die mit dem Planeten kollidierten oder Strukturen, die gestrandeten Raumfahrer erbaut hatten. In den allermeisten Fällen nichts von Wert, aber doch ein Strohhalm, an den sich Auron momentan noch klammerte.

Dieses Mal sah es aber anders aus. Schon von der "Cyclops" aus, ließ sich im Tiefflug über den Wald eine außergewöhnliche Struktur in einem lichteren Waldbereich ausmachen. Sie war in hohem Maße mit rötlichen Pflanzen verwachsen und aus der Ferne schwer definierbar, doch zweifellos von Bedeutung. Ob sich ihre Entdeckung letztlich in irgendeinem finanziellen Wert niederschlagen würde, geriet für den Moment völlig in den Hintergrund. Aurons Neugierde hatte die Kontrolle übernommen.
Von einer rund zwei Kilometer entfernten Lichtung tastete sich der Abenteurer durch das Gebüsch. Er trug eine robuste Pilotenjacke mit Kapuze, Arbeitshose und Handschuhe, um den direkten Hautkontakt mit Insekten, Kleintieren oder der Vegetation auf ein möglichst geringes Maß zu beschränken. Das Immunsystem eines Weltraumgeborenen war eine Sache für sich; auch wenn sich Auron in den letzten Jahren angepasst hatte. Ebenfalls schulterte er einen Rucksack, der einiges an Werkzeug enthielt.
Die hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze setzte ihn zu, während er sich etwas schwerfällig durch das Gestrüpp kämpfte. Seinen Blaster hielt er griffbereit, falls eines der zahlreichen Geschöpfe auftauchen würde, die seine Scanner auf der Oberfläche festgestellt hatten. Der Gedanke an die Tiere erhöhte seine Vorsicht zusätzlich, immer öfter richtete er seinen Blick hoch in die Äste und roten Baumkronen hinauf.

"Selbst die Gräser sind blutrot", dachte er sich und schüttelte den Kopf, nachdem er den dichten Teil des Waldes durchquert hatte. Er streifte die Kapuze und Handschuhe ab, atmete tief durch. Die verwachsene Konstruktion ließ sich bereits in der Ferne erspähen. Es war eigenartig; trotz der krampfhaften Fortbewegung durch das Unterholz, hatte er kein einziges Mal nach seinem Kompass gegriffen. Er kannte den richtigen Weg, bewegte sich wie eine Motte auf das Licht zu.
Nachdem Auron das Ziel erreicht hatte, begann er damit das gelernte Handwerk fein säuberlich umzusetzen. Er nutzte seinen handlichen Scanner und stellte ein maßstabsgetreues Hologramm des verwachsenen Objekts dar. Nachdenklich tastete der Abenteurer über die Wurzeln und Sträucher, die das steinerne Monument überwucherten, versuchte erfolglos, die widerstandsfähigen Pflanzen mit einem Messer abzuschaben. Die Standardwerke der Archäologie kannten jetzt einige Möglichkeiten, das unliebsame Gestrüpp zu entfernen. Doch alle nahmen Zeit in Anspruch und waren unangenehme Arbeit. Auron überflog die Analysen seines Scanners und öffnete daraufhin mit einem Grinsen auf den Lippen den Rucksack. Der hervorgekramte Schweißbrenner kam deutlich effektiver mit den Verwachsungen zurecht als das Messer zuvor und stellte für die Steinoberfläche des Erinnerungsmals keine Gefahr dar, wenn man umgehen konnte.

Nach der sorgfältigen Befreiung des Bauwerkes vom Bewuchs wurde ein weiteres Hologramm angefertigt. Da die Dämmerung bevorstand, machte sich Auron wieder auf den Rückweg zu seinem Schiff, denn es war stets unklug die erste Nacht auf einer fremden Welt allein im Freien zu verbringen. Die geringen Entfernung zum Landeplatz machte dies auch schlicht nicht notwendig. Nach einer Mahlzeit deaktivierte er die Beleuchtung in seiner Kabine und aktivierte das vorhin erstellte Hologramm, dass den ganzen Raum ausfüllte. Er vergrößerte einige Bereiche, die der Abenteurer für Inschriften hielt, doch sie waren alle schon zu erodiert, um etwas erkennen zu können. Das Eingangstor des Bauwerks schien bereits einmal geöffnet worden zu sein, denn die Versiegelung – eine Schmelzverbindung, die durch eine extrem heiße Quelle entstanden sein musste – passte von der Art nicht zum Rest der Konstruktion. Auron setzte die Analysen fort, nutzte die zahlreichen Funktionen des Computersystems, um Strukturen hervorzuheben, die mit dem freien Auge nur schwer festzustellen waren. Und schließlich, kurz vor Mitternacht, entdeckte er etwas, dass seine schlichte Neugierde in Euphorie verwandelte: Insignien des untergegangenen Jedi-Ordens.

In den nächsten Tagen intensivierte Auron seine Untersuchungen, drang in das Innere des Grabmals vor. Doch er wusste nicht viel über die Jedi und die antiken Runen vermochte auch sein Computersystem nicht zu entziffern. Er sah keine realistische Möglichkeit, um die quälende Neugierde zu stillen. Ein Jedi-Ritter hingegen wäre vermutlich in der Lage weiterzuhelfen. Doch außer den Geschichten um Luke Skywalker und seinen Kampf für die Rebellen waren Auron in jüngster Zeit keine Berührungspunkte mit dieser mysteriösen Gruppierung bekannt.
Eine Kontaktaufnahme mit der Neuen Republik erschien dem Abenteurer als einzige – äußerst geringe – Chance der Lösung dieses Rätsels näherzukommen. Er legte seiner Nachricht die holographische Außenaufnahme des Bauwerkes bei, um auf der Gegenseite Interesse zu wecken. Wenn nur ein Teil von dem was über die Jedi geschrieben wurde der Wahrheit entsprach, würde man ihnen ein Stück weit vertrauen können. Und falls, wider erwarten, tatsächlich jemand auf seine Anfrage antworten würde, hätte er bis zum Eintreffen auf Irkalla noch genügend Zeit, um die eigenen Nachforschungen abzuschließen.
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#3
~ Vor vier Tagen im Jedi Praxeum ~

"Ich kann das," jappste Mytria mit weit geöffneten Augen. "Diese Mission ...," ergänzte sie und wurde von ihrer Ausbilderin Saanza mit einer Handgeste unterbrochen. "Du bist noch nicht soweit. Diese Mission ist zu groß für dich," erklärte Saanza mit einem beruhigenden Tonfall. Sie wollte Mytria nicht vor den Kopf stoßen. "Wir haben doch nicht genug Jedi, Meisterin. Es ist doch nur eine Untersuchung," entgegnete Mytria eifrig und versuchte ihre eigene Hektik zu verbergen, indem sie ausnahmsweise nicht mit ihren Haaren spielte. Sie wollte seriös wirken, bereit eine Mission für die Gemeinschaft zu übernehmen. "Ich habe das mit allen Ausbildern besprochen. Du bist eine kluge junge Frau, die aber noch einen langen Weg vor sich hat. Es ist zu gefährlich, Mytria," versuchte Saanza mit Vernunft auf die Schülerin einzuwirken. Doch auch sie stellte erneut fest, dass Mytria beharrlich war. Das Gesicht der jungen Jedi drängte auf einen Aufbruch. Nervös schlug Mytria ihre Hände ineinander. Saanza überlegte, lächelte vorsichtig, da sie den Eifer der jungen Schülerin nur zu gut verstand aber dieser Eifer konnte auch in ein persönliches Verderben führen. "Mytria," betonte die Ausbilderin den Namen der Schülerin. "Ich weiß, dass du viel Gutes bewegen möchtest. Ich weiß, dass du eine gute Jedi sein möchtest aber diese Galaxis ist voller Gefahren für Jedi, die noch nicht soweit sind," versuchte sie mit einfachen Worten, die junge Frau zu überzeugen. "Zumal du uns nicht hättest belauschen sollen," sagte Saanza mit einem scherzhaften Unterton, strahlte dabei und legte die Hand auf die Schulter von Mytria."Ich habe euch nicht belauscht," schimpfte Mytria abwehrend, obwohl sie selbst genau wusste, dass sie es getan hatte. Saanza blickte Mytria ernst an. "Du bist noch nicht soweit!" Mytria verzog ihr eifrige Mimik in ein schmollend-mauliges Gesicht. Sie wollte auf diese Mission gehen, um sich zu beweisen. Endlich zu beweisen, dass sie auch für das Gute einstehen konnte. Mytria wollte eine Jedi sein. "Meisterin, ich bin... ich bin....," versuchte die junge Frau Worte zu finden aber stolperte über ihre eigene Emotion. "Du bist noch nicht soweit," wiederholte die Ausbilderin aber verzichtete auf den Ernst in Stimme und Ausdruck. Saanza nahm die Hand zurück, blickte zum Brunnen in der Mitte des Gartens. "Ich bin vielleicht nicht soweit aber ich kann auf dieser Reise etwas lernen. Etwas über unsere Vergangenheit. Ich möchte ja auch nicht alleine gehen", versuchte Mytria eine andere Strategie. Sie wollte auf diese Mission gehen; egal, was andere dachten.

Mytria atmete schwer ein und aus, mit ihren eigenen Gedanken kämpfend. Sie hasste es zurückgesetzt zu werden. In ihrer eigenen Vergangenheit war sie oft zurückgesetzt worden und musste sich vielerlei gesellschaftlicher Fallstricke erwehren. Nicht nur die Erinnerung an die Hänseleien, ihre Erfahrungen in ihrer Schulzeit, sondern auch die Erfahrung mit ihrer Machtsensitivität, die sie fast ihr ganzes Leben dazu gezwungen hatte, sich zu verstecken. Mytria wollte nicht mehr diese Cheerleaderin sein, die sich zwanghaft anpasste. Nicht mehr die Frau, die allen Erwartungen genügte, um nicht zurückgesetzt zu werden. Sie wollte endlich etwas eigenes finden. Etwas, was ganz aus ihren Handlungen geboren war und nicht nur eine Wiederholung oder Kopie eines außenstehenden Wunsches. Saanza seufzte leise, lächelte aber gewohnt vertrauensvoll, da sie Mytria sehr wohl kannte und verstand. "Vielleicht hast du sogar recht," meinte die Ausbilderin.

"Ich werde mit den anderen Ausbildern reden." Saanza nickte Mytria zu, die freudig strahlte und sogar einen kleinen Luftsprung machte. In der Tat war Mytria endlich zeigen zu können, dass wirklich eine Jedi aus ihr werden konnte. "Aber bitte belausche uns nicht mehr," warnte Saanza fürsorglich und grinste. "Aber nun gehen wir erstmal etwas Essen und dann müssen wir noch ein paar Gespräche über die lebendige Macht führen. Du hast bald Prüfung," sagte die Ausbilderin, während Mytria in einer merkwürdigen Mischung aus Freude und Enttäuschung brummte. Eigentlich wollte sie jetzt ihre Sachen packen und überlegen, was sie für die Mission brauchte. Ganz entkommen konnte sie ihrem alten selbst nicht, so dass ein oder zwei Gedanken an das passende Outfit gingen, welches sie zusammenstellen wollte. Sollte sie Robe tragen oder doch eher zivile Kleidung? Kurz war ihr Geist damit gebunden, bevor ein Windstoß ihr eine Haarsträhne ins Gesicht wehte, die sie aus ihren Gedanken riss. "Ja, gerne," antwortete sie. Beide verließen den Garten.

Am nächsten Tag erwachte Mytria voller Tatendrang. Nachdem sie sich fertig gemacht hatte, eilte sie hinaus in den Korridor und dann in den großen Hof. Sie blickte sich um und suchte Saanza. Schließlich fand sie diese auch im Garten meditierend vor. Mit großen Sprüngen hüpfte sie dieser entgegen. Ihre Schritte waren alles andere als bedächtig und auch die Absätze ihrer Stiefel erzeugten auf dem Sandsteinboden bei jedem Sprung einen Ton. Saanza wurde also unsanft aus ihrer Meditation gerissen, auch da Mytria laut ihren Namen rief. Die Ausbilderin seufzte, holte Luft und stand andächtig auf. "Ja, Mytria?" - fragte sie, als die freudige Schülerin stehen blieb. Mytria nickte mehrmals, bevor sie in einem Redeschwall über Saanza hereinbrach: "Ihr habt gesagt, dass ihr mit den Ausbildern reden wollt? Habt ihr das getan? Wirklich? Ich freue mich so! Das wird toll! Endlich eine Mission! Davon hat Meister Skywalker doch immer berichtet..." Mytria machte keine Pause, wirkte übereifrig und gestikulierte wild mit ihren Händen. "... Jedi reifen ja mit ihren Aufgaben. Ich brauche auch Aufgaben. Gute Aufgaben. Das wird so toll. Endlich etwas für die Galaxis tun. Endlich überhaupt etwas tun. Wenn ich nur daran denke, dass wir eine Mission ausführen. Ich bin so aufgeregt. Danke, danke!" Saanza wirkte peinlich berührt, versuchte den Worten zu folgen und nutzte dann eine Atempause von Mytria für eine Antwort. "Ja, du darfst auf diese Mission gehen. Wir möchten sogar, dass du etwas über uns Jedi lernst," sagte die Ausbilderin aber bevor sie weiter sprechen konnte, schien Mytria so glücklich zu sein, dass sie garnicht mehr zuhörte. Ihr breites Grinsen, die übermäßig freudig strahlenden Augen funkelten und der schief zur Seite geneigte Kopf offenbarten dies. "Da dich aber kein Ausbilder begleiten kann und wir die Mission bewertet haben, stellen wir dir einen Droiden an die Seite, der auf dich aufpassen wird," erklärte Saanza der scheinbar abwesenden Mytria. Die Ausbilderin wartete einen Augenblick. "Mytria?" - fragte sie. Mytria selbst orientierte sich erneut, versuchte sich wieder im Moment zu etablieren und nickte.

"Gut, wir stellen dir einen Droiden, der dich begleiten wird. Er wird dir Ratschläge geben und die Fähre fliegen," erklärte sie abermals. Mytria nickte mit einem betont ernsten Gesicht. "Ich verstehe," gab sie von sich, grinste dann aber wieder. Endlich konnte sie sich beweisen. Was Mytria nicht wusste war, dass die Ausbilder sich geeinigt hatten, dass Saanza auf einem Schiff in der Nähe bleiben würde, um die junge Anwärterin zu beobachten und bei Gefahr einzugreifen. Mytria sollte in der Tat ihre erste Mission erleben aber nicht ohne Sicherheitsnetz. "Wann breche ich auf?" Mytria kratzte sich am Kopf, wirbelte ein paar Haare umher und blickte Saanza aufrichtig an. "Wenn du möchtest sofort," sagte die Ausbilderin. Mytria weitete ihre Augen, holte Luft und gab dann einen schrillen Ton der Freude von sich. "Ja!" Mytria umarmte Saanza aus einer Laune heraus und rannte dann in ihr Quartier zurück, um ihre Tasche zu packen. Hektisch warf sie vorallem zivile Kleidung hinein, da sie sich überlegt hatte, nicht sofort als Jedi erkennen zu sein. Es dauerte einige Minuten mehr. Diese Zeit nutzte Saanza, um ein Pad mit Instruktionen zu holen. Mit diesem stand sie dann wenig später in der Tür von Mytrias Quartier. Mytria selbst schulterte bereits ihre Tasche und war nicht mehr ganz als Jedi-Schülerin zu erkennen. "Hier auf diesem Pad steht alles, was du wissen musst, Mytria," erklärte Saanza und gab den pfeilschnellen Händen, die nach dem Objekt packten, jenes Pad. Mytria blickte andächtig darauf.

"Danke," sagte sie und blickte dann wieder auf. Ihre erste richtige Mission. "Der Bittsteller heißt Auron Seltano. Er ist auf ein Jedi Grab gestoßen. Bitte untersuche zusammen mit ihm die Fundstelle, dokumentiere alles, was dir wichtig erscheint und halte regelmäßig Kontakt. Der Droide wird dich immer begleiten," stellte Saanza noch einmal mündlich für Mytria die Mission zusammen.

"Ich verstehe," eiferte Mytria und hatte leider nur halb zugehört, denn die Vorfreude endlich eine Jedi-Mission zu erledigen, überschattete ihr Urteilsvermögen. Saanza hatte ein schlechtes Gefühl bei dieser Sache aber wollte Mytria auch Raum geben, sich als Jedi wiederfinden zu können. Ihr Eifer war ja mitunter auch etwas Gutes. "Ich bringe dich noch zum Shuttle. Dort wirst du auch Z17 treffen, deinen neuen Droiden," sagte Saanza ging dann vor und Mytria folgte, noch einmal im Vorbeigehen am Wandspiegel ihre Frisur zu kontrollieren. Sie wollte zumindest adrett aufbrechen. Ihre Robe hatte sie bereits zurückgelassen und trug tatsächlich ein zivileres Outfit, was leider nicht wirklich für eine Exkursion ausgelegt war aber auch nicht vollkommen fatal war. Eine Lederjacke über einem knallroten Oberteil mit einem weißen Schal, dazu eine weiße Hose und braune Stiefel. Abgerundet wurde ihre Erscheinung durch einen Funktionsgürtel mit diversen Ausrüstungsgegenständen, die aber nicht ganz zur doch recht zivilen Erscheinung passen mochten. Saanza mischte sich nicht ein aber konnte einen Kommentar nicht vermeiden: "Meinst du, dass dieses Outfit passend ist?" Mytria richtete ihren Seidenschal. "Doch, doch. Ich bin doch undercover...," sagte die Schülerin und lachte dann. "Vielleicht aber mir war danach," antwortete Mytria schließlich ehrlich. "Im Shuttle ist auch Überlebensausrüstung aber warte kurz," meinte Saanza und verschwand kurz auf dem Weg zum Landfeld hinaus in einem Lagerraum. Sie kehrte alsbald zurück und reichte Mytria einen Poncho in einem hässlichen Grau. "Du wirst ihn brauchen," ordnete Saanza an und Mytria blickte verstört auf das hässliche Teil. "Das Ding?" Mytria verstaute das Missionspad, welches sie wie ein Heiligtum getragen hatte, am Funktionsgürtel und griff etwas angewidert nach dem Poncho. "Ja," konterte die Ausbilderin. "Gut," sagte Mytria und rollte den Poncho zusammen. Sie würde ihn irgendwo im Shuttle entsorgen. Beide machten sich auf zum Landefeld auf, wo bereits Z17 wartete. Der Piloten- und Protokolldroide begrüßte Saanza und Mytria freundlich aber nicht sehr redegewandt. Seine Programmierung sah keine lange Gesprächsführung vor. Mytria warf ihre Tasche über die Rampe hinein in das Shuttle, blickte sich noch einmal um und umarmte Saanza noch einmal zum Abschied, bevor sie zusammen mit dem Droiden das Raumgefährt betrat.

~ Aktuelle Zeit auf Irkalla ~

Das zivile Shuttle durchstieß die Atmosphäre, hatte einen festen Kurs auf die übermittelten Koordinaten und landete recht schnell auf einer geeigneten Fläche. Mytria hatte auf dem Flug den armen Droiden mit allerhand unwichtigen Themen versorgt. Im Volksmund würde man sagen, dass sie ihn "zugetextet" hatte. Mytria war einfach voller Vorfreude, eifrig und gleichsam nervös. Sie hatte ja sonst keine Reisebegleitung außer den schweigsamen und funktionalen Droiden. Das Shuttle war gerade aufgesetzt, als sich die Rampe öffnete und Mytria mit einem großen Satz hinaustrat. "Ah!" Die junge Frau versank leicht im roten Sand und blickte schockiert in ihre Umgebung, da hier eigentlich nichts war. Sie hatte kein Gespür für die Natur, sondern hatte große Ruinen erwartet. Etwas, was etwas hermachte. Doch hier war in ihren Augen nichts. Nur Schmutz, welcher gerade ihre neuen Stiefel ruinierte. Mytria grummelte kurz, richtete ihre Lederjacke und stapfte missmutig in ihre Mission. Hoffentlich würde sie diesen Seltano bald finden. Wenigstens etwas echte Unterredung brauchte sie jetzt. Desinteressiert riss sie ihr Kom vom Funktionsgürtel. "Ist da jemand?" - schickte sie über die Nahbereichskanäle. Während sie weiterging, trat unweit von ihr aber etwas verspätet der Droide aus dem Schiff. Er folgte Mytria in einem gewissen Abstand. Mytria selbst fand tatsächlich das gelandete Schiff von Seltano, konnte es aber nicht identifizieren. Sie entschied sich, hier schlicht zu warten. Erneut sandte sie über die Nahbereichskommunikation: "Hallo?" Grimmig ging sie im Kreis und versuchte mit jedem Schritt den Staub von den schicken Stiefeln zu treten.
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#4
Irkalla, einige Tage später

Auron war mit den Früchten seiner Arbeit bislang nicht unzufrieden. Obwohl er keine essentiellen Fortschritte bei der Entzifferung der Jedi-Runen erzielt hatte, gelang es ihm doch, die Erforschung der Konstruktion zügig voranzutreiben. Seine Methoden stellten sich als äußerst effektiv heraus und hinterließen keine Schäden am Bauwerk, die den wissenschaftlichen Wert im Nachhinein mindern konnten. Es war immer wieder ärgerlich, wie viel Zeit er während seiner Studienzeit auf Zuruf seiner Professoren und Kommilitonen mit Zimperlichkeiten verschwendet hatte.
Nachdem Auron eines Abends die Antwort auf seine Anfrage an die Neue Republik am Holoterminal entdeckte, staunte er nicht schlecht. Es gab offenbar erstnhaftes Interesse an seiner Entdeckung. Ein Jedi würde sogar den beschwerlichen Weg nach Irkalla antreten, um sich selbst ein Bild vom Fund zu machen. Jegliches Profitstreben trat augenblicklich in den Hintergrund und so übermittelte er die notwendigen Koordinaten für die gefahrlosen Hyperraumsprünge. Die Chance die Geheimnisse des, mittlerweile als Grabmal identifizierten, Bauwerkes zu lüften und im Zuge dessen auch noch Informationen über die Jedi zu sammeln war zu verlockend.

Nichtsdestotrotz intensivierte der Abenteurer unmittelbar seine Anstrengungen, denn alles, was noch vor dem Eintreffen des Jedi in seine Hände fiel, würde sie höchstwahrscheinlich auch nicht mehr verlassen.
Es war ein reiner Glücksfall, dass Auron sich zum Zeitpunkt des Überfluges außerhalb des Grabmales aufhielt und die Ankunft der Fähre bemerkte. Einen Uplink zur Kommunikationseinheit seines Schiffes trug er nicht bei sich, so blieb dem Abenteurer nichts Anderes übrig, als seine laufende Untersuchung schnellstmöglich zu beenden. Während er den mittlerweile ausgetretenen Weg zum Frachtschiff zurücklegte, begann er sich Gedankenspielchen hinzugeben. “Wie so ein Jedi wohl aussieht? Was war an dieser so genannten Macht dran? Wie viele von ihnen gab es noch?“ Dutzende Fragen fluteten den Kopf Seltanos, bis er beinahe über eine Wurzel gestolpert wäre und sich entschied von nun an seine Konzentration auf den Wald zu richten.

“Sie ist noch so jung“, lautete der erste Gedanke Aurons, nachdem er das Gestrüpp durchquert und die exotische Frau vor seinem Schiff erspäht hatte. Er näherte sich ihr, trug einen dunklen Pilotenoverall und ein Shirt mit gut sichtbaren Schweißflecken. Die Temperatur war im Laufe der letzten Tage weiter angestiegen, weshalb der Weltraumgeborene sich, zumindest vorübergehend, von der Jacke verabschieden musste. Ein Grinsen huschte für einen kurzen Augenblick über die Lippen des Abenteurers, als er den bemerkenswerten Kontrast zwischen Hautfarbe der jungen Frau und den auf Irkalla vorherrschenden Rottönen bemerkte. “Freut mich, dass Sie hergefunden haben“, rief Auron und näherte sich ihr weiter. Er strich sich mit seiner linken Hand durch die leicht vom Schweiß verklebten Haare, überlegte kurz die andere zum Gruße zu reichen, unterließ es dann aber, da die üblichen Gebräuche der Frau schwer einzuschätzen waren. “Ich bin Auron Seltano. Sie gehören zu den Jedi, nehme ich an?“, lieferte er eine Begrüßung nach und musterte die außergewöhnlich gekleidete junge Dame einen Augenblick aus der Nähe.
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#5
Eine gefühlte Ewigkeit verging. Mytria war ungeduldig, denn diese Mission konnte sich als Reinfall entpuppen. Für sie war es bereits im Ansatz ein Reinfall, da das gewünschte Abenteuer nicht sofort eintrat und sie sich sogar ihre Stiefel mit diesem furchtbaren roten Sand ruiniert hatte. Wenigstens passte ihr rotes Oberteil zu dieser Welt, so dass sie in dieser Hinsicht wenigstens etwas beruhigt war. Noch konnte sie nicht ganz von erlernten Gedankenmustern lassen. Gelangweilt blickte sie auf den Boden vor sich und akzeptierte die ruinierten Stiefel hinsichtlich damit, dass sie begann mit ihren Absätzen und Fußspitzen Muster in den Boden zu kratzen, was im Anbetracht der leichten Oberfläche aus rotem Sand recht einfach war. Mytria war schnell gelangweilt und konnte wenig für sich auf dieser Welt entdecken, so denn die Sandmuster zumindest eine Beschäftigung waren. Sie presste Luft durch beide Nasenlöcher. "So ein Mist," brummte sie und unterbrach dann ihre Muster, um sich erneut umzublicken. Was hatte die Jedi-Ausbilderin immer gesagt? Geduld und Aufmerksamkeit. Mytria versuchte aufmerksam zu sein und ihre eigene Langeweile bei Seite zu schieben. Sie rang um Fokus und Konzentration, was ihr schlussendlich auch gelang.

Die Erinnerung an ihre Ausbildung half ihr, zumindest zeitweise ihre Prägung von Herdessa vergessen zu machen. Hier war sie nicht die sich stets verstellende und zum Überleben angepasste Cheerleaderin Mytria, die zwar beliebt aber auch eine Illusion war, sondern die Jedi-Schülerin Shanlo. Zumindest versuchte sie das zu sein. Mytria entdeckte etwas. Eine Bewegung, auch wenn es keine wirkliche Bewegung war; eher eine Wahrnehmung, die sie nicht zuordnen konnte. Weil sie ihre Konzentration geschärft hatte, hatte die Macht ein Nachsehen mit ihr und erlaubte ihr zumindest eine gewisse Eingebung, aus welcher Richtung Seltano erscheinen würde. Mytria war überrascht, dass sich diese Fähigkeit sofort zeigte und sie fast niederwarf. Es war ein merkwürdiges Gefühl, die Aura einer Person zu sehen oder zumindest irgendwie wahrzunehmen. Denn sehen konnte sie die Aura nicht. Ihr fehlten die Worte und Beschreibungsmöglichkeiten für diese Erfahrung. Es funktionierte einfach. Mytria lächelte aber mit dem Lächeln verschwand diese Wahrnehmung wieder. Sie hatte ihre Konzentration verloren. Immerhin wusste sie nun, aus welcher Richtung Seltano sie erreichen würde. Zumindest nahm sie an, dass es Seltano war. Sie baute sich im Versuch erhaben in dessen Weg auf.

Hektisch richtete sie ihre leicht verwirbelte Frisur, damit ihr Auftritt als Jedi aus ihrer Sicht perfekt war. Mytria versuchte ein intelligentes aber gleichsam aufmerksames Gesicht zu machen. Sie scheiterte daran, denn ihre Pose geriet eher in die einer Superheldin, die gerade in einem schlechten Holoroman irgendeine Welt gerettet hatte. Mit einer Hand an ihrer Hüfte und die andere sinnsuchend in den Horizont gerichtet. Ihre Augen, so schön sie auch waren, wirkten weit aufgerissen eher deplatziert und auch die wehenden Haare machten ihre Erscheinung eher lächerlich. Mytria bemerkte dies auch recht schnell. Schnell wickelte sie die Pose ab und wirkte dann eher entfremdet, da ihre neue Haltung seltsam verschlossen war, weil sie beide Arme vor sich verschränkte. Die Erwartungshaltung an sich und das was ein Jedi darstellen musste fiel ihr schwer, da sie immer noch Erscheinung für wichtiger hielt als wirkliches Sein. Sie gab das Posieren auf und verweilte schlicht mit den verschränkten Armen, bis sich tatsächlich eine Person näherte.

Er war verschwitzt, dreckig und in allem so entrückt von den Dingen, die Mytria wichtig waren, dass sie kurz zögerte. Dieser Arbeiter war der Kontakt, den sie aufsuchen sollte. Sie hatte jetzt einen Wissenschaftler mit Kittel oder einen strahlenden Archäologen erwartet, wie dieser coole Indiana Moons aus verschiedenen Holofilmen. Doch dieser Mann war in ihren Augen ein Wrack. Ihre Eitelkeit konnte sie für einen Moment nicht durchbrechen und ihre Gesichtszüge entglitten ihr. Ja, die Mission war für sie bereits ein Fiasko. Dennoch machte Mytria das, was sie einst auf Herdessa gelernt hatte, ein hübsches Gesicht, um ihre eigentlichen Gedanken zu verbergen. Sie lächelte mit einer angenehmen Unehrlichkeit, weil ihre Augen nicht mitlächelten. Trotzdessen rang sie sich ab, nicht gleich zu gehen. Ein Jedi flüchtete nicht. Sie glaubte das manchmal. "Ehm...," machte Mytria, strich sich nervös durch die Haare bis sie auch damit aufhörte. Sie wollte wirklich professionell erscheinen. "Ich habe hergefunden," wiederholte sie schlicht seine Worte und kam sich selbst dabei unglaublich dumm vor. Mytria war nervös. Die Mission dürfte nicht scheitern. Die Jedi verließen sich auf sie. Mytria kämpfte mit sich und überwand ihre eigene Eitelkeit und Selbstgefälligkeit, da sie sich an ihre Ausbildung erinnerte und im Herzen tatsächlich nicht böse war. "Ich bin Mytria Shanlo, Jedi-Schülerin," setzte sie die passable Begrüßung fort und kam sich erneut unglaublich dumm vor. Peinlich angeschnitten blickte sie auf den Boden vor sich, suchte dort nach Antworten aber fand tatsächlich nur Sand. Schnell erhob sie ihren Blick und lächelte weiter; einfach immer weiter lächeln, bis sich die Situation in Wohlgefallen auflösen würde. Ihr würde schon etwas einfallen. Irgendwie.
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#6

Nachdenklich analysierte Auron den Habitus der jungen, blauhäutigen Frau und gestand sich ein, dass sie so völlig anders war, als er sich eine Jedi vorgestellt hatte. Im Kopf des Abenteurers waren ihre Ordensbrüder strahlende Helden, große Kämpfer für die Ideale einer verlorenen Epoche. Mytria hingegen wirkte so zerbrechlich, unsicher und doch auf eine exotische Art schön. Vielleicht lag es daran, dass sie noch eine Schülerin war. Die Jedi rekrutierten ihren Nachwuchs aus allen Bevölkerungsschichten der Galaxis und bekanntlich fängt jeder einmal klein an.
Auron stellte sich jedoch die Frage, ob eine so junge Frau überhaupt in der Lage war seine Anstrengungen in irgendeiner Art und Weise zu unterstützen. Falls nicht bestand aber immerhin die Chance, mehr über diesen mysteriösen Orden in Erfahrung zu bringen.
Von Mytrias Lächeln angesteckt, entschied sich Seltano die erkannte Unsicherheit der jungen Jedi zu überspielen und die Konversation ungebremst voranzutreiben. “Dann herzlich willkommen auf der wunderschönen Welt Irkalla“, entgegnete Auron, riss seine Arme von sich und deuteten mit geöffneten Handflächen nacheinander in alle Himmelsrichtungen. “Ich muss mich bedanken, denn es ist wohl nicht selbstverständlich, dass ein Jedi einen so weiten Weg nur wegen eines archäologischen Fundes auf sich nimmt“, fügte er an und realisierte erst den Droiden, der sich langsam dem Schiff näherte. Der Abenteurer deutete in Richtung des – im Sonnenlicht glänzenden – Z17. “Gehört der zu Ihnen?“

Mytria fand Auron, trotz seiner merkwürdig versifften und schwitzigen Erscheinung, inzwischen etwas süß. Nicht, dass sie ihn mochte aber seine charmante Selbstdarstellung gefiel ihr. “Irkalla,” wiederholte sie mit leicht zusammengekniffenen Augen. Sie hätte das Memo doch besser lesen sollen. Leider war der Holoroman, den sie für die Reise mitgenommen hatte, deutlich spannender als dröge Archiv-Materie. Aber gut, jetzt wusste sie zumindest, wo sie sich tatsächlich befand. Mytria richtete ihr weißes Halstuch, welches sich im staubigen Wind der Welt leicht verschoben hatte. “Wir Jedi sind immer interessiert an Wissen,” teilte sie mit und tat bei fast so, als ob sie inzwischen eine echte Jedi war. Manchmal war Schein mehr als Sein. Mytria beherrschte die Kunst des Überspielens vielleicht nicht perfekt aber ein wenig. “Zudem habt ihr uns um Hilfe gebeten und wir Jedi helfen gerne,” sagte sie und blickte sich dann noch einmal um, als Seltano auf den Droiden aufmerksam machte. “Ah! Öh?” - Mytria war sichtlich überrascht, dass dieser furchtbar langweilige Droide ihr gefolgt war. Dabei hatte sie ihm doch etwas anderes gesagt. Die junge Frau grummelte und brummte leise. “Ja,” antwortete sie und versuchte lässig zu wirken, was ihr für einen Moment gelang, weil sie ihre Standposition leicht veränderte.

“Immer interessiert an Wissen...“, wiederholte Auron Mytrias Worte und nickte einige Male nachdenklich. “Das habe ich wohl mit den Jedi gemein“, fügte er schließlich seine Gedanken zusammenfassend hinzu und zuckte mit den Schultern. Anderenfalls hätte er seinen Fund einfach für sich behalten. Mit einem Laserschneider und jeder Menge Fantasie wären ihm zweifellos großartige Jedi-Souvenirs mit kreativen Hintergrundgeschichten für leichtgläubige Sammler gelungen. “Es scheint ein Grab zu sein. Zuerst dachte ich an ein Denkmal, aber mittlerweile würde ich einiges darauf verwetten“, erklärte der Abenteurer und strich sich mit der rechten Hand über sein Kinn. “Das Baumaterial für das Monument stammt vollständig von Irkalla hier und die Wände sind mit seltsamen Schriftzeichen übersät. Ich gehe von Jedi-Runen aus, deshalb habe ich den Kontakt auch ursprünglich aufgenommen“, rekapitulierte er einen Teil seiner jüngsten Erkenntnisse. Einige Informationen hielt er jedoch bewusst zurück, einerseits weil er sich nicht sicher war, ob es klug wäre, sein gesamtes Blatt so früh offenzulegen und andererseits, um zu sehen, wie eine Jedi an diese Probleme herangehen würde.

Immer noch gebannt von Z17, der sich nicht an ihre Absprache gehalten hatte, antwortete Mytria nicht direkt und ließ Seltano schlicht in die Leere sprechen. Mytria wusste stets genau, was sie wollte aber nie wirklich, was sie brauchte. Und sie wollte nicht, dass Z17 diese Mission mit seiner langweiligen Kontrollfunktion ruinierte. Grimmig presste die junge Frau ihre Augen zusammen. “Z17,” sagte sie mit verstörend erhöhter Stimme, fast schon böse und zürnend. “Ich habe dir doch gesagt, dass du beim Schiff warten sollst. Ich komme schon klar,” meinte Mytria und warf wütend eine Haarsträhne zurück, die in ihr Blickfeld gefallen war. Ihre besondere Haarfarbe reflektierte dabei auf eine schöne Art und Weise das Licht der Umgebung, so dass sich fast eine fließende Lichtreflektion ergab. Z17 - in seiner gesamten Erscheinung mechanisch und nicht hektisch - wartete bis Mytria ihre Sätze beendet hatte, blickte zu Seltano, wobei seine Maschinenaugen surrten. “Ich bin mit eurem Schutz beauftragt worden, Schülerin Mytria. Ich werde nicht von ihrer Seite weichen, Meisterin Jedi,” war die ohne sonderliche Höhen vorgetragene Antwort des Droiden, die aus dem Vocoder dröhnte. Scheinbar war dieses Modell nicht für herausgehobene Protokollanlässe hergestellt worden. Mytria selbst rollte mit den Augen, blickte wieder zu Seltano, den sie fast in ihrem Anfall von zurückgehaltener Frustration vergessen hatte. “Ehm,” versuchte sich die junge Frau zu retten und sich die Worte des Mannes ins Gedächtnis zu rufen. Irgendetwas, dass er mit den Jedi gemein hatte. Noch irgendetwas mit Runen und vielleicht noch einem Grab? Mytria dachte nach, grübelte, um sich einen Reim aus den Wortfetzen zu machen. “Ja,” war die Antwort, welche eine Brücke sein sollte, bis sie etwas gefunden hatte, was sie bedeutungsschwer vortragen konnte. Etwas, was diesen Seltano beeindrucken sollte. “Ich kenne mich aus. Ich glaube, dass diese Welt mal ein Jedi Außenposten war…,” sagte sie mit betont ruhiger Stimme, um die erhöhte und bohrende Stimme, die sie gegen Z17 gerichtet hatte, ungeschehen zu machen. Gut gemacht, Mytria! Sie hatte es tatsächlich geschafft, einen Allgemeinplatz so zu platzieren, dass sie wenigstens nicht direkt als diejenige auffiel, die keine Ahnung von Irkalla, Runen und Jedi-Gräbern hatte. Mytria versuchte sich mit einem betont schmalzig-süßen Lächeln herauszuwinden und blickte Seltano mit großen Augen, so dass ihre fast okkulte Augenfarbe sichtbar wurde, die auch ein eigenes Farbenspiel besaß.

Auron atmete tief aus, nachdem die Ankunft des Droiden Mytrias Aufmerksamkeit offensichtlich umgelenkt hatte. Die kurze Konversation bot nichtsdestotrotz einige bemerkenswerte Informationsfetzen. So erschien es ihm beinahe absurd, dass ein Droide über eine Jedi wachen sollte. Dass Z17 sich außerdem einen Befehl von ihr widersetzte, war erstaunlich. “Hallo Z17“, begrüßte Seltano die künstliche Intelligenz und erntete dafür ein anerkennendes Nicken. Generell hegte der Abenteurer – im Gegensatz zu vielen anderen Personen – eine gewisse Sympathie für Droiden.
Die nachfolgenden Erklärungen der blauhäutigen Jedi brachten Auron dazu, sein Gesicht in Falten zu legen. Zuerst wirkte es so, als hätte sie ihn gar nicht richtig zugehört, doch dann schien sie plötzlich sehr überzeugt. Seltano biss sich nachdenklich auf seine Unterlippe, während er versuchte aus den Worten Mytrias schlau zu werden. Ein Jedi-Außenposten. Seltsam, der Tiefenscan hatte nur äußerst wenige Anomalien festgestellt, dieser Planet war zweifellos nicht oft von intelligentem Leben betreten worden. Es gab abseits von diesem Monument keine weiteren Bauten, kaum extraterrestrische Rückstände und dergleichen. Aurons Augen verengten sich zu Schlitzen, fixierten die eisblauen Gegenstücke Mytrias. Schließlich schüttelte er seinen Kopf. Trotz allem schien sie zu den Jedi zu gehören und wer wusste schon, wie sie lebten und woraus die Nutzung ihrer Außenposten bestand. “Vermutlich wäre es am geschicktesten, wenn wir uns die Konstruktion erst einmal aus der Nähe ansehen würden? Mittlerweile ist es mir auch gelungen in den Innenraum vorzudringen“, entgegnete Auron und versuchte den theoretischen Exkurs abzukürzen und wieder zurück an die Arbeit zu gelangen.

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