#18
Angewidert blickte Nashira auf die verschlossene Türe vor sich. Alles hier widerte sie an, weil alles hier sie daran erinnerte, dass es noch immer jemanden gab der über ihr Leben und ihr Schicksal bestimmte. Sie noch immer nicht ihr eigenes Leben führte, so wie sie es sich vor vielen Jahren einmal gewünscht hatte. Damals war es ihr Clan gewesen, der ihren Weg vorgeben hatte. Dann war es das Imperium gewesen, welches Mittel und Wege gehabt hatte sich ihre Fügsamkeit zu sichern und vorgegeben hatte in welche Richtung sie sich zu entwickeln hatte. Und jetzt war es ein einzelner Mann. Vesperum, den sie damals lediglich als Ausweg aus ihrem Gefängnis betrachtet hatte und dem es dennoch gelungen war sie unter seine Kontrolle zu bringen. Ihren Weg vorzugeben und den sie ging, auch wenn sie wusste dass er falsch war.

Alles hier stank nach ihm. Nach seinem verblendeten Wahn. Nach Arroganz und der fehlgeleiteten Überzeugung die Erlösung zu bringen. Doch war es wirklich die Erlösung die er bringen würde oder war es nicht vielleicht etwas ganz anderes, das er der Galaxis zum Geschenk machen wollte? Sie hatte seine Pläne noch immer nicht durchschaut. Wusste zu wenig über das, was er im Geheimen tat und doch reichte ihr hier ein Blick um zu spüren, dass, egal was auch immer er vorhatte, es niemals zum Wohle der Galaxis sein konnte. Ein Wissen, welches ihr vollkommen ausreichte, um seine Pläne durchkreuzen zu wollen. Viel zu lange hatten andere über sie bestimmt. Es würde ein Ende finden. Auf die eine oder andere Art und Weise. Es war dieser winzige, kleine Funke Hoffnung. Dieser kleine Rest Ich, den sie tief in sich verborgen hielt. Tief genug, dass ihn niemand entdecken konnte. So tief, dass sie ihn an manchen Tagen selbst nicht mehr fand. Wenn sie ihn verlor, dann war sie verloren.

Nashira unterdrückte den innigen Wunsch alles was sie hier sah in die Luft zu jagen. Zurück zu kehren und zu berichten nichts anderes als schwelende Trümmer vorgefunden zu haben. Dass ihr jemand zuvor gekommen sei. Aber ihr war klar, dass dies nur zu Fragen führen würde. Fragen, welche mit schmerzhafter Eindringlichkeit gestellt werden würden. Es würde zu Zweifel führen. Zweifel an ihrer Loyalität. Sie konnte es sich nicht leisten. Sie wusste einfach noch zu wenig. Sie hatte noch lange nicht alle Weichen gestellt, bei weitem noch nicht alle Fäden gezogen, die sie vorhatte zu ziehen. Sie durfte sich keine Fehler erlauben. Sie musste weiterhin in seiner Nähe bleiben. Sie durfte ihm weiterhin keinen Grund zu Zweifel liefern, sondern musste alles tun um sich weiterhin sein Wohlwollen zu sichern. Egal wie sehr es ihr auch widerstreben mochte.

Ihr Blick fokussierte sich auf das Siegel und streckte langsam ihren Arm aus. Mit all den Gedanken die sie hegte, dem Widerwillen und den Hass auf alle, die ihr ihr eigenes Leben verwehrten, war es nicht besonders schwer die Dunkle Seite der Macht in sich aufwallen zu lassen. Der Boden unter ihren Füßen begann zu vibrieren und was auch immer diese Vibrationen verursacht hatte kroch langsam auf den versiegelten Zugang zu. Kroch an der Wand empor und umfloss das Siegel. Es begann deutlich in seiner Halterung zu zittern, ehe es aus dieser heraussprang, einen Moment lang in der Luft schwebte und dann gegen die gegenüberliegende Wand flog. Es zersprang in viele Teile und die Vibration um Nashira herum verebbte. Mit festen Schritten ging Nashira auf den Eingang zu und drückte mit der Hand gegen das Tor.
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RE: Dxun | Die Dunkle Akademie - von Die Macht - 12.01.2021, 00:19
RE: Dxun | Die Dunkle Akademie - von Die Macht - 24.01.2021, 19:28
RE: Dxun | Die Dunkle Akademie - von Die Macht - 03.04.2021, 20:32
RE: Dxun | Die Dunkle Akademie - von Nashira Kilvaari - 19.01.2022, 03:56
RE: Dxun | Die Dunkle Akademie - von Die Macht - 11.02.2022, 19:59