#7
Das leise Geräusch der Technik, ihr beruhigendes Brummen, verschaffte der Stille einen Abgesang. Darth Vesperum befand sich wieder auf Beobachtungsbrücke des Sternzerstörers, blickte hinaus auf den Planeten, während seine Arm ruhig herabfielen und die Hände leicht zitterten. Welche Geheimnisse mochte er entdeckt haben? Im Schmerz, in der Einsamkeit und der kalten Angst, lag eine Weisheit, die sich vielleicht nur wenigen erschloss. Vesperum hoffte in der Dunkelheit etwas zu finden, was einst im Licht gelegen war. Doch dort war nichts mehr, außer ein endloser Weg in einem falschen Mondlicht. Eine gebrochene Sehnsucht nach einem Etwas; nach einem Sinn und einem Lobpreis ferner Gleichheit. Vesperum wollte sich einer Heiligkeit gleichmachen aber scheiterte. Er scheiterte nicht nur an der Macht selbst, sondern schlicht an sich selbst. Seine Lippen formten tonlose Worte, welche aus dem Abgrund entsprangen, indem er sich gefangen sah. Seine Worte waren Geheimnisse, einer anderen Welt, die kaum zu betreten war. Der Gott einer schrumpfenden Allmacht, wollte mehr als nur dieses Vergehen in eine Ewigkeit. Sein Glaube in die dunkle Seite war stark, ebenso, wie sein Zweifel. Thule, eine Welt gezeichnet durch die dunkle Macht, offenbarte in seiner morbiden Schönheit nicht nur eine einfache Wahrheit, sondern zeigte ihm auch das, was er war. Er vermisste Saanza. Ein Gefühl, welches sich durch die Verachtung und den Hass hinauf kämpfte, um präsent und wirkmächtig zu verweilen. Es war eine Flagge an Menschlichkeit, die sich aus einem Grab erhob, um ein leises Hallelujah zu verheißen. Niemand gab ihm einen Hinweis, eine klare Ansicht oder einen Sieg. Alles was war, war er nun und würde er sein. Darth Vesperum versuchte in seiner Ideologie Halt zu finden, in den gemurmelten Siththesen, die einem Hallelujah niemals gleichkommen konnten. Vesperum erinnerte sich an seinen vergangenen Weg. An diesen einen Weg, den er meinte zu beschreiten und all die Größe, die am Ende zu liegen schien. Doch ihm wurde immer klarer, dass sich der Weg mit jedem Schritt zu verlängern schien. Seine Sehnsucht nach Heimat, wie Familie, machte ihn einsam. Eine Einsamkeit, die die Reste seiner Seele band und seine Lippen brüchig werden ließ. Die tonlosen Thesen brachen nicht mehr hervor. Der Imperator schien seiner eigenen Macht beraubt, so hilflos und allein stand er vor der großen Panoramascheibe des Kriegsschiffes und richtete seine dämonischen Augen hinaus, auf die Welt hinab. Doch die Augen waren umschlossen von sensibler Traurigkeit, die gegen die Verachtung ankämpfte, die er sich selbst und anderen antat. Vielleicht war wirklich eine gnädige Macht in der Galaxis, welche einen Ausgleich schuf und am Ende Erlösung verschenkte aber darauf verlassen konnte er sich nicht mehr; nicht nachdem, was er geworden war. Es trieb ihn in den Wahnsinn, dass er nicht mit Sicherheit sagen konnte, was kommen würde. Ob alles einen Sinn haben würde, denn es gab keine Gewissheit in einer Welt der verschiedenen Gesichter und Träume. Je mehr er sah, und je weiter sein Blick reichte, umso chaotischer und wirrer wurde die Realität. Kümmerte es ihn wirklich? Sah er noch einen Sinn? Vesperum verlor sich in Fragen und dem eigenen Irrsinn der Möglichkeiten. Er hatte so viele Möglichkeiten, mit der Macht, die ihm geschenkt war. Mit all seiner bösen Absicht wollte er die Realität formen, verändern und am Ende sogar brechen, um endlich an den Ort zu gelangen, den er ersehnte. Das Böse lag nicht in seinen Taten, sondern in seiner Absicht. In der berechnenden Motivation gegen das Schicksal selbst zu stehen. Vesperum verdammte die Macht, wenn nicht sogar sich selbst, für das, was er noch tun musste. Der dunkle Lord stand allein. So war es immer und doch war dieses Gefühl eine Komplettierung seiner Tragödie. Endlich begriff er, dass die finale Falle der dunklen Seite, genau diese Ewigkeit war. Diese Ewigkeit mit sich selbst. Es würde nichts geben, außer das, was er war. Sein Geist, gewachsen und vergiftet in schwarzem Hass, konnte Alles erreichen aber niemals wirklich teilen, was er war. Alles, was er war, war er durch seine Taten. Er dachte nur an sich selbst. Nicht an das, warum er sie retten wollte. Vesperum dachte nicht an die Welten anderer, sondern nur an seine eigene. Die endgültige Grausamkeit seiner kranken Existenz, die kalte Flamme, die ihn aufzehrte, solange er diese Ewigkeit erdulden musste. Verdammnis erwartete ihn und mit frostiger Akzeptanz war er bereit. Mitunter hoffte er sogar darauf, um eine Antwort zu erhalten. Eine klare Antwort auf das Universum. Bisher sprach keine Stimme aus dem Schicksal verständlich zu ihm. Verdammnis wäre zumindest eine Antwort vom Schicksal auf seine Taten. Doch derzeit schien alles möglich und das Licht schwieg verräterisch. Ein hungrigen Bettler gleich, streckte er beide Hände von sich und betrachtete diese, während die schwarzen Narben in seinen Handflächen in der Haut leicht aufrissen. "Ich bin finstere Samen für dein Leben," stammelte er eine morbide Lyrik zusammen. "Ich bin die Dunkelheit, hinter der du dich versteckst," beendete er die gesuchten Worte und richtete seinen Blick wieder hinauf. Eines Tages würde er Saanza begreifbar machen, was es bedeutete, die dunkle Seite zu suchen. Er würde ihr begreifbar machen, was er wirklich war. Die dunkelste Stunde dieser Galaxis würde ihm gehören und er würde sich an dem Schicksal rächen, dass ihn zu Vesperum gemacht hatte. Der Sith würde nicht mehr flüchten. So wartete er darauf, dass Saanza sich von der Welt Thule erhob, um im Hyperraum zu verschwinden. Vesperum würde warten und sich leise von ihr verabschieden.
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