#4
Vesperum nickte seiner Dienerin freundlich zu, während man herabtrat. Auch unter seinen Stiefeln gab der Sand ein Geräusch von sich. Seine Lungen saugten die Luft dieses Planeten ein. Sie schmeckte staubig, wenn auch anders als die von Schmutz durchzogene Atmosphäre Coruscants oder Fondors. Heraus aus dem Komfort seiner Machtposition, in eine Welt, die nicht seinem Gebot unterlag. Einer Welt, die längst an die Republik gefallen war und seiner mächtigen Hand entrückt war; bis jetzt. Der dunkle Lord genoss es sichtlich von der Aufgabe des Imperators für ein paar Stunden oder auch Tage entzogen zu sein. Der Genuss ließ ihn lächeln, selbstsicher und überzeugt, dass dieser Ort ein dunkles Wunder bereithalten würde. "Deine alte Heimat," begann die tiefe Stimme des Meisters, während er behutsamen Schrittes über den staubigen Boden trat. Mit jedem Schritt wurde etwas Staub aufgewirbelt, welcher kleinere undurchsichtige Wolken um die Sohlen seiner Füße bildete. "Kannst du mir etwas darüber berichten?"- eine neugierige Frage, die er fürsorglich direkt an seine Untergebene richtete, während er direkt neben ihr ging. "Was fühlst du?" Nicht, dass er dies fragen musste aber er wollte testen, ob sie ihn belog oder ihre Empfindungen anders wahrnahm als er selbst. Der Sith spürte, dass sie ihre Machtsinne ausbreitete, sich ankommend sah und offen für diese Welt war. War dort auch etwas Neugier in ihr? Der Meister war zufrieden, wenn auch ungehalten darüber, dass ein wertvolles Artefakt hier auf einer fremden Welt lag. Es machte ihm Sorgen, dass dieses heilige Objekt beschädigt oder zerstört sein konnte. Unwissende Hände konnten schnell etwas verderben, was von alter und mächtiger Hand vor langer Zeit erzeugt worden war. Ein Nicht-Sith würde niemals vollens begreifen, welche Macht in diesen Dingen lag und welcher ritueller Wert für einen Anhänger des dunklen Kodex damit einherging. Darth Vesperum hatte über Syn davon erfahren, sich eingelesen in das Objekt, welches er hier suchen würde. Ald'ana wusste nicht, würde auch sobald nicht erfahren, was hier von wert für den dunklen Lord war. Vesperum teilte seine wahren Absichten auch ungerne mit. Er war nicht Herrscher des Imperiums geworden, weil er stets mit offenen Worten hantierte. Er war Herrscher über die grausame Tyrannei, weil er stets bedachte, was er tat. Manche mochten ihn für wahnsinnig halten aber auch in seinen grausamen Handlungen lag eine diabolische Logik.

Die dunkle Seite folgte ihm und auch seine Entscheidungen war stets mit dem Gift begründet, welches er beherzt trank, um sein Endziel zu erreichen. Es war dieses Ziel, welches alles rechtfertigte und auch seinen Verstand zusammenhielt, der von niederen Mächten zerrissen wurde. Wahnsinn war seine eigene Macht, die der Schlüssel im Irrgarten der dunklen Seite war. Ald'ana suchte noch Sinn in der Realität, doch dabei lag das Wunderland Vesperums weitab dieser irdischen Welten. Selbst Ryloth war nur ein Wegstein in seinem Hunger nach Transzendenz. Nicht ein Herzschlag schlug für diese Welt; nicht ein Atemzug galt ihren Bewohnern, sondern allein sich selbst. Die dunkle Seite umhüllte ihn, verbarg nicht einmal, wer er wirklich war. In seiner triefenden Arroganz verbarg er nicht einmal seine Macht oder seine Finsternis; und jeder Machtnutzer konnte in den Abgrund blicken, der sich näherte. Darth Vesperum war es schlicht egal, denn auf dieser Welt gab es keine Bedrohung für ihn. Er würde hier nicht sterben, dass hatte er gesehen. Die Träume waren klar gewesen, so klar, dass ihn nichts davon überzeugen konnte, hier zu scheitern. Nein, sterben würde er nicht mehr. Nur vergaß der Unhold, dass die dunkle Seite stets ihre Nutzer verriet und am Ende zwar sein Wunsch nach Ewigkeit und transzendenter Macht möglich war aber gleichsam mit der Verdammnis einherging. Die Macht konnte nicht erlauben, was er plante und doch konnte sie ihn um ihrer selbst willen nicht aufhalten. Er war das lebendige Paradoxon der Macht: konnte ein allmächtiger Gott, einen Stein erschaffen, den er selbst nicht heben konnte? Konnte die Macht sich selbst begrenzen und damit fehlbar machen? War es möglich, dass Vesperum der Fehler im System war, der nicht korrigierbar war? Oder war es schlicht notwendig, dass er existierte, damit die Macht einen letzten Beweis ihrer Entität erbrachte? Es gab kein tieferes Verständnis hinter Vesperum, nur, dass er eine böse Kreatur war, die in seinem eifrigen Streben gegen das Schicksal selbst antrat. Ald'ana sah es nicht, war gutgläubig an seine falsche Macht mit ihm gereist und verdammte sich selbst zu einem Sklaven. DIe dunkle Seite vermochte ihr Gift wohlschmeckend zu präsentieren, weil es einfach war. Vesperum konnte Lösung sein, mit einem einfachen Versprechen. Nicht nur für Ald'ana, seinen Kult oder die Sith, sondern auch für das Imperium. Das Imperium gab ihm alles; jeder Soldat sein Leben, nur damit er mehr Zeit gewann, um sein Versprechen größer zu machen.

Ryloth war bisher von seiner korrumpierender Macht verschont geblieben. Und doch wurde nun auch diese Welt heimgesucht. Doch Vesperum wusste, dass diese Reise nicht nur für ihn geschaffen war, denn auch für Ald'ana, die etwas über sich selbst lernen musste, galt sie. Die dunkle Seite gierte nach mehr Leid, Verlust und Hass. Ohne diesen Hunger würde nichts mehr möglich sein. Der dunkle Lord wollte Ald'ana hinabstoßen in seine frostige Hölle, damit sie allein ihm verfiel. Die dunkle Seite machte Handlanger kontrollierbar, formbar und ermöglichte ihm, dem Dämon, langsam ihre Seelen zu fressen. Ilara war an ihn gefallen, Jessra und bald auch Ald'ana. Der Wahnsinn wuchs mit dem kalten Herzschlag, denn die kalten Klauen gruben sich immer fester in ihre Wahrnehmung, verzerrten Eindrücke und schienen die Luft flimmern zu lassen. Alles, was man für diese Sekunde sah, war das Flimmern des Staubes um Vesperum, welches die Zeit zu verdrängen schien. Alles verlangsamte sich auf diesen Punkt, bis urplötzlich die Zeit jede Sekunde nach zu holen schien. Mit einem Satz glitten die Vögel weiter, knirschte der Staub wieder und der Blick hatte wieder Leben.

Zwei Raumhafenarbeiter, Twi'Lek in einfacher Aufmachung, traten aus der Ferne heran. Sie grüßten in Basic. Vesperum hob seine linke Hand, ließ diese einmal herumkreisen und die Arbeiter drehten sich mit einem Schritt um - und gingen zurück. "Wir landen ungestört und reden," erklärte der Sith Lord. Die beiden Arbeiter entschwanden wieder. Sein Blick lag nun allein auf Ald'ana, mit der er weiter genügsame Schritte in Richtung Stadt ging.
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