#5
Nichts weiter als Stille. Die Glasscherben auf dem Boden und das Tropfen des Wassers zeigten sich als einziges Anzeichen dafür, dass sich hier kürzlich Leben befunden haben musste. Allenfalls noch ein Fenster, das einzige im Raum, ausladend und nach oben hin gekippt, wodurch etwas Licht von außerhalb in den Raum einzog. Nicht viel jedoch, nur ein dunkler, grauer Himmel. Auch von draußen indes keinerlei Geräusche. Halt, doch. Leises, regelmäßiges Prasseln gegen das Fenster, vielleicht sogar durchzogen von einem untergeordneten Rascheln von Blättern in einer Windbrise – ein leiser Hoffnungsschimmer zumindest von so etwas wie Existenz.

Bei genauerer Betrachtung mochte sich zeigen, dass es sich nicht um ein einfaches Bett handelte. Ein Krankenbett: ein Bett, um das herum sich mehrere Schlingen und Gurte rankten, um Personen fixieren zu können. Keine davon hielt jedoch den Körper der abtrünnigen Inquisitorin an Ort und Stelle. Stattdessen waren die Halterungen bereits zertrennt worden, schienen dadurch aufgebrochen wie ein knöcherner Brustkorb, aus dem sie hervorzutreten vermochte. Zu säuberlich jedoch, um einfach zerrissen worden zu sein, sondern Schnitte, die praktisch keine Fäden zurückgelassen, sondern diese glatt durchtrennt hatten. Ein leichter verdunkelter Rand an den Schnittstellen zeigte sich, konnte womöglich ein Hinweis sein auf das, was den Schaden verursacht hatte. Er war jedoch gleichermaßen an allen vorhanden, so dass es überall der gleiche Gegenstand gewesen sein mochte.

Im Raum selbst… lediglich eine Türe, nicht ganz halb offen stehend. Durch einen Luftzug bewegte sie sich ein Stück weit, knarzte hierdurch kurz, ehe sie wieder stehenblieb. Und erneut, hin und her, so wie der Luftzug aus dem halb geöffneten Fenster anhielt. Über der Tür eine Digitalanzeige: Ruheraum 5. Aus dem Türspalt hinaus war nur dämmriges Licht eines Korridors zu sehen, das regelmäßig flackerte. Elektrisches Knistern flüchtete bei jedem Flackern schwach durch den Türspalt in den Raum hinein. Außerhalb ein plötzlicher Lichtschein, das den Raum kurz weiter zu erhellen wusste, gefolgt von einem Grollen. Erst bei dem Blitz wurde durch den Kontrast des Lichts deutlicher, dass das Fenster vergittert war mit dicken, metallenen Stäben. Wie in einem Gefängnis oder einem anderen Hochsicherheitstrakt. Es waren abseits der Apparaturen in ihrer unmittelbaren Nähe keine medizinischen Geräte in dem Raum erkennbar, noch zeigten sich Anzeichen eines Bactatanks oder von den Medi-Droiden, die flimmerhaft in ihrer Erinnerung aufgetaucht waren. Beinah gespenstisches Nichts. War es der gleiche Ort? Vielleicht, vielleicht nicht. Der Raum selbst barg nichts Auffälliges, Erinnerungswürdiges, um dies mit Gewissheit feststellen zu können. Etwas altbacken womöglich, recht deutlich aber erkennbar, dass es sich um ein Bauwerk erheblich vor etwa der Klonkriegszeit handelte.

In einer Ecke des Raums war an der Decke eine stumme Überwachungskamera positioniert, die in den Raum hinein gerichtet war und diesen in ihrem gesichtslosen Blick hatte. Ein grünes Licht leuchtete durchgehend. Sie schien nicht ganz in den Raum zu passen, wirkte im Gegensatz zum Rest nicht althergebracht, sondern glänzte sogar noch ein wenig, andeutend, dass sie noch nicht so lange hier sein durfte wie die übrige Einrichtung. Ein kleines Gitternetz am unteren Rand der Kamera deutete für versierte Beobachter an, dass auch Audio übertragen werden konnte. Darunter am Boden ein umgeworfener Mülleimer, der dadurch etwas Flimsi und eine leere Wasserflasche über den Boden verteilt hatte. Nichts Verständliches – verschlüsselte Buchstaben- und Zahlenfetzen, die nur mit der Chiffre gelöst werden konnten. Am Ende eines Flimsi ein kleines, nur leicht eingestaubtes imperiales Speichenlogo.

Während das Rinnsal über den Arm floss, begann es bei Ankunft in der Armbeuge zunächst auffällig zu jucken. Ein ebenfalls frischerer Einstich an dieser Stelle wurde offensichtlich, neben mehreren weiteren, sowie einem älteren, der noch als der identifiziert werden könnte, den sie nach Aufwachen auf Korriban bereits hatte. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass man sie ruhig gestellt hatte, vermutlich sogar vollständig betäubt wie ein gefährliches Raubtier, doch unklar in den Nebelschwaden des eigenen Verstandes musste verbleiben, wie lange dies der Fall gewesen sein mochte. Doch der unruhige Verstand wurde allmählich wacher. Und er witterte etwas noch anderes.

Irgendetwas war hier. Jemand. Hier im Raum? Nein. Nicht hier, aber nahe. Im Kopf hallten langsame Schritte von Stiefeln auf einem Korridorboden wider; nicht dagegen aus der halb geöffneten Türe und dem dahinter verborgenen Korridor. Woanders also, doch im Gewebe der Macht schnitt es sich hindurch und pulsierte lauter und lauter. Kam es näher? Es fühlte sich so an. Ein unruhiges Etwas, im Konflikt, im Widerstreit. Bilder von finsteren Zellen, ein Echo einer vergangenen Zeit, einer Zeit des Schmerzes. Und etwas, das der flüchtigen Inquisitorin selbst nur allzu bekannt vorkam. Waren es also ihre eigenen Erinnerungen? Bestimmt. Oder etwas, das ähnliche Erinnerungen hatte. Welche Variante wohl mehr Anlass zur Besorgnis bedeuten mochte?
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