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Golan-II-Kampfstation "Democracy" über Lantillies

Mit leisem, metallischem Klacken setzte die Fähre im Hangar der Democracy auf, ein dämlicher Name für eine Raumstation die im Grunde nur dem Zweck der Vernichtung diente, aber der Rat hatte eben so entschieden und solange er sich mit solch, eher repräsentativen, Entscheidungen zufriedengab und Jannos und Alessa nicht ins Handwerk pfuschte konnte sie damit leben, unpassend fand sie es dennoch, schon allein weil es im Lantillies-Sektor im Grunde nichteinmal eine wahre Demokratie gab.
Sicher, die Bewohner wollten die Regierung der Widerstandspartei, Jannos und Alessa genossen das Vertrauen des Volkes und alle waren zufrieden, aber andere Parteien gab es nicht wirklich und wenn nur eine ernstzunehmende Partei zur Wahl stand empfand sie es schon als Heuchelei von einer Demokratie zu sprechen, leider konnte sie Heuchelei nicht leiden, aber sie wusste auch das der Rat es nicht so gemeint hatte wie sie es assoziierte.

Mit einem Seufzer schüttelte sie die Gedanken ab und erhob sich, 4 Monate waren vergangen das sie das letzte Mal auf Lantillies selbst gewesen war, die Arbeit war um einiges stressiger geworden seit der Aufstand gelungen war, irgendwie ironisch wenn man bedachte das sie davor immer unter der Gefahr gefangen und hingerichtet zu werden agierte, man sollte meinen das soetwas mehr Stress hervorrufen würde als administrative Arbeiten, aber Alessa war eben immer schon etwas anders gewesen.
Mit einem Ruck erhob sie sich von ihrem Sitz und ging auf die, sich öffnende, Rampe zu, auf dem Weg nach unten konnte sie aufgeregtes Getuschel von allen Seiten auffangen, der Raum war voll mit Soldaten, aufgereiht mit fast schon imperialer Genauigkeit, aber offenbar bei weitem weniger ängstlich darin mit ihren Nachbarn zu kommunizieren, mindestens zweihundert Mann mussten das sein, während direkt vor der Rampe ein vergleichsweise junger Mensch in Offiziersuniform stand, den sie wiedererkannte, sie erinnerte sich wie sie ihn vor einem halben Jahr befördert und zum Kommandanten der Station gemacht hatte und er strahlte ihr entgegen "Admiral! Ich bin stolz sie auf der Democracy-Station begrüßen zu dürfen, wir fühlen uns geehrt die Feierlichkeiten zur Indienststellung ihres neuen Flagschiffes ausrichten zu dürfen."
Er sah tatsächlich stolz aus und auch die Soldaten im Umkreis strahlten eine gewisse Zufriedenheit aus, was widerrum Alessa gut gelaunt stimmte, lantillische Soldaten waren keine Männer und Frauen die nur ihren Job taten, sie glaubten an etwas besseres als das Imperium und das taten in dieser Galaxis immernoch viel zu wenige.
"Es freut mich hier zu sein Commander, aber sie hätten den Armen ruhig ihre Freizeit lassen können, ich brauche kein Begrüßungskommando, das sollten sie doch wissen"
Im Großen und Ganzen war der Vorwurf gegenüber dem Commander der Station eher freundlicher Natur, aber der grinste nur kurz bevor er antwortete: "Nun, das Begrüßungskommando bin selbstverständlich nur ich, allerdings habe ich eventuell alle Mitarbeiter der Station darüber in Kentniss gesetzt wann sie ankommen, die die Freizeit haben haben das offensichtlich auf eigene Faust genutzt um sie zu begrüßen. Die Zeremonie beginnt übrigens in einer Stunde, soll ich sie schon zum Festsaal führen?"
Alessa strich sich seufzend eine Haarsträhne hinters Ohr während sie auf die Frage des Commanders nickte, ihr behagte diese Behandlung als große Volksheldin manchmal nicht, viele die ebensoviel getan hatten, wie etwa Jannos, wurden zwar auch dafür geehrt, jedoch nie in der Weise wie man es ihr gegenüber ausdrückte, Jannos selbst dagegen hielt es für wichtig eine Leitfigur zu haben an die sich alle irgendwie halten konnten, es hielt seiner Meinung nach die Bevölkerung zusammen und das war in stürmischen Zeiten nicht unwichtig.

Sie waren einige Zeit durch die Gänge der Station gelaufen, überall fast ehrfürchtig von Soldaten und Arbeitern der Station gegrüßt, bis sie schließlich in eine große, saubere Halle traten, eine Festhalle war es natürlich nicht, das ließ schon der militärische Charakter der Golan-II-Stationen nicht zu, es war der größte Hangar der Station, befreit von technischem Gerät und störenden Fliegern war er in einen Saal mit einem Haufen Stuhlreihen umfunktioniert worden, die in Richtung des blau schimmernden Kraftfeldes auf ein perfekt in Szene gesetztes Schiff schauten, Alessa musste sich ganz unwillkürlich fragen wer das Schiff so perfekt manövrierte das es genau in diesem Winkel zu sehen war, an den Seiten umrahmt von lantillischen Bannern, die an den Enden des Kraftfeldes an der Hangarwand angebracht waren.
Mit einigen Schritten trat sie an dem ebenfalls bereit stehendem Rednerpult vorbei direkt an das Kraftfeld und sah auf das vor ihr liegende Schiff, es war eindrucksvoll, obwohl es nur ein Viertel so groß war wie ein imperialer Sternenzerstörer strahlte es die gleiche Kraft hinaus, auf den ersten Blick konnte man es für ein imperiales Schiff halten, kein Wunder, war es doch ein imperiales Projekt gewesen, doch der fehlende Kommandoturm und die vergleichsweise geringe Größe ließen einen stutzen, alles in allem wirkte das Schiff eleganter, es erinnerte Alessa tatsächlich mehr an ihren alten Venator aus den Zeiten der Klonkriege, als an die imperialen Machtmaschinen und das lag nicht nur an den roten Markierungen, mit denen das Schiff, als Symbol für die Zeiten der Republik, geschmückt war.
"Ein schönes Schiff nicht wahr? Wäre ich spirituell veranlagt würde ich sagen es strahlt Hoffnung aus"

Grinsend drehte Alessa sich um und erhob die Arme um den alten Mann vor ihr zu Umarmen, "Jannos! Wie wird sie heißen, Hoffnung?"
Er lachte leise "Jetzt tu nicht so, das ist die 'Widerstand II' oder hättest du auch nur im Ansatz gedacht der Rat würde deiner Benennungsbitte nicht entsprechen? Sie wissen wie sehr dich alle hier verehren, hättest du nicht direkt einen Namen erbeten hätten sie wahrscheinlich versucht herauszufinden welcher dir am besten gefallen würde.
Sie ist absolut einsatzbereit und bemannt, inklusive meinem Enkel Julius, der es offensichtlich geschafft hat den Platz des ersten Offiziers auf deinem neuen Schiff zu ergattern.
Außerdem vierundzwanzig ihrer Schwesterschiffe, fünf weitere sind fast fertig gestellt, deine 'Widerstand' hat ein paar andere Kapazitäten gebraucht um rechtzeitig fertig gestellt zu werden, offensichtlich hat Lantillian ShipWrights sich entschlossen dir ein besonderes Schiff zu liefern und dem Flagschiff einige Extras hinzuzufügen, von denen das extra Admiralsquartier wohl noch das am wenigsten zeitintensive war, verbesserte Panzerung, verbessertes Energiesystem, verbesserte Kommandofunktionen, zumindest letzteres ist für ein Flagschiff wohl eine wirklich gute Sache, auch wenn ich natürlich nicht weiß was die Ingenieure da geritten hat, besonders effizient im Bau sind solche Modifikationen ja nicht."

Alessa verdrehte ein wenig die Augen und boxte ihn leicht an die Schulter, es war unwahrscheinlich das die Werft die Modifikationen auf eigene Faust beschlossen hatten, viel wahrscheinlicher war das Jannos selbst sie in Auftrag gegeben hatte, er gehörte der Minderheit der Lantillier an für den Effizienz nicht immer über alles andere ging.
"Jaja schon gut, ich wars, sprechen wir nicht mehr drüber, die Zeremonie zur Schiffsübergabe beginnt gleich und ich denke wir sollten das abgeschlossen haben bis der erste angekündigte Repräsentant für die Beitrittsverhandlungen zur neuen Republik eintrifft, ein Mitglied des provisorischen Rates wird schon bald hier sein und es wäre unhöflich jemanden so Hochgestellten allein im Schloss warten zu lassen während wir hier oben Sektflaschen gegen Schiffe werfen, meinst du nicht?"
Alessa grinste ihn mit leuchtenden Augenan, das Bild von wartenden Diplomaten in einer leeren Halle, während sie hier oben die Sektkorken knallen ließen amüsierte sie.
"Mein Gott Alessa, kannst du nicht wenigstens versuchen etwas älter auszusehen? Ich kenne dich seit 40 Jahren und während ich fröhlich vor mich hin altere habe ich das Gefühl du würdest langsam immer noch jünger werden."
Er seufzte theatralisch, wandte sich aber, bevor Alessa ihm Konter geben konnte, in Richtung der ersten Eintreffenden, zur bald beginnende Zeremonie.


Schloss in der lantillischen Hauptstadt

Die Zeremonie hatte etwas unwirkliches gehabt, warum schleuderte man überhaut eine Sektflasche gegen ein neues Schiff wenn man es in Dienst stellte? Ob irgendjemand in dieser Galaxis sich erinnern konnte woher dieser Brauch stammte? Alessa bezweifelte es.
Ihr neues Schiff hingegen war wunderbar, nicht nur äußerlich, auch im Innern erinnerte es Alessa viel stärker an die alten Venator-Kreuzer, als an die kalten imperialen Sternenzerstörer, es strahlte einen gewissen Charme aus der ihr gefiel und fünfundzwanzig davon hielten jetzt Wache über Lantillies während sie hier unten auf die ersten Gäste der neuen Republik wartete.

Es war keine Frage das sie jetzt lieber die ersten Manöver durchführen würde, Simulationen waren nunmal nicht das gleiche wie wirklich im Schiff zu sitzen und die Besatzungen mussten sich mit den Eigenheiten ihrer neuen Schiffe vertraut machen, statdessen hockte sie hier unten fest um Politik zu machen hinter der sie selber nichteinmal wirklich stand, der Beitritt zur Republik, sie verglich die Republik nicht mit dem Imperium, niemals, die Republik hatte hehre Ziele, das glaubte sie durchaus, trotzdem war sie misstrauisch, ob die Repräsentanten der Republik dieses Misstrauen zerstreuen konnten? Wohl kaum. Aber villeicht konnten sie es weit genug abmildern.
Lantillies war ein nicht unwichtiger Sektor und im Orbit schwebten fünfundzwanzwig Beweise dafür das auch die lantillischen Werften ein großer Gewinn für die neue Republik sein konnten, solange Lantillies also genug Eigenverantwortlichkeit und Einfluss innerhalb dieser neuen Republik zuerkannt wurde war sie bereit dem Ersuchen auf einen Beitritt Lantillies nachzugeben, schon allein weil sie wusste das im Volk eine positive Stimmung zu dieser Sache vorherrschte und diesem Volk fühlte sie sich nuneinmal verpflichtet, egal was sie selber villeicht für gut halten mochte.
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