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--> cf: Byss


"Der Ruf Korribans ist stark, doch es ist der Ruf der Toten.", noch immer hallten diese Worte stumm über die Kommandobrücke der Destructor, die in ihrer Größe sogar noch die sich vor ihnen aufbauenden Dies Irae übertraf. Eigentlich hätten die beiden Zerstörer mehr Truppen als nötig gehabt, um ein ganzes System einzunehmen, doch auf Welten wie Korriban waren konventionelle Denkmuster ein Todesurteil. Wo auch immer die Macht stark war, konnte ein Krieg nicht allein durch militärische Überlegenheit gewonnen werden, denn die Schlachtfelder waren nicht die Wüsten und Steppen, sondern in den Köpfen der Soldaten. Ein Kampf auf geistiger Ebene und wo Sturmtruppen in der Gruppe effizient und gnadenlos operieren konnten, war ein jeder für sich von Furcht zerfressene Mann schwach. Dabei stellte die Furcht nur die erste Stufe auf der Abwärtsspirale des Elends dar: nach der Furcht kam die Panik, das Gefühl der Bedrängung, der Einbildung, welches nach und nach die Hoffnung zerstörte. Und war die Hoffnung erst besiegt, so starb auch jegliches Leben mit ihr. Der Tod konnte ein Erlöser sein, ein Bewahrer vor den Schrecken, die auf alten Welten der Sith, tief im Sand vergraben lagen. Sie hatte die alten Golems einst selbst gespürt, das Wummern ihrer Antriebe, gespeist mit der Energie der dunklen Seite selbst. Traumbilder, verzerrte Visionen der schrecklichen Dark Reaper blieben ihr bis heute erhalten. Und was waren die Sith? Sie waren der Geist in den Maschinen, ihr Öl, ihre Elektrizität, der Zündstoff ihrer Ionentriebwerke.

Vor ihrem inneren Auge konnte sie es beinahe auch auf Korriban sehen, wie sich die uralten Droiden aus ihren Gräbern erhoben, die Reliquien der alten Sith, ihre Wächter und ihre Armee. Der Wahnwitz der dunklen Seite: die Offenbarung des Unbekannten, des Ungesehenen und dennoch ist es in Momenten wie diesen ungemein schwer zu deuten, was man sah. Die Vergangenheit? Oder doch die Zukunft? Möglicherweise auch nur die durch die Macht manifestierten Ängste, nicht mehr und nicht weniger als das Vermächtnis der Dark Reaper, ihr Echo, das, was sie in Reahs Geist hinterließ.
Korriban gewann an Schärfe, zeigte der Inquisitorin durch die Sichtfenster die Konturen von windgepeitschten Schluchten und riesigen Ödländern und obwohl sie wusste, dass sie dort unten nichts lohenswertes erwartete, kam Reah nicht umhin sich einzugestehen, wie der Planet sie lockte, sie förmlich zu sich rief. Es war schwer sich dem Drang zu widersetzen und sich einfach abzuwenden - sofern dies überhaupt noch möglich war. Aus den Augenwinkeln heraus konnte Reah beobachten wie Stratis Kontakt zur Dies Irae aufnahm, sich vermutlich nach den Koordinaten erkundigte, bei denen die 83. feststeckte. Währenddessen streckte Reah ihre Fühler in der Macht aus, Korriban war ein so gewaltiger finsterer Pulsar, ein so mächtiger Schwingungskörper, der es vielleicht selbst aus dieser Entfernung möglich machte, kleine Resonanzen aufzufangen, Unregelmäßigkeiten zu entdecken - zufälliger als Suchdroiden. Was Reah suchte war eine Welle der Verzweiflung, etwas, dass sich nur zu leicht in den Kerkern von Byss fand und im Prinzip war ein Grab nichts anderes, ein Gefängnis. Doch obgleich sich die Inquisitorin der Macht an diesem Ort vollständig hingeben könnte, war es doch schwer Emotionen gezielt herauszufiltern. Das Elend der dunklen Seite schwappte über. Ein gigantischer schwarzer Ozean, gefüllt mit den niederen Emotionen der Besatzung zweier Schlachtschiffe. Reah spürte wie ihr Blick leerer wurde, sich der Kanal in beide Richtungen öffnete und die Echos durch die Macht hindurchströmten. Das war die Macht von Korriban, der Grund warum selbst loyale Soldaten hier den Verstand verloren: sie waren in einem Sumpf gefangen, steckten im Morast der Finsternis fest und wurden von ihm nach und nach korrumpiert. Wie minderwertiges Metall rosteten ihre Ideale und wurden schleichend - ganz unbewusst - durch jene ersetzt, die eher der dunklen Seite zugeordnet wurden.
Reah schloss einen Moment die Augen und öffnete sie langsam. Das Bild war weg. Dafür stand Stratis neben ihr und gab die Koordinaten durch. Die Inquisitorin hörte kaum hin, vielmehr versuchte ihr Verstand sich die jüngste Erkenntnis zurückzuholen, versagte jedoch. Es war, als hätte sich die Dunkelheit nur einen kurzen Moment gelüftet, ihr einen winzigen Lichtblick geschenkt, nur um die tiefschwarze Wolkendecke dann wieder zu schließen.

Reah befand sich auf dem Weg zum Hangar - zur Überraschung der Sturmtruppen allein. Sie hielt an ihrem Glauben fest, der Vorstellung, dass es sich bei Korriban mehr um eine Prüfung des Geistes handelte, als um grobe Kraft. Konnte sie das sicher beurteilen? Nein, dich die Inquisitorin hatte gelernt sich auf ihren Instinkt zu verlassen und je weniger sie auf Korriban waren, desto größer wären die Überlebenschancen aller. Was ihr jedoch in keinster Weise gelang, war die finstere Macht des Planeten einzuschätzen, den Wahnsinn, den Korriban ausstrahlen konnte. Wer konnte schon sagen, dass sich nicht selbst die Sternenzerstörer noch gegenseitig beschießen würden? Ihre Wahrnehmung war getrübt und der gedrillte Soldatenverstand nur zu anfällig für die Indoktrination der dunklen Seite. Doch der vermeintlich sichere Orbit war das Schlachtfeld Stratis', nicht das ihre und ohne mehr Gedanken daran zu verschwenden, begab sich Reah in eine Fähre woraufhin der Pilot die Ionentriebwerke zündete.
In der Atmosphäre konnte sie beinahe spüren, wie kleine, vom starken Wind aufgepeitschte Sandkörner den Lack der Fähre abrieben, während die Antriebe kreischten und sturmartige Böen sie immer wieder aus der Bahn zu werfen drohten, während Reah auf die Koordinaten zuhielt. Mitten in dieser Einöde baute sich ihr Zielort auf: eine Art Funkrelaisstation - immerhin die Erklärung dafür, wie es der Legion überhaupt gelang Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. Die Fähre wurde langsamer und verlor an Höhe, umkreiste den Turm jedoch noch einige Male. Tatsächlich konnte sie aus dem Cockpit heraus erkennen, wie die Soldaten anscheinend eine Art provisorisches Lager errichtet hatten - zumindest waren noch einige von ihnen übrig, obgleich Reah nicht sicher war, in welchem geistigen Zustand sich die Verbliebenen befanden.
Schließlich brachte der Pilot sie sicher nach unten, als sie verhältnismäßig sanft aufsetzten und sich die Tür öffnete. Korriban. Und was sie erkennen konnte war Elend, die Saat von Verzweiflung. Und während einige Soldaten die Köpfe hoben, sich der offenbar kläglichen Verstärkung bewusst wurden, konnte sie spüren wie es noch einige mehr zerbrach, konnte sie sich an ihrem Leid ergötzen und ihrer Verzweiflung nähren. "Oberst Scarian!", erhob sie schließlich die Stimme - es würde sich zeigen ob der Kommandeur noch lebte - und was seine Erklärung für den desolaten Zustand seiner Truppe war. Es wäre gewiss mit ein klein wenig Amüsement verbunden, wie es stets der Fall ist, wenn Soldaten irrationale Geschehnisse versuchen rational zu erklären. Und Korriban war nicht zu erklären, nicht zu begreifen. Es war wie Byss, Prakith, Thule, Dxun oder Dromuund Kaas: ein Friedhof in der Macht, auf dem die Geister verstorbener ein dissoziatives Wunderland erschufen, das sich der Logik und dem normalen Denken vollkommen entzog.
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