#11
Langsam drehte sich Luke ein wenig, bis er Admiral Ackbar mit direktem Blick ansehen konnte. Ackbar war ein Mann des Krieges und nicht der Politik. Er verstand es eine Flotte in die Schlacht zu führen und die Verluste so gering wie möglich zu halten. Er war ein einfacher Mann, doch war er jederzeit bereit alles für die Personen zu tun, die ihm nahe standen und er scheute sich nicht davor dies auch deutlich zu zeigen. Ackbar hatte sich nie hinter einer Maske versteckt, so wie es zum Beispiel Borsk zu tun pflegte. Luke blieben die Abneigung, welche die beiden Männer füreinander hegten, nicht verborgen, aber sie waren auch nicht gerade ein Geheimnis. Luke hatte mitbekommen, dass man hinter vorgehaltener Hand Ackbar für ungeeignet hielt einen Platz hier im Rat zu haben. Dass man ihm seinen Befehl zum Rückzug in der Schlacht von Endor als Schwäche und Fehleinschätzung ankreidete, doch Luke war nicht dieser Meinung. Ackbar hatte in dem Moment nur getan, was jeder gute Admiral tun sollte - Zu Gunsten der eigenen Stärke entscheiden. Niemand hatte zu diesem Zeitpunkt gewusst, ob es gelingen würde den Schutzschild zu deaktivieren. Wäre es ihnen nicht gelungen, dann wäre in dieser Schlacht die Rebellion vernichtet worden. Ein Umstand den viele zu gerne ausblendeten, wenn es darum ging Ackbar etwas vorzuwerfen. Als Admiral durfte man sich nicht von persönlichen Gefühlen leiten lassen und darauf Entscheidungen fällen, so wie es Lando getan hatte. Er hatte auf das Können seines Freunes Han vertraut und auch er selbst hatte sich an diese Hoffnung geklammert. Wäre die Schlacht jedoch anders ausgegangen und Ackbar hätte den Befehl zum Rückzug nicht gegeben, dann hätte man ihm das zum Vorwurf gemacht. Davon war Luke überzeugt. Im Nachhinein betrachtet, war es vollkommen egal, wie Admiral Ackbar sich in diesem Moment auch entschieden hätte, es hätte immer Personen gegeben, die ihm diese Entscheidung zum Vorwurf gemacht hätten.

„Es erfreut mich zu hören, dass sie bereit sind mich bei meinem Vorhaben zu unterstützen“, sprach Luke mit sanfter Stimme und ein mildes Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Doch werde ich diese Hilfe ablehnen.“ Luke pausierte einen kleinen Moment ehe er weitersprach. „Ich weiß nicht wohin mich die Macht führen wird oder was mich dort erwarten wird. Diese Aufhabe ist meine Pflicht, so wie es die Pflicht unserer Truppen ist die Republik zu beschützen. Das Imperium ist noch nicht besiegt.“ Es war nicht ganz die Wahrheit die Luke in diesem Moment gesprochen hatte, so wusste er doch genau wohin ihn sein Weg führen würde. Aber er hatte das Ziel bewusst unbekannt gelassen, denn je weniger Personen davon wussten, desto geringer die Gefahr, dass sein Ziel an Ohren gelangte, an die es nicht gelangen sollte. Sein Vorhaben war einfach zu wichtig um es aufs Spiel zu setzen, wenn auch es bedeutete den Personen, denen man vertraute, nicht ganz ehrlich gegenüber sein zu können. Zusätzlich hatte ein einzelner X-Wing bessere Chancen durch das imperiale Netz zu schlüpfen, als eine Gruppe von Schiffen und Luke war auch nicht gewillt die Verantwortung über so viele Leben zu übernehmen, wenn er nicht wusste was ihn auf Yavin erwarten würde. Ben hatte ihn gewiss nicht umsonst gewarnt.
„Allerding - Nun wenn mich das Militär wirklich unterstützen möchte“, sprach Luke mit ruhiger Stimme und mit noch immer einem milden Lächeln in Ackbars Richtung weiter. „So möchte ich darum bitten mir weiterhin Zugang zu dem X-Wing und seiner R2 Einheit zu gestatten.“ Ein Schiff war für sein Vorhaben von unabdingbarer Notwendigkeit und er wollte ehrlich gesagt auch nicht auf seinen X-Wing oder R2 verzichten. Sie waren in den letzten Jahren ein Team, eine Einheit geworden. Sie hatten so vieles gemeinsam erlebt und auch überlebt und was war für eine Reise schon wichtiger als etwas zu haben auf das man sich verlassen konnte?

Luke war zugegeben ein wenig überrascht, als Borsk Feylya auf die ihm gestellte rhetorische Frage antwortete und doch drehte Luke sich nur langsam zu ihm herum. „Möge die Macht mit ihnen sein Ratsmitglied Fey'lya, dass sie nie in die Lage geraten bei ihrem Wort genommen zu werden“, kam es vollkommen wertfrei über Lukes Lippen. Aber Luke konnte sich schon ausmalen wie eine solche Situation für Borsk ausgehen würde. Er würde sich mit geschickter Wortjonglage aus der Verantwortung ziehen und die Fakten zu seinen Gunsten verdrehen und präsentieren. Er würde genau das tun, was jeder Politiker in einer solchen Situation tat - Andere zum eigenen Selbstschutz opfern. Ja, Luke war überzeugt dass Borsk der letzte in dieser Runde war, der ernsthaft die alleinige Verantwortung für einen Fehlschlag übernehmen würde. Aufmerksam hörte er den weiteren Ausführungen des Bothaners zu und auch wenn er nicht wusste, worum es bei dem Antrag von Cracken ging, so konnte es für seine Gemeinschaft nicht zwingend etwas Gutes bedeuten, wenn jemand wie Fey'lya, der in dieser Sitzung deutlich zu verstehen gegeben hatte, was er von Lukes Gemeinschaft hielt, diesen unterstützte und seine Umsetzung anregte. Er musste, auf welche Art und Weise auch immer, herausfinden worum es bei diesem Antrag ging. Ein weiterer Punkt auf einer nicht enden wollenden Liste.

„Die Streitkräfte der Neuen Republik können auf viele Namen erfahrener und zuverlässiger Leute blicken“, sprach Luke an Fey'lya gewandt und ihm selbst fielen schon auf Anhieb, ohne groß darüber nachzudenken, so einige Namen ein. „Und ich weiß, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun werden, um die Republik zum Sieg zu führen.“ Langsam legte Luke seine Hände vor seinem Körper wieder übereinander. „Wahre Veränderung beginnt an vielen Stellen, nicht nur an einer Einzigen“, kam es mit leicht gesenkter Stimme über die Lippen des Jedi. „So wie ein großer starker Fluss sich nicht nur aus einer einzigen Quelle speist.“ Eine wohl etwas ungewöhnliche Metapher von jemanden, der auf einem Wüstenplaneten groß geworden war, die aber in seinen Augen in diesem Moment durchaus passend war. Entscheidend war nicht, aus welcher Richtung ein Impuls kam oder wie aufgebaut war, sondern entscheidend war, dass er gebündelt mit anderen Impulsen in die selbe Richtung deutete. Ein jeder hatte sein Gebiet, auf dem er gut war und es wäre weniger praktisch, diese Talente zu vergeuden, indem man sich nur eine einseitige Sichtweise gestattete. Allerdings hatte Luke trotz allem seine ganz eigene Sichtweise was die Rolle der Jedi in dieser Angelegenheit anging. Er war sich zwar noch nicht hundertprozentig sicher, aber die Vorstellung, sie zu einem Instrument der Regierung zu machen, regte in ihm einen gewissen Widerstand. Er wusste jetzt schon, dass er früher oder später auch hier eine Entscheidung zu treffen hatte und er hoffte, dass ihm dafür auch ausreichend Zeit bleiben würde.

Langsam lenkt Luke seinen Blick zu Mon Mothma, an deren Seite seine Schwester Leia saß und er nun erneut auch ihren Blick begegnen musste. „Ich bin mir darüber bewusst was auf dem Spiel steht“, sprach er nun direkt an Mon gewandt und meinte damit mehr, als nur die Angelegenheit der vergangenen Nacht. Sie hatten viele Gespräche geführt, fernab ihrer Verpflichtungen und Luke hatte vieles von seiner Schwester erfahren. Er wusste, welchen Symbolwert die Jedi einst in der Galaxie hatten und nun wieder bekommen sollten. Und er wusste, welches Risiko seine Schwester zusammen mit Mon Mothma eingegangen waren, als sie ihn bei seinem Vorhaben unterstützt hatten. Wenn er ein weiteres Mal versagte, so wäre es nicht sein alleiniger Untergang, sondern er würde damit auch den Untergang von jedem besiegeln, der ihn auf seinem Weg begleitet und unterstützt hatte. „Ein solcher Vorfall wird sich kein weiteres Mal wiederholen.“
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#12
Admiral Ackbar wollte gerade seine Stimme erheben, da piepte sein Kommunikator, den er augenblicklich von seinem Gürtel zog. "Verzeihung," brummte er, während er er aufstand, um hinauszugehen. Es war eine Prioritätsmeldung des Kommandos, so dass er darauf reagieren musste. Mit zwei großen entschuldigenden Augen trat er von seinem Platz weg und verschwand durch die bewachte Tür. Bereits im Schritt hörte man sein typische Stimme, wenn er in Aufregung war. "Wie das Imperium...," vernahm man noch, bevor die Tür sich mit einem leisen Zischen schloss. Der Rat blieb mitsamt Luke Skywalker für einen Moment alleine. Ackbar selbst trat nervös vor der Tür auf und ab, schien aufgeregt zu kommunizieren, da sich seine rechte Flosse wild gestikulierend auf und ab bewegte. Nach einem Moment trat Ackbar wieder in den Raum und hatte somit einen Teil von Lukes Erklärung verpasst. Ohne sich zu setzen, trat er hinter Luke, legte diesem seine Flosse auf die Schulter. "Das Imperium hat einen Flüchtlingskonvoi im Kira System zerstört, der zu uns überlaufen wollte. Scheinbar gehen imperiale Splitterverbände gegen zivile Raumbewegungen in Richtung unserer Republik vor. Das Imperium möchte scheinbar niemanden gehen lassen," erklärte Ackbar sichtbar betroffen, da sein Kopf leicht geneigt war. Die Flosse verweilte auf Lukes Schulter. So, als ob er ihn schützen wollte und mit dieser Geste unterstrich Ackbar, dass er stets hinter dem Jedi stehen würde. Auch wenn er nun anderweitig gebunden war. "Es ist nicht sicher zu sagen, ob es einen klaren Befehl gab oder diese Verbände eigenmächtig agiert haben. Die Zentralmacht des Imperiums im Kira System ist ohnehin zusammengebrochen," sprach der erfahrene Admiral weiter und erläuterte damit dem Rat sein spontanes Fehlen. "Ich werde mich nun entfernen, um einen Rettungseinsatz zu koordinieren und weitere Übergriffe auf das Kira System zu unterbinden. Scheinbar steckt mehr dahinter, denn zwei Sternzerstörer bewegen sich über einen Spähposten vorbei in Richtung Kira 2, auch bekannt als Kira Prime." Der Admiral blickte ernst durch die Runde, nickte insbesondere Mon Mothma zu. "Es tut mir leid, dass ich mich nun entfernen muss," entschuldigte sich Ackbar, blickte erbaulich zu Luke herab, klopfte zwei mal der patschigen Flossenhand auf die Schulter, bevor er sich erneut in Richtung Tür entfernte. "Luke, wenn du etwas brauchst, sende mir eine Nachricht," rief Ackbar etwas planlos in die Richtung des Jedi und stellte damit klar, egal, wie es hier ausgehen würde, dass man sich auf seine helfende Flosse verlassen konnte. Denn Ackbar stand zu seinem Wort. Wenn Luke einen Transport benötigte oder Raumkampfunterstützungen, würde Ackbar diese nach einer kurzen Prüfung sofort bereitstellen. Immerhin war es Luke Skywalker, der Held der Rebellion und nicht irgendjemand. Luke verdankten sie alles und Ackbar wollte diesem aufopferndem jungen Mann etwas vergelten. Die Republik wäre ohne ihn niemals möglich gewesen. Das Imperium ging deshalb unter, weil Luke Skywalker mit aller Mut und Kraft eingestanden war. Einem Helden wollte Ackbar nicht in den Rücken fallen. Als alter Militär war Ackbar ein Mann von Ehre, der stets in Kameradschaft und Bruderschaft dachte. Man ließ niemanden fallen und besonders niemanden zurück. Wenn Luke ihn brauchte, wäre er da. So einfach war es für den alten Admiral. Mit einem hektischen Flossenwink verabschiedete sich Ackbar und verschwand im Korridor. Noch immer hielt er den Kommunikator in den Händen, den er sofort wieder aufnahm und weiter mit wichtigen Offizieren kommunizierte. Seine betonte Mon Calamari Stimme drang noch einen Moment in den Raum, bevor sie immer leiser wurde. Leider musste der alte Admiral an vielen Baustellen arbeiten und dieser Krieg verlangte oft zeitgleiche Bearbeitung vieler kleinerer Aufgaben. Er wäre gerne geblieben, konnte es aber nicht, da nun Zivilisten in Gefahr waren. Die Republik musste sie schützen. Um jeden Preis.
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#13
Der Bothaner blieb zurückgelehnt in seinem Stuhl an der Seite von Mon Mothma sitzen, als diese ihm antwortete - zwar nicht ganz in Borsks Sinne, aber doch weit genug, um es akzeptieren zu können, also nicht das Gesicht zu verlieren und somit keine Widerworte geben zu müssen. Er nickte ihr entgegenkommend und zustimmend zu.
„Einverstanden“, ließ er daher verlautbaren, nachdem er nur scheinbar kurz darüber nachgedacht hatte. Im Anschluss ergriff der Jedi-Meister wieder das Wort, dem der Bothaner mit verschränkten Armen zunächst wieder stumm und durchaus aufmerksam zuhörte. Borsks Körpersprache verriet aber auch, dass er keinerlei Interesse daran hatte, den Worten Luke Skywalkers gerade zu widersprechen, der auf sehr zurückgenommene und kontrollierte Art antwortete, vor allem ohne Borsks Stellung mit der Antwort in irgendeiner Art unterminieren zu wollen. Nun mochte auch diese rationale Art durchaus eine Art von Strategie sein, aber im Endeffekt war das für das Ratsmitglied aktuell nicht von Relevanz – die Jedi waren letztlich ein Nebenkriegsschauplatz, der im Vergleich zu Ackbar für ihn aktuell aus politischen Gründen im Prinzip belanglos schien, soweit er nicht Ackbar unterminierte. Wie so häufig tat der Mann dies allerdings bereits selbst, indem er wegen einer belanglosen Angelegenheit das wichtigste Organ der Republik verließ. Eine von Borsks Händen vergrub einen Moment lang sein Gesicht unter Fell und ein sehr leises Knurren war kurzzeitig zu vernehmen, ehe es in ein Ausatmen überging. Als wäre die Anwesenheit des obersten Admirals der Republik für eine solche Situation, wie er sie soeben geschildert hatte, wirklich erforderlich. Ackbar zeigte damit nur erneut, für wie belanglos er das Organ des Rates überhaupt hielt und es bedurfte etwas Mäßigung des Bothaners, dies dem Mann nicht direkt beim Herausgehen an den Kopf zu werfen. Das Verhalten Ackbars war aus Borsks Sicht schlichtweg respektlos. Die erste Gelegenheit wahrnehmend, um den Rat verlassen zu können. Und die Ironie war, Ackbar und Borsk waren sich in einer Sache vermutlich sogar einig: Ackbar gehörte schlichtweg nicht in den Rat. Der Mon Calamari hatte offensichtlich selbst kein Interesse daran und Borsk an dessen Teilnahme ebenfalls nicht. Leider schien Mon Mothma dies aber noch immer anders zu sehen. Noch.

Irgendwann blitzten Fey’lyas Augen wieder hinter der befellten Hand hervor und so hörte er Skywalker wieder weiter zu. Und inmitten der Worte schnappte er schließlich auch wieder einen Happen auf, der ihn besonders interessierte und gerade zu dem abrupten Verlassen Ackbars zu passen schien. Skywalker wollte sein Militärgerät behalten? Das wäre normalerweise ziemlich anmaßend aus Borsks Sicht gewesen, aber in dieser Situation ergab es sogar Sinn, das Ganze wieselhaft auf eine ganz andere Ebene zu ziehen, die weniger mit Skywalkers Ansinnen zu tun hatte. Borsk stieß also gespielt amüsiert etwas Luft zwischen den blanken Zähnen aus, räusperte sich dann, um die Gesprächsführung kurz an sich zu ziehen.
„So wie ich das sehe, wäre in dieser Sache die Anwesenheit des Admirals als Sprecher für das Militär äußerst zuträglich gewesen. Bedauerlich“, entgegnete er fast etwas ironisch, und schüttelte den Kopf. Dann nahm seine Stimme aber bereits binnen eines weiteren Moments wieder einen völlig anderen, weitaus höflicheren und diplomatischen Tonfall an, als er erneut den Adressaten wechselte und mit weitaus weicherer Stimme sprach. Borsks Blick wanderte erwartungsgemäß erneut in Richtung Mon Mothma.
„Ich werde mich mit dem Stabschef unseres Raumjägerkorps unterhalten und diese Sache klären, soweit die Ratsherrin hiergegen nichts einzuwenden hat.“
Erneut schien Borsk damit zu überraschen, anscheinend im Sinne von Skywalker Position zu beziehen. Aber dadurch platzierte sich Borsk selbst für die Aufgabe, die eigentlich Ackbars gewesen wäre und umging damit dessen Position, um ein Problem zu lösen, das Ackbar mit seinem Verlassen nun überhaupt erst eingebrockt hatte – und zeigte subtil mit einem freundlich formulierten und gemeinten Vorschlag an Mothma, wie überflüssig der Mon Calamari im Rat überhaupt war: Borsk, der pragmatische Problemlöser, und Ackbar, der unhöfliche Problemschaffer. Sicherlich war es der cleveren Mothma nicht entgangen, dass Borsk sich seit einiger Zeit zunehmend ans Militär anbiederte, merklich mehr als er dies noch in der Rebellionszeit getan hatte, in der er eigentlich kaum Verbindungen dazu hatte und sich auch nie besonders dafür interessiert zu haben schien. Praktischerweise machte ihn das gerade aber auch zur plausiblen Alternative zu Ackbar, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Bislang schien Ratsherrin Mothma Borsks Engagement für das Militär auch nicht verdächtig gefunden zu haben – vermutlich weil Borsk auch nie einen Grund dafür gegeben hatte. Endor hatte das Denken vieler verändert, gerade auch in der Rebellion. Nicht umsonst waren sie nun schließlich auch keine Rebellion mehr, sondern eine Republik – wenn auch aktuell nur ein provisorischer Rumpfkörper einer Republik. Auch Borsks Sicht hatte sich verändert. Mit dem Niedergang des Imperiums galt es, sich allmählich auch für das in Position zu bringen, woran die Rebellion eigentlich nie so richtig ernsthaft geglaubt hatte: für eine Zeit nach dem Imperium. Was Ackbar nicht verstand, war, dass er unnötig wurde, sobald der Krieg vorüber war. Kriegshelden waren eine nette Sache, aber die Republik hatte keine verbreitete militaristische Kultur und in Friedenszeiten war ein Vollmilitär wie Ackbar daher überflüssig. Schon aus diesem Grund war Borsk vielleicht die Person im Rat, die einen raschen Untergang des Imperiums sogar am meisten fördern wollte, schon aus rein subjektiven Erwägungen.

Der Jedi-Meister fuhr schließlich fort und sprach Borsk auf dessen Worte auch wieder direkt an. Alles in allem hatte der Bothaner aber hieran nichts auszusetzen.
„Wahre Worte, Skywalker“, entgegnete der nur leicht brummige Borsk durchaus entschlossen, der abseits seines Schusses gegen Ackbar und des von ihm so interpretierten Sieges gegen den Mon Calamari nun aber einen generell eher befriedigten Eindruck machte, was sich nicht zuletzt daran zeigte, dass sein ansonsten struppiger werdendes Fell gerade glatt und gleichmäßig lag. Zumindest war Skywalker also kein verblendeter Wahnsinniger geworden – bislang zumindest –, sondern weiterhin ein relativ rational wirkender Mensch, der sich Dingen stellte, erklärte und kein dünnes Fell besaß. So anders er und Borsk dachten, so kam der Bothaner nicht umhin, Skywalkers Auftreten vor dem Rat in gewisser Weise anzuerkennen. Skywalker machte – anders als seine Schwester – nicht den Eindruck, ein politischer Gegenspieler werden zu wollen, was sich aufgrund der Stellung seiner Schwester eigentlich fast zwangsläufig ergeben würde. Borsk würde seine Skepsis dem Mann gegenüber daher aber sicherlich nicht aufgeben, nur weil dieser ein relativ entgegenkommendes Auftreten zeigte (dies wäre eine politische Torheit gewesen, wie sie nur Ackbar begehen würde), doch zumindest konnte man ihm aktuell so weit vertrauen, dass Borsk ihm abnahm, dass er die Bemühungen der Republik trotz des Vorfalls im Sektenhaus nicht bewusst oder unbewusst zu untergraben versuchte. Ob Skywalker das Versprechen, dass sich etwas wie dies nicht wiederholen würde, wirklich einlösen konnte, würde sich zeigen. Zunächst hatte er diese Zusicherung auf Frage Borsk schließlich eher verneint.
„Gut. Wir werden sehen. Und wir alle hoffen, dass Sie damit Recht behalten werden.“
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#14
Mon erlaubte sich ein leichtes Schmunzeln, als der Jedi-Meister seine Bitte an Admiral Ackbar richtete. Viele Piloten hingen sehr an ihrem ‚persönlichen‘ Raumjäger und dem dazu gehörenden Astromech-Droiden. Doch in Skywalkers Fall hatte dies nicht nur mit Sentimentalität zu tun. Der X-Wing erlaubte dem Jedi Mobilität und Privatsphäre, um nicht auf die Fähren und Passagierschiffe angewiesen zu sein, deren Logs sich leicht auf Ungereimtheiten untersuchen ließen. Das Lächeln verschwand jedoch sehr schnell wieder von den Zügen der Ratsvorsitzenden – nicht nur, weil ihr der Gedanke kam, dass man den Raumjäger mit einem Peilsender ausstatten konnte, um die Schritte des Jedi zu verfolgen – als Admiral Ackbars Kommunikator plötzlich zu piepen begann und der Mon Calamari kurzfristig den Raum verließ, um sie entgegenzunehmen. Die Staatschefin wechselte einen Blick mit Leia Organa und eine angespannte Stille trat ein – sei es, weil sich bei einigen Ratsmitgliedern eine üble Vorahnung eingestellt hatte oder weil das unorthodoxe Verhalten des Admirals nicht in der Öffentlichkeit kommentiert werden sollte.

Mon nickte dem Jedi-Meister zu, in einer Mischung aus Hoffnung und Gewissheit. Der Jedi-Meister verkannte die Verantwortung nicht, die er trug. Und er war bereit, sie zu schultern. Die Galaxis konnte ein Zeichen der Hoffnung gebrauchen. Jemanden, der für die Schwachen und das so schwer fassbare Gute einstand. Mehr als Soldaten, Milizionäre, Piloten und Politiker. Eine höhere Macht, die auf ihrer Seite stand und an der man sich aufrichten konnte. Eine Säule und Stütze der Neuen Republik – die nicht ins Wanken geraten durfte. Lee Valens Fall hatte tönerne Füße offenbart. Doch wenn jemand in der Lage sein würde, daraus ein starkes Fundament zu machen, so war es der Mann, der vor ihnen stand. Nicht wegen der ‚Legenden‘ um Luke Skywalker, die ihm vorauseilten. Mon hatte gesehen, wozu er imstande war und welches Herz in seiner Brust schlug. Er würde alles daran setzen, sein Wort zu halten. Und wenn er doch scheiterte, so hatten sie ihr bestmöglichstes getan.

Ackbar kehrte in den Ratssaal zurück und verbreitete eine Schreckensnachricht, auch wenn sie zu Mons Erleichterung nicht die Ausmaße hatte, die sie befürchtet hatte. Der Herzschlag der Chandrilanerin beruhigte sich wieder. Es war noch nicht lange her, da hatten sie in dieser Ratskammer über eine neue Schreckenswaffe des Imperiums gesprochen. Die Zerstörung eines Flüchtlingskonvois, so bedrückend sie auch war, war angesichts dieser Bedrohung beinahe schon eine alltägliche Grausamkeit ihres Kriegsgegners. Dieser Krieg muss ein Ende nehmen. Eine Galaxis kann nur so viel Schrecken vertragen. Auch wenn die Republik damals schon durch Korruption und Gleichmütigkeit im Untergang begriffen war, sehnte sich Mon in manchen Momenten in ihre Zeit als Senatorin zurück. Seit der Schlacht von Geonosis vor so vielen Jahren schien es nur noch Krieg zu geben, auch wenn er in manchen Jahren im Verborgenen stattgefunden hatte. Kinder waren auf die Welt gekommen und gestorben, die nichts anderes gekannt hatten. Es war ihre Aufgabe, die Galaxis als einen besseren Ort zu hinterlassen. Doch wie lange konnten sie in diesem ständigen Hin und Her noch ausharren, bis es weitere Fälle wie Lee Valen geben würde?

Der Mon Calamari bewies sich auch weiterhin als unkonventionelles Ratsmitglied und verließ die Sitzung, um sich sogleich um militärische Angelegenheiten zu kümmern. Mon runzelte die Stirn zu diesem Verhalten, doch Ackbar war ein Mann der Tat und hatte noch nie viel für ausschweifende Reden und die Feinheiten der Politik übrig gehabt, auch wenn er einen ausgeprägten Intellekt besaß. „Es scheint, als würden wir die Sitzung ohne den Admiral fortführen“, sagte die Staatschefin in deutlich neutralerem Tonfall als Borsk und nickte diesem bestätigend zu, als dieser kurz das Wort an sie richtete. Der Bothaner machte einen entspannteren Eindruck als noch zu Beginn der Sitzung, auch wenn er seine Vorbehalte gegen Luke Skywalker nicht ganz beiseitelegen konnte. Nichts anderes hatte Mon erwartet. „Ich denke, damit haben wir in dieser Angelegenheit alle Punkte angesprochen, die uns bereits vorliegen. Zusätzliche Ermittlungen mögen neue Erkenntnisse bringen“, bezog sie den Bothaner mit ein und ließ danach den Blick auch in die andere Richtung schweifen, „doch weitere Beschlüsse zu dieser Angelegenheit werden wir vertagen müssen. Ich danke Euch für Euer Kommen, Meister Jedi“, verabschiedete sie sich mit einem Nicken von Luke Skywalker und auf eine mundane Geste hin wurde hinter ihm die Tür wieder geöffnet. Möge die Macht mit uns sein.
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#15
Es waren keine guten Nachrichten gewesen, mit denen Ackbar zurückgekehrt war und doch waren es seltsam vertraute Nachrichten. Der Krieg galt für viele für gewonnen. Für viele war der Krieg vorbei, doch er war es nicht und er würde es wohl noch für lange Zeit nicht sein. Man hatte Imperator Palpatine vernichtet, dem Imperium großen Schaden zugefügt und es geschwächt, aber besiegt? Nein besiegt hatte man das Imperium noch lange nicht und das bewiesen sie der Neuen Republik immer und immer wieder aufs Neue. Für einen kurzen Moment keimte in Lukes Verstand die Frage auf, ob die Galaxis überhaupt jemals in der Lage sein würde Frieden zu finden. Vielleicht war Frieden für diese Galaxis einfach keine erstrebenswerte Option. Vielleicht funktionierte Frieden nur im Kleinen, nicht aber für alle Wesen dieser Galaxis. Vielleicht fochten sie einen Kampf, der nicht gefochten werden wollte und das woran sie glaubten, war einfach nur eine Utopie und würde niemals Realität werden.

Nein, jetzt war nicht der Moment an dem er derartige Gedanken haben sollte, so waren sie doch eher kontraproduktiv für das was vor ihm lag. Mit einem leichten Kopfnicken verabschiedete sich Luke von den Ratsmitglieder, legte seine Hände unter den langen und weiten Ärmel seiner Robe übereinander und verließ das Ratsgebäude. Sonnenlicht empfing ihn und verriet ihm, wie viel Zeit vergangen sein musste, seit er das Gebäude betreten hatte. Seine Gedanken waren unruhig und wanderten zwischen dem, was innerhalb dieser Gemäuer passiert war und dem, was Ben von ihm erwartete, hin und her. Er wählte nicht den direkten Weg zum Praxeum, so fühlte er sich noch nicht bereit den Personen dort gegenüber zu treten. Nicht solange seine eigenen Gedanken so unruhig umherwanderten. Vor dem Rat war es nicht so gelaufen wie er sich gewünscht hätte, aber auch nicht so schlimm wie er befürchtet hatte. Ja, er konnte die Bedenken verstehen die der Rat hatte. Er konnte ihre Befürchtungen verstehen, so teilte er sie doch in Ansätzen mit ihnen und er konnte ihr Misstrauen verstehen. Die Vergangenheit hatte bewiesen, dass diese Gefahr jederzeit bestand und die aktuellen Ereignisse hatten gezeigt, dass sie auch immer Bestand haben würde. Doch was hatte der Rat von ihm erwartet? Dass er in kürzester Zeit einsatzfähige Jedi hervorbrachte? Perfekte Abbilder seiner selbst? So funktionierte die Macht nicht, aber es war müßig es ihnen zu erklären. Aber wenn ein Jedi die Macht schon nicht in seiner Gänze begreifen konnte, wie sollte man von einem nicht-machtsensitiven Wesen erwarten, dass er sie verstand. Den Weg, für den er sich entschieden hatte, teils aus einer Notwendigkeit heraus, war ein steiniger Weg und nun befanden sich noch mehr Hindernisse auf ihm, welche überwunden werden mussten. Die Entscheidung des Rats hatte ihm vor Augen geführt, dass er keine andere Wahl hatte, als zu tun wozu Ben ihn aufgefordert hatte. Womöglich war es die einzige Chance die er hatte und die seine Schüler hatten. Er hatte den Rat über sein Vorhaben im Unklaren gelassen. Bewusst. Es stand zu viel auf dem Spiel, als das er dieses Risiko hätte eingehen können. Es war nicht so, dass er dem Rat in seiner Vollständigkeit misstraute, doch konnte er auch nicht behaupten, dass er sein vollstes Vertrauen genoss. Es schwang zu viel Ungesagtes in der Luft, Gedanken und Gefühle, zu unterschiedlich um sie auf einen gemeinsamen Nenner bringen zu können und doch konkret genug um wachsam zu bleiben.

Es war sein Name, der durch die Luft zu ihm getragen wurde und seinen Schritten Einhalt geboten, so war es nicht schwer gewesen diese Stimme einer Person zu zuordnen.
„Han“, begrüßte Luke den corellianischen Schmuggler erfreut, mit dem ihn so viele Abenteuer verbanden. Vieles hatten sie gemeinsam nicht nur erlebt, sondern auch überlebt und für Luke gehörte er einfach zur Familie und vielleicht sogar bald ganz offiziell.
„Ich hab natürlich nur von anderen gehört was da drin besprochen wurde“, fing Han vollkommen direkt und mit einem verschmitzten Grinsen an, was eigentlich schon verriet, dass er es mit seinen eigenen Ohren gehört hatte, obwohl er gar nicht hatte anwesend sein dürfen. Aber er fand immer irgendwie einen Weg. „Und ich wollte dir sagen das – Es ist nicht in Ordnung was sie dir vorgeworfen haben. Es ist nicht deine Schuld.“ Nein, er fand es überhaupt nicht in Ordnung was man Luke alles vorgeworfen hatte und wie man ihn hingestellt hatte. Am liebsten wäre er ja selbst vor den Rat getreten und hätte ihnen die Meinung gesagt, wenn ihm nicht klar gewesen wäre, dass es Luke mehr geschadet, als geholfen hätte.
Leicht senkte Luke seinen Kopf, ehe er ihn wieder anhob und seinen Freund ansah.
„Es ist meine Schuld“, sprach er mit ruhiger Stimme, frei von jeglichem Urteil. „Es war Lee gewesen, einst einer meiner Schüler, der den Vizeadmiral befreit, die Soldaten und die Schüler getötet hat.“
„Ja es war Lee und ja er war dein Schüler, aber die haben es so hingestellt, als wärst du es selbst gewesen“, meinte Han durchaus ein wenig aufgebracht. „Ich meine, was haben die denn auch erwartet? Du sollst ihnen Jedi für ihren Krieg liefern und zugleich jagen sie dich durch die Galaxis als wärst du ihr Eigentum. Ständig warst du unterwegs um ihre Probleme zu lösen und das musste ja irgendwann einmal schief gehen.“
„Das solltest du gegenüber Leia vielleicht besser nicht so sagen“, entgegnete Luke, auf dessen Lippen sich ein leichtes Lächeln widerspiegelte. Han war ein einfacher Mann, der mit Politik und Diplomatie noch nie groß zu tun hatte und der damit auch nicht viel zu tun haben wollte. Er wusste selbst, dass er dafür nicht geeignet war, so waren seine Worte dafür doch meist viel zu direkt. Aber genau diese Direktheit war es die Luke an ihm schätzte. Han war ein ehrlicher Mann, wenn auch ein Schlitzohr, aber genau diese Eigenschaft hatte ihnen schon viele Male geholfen.
„Hatte ich auch nicht vor.“ Ein breites Grinsen lag auf dem Gesicht des ehemaligen Schmugglers. „Aber das ändert nichts daran, dass es ungerecht ist dich jetzt für das was passiert ist büßen zu lassen. Immerhin haben sie doch das Problem selbst mitverursacht und wollen sich jetzt vor ihrer Verantwortung drücken.“ Für Han lag diese Sache eben klar auf der Hand. Er kannte Luke und er wusste wie ungern er das Praxeum gegründet hatte und wie unsicher er sich in allem gewesen war. Hätte man ihm vertraut und ihn sich um diese Schüler kümmern lassen, so wie er es erbeten hatte, dann wäre das alles vermutlich nicht passiert. Aber man hatte ihm seine Bitte zwar gewährt, aber doch auch wieder nicht. Ständig hatte man ihn dazu aufgefordert an Gesprächen teilzunehmen, Konflikte zu lösen, Diplomat und Botschafter zu spielen, so dass ihm nie genug Zeit geblieben war, sich richtig um seine Schüler zu kümmern. Luke war einfach zu gutmütig in Hans Augen und er hätte mal lieber auf den Tisch gehauen anstatt sofort zu springen, wenn der Rat seinen Namen nur erwähnte. Aber jetzt war das Kind schon in den Brunnen gefallen und daher brachte es auch nicht mehr viel sich darüber einen Kopf zu zerbrechen, was man hätte anders machen können. Dafür war es nun leider eindeutig zu spät.

„Was hast du jetzt vor?“, fragte Han ruhig und doch auch neugierig, denn er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Luke noch keine Pläne hatte. Er hatte doch immer einen Plan. Nicht immer einen sinnvollen, aber zumindest einen Plan.
„Ich-“, wollte Luke gerade zu einer Antwort ansetzen, als er erneut seinen Namen vernahm. Sein Blick glitt in die Richtung aus der er gerufen worden war und fiel auf die junge Frau, welche über den hellen Kiesweg auf sie zugeeilt kam. Der helle und weiche Stoff der Ratsrobe umspielte ihre zierliche Gestalt und auch wenn sie vieles gesehen und erlebt hatte, so war sie noch immer so schön wie an dem Tag, an dem er sie in der Holoübertragung gesehen hatte. Luke brauchte die Macht nicht um zu spüren, dass seine Schwester aufgebracht war, so benötigte es hier lediglich ein Paar wachsame Augen. Immerhin kannte er sie nun lange genug um ihre Mimik und Körperhaltung auch ohne die Macht deuten zu können.
„Luke, du wirst mir jetzt sofort sagen was du vorhast“, sprach Leia mit fester Stimme und stemmte beide Hände in die Hüfte. Ein Anblick der weniger zu dem Ratsmitglied passen wollte, das sie nun war, sondern mehr zu dem Rebellenmitglied von damals. Dennoch sorgten ihre direkten Worte dafür, dass sich Lukes Augenbrauen nach oben bewegten und damit seinen überraschten Gesichtsausdruck unterstrichen. Han jedoch hatte sich weniger auffällig beiseite gedreht,um sein Grinsen zu verbergen, doch nicht schnell genug. Ein Verhalten, über welches Leia mit einem scharfen Blick urteilte. Doch bevor einer der beiden Männer etwas sagen konnte, richtete sie weitere Worte an Luke. „Was du dem Rat erzählt hast, von wegen du hättest in der Macht etwas gesehen, dem du nachgehen musst, aber nicht weißt wohin es dich führen wird. Du hast gelogen Luke. Ich bin zwar nicht so tief bewandert in der Macht wie du es bist, aber es hat gereicht um die Lüge zu durchschauen. Es war Ben der dich aufgesucht hat nicht wahr? Was hat er dir gesagt und was hast du nun vor?“
Ein wenig hatte Han das Gefühl Luke in Schutz nehmen zu müssen, aber er wusste natürlich auch, dass das gerade kein guter Zeitpunkt war und Leia ihm das gewiss nicht zu seinen Gunsten anrechnen würde. Er erinnerte sich noch gut an die Diskussion vor ein paar Monaten wo sie ihm vorgeworfen hatte, er würde Lukes verrückte Pläne unterstützen, anstatt sie ihm auszureden, so wie es sich gehört hätte. Nein, diese Sache musste Luke alleine mit seiner Schwester ausmachen.
„Leia”, antworte Luke leise und doch klang seine Stimme eindringlich und gefestigt. Ruhig nahm er ihre Hände zwischen seine und hielt sie dort vorsichtig fest. „Ich weiß, dass du dir Sorgen machst, aber ich würde dir nicht die Wahrheit sagen, wenn ich jetzt sagte, dass deine Sorgen unbegründet sind.“ Er wollte seine Schwester nicht anlügen, nur damit sie aufhörte sich Sorgen zu machen, aber die Wahrheit war es auch nicht, die er ihr sagen konnte. Luke konnte sehen, dass seine Schwester dazu ansetzte etwas zu sagen, doch es bei diesem Vorhaben vorerst beließ. „Ich weiß, dass dieser Zeitpunkt für meine Entscheidung nicht unpassender sein könnte, aber was ich vorhabe zu tun ist vielleicht die letzte Chance die meine Schüler haben. Ich kann sie nicht ungenutzt an mir vorbeiziehen lassen und auch wenn ich weiß, dass ich in dieser schwierigen Stunde um Großes bitte, so musst du mir nun einfach vertrauen.“
„Ja aber warum sagst du mir nicht einfach wohin du willst?“, war es die fragende Stimme seiner Schwester die er hörte und die es ihm nicht gerade leichter machte alles vor ihr geheim zu halten.
„Weil ich es dir nicht sagen kann.“
Luke atmete tief ein und wieder aus. Dieses Wissen, seine Schwester über sein Vorhaben im Unklaren zu lassen, wog schwer auf seinen Schultern, aber es war die einzige Möglichkeit, um sie vor Schaden zu bewahren.
„Ich weiß nicht, was mich dort erwarten wird und ich weiß nicht, welche Konsequenzen es mit sich bringen wird“, sprach Luke weiter, noch immer die zierlichen Hände seiner Schwester zwischen seinen haltend. „Du sollst jedoch nicht in die Situation gelangen, in dem man dir zum Vorwurf machen kann, über mein Ziel Kenntnis gehabt zu haben. Du sollst nicht Gefahr laufen, dass es dir zum Nachteil gemacht werden kann.“ Wohin er vorhatte zu gehen lag nicht im Einflussgebiet der Neuen Republik, aber auch nicht im Einflussgebiet des Imperiums. Es lag im Einflussgebiet einer Fraktion die sich bisher ihnen gegenüber neutral verhalten hatte. Eine brüchige und instabile Neutralität und er konnte nicht ausschließen, dass sein Vorhaben zu dem Faktor werden könnte, der diese Neutralität zerstörte. Wenn es so kommen sollte, dann sollte seine Schwester reinen Gewissens sagen können nichts darüber gewusst zu haben. Über sein Vorhaben nicht informiert gewesen zu sein. Nur auf diese Weise konnte er verhindern, dass sie unter politischen Druck innerhalb der eigenen Reihen geriet.
„Luke“, war es nun Leia, die mit eindringlicher Stimme sprach und ihrem Bruder ihre Hände entzog. Es war ja eine Sache, dass er es ihr nicht sagen konnte, was sie zumindest noch hätte akzeptieren können. Schwer, aber es wäre nicht unmöglich gewesen. Aber die Begründung die er ihr für sein Schweigen geliefert hatte, waren nicht gerade die Sorte von Begründungen, die zu beruhigen vermochten. „Du musst mir-“

„Rätin Organa! Rätin Organa!“, fiel eine blecherne Stimme der jungen Frau ins Wort, die allen Anwesenden nur zu vertraut war. Ihr aller Blick glitt den Kiesweg entlang, auf dem ein goldener Protokolldroide auf sie zugestakst kam und mit beiden Armen in der Luft herum wedelte.
„Rätin Organa“, sprach der Droide weiter, den Blick auf Leia gerichtet, ehe sich sein Kopf plötzlich zu Luke drehte. „Oh Master Luke. Ich möchte ihnen mein aufrichtiges Bedauern aussprechen für das, was in ihrem Praxeum passiert ist. Ein wirklich tragischer Vorfall“, wandte sich der Droide unerwartet an Luke, ganz so, als wäre das der eigentliche Grund für sein Erscheinen. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie schwer es für sie sein muss, dass ausgerechnet ihr erster Schüler für diesen Vorfall verantwortlich ist. Meinen Berechnungen zu Folge-“
„Halt die Klappe 3PO“, fiel ihm Han genervt mitten ins Wort, denn Beileidsbekundungen von einem Droiden war ja wohl jetzt das Letzte was hier jemand gebrauchen konnte.
„Oh Verzeihung … Ich“, meinte 3PO, der durch diesen Einwurf sichtlich aus dem Konzept gebracht worden war. Immer wieder drehte er seinen Kopf von einer Richtung in die andere und seine Arme hoben und senkten sich, wie als wolle er etwas sagen, hatte aber vergessen was es jetzt gewesen war.
„Was wolltest du von mir?“, wandte sich nun Leia mit ihrer Fragen an den Protokolldroiden, der sie schon auf so vielen Missionen begleitet hatte. Er konnte zwar durchaus die Nerven aller strapazieren, aber gelegentlich war er auch ganz nützlich und irgendwie gehörte er auch einfach zu ihnen.
„Oh das … Also man hat mich beauftragt ihnen mitzuteilen, dass man eine Einigung erreicht hätte und - Ohjemine.“ Wieder bewegte sich der Kopf des Droiden unruhig von einer Seite auf die anderen.
„Was ist 3PO?“
„Ich erinnere mich, dass man mich darum gebeten hat, sie darauf hinzuweisen, dass wenn sie nicht rechtzeitig zurück sind, die Abstimmung ohne ihre Anwesenheit durchgeführt wird.“
„Und das fällt dir erst jetzt ein?!“
Mit großen Augen sah Leia den goldenen Droiden an und wandte sich ruckartig in Richtung des Gebäudes, in welcher der provisorische Rat eine Heimat gefunden hatte. Diese Abstimmung war für sie persönlich wichtig und sie durfte nicht in ihrer Abwesenheit durchgeführt werden, so würde ihre Stimme doch einen nicht zu verachteten Einfluss auf andere Stimmen haben. Sie musste unbedingt sofort zurück. Sie hatte gerade einen Fuß vor den anderen gesetzt, als sie in ihrer Bewegung inne hielt und ihren Oberkörper zu Luke drehte.
„Glaube nicht, dass wir schon miteinander fertig sind“, sagte sie mit ernster Stimme, ehe sie ihre Aufmerksamkeit Han zukommen ließ. „Und du!“, meinte sie und drückte Han den Zeigefinger gegen die Brust. „Du wirst ihn von Dummheiten abhalten! Verstanden?!“
„Laut und deutlich“, antwortete Han mit einem charmanten Lächeln und blendete den ernsten Blick von Leia einfach aus. Sie war ja auf Luke nicht gut zu sprechen und nicht auf ihn. Er hatte ja nichts getan und selbst wenn konnte sie so oder so nie lange auf ihn wütend sein. Nun, konnte sie doch, aber er war trotzdem davon überzeugt, dass sie es nicht sein konnte.
Mit einem Schnauben kommentierte Leia seine Antwort und kehrte dann eiligen Schrittes zurück zum Gebäude, so dass 3PO alle Mühe hatte ihr zu folgen.

„Kleiner, wie machst du das, dass sie bei dir immer so … so beherrscht ist?“, fragte Han, kaum war er sich sicher, dass Leia außer Hörweite war. „Ist das irgendwie so ein Jeditrick oder so?“ Wenn er nämlich mit ihr diskutierte, dann ging das nie so ruhig zu und wenn er es auch noch wagen würde, ihr etwas zu verheimlichen, dann würde sich selbst die überschwängliche Umarmung eines Wookies noch angenehmer anfühlen.
„Das liegt wohl daran, dass ich schon immer den besseren Draht zu ihr hatte“, antwortete Luke mit dem selben unschuldigen Grinsen, des Farmerjungens von Tatooine.
„Übertreib es nicht“, warnte Han mit gespielt ernster Stimme und drohte Luke mit dem Zeigefinger. Für einen kurzen Moment schien die Bürde ihrer Pflichten und die vergangenen Ereignisse vergessen zu sein. Han warf einen Blick in die Richtung in die Leia verschwunden war und sah dann wieder Luke an. „So, du hast es ihr nicht sagen können, aber mir wirst du es jetzt sagen.“
Erneut verließ ein schweres Seufzen Lukes Lippen.
„Ich kann es dir aus den selben Gründen nicht sagen, wie ich es ihr nicht sagen konnte“, entgegnete Luke mit ruhiger Stimme. „So würde es auch dich in einen Interessenkonflikt bringen.“
„Mach dir mal über meinen Konflikt keine Gedanken“, konterte Han und ein kurzes Funkeln trat in seine Augen. „Stattdessen solltest du dir lieber Gedanken darüber machen, ob du wirklich willst, dass ein Wookie die Antwort aus dir rausholt. Weil wenn du sie mir freiwillig nicht gibst, dann werde ich Chewie schon irgendwie dazu bringen sie aus dir rauszuholen.“
Luke sah Han an und senkte dann nicht nur seinen Blick, sondern auch seinen Kopf. Es war nicht so einfach wie Han es darstellte. Dennoch griff er mit der Macht hinaus und horchte in ihre Umgebung, doch fand er nichts was Rückschlüsse darauf zuließ, dass jemand sie belauschte.
„Ich muss nach Yavin 4 fliegen“, sprach er mit gesenkter und schwerer Stimme. Vielleicht war es ein Fehler Han davon zu erzählen aber auf eine gewisse Art hatte es etwas erleichterndes an sich ihm diese Informationen anzuvertrauen.
„Yavin 4? Du willst zurück nach Yavin 4? Ich dachte wir alle konnten nicht früh genug von diesem Planet runter?“
„Alle? Eigentlich warst es nur du gewesen.“
„He! Du weißt ganz genau warum ich das musste! Aber warum willst du jetzt wieder zurück? Auf dem Planeten ist doch nichts außer einem Haufen alter Ruinen“, fragte Han, denn er hatte eben seine Probleme sich vorzustellen was Luke auf einem Planeten finden wollte, auf dem sie schon einmal waren und das nicht gerade kurz. Wenn es da etwas geben sollte, dann hätte man es doch damals mit Sicherheit gefunden.
„Ben erzählte mir, dass sich dort die verlorene Stadt der Jedi befindet und diese muss ich finden“, erzählte Luke und ließ dabei seinen Blick für einen Moment in die Ferne schweifen. Es war nicht viel was Ben ihm hatte erzählen können, aber er glaubte Ben, so hatte er ihm doch schon immer auf seine Art geholfen.
„Mal angenommen du schaffst es bis nach Yavin 4 ohne dass man dich entdeckt und das wird schon nicht leicht sein“, fing Han laut zu überlegen an. „Der Typ ist zwar nicht unser Feind, aber unser Freund ist er auch nicht gerade, aber wo willst du anfangen? Du alleine wirst ja wohl kaum den ganzen Planeten absuchen können, außer natürlich du willst erst in einem halben Jahr wieder auftauchen, was wohl viel zu spät wäre und – Was suchst du dort eigentlich genau?“
Han hatte, ohne es vermutlich zu wissen, genau den Punkt angesprochen, der auch Luke ein wenig Sorgen bereitete. Yavin 4 lag nicht im republikanischen Raum, wenn auch nicht im imperialen Raum, aber in einem Raum eines Kriegsherren, der zum aktuellen Zeitpunkt schwer einzuschätzen war. Wenn man ihn dort entdeckte, könnte es unkalkulierbare politische Konsequenzen nach sich ziehen. Es gab schon genug Brandherde in der Galaxis die gelöscht werden musste, da brauchte es keinen weiteren. Aber alleine nach Yavin 4 zu fliegen könnte die Suche in der Tat länger werden lassen, als er sich erlauben konnte, aber mehr Personen würde ein höheres Risiko entdeckt zu werden bedeuten. Es war eben alles nicht ganz so einfach und so gesehen wusste Luke auch noch gar nicht genau wie er es umsetzen sollte, sondern nur, dass er es tun musste.
„Aufzeichnungen … Unterlagen … Irgendetwas das mir weiter helfen kann“, antwortete Luke und wenn man ihn kannte konnte man die leise Verzweiflung in seiner Stimme mitschwingen hören. „So etwas soll nicht noch einmal passieren und es ist die einzige Möglichkeit es zu verhindern. Ich lehre ihnen das, was ich weiß, aber niemand kann sagen, ob es das Richtige ist. Es ist eine einseitige Ausbildung, doch einseitig sollte ein Jedi nicht ausgebildet werden. Die Macht … Es sind so viele Aspekte und ich weiß so wenig … Wenn ich-“ Luke brach seinen Satz ab und atmete schwer aus. Die Verantwortung lastete schwer auf ihm und das was geschehen war ließ diese Last nicht leichter werden. Wenn er auf Yavin tatsächlich die verlorene Stadt finden sollte von der ihm Ben erzählt hatte und sich dort wirklich Aufzeichnungen befanden, dann hatte er endlich das, was er für eine stabile Ausbildung benötigte. Es würde nicht nur eine Hilfe für seine Schüler sein, sondern auch für ihn selbst.

„Kleiner“, kam es mit ruhiger Stimme von Han, der Luke die Hand auf die rechte Schulter legte. „Du musst nach Yavin? Also fliegen wir nach Yavin.“
Luke hob seinen Kopf und sah Han mit fragendem Blick an.
„Ja du hast schon richtig verstanden“, lachte Han und nahm seine Hand wieder von Lukes Schulter. „Oder glaubst du ernsthaft Chewie und ich lassen dich da alleine hinfliegen? Du bringst dich doch sonst nur wieder in Schwierigkeiten wenn wir nicht dabei sind.“
„Und was ist mit Leia?“
„Das lass mal meine Sorge sein“, meinte Han, zuversichtlich die Angelegenheit klären zu können. „Kümmere du dich jetzt einfach um deinen Kram und überlasse alles andere mir. Ich bekomme das schon hin.“
Ein schwaches Lächeln zeichnete sich auf Lukes Lippen ab, so konnte er sich schon beinahe ausmalen wie die Sache für Han enden würde, aber es war trotz allem ein beruhigendes Gefühl diese Reise nicht alleine antreten zu müssen.
„Du weißt, dass ich verstehe wenn-“, begann Luke zu sprechen, ehe ihm Han mit einer Handbewegung das Wort abschnitt.
„Ich weiß … Ich weiß“, meint Han, der sich schon denken konnte was Luke vorgehabt hatte zu sagen. Aber das war nicht notwendig. Wenn er sagte, dass er das hinbekam, dann bekam er das hin. Er hatte Luke gesagt, dass er ihn begleiten würde, also stand er zu seinem Wort. Er stand immer zu seinem Wort. „Und jetzt geh und kümmere dich um deinen Kram. Gib mir einfach Bescheid wenn du Aufbruch bereit bist.“
„Danke“, kam es leise über Lukes Lippen, nachdem er mit dem Kopf genickt hatte.
„Jetzt hau schon ab“, lachte Han, der einfach nicht wollte, dass Luke sich bei ihm deswegen bedankte. Außerdem war es für ein Danke in seinen Augen noch etwas zu früh. Bedanken konnte er sich, wenn sie wieder heil zurück waren und nicht für noch größere Probleme gesorgt hatten. Für einen kurzen Moment sah er Lukes Gestalt noch nach, die nachdenklich den Kiesweg entlang schritt, ehe er sich umwandte und in die andere Richtung ging. Immerhin musste er sich noch einen Plan überlegen oder zumindest hatte er vor sich dieses Mal einen zu überlegen.
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